Cortisol

Cortisol oder auch Kortisol ist ein Hormon, welches dazu in der Lage ist, in unserem Körper katabole Stoffwechselvorgängen zu aktivieren. Durch diese Vorgänge können dem menschlichen Organismus wichtige energiereiche Verbindungen zur Verfügung gestellt werden.

Cortisol wird meist eingesetzt, um Entzündungen zu hemmen oder auch um überschießende Reaktionen des Körpers zu unterdrücken. Umgangssprachlich wird das Cortisol häufig auch als das „Stresshormon“ bezeichnet.

CortisolWas ist Cortisol?

Das Hormon Cortisol wird von unserem Körper produziert und ist für den Menschen lebenswichtig.

Gebildet wird das Hormon, dass zu der Gruppe der Glukokortikosteroide gehört, in der Nebennierenrinde. Von dort aus gelangt es dann in das Blut.

Der Stoff übernimmt in unserem Organismus sehr viele verschiedene Funktionen, er ist zum Beispiel dafür zuständig, dass die Ausscheidungsfunktion von unserer Niere einwandfrei funktioniert oder auch dafür, dass unser Kreislauf ohne negativen Einfluss arbeiten kann.

Besonders in Hinblick auf den Energiehaushalt des menschlichen Körpers ist das Cortisol sehr wichtig. Die hauptsächliche Aufgabe des Hormons ist es nämlich, Energie in unserem Körper bereitzustellen oder auch Energie zu speichern.

Gleichzeitig verringert das Hormon in unserem Körper den Energieumsatz.

Diese Verringerung des Energieumsatzes ist besonders dann wichtig, wenn sich der Mensch in einer sehr anstrengenden Situation befindet, das bedeutet, wenn er zum Beispiel unter einem Nahrungsmangel leidet, wenn er starken körperlichen Anstrengung ausgesetzt ist oder auch dann, wenn er mit psychischen Stress zu kämpfen hat.

Aus diesem Grund wird das Hormon umgangssprachlich auch oft als das „Stresshormon“ bezeichnet.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Das Hormon Cortisol wird vor allem dann eingesetzt, wenn folgende Probleme bei einem Patienten vorliegen:

  • als Ersatztherapie bei einem vorliegenden Mangel im Körper
  • bei entzündlichen Hauterkrankungen zum Beispiel bei Ekzemen oder auch bei Schuppenflechte

Allgemeines

Allgemeines
NameCortisol
Andere Namen
  • Cortisol
  • 11β-Hydroxycortison
  • 11β,17,21-Trihydroxypregn-4-en-3,20-dion
SummenformelC21H30O5
Kurzbeschreibungbitter schmeckende, farblose Plättchen

Wirkungsweise

So wirkt Cortisol

Das Hormon Cortisol kann in unserem Körper auf verschiedene Weisen wirken.

Zum einen ist das Hormon dazu in der Lage, den Blutzuckerspiegel in unserem Körper zu erhöhen. Dies geschieht, in dem das Cortisol die katabolen Stoffwechselvorgängen in unserem Körper aktiviert und unserem Körper durch diese Vorgänge Glucose in eine ausreichenden Menge zur Verfügung stellt.

Auch bei anderen Vorgängen des Stoffwechsels spielt das Hormon eine Rolle, zum Beispiel dann, wenn Knochen gebildet werden oder auch beim Stoffwechsel des Fettgewebes oder beim Eiweißstoffwechsel.

Auch wenn der menschlichen Organismus einen Mangel an funktionstüchtigem Gewebe Nierenrinde vorweist kann das Hormon helfen, da seine Wirkung ähnlich wie die von Aldosteron ist.

Zu guter Letzt ist die Wirkung von Cortisol auf immunologischen Prozesse des Körpers zu nennen. So wird durch das Hormon beispielsweise die Produktion und auch die Verteilung von Erythroyten, Leukozyten und auch Thrombozyten beeinflusst.

Durch seine immunsuppressive Eigenschaft wird das Hormon in der Mediziner außerdem häufig dann eingesetzt, wenn im Körper Entzündungsreaktionen entstehen und diese eingedämmt werden müssen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Cortisol

Das Hormon Cortisol entsteht aus dem Stoff Cholesterin und wird in der Nebennierenrinde gebildet.

Das Hormon entsteht, indem in den Mitochondrien von der Nebennierenrinde eine Synthese von dem Stoff Pregnenolon stattfindet. Wenn das Cortisol gebildet wurde gelangt es über die Nebennierenrinde in das Blut.

Wenn das Hormon im Körper nicht mehr gebraucht wird wird es dann von der Leber abgebaut und über die Nieren in dem Urin aus dem Körper ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Cortisol eingesetzt?

Aufgrund von seiner entzündungshemmenden Wirkung wird das Hormon Cortisol vor allem dann eingesetzt, wenn Entzündungen auf der Haut des Körpers auftreten.

In diesem Fall wird das Hormon meist als Hydrocortison in Form von einer Salbe genutzt. Diese Salbe kann zum Beispiel dann helfen, wenn Ekzeme auf der Haut auftreten oder auch dann, wenn Patienten unter einer Schuppenflechte leiden.

Wenn Probleme mit den Gelenken bestehen und diese entzündet sind kann das Cortisol ebenfalls helfen, hierbei wird es direkt in die entzündeten Gelenke injeziert.

Auch für die Immunsuppression wird das Hormon genutzt. Von einer Immunsuppression spricht man dann, wenn eine immunologische Reaktion unterdrückt werden soll.

Außerdem wird das Cortisol dann eingesetzt, wenn eine Nebennierenrinden-Insuffizienz, also eine Schwäche der Nebennierenrinden besteht oder es wird für eine Hemmtherapie genutzt.


Richtige Anwendung

So wird Cortisol angewendet

Je nachdem welche Wirkung durch das Hormon erzielt werden soll gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie das Cortisol angewendet werden muss.

Sollen Probleme mit der Haut bekämpft werden gibt es Salben, die das Hormon enthalten. Diese Salben müssen äußerlich aufgetragen werden. Bestehen Probleme in den Gelenken kann das Hormon direkt in die betroffenen Stellen gespritzt werden.

Außerdem können Mittel die das Hormon enthalten oral, das heißt über den Mund eingenommen werden, um Probleme im Inneren zu behandeln.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Cortisol?

  • Colifoam Rektalschaum
  • Ebenol 0,25 %/ -0,25 % Mini
  • Fenistil Hydrocort 0,25 %/ -0,5 % Creme
  • Hydrocortison 10 mg JENAPHARM
  • Hydrocortison-Heumann 1 % Creme
  • Hydrocortison Hoechst
  • Systral Hydrocort 0,25 %
  • Soventol Hydrocortisonacetat 0,25 % / -0,5 % Creme

Handelsnamen

Das Hormon Cortisol kann sowohl als Monopräparat, das bedeutet als Präparat, in dem nur ein einziger Wirkstoff enthalten ist , erworben werden, als auch als Kombinationspräparat, das bedeutet als Präparat, in dem zwei oder mehr Wirkstoffe miteinander kombiniert sind.

Im nun folgenden Text geben wir Ihnen eine Auswahl davon, welche Monopräparate und welche Kombinationspräparat es mit Cortisol gibt.

Monopräperate

  • Alfacorton
  • Colifoam
  • Ebenol
  • Ekzemsalbe
  • Sanatison
  • Solu-Cortef
  • Soventol Hydrocort

Kombinationspräperate

  • Baycuten HC
  • Ciproxin HC
  • Cortifluid
  • Daktacort
  • Otosporin
  • Pigmanorm
  • Septomixine

Indikationen

Sollten Probleme mit dem Blutzuckerspiegel bei Ihnen vorliegen ist das Cortisol ein gern genutztes Mittel, um diese Probleme zu bekämpfen. Außerdem ist es sehr effektiv bei der Bewältigung von akutem Stress.

So kann beispielsweise die Ausschüttung von Noradrenalin in Situationen, die von starkem Stress geprägt sind, stimuliert werden, was dem Körper dabei hilft, mit dem Stress besser umzugehen.


Gegenanzeigen

Wann darf Cortisol nicht verwendet werden?

Generell dürfen Menschen in jedem Alter das Hormon Cortisol zu sich nehmen. Wichtig ist dabei natürlich immer die richtige Dosierung.

Ob es auch bei Ihnen sinnvoll oder sogar notwendig ist, das Cortisol dem Körper zusätzlich zugeführt wird muss ein Arzt für Sie individuell entscheiden, nachdem er den Cortisol-Spiegel in Ihrem Blut gemessen hat.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Stress ist in der Schwangerschaft ein sehr großes Thema. Auch das Stresshormon Cortisol kommt bei schwangeren Frauen oft zum Einsatz.

Wenn eine Frau beispielsweise vorzeitig ihre Wehen bekommt wird Cortisol von Ärzten oft gespritzt, damit die Lunge von dem Baby schneller heranreifen kann.

Allerdings sollte mit dem Stresshormon in der Schwangerschaft vorsichtig umgegangen werden. Dabei reicht oft schon eine geringe Menge des Hormons aus, um starke Schäden im Leben der heranwachsenden Kinder zu erzeugen.

Kinder von Schwangeren, die zum Beispiel an zwei Tagen das Stresshormone gespritzt bekamen, waren in den ersten acht Jahren ihres Lebens oft deutlich empfindlicher für Stress als Kinder von Müttern, die das Hormon während der Schwangerschaft nicht eingenommen haben.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern muss sehr vorsichtig mit Cortisol umgegangen werden. Auch bei ihnen lässt sich pauschal keine Aussage darüber treffen, ob das Hormon bei Kindern verabreicht werden darf oder nicht.

Ein Arzt sollte bei jedem Kind individuell nach dem jeweiligen Cortisol-Spiegel entscheiden, ob das Hormon verabreicht werden darf.

Sollten Kinder das Mittel für die innere Anwendung verschrieben bekommen ist es sehr ratsam, dass der Arzt regelmäßig eine Wachstumskontrolle bei diesen Kindern durchführt.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Cortisol?

Wird das Cortisol nur in einer niedrigen Dosis eingenommen und wird die Therapie mit dem Hormon nur über einen kurzen Zeitraum hinweg fortgeführt sollten unter normalen Umständen keine Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten.

Wird das Hormon hingegen für eine Therapie mit einer höhreen Dosis genutzt und auch über eine längeren Zeitraum hinweg angewendet kann es sein, dass es zu einigen Nebenwirkungen kommt.

Diese Nebenwirkungen sind sehr ähnlich wie die Symptome, die bei der so genannten Crushing-Krankheit auftreten. Aus diesem Grund spricht man auch von der so genannten Crushing-Schwelle.

Wenn diese Schwelle überschritten wird, weil eine zu hohe Dosis von dem Hormon über eine zu lange Zeit eingenommen wurde kommt es zu Nebenwirkungen.

  • Stammfettsucht
  • Mondgesicht
  • Stiernacken
  • erhöhter Blutdruck
  • Vermehrtes Gefühl von Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Schwund von Knochen
  • verzögerte Heilung von Wunden
  • Abbau von Muskeln
  • Schmerzen im Rücken und in den Gelenken
  • verstärkte Anfälligkeit für Infekte

Aufgrund von diesen möglichen Nebenwirkungen hatten viele Menschen Angst, mit dem Hormon behandelt zu werden.

Allerdings sind diese Ängste heute größtenteils unbegründet, da die Dosierung von dem Hormon bei Therapien heutzutage deutlich geringer ist als noch vor ein paar Jahren, weshalb die Nebenwirkungen bei Therapien in der heutigen Zeit in der Regel vermieden werden können.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Cortisol?

Es muss darauf geachtet werden, dass bei der Einnahme von Cortisol Blutungen im MagenDarm-Trakt auftreten können, wenn gleichzeitig nicht-steroidalen Antirheumatika eingenommen werden, die den Schmerz lindern sollen, also zum Beispiel Ibuprofen oder Naproxen.

Es können außerdem Herzrhythmusstörungen auftreten, wenn parallel Mittel zur Entwässerung eingenommen werden. Außerdem kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärkt werden, weil durch das Hormon ein Mangel an Kalium herbeigeführt wird. Dieser Mangel entsteht, da durch das Cortisol das Mineral Kalium vermehrt aus dem Körper geschwemmt wird.

Außerdem sollte beachtet werden, dass durch die Einnahme von dem Hormon die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Mitteln wie Phenprocoumon, die blutzuckersenkende Wirkung von Antidiabetika und auch die Wirkung von dem Wurmmittel Praziquantel deutlich abgeschwächt werden kann.

Die Wirkung von manchen Muskelrelaxanzien wird durch die gleichzeitige Anwendung von Cortisol hingegen verlängert.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Cortisol zu beachten?

Bei der Anwendung von Cortisol sind einige Dinge zu beachten.

Zum Beispiel sollten Sie, wenn Sie beispielsweise Salben oder andere Mittel für die äußere Anwendung zur Bekämpfung von Entzündung auf der Haut erworben haben, diese auf keinen Fall direkt auf offenen Wunden auftragen.

Generell ist es wichtig, dass Medikamente mit Cortisol bei der äußerlichen Anwendung nur in einer sehr schwachen Dosis auf der Haut aufgetragen werden.

Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn das Mittel äußerlich im Gesicht, in der Nähe von den Augen oder auch auf den Schleimhäuten aufgetragen wird. Am besten lassen Sie sich von einem Arzt beraten und sich zeigen, wie Sie hier vorgehen können.

Wird das Cortisol oral eingenommen, um innerlich Probleme zu bekämpfen sollten Sie regelmäßig einen Augenarzt aufsuchen und sich von diesem mit Hinblick auf Ihre Sehfähigkeit überprüfen lassen lassen.

Außerdem ist eine ärztliche Überwachung dann wichtig, wenn Sie unter Bluthochdruck leiden oder eine schwache Herzmuskulatur haben und Cortisol für die innerliche Behandlung einnehmen.

Wenn Sie außerdem unter Diabetes leiden müssen Sie darauf achten, dass die Dosis von blutzuckersenkenden Medikamenten bei Ihnen angepasst werden muss, wenn das Cortisol für die innerliche Behandlung eingenommen wird.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Cortisol

Cortisol ist verschreibungspflichtig und kann nur mit einem gültigen Rezepte erworben werden. Dieses Rezept wird von einem Arzt ausgestellt, wenn er feststellt, dass der Cortisol-Spiegel in Ihrem Körper zu gering ist.


Geschichte

Seit wann ist Cortisol bekannt?

Das Hormon Cortisol wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit Cortison und anderen verwandten Stoffen von dem amerikanischen Chemiker Edward Calvin Kendall entdeckt. Dieser erhielt für diese Entdeckung den Nobelpreis für Medizin.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Achten Sie stets darauf, ob sich bei Ihnen nach der nach Beginn der Anwendung von Cortisol Nebenwirkungen erkennen lassen. Sollte dies der Fall sein suchen Sie dringend einen Arzt auf. Dieser wird gegebenenfalls die Dosis des Hormons herabsenken.

Außerdem kann es sein, dass bei Ihnen allergische Reaktion auf das Hormon auftreten. Sollten Sie eine solche allergische Reaktion bemerken sollten Sie ebenfalls unbedingt einen Arzt aufsuchen.


Quellen

  • Universitätsklinikum Essen, Zentrallabor: Referenzwerteverzeichnis für Erwachsene und Kinder (Stand: Juni 2018)
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 31.05.2019)
  • Behrends, J. C. et al.: Duale Reihe Physiologie. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2012
  • Endokrinologikum: www.endokrinologikum.com (Abruf: 31.05.2019)
  • Hagemann, O.: Laborlexikon, www.laborlexikon.de (Abruf: 31.05.2019)
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer Verlag, 2. Auflage 2013
  • Quinkler, M. et al: Nebennierenrinden-Insuffizienz – lebensbedrohliche Erkrankung mit vielfältigen Ursachen. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(51-52): 882-8; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0882
  • Gekle, M. et al.: Taschenlehrbuch Physiologie. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2010
  • Gressner, A. M. et al.: Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer Verlag, 2. Auflage, 2013

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