Aldosteron

Auch bekannt als:

Cortisol, Elektrolyte, Kalium
Bezeichnung: Aldosteron, Renin
Ähnliche Tests: Cortisol, Elektrolyte, Potassium


Auf einen Blick

Warum wird Aldosteron und Renin untersucht?

Bei welchen Erkrankungen sollten Aldosteron und Renin untersucht werden?

  • Bei Abweichungen im Elektrolythaushalt oder Symptomen von Hyperaldosteronismus wie erhöhtem Blutdruck, Muskelschwäche, niedrigen Kaliumwerten und hohen Bikarbonatwerten.
  • Bei Verdacht auf einen Renin produzierenden Tumor oder auf eine maligne Hypertonie.

Mit welchem Probenmaterial wird die Aldosteron- und Renin-Bestimmung durchgeführt?

Mit Blut aus einer Armvene oder mit 24-Stunden-Sammelurin.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Aldosteron ist ein Mineral (Salz) zurückhaltendes Steroidhormon (Mineralokortikoid), das die Retention von Natrium (Salz) in der Niere direkt und die Ausscheidung von Kalium indirekt reguliert. Es spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung von Blutdruck und Blutvolumen. Aldosteron wird von den Nebennierenrinden (oberhalb der Nieren) produziert. Seine Produktion wird durch komplexe Rückkopplungsmechanismen weiterer „Hormone“ reguliert. Die wichtigsten sind Renin und Angiotensin II, das indirekt durch Freisetzung von Renin produziert wird. Angiotensin II reguliert dann die Produktion von Aldosteron. Wenn der Renin-Spiegel ansteigt (bei niedrigem Blutfluß durch die Nieren, niedrigem Blutdruck oder Salzmangel) wird normalerweise Aldosteron freigesetzt; wenn der Renin-Spiegel niedrig ist, fällt auch der Aldosteron-Spiegel ab.

Wie wird das Probenmaterial gewonnen?
Aus der Armvene wird eine Blutprobe gewonnen, um den Aldosteron- und/oder Renin-Spiegel im Blut zu messen. Manchmal wird die Bestimmung von Aldosteron im 24-Stunden-Sammelurin durchgeführt, um kurzfristige Schwankungen der Aldosteron-Spiegel im Blut (z. B. durch Tagesrhythmik, Streß und Orthostase) zu umgehen. Die Vorbereitung für eine Blutabnahme zur Bestimmung von Aldosteron und Renin hängt davon ab, ob eine Über- oder Unterproduktion von Renin oder Aldosteron vermutet wird.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Obwohl manchmal nur Aldosteron im Blut oder Urin gemessen wird, ist es meist notwendig, sowohl Renin als auch Aldosteron (und gelegentlich zusätzlich Cortisol) zu messen, um Störungen im Hormonhaushalt verstehen zu können. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Veränderungen von Renin, Aldosteron und Cortisol bei verschiedenen Erkrankungen.

Erkrankung Aldosteron  Cortisol  Renin
Primärer Hyperaldosteronismus
(Conn-Syndrom)
Hoch Normal Niedrig
Sekundärer Hyperaldosteronismus Hoch Normal Hoch
Cushing-Syndrom Niedrig-normal Hoch Niedrig
Nebenniereninsuffizienz
(Addison-Krankheit)
Niedrig Niedrig Hoch
Hypophysenerkrankung Normal Niedrig Normal

Der primäre Hyperaldosteronismus wird durch eine Überproduktion von Aldosteron in den Nebennieren, meist durch einen gutartigen Tumor, verursacht. Der hohe Aldosteron-Spiegel steigert die Wiederaufnahme von Natrium und die Ausscheidung von Kalium in den Nieren; dies führt zu einer Elektrolytverschiebung. Gelegentlich wird für den primären Hyperaldosteronismus der Name „Conn-Syndrom“ verwendet. Typische Symptome gibt es nicht, obwohl Muskelschwäche auftreten kann, wenn der Kalium-Spiegel sehr niedrig ist. Hypokaliämie (niedriges Kalium) und hohes Bikarbonat (metabolische Alkalose) bei einem Menschen mit hohem Blutdruck weisen auf einen Hyperaldosteronismus hin.

Sekundärer Hyperaldosteronismus kommt häufiger vor. Er kann als Folgeerscheinung bei verminderter Durchblutung der Nieren, reduziertem Blutdruck oder niedrigem Salzspiegel entstehen. Eine wesentliche Ursache ist die Verengung der Blutgefäße, die zur Niere führen (Nierenarterienstenose). Dies verursacht dann durch hohe Renin- und Aldosteron-Spiegel hohen Blutdruck, der manchmal durch gefäßchirurgische Eingriffe behoben werden kann (z.B. durch einen Katheter, der von einem Leistengefäß aus vorgeschoben wird, um das verschlossene Gefäß zu erweitern). Um zu untersuchen, ob nur eine Niere betroffen ist, kann ebenfalls ein Katheter über ein Leistengefäß bis zu den Nierengefäßen vorgeschoben werden, um Blut direkt aus den Nierenvenen zu sammeln (Renin-Spiegel in den Nierenvenen). Falls dieser Wert auf einer Seite signifikant höher ist, zeigt dies an, auf welcher Seite sich die Arterienverengung befindet. Andere Ursachen für sekundären Hyperaldosteronismus sind Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Nierenerkrankungen, Vergiftungen oder Schwangerschaft.

Hypoaldosteronismus tritt meist im Rahmen einer Nebenniereninsuffizienz auf. Er verursacht Wasserverlust, niedrigen Blutdruck, Hyperkaliämie (hohes Kalium) und Hyponatriämie (niedriges Natrium).

Wann kann der Test sinnvoll sein?
Die Bestimmungen von Renin und Aldosteron werden in der Regel gleichzeitig durchgeführt. Hoher Blutdruck, niedriges Kalium und hohes Bikarbonat sind die häufigsten Gründe für die Bestimmung. Der Aldosteron-Spiegel wird manchmal auch bestimmt, wenn der Verdacht auf eine Nebenniereninsuffizienz besteht. Gelegentlich wird Aldosteron und Renin auch untersucht, um die effektivste Methode zur Behandlung von Bluthochdruck abzuklären.

Was bedeutet das Testergebnis?

Anmerkung: Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren (wie z. B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation) beeinflußt werden, und darüber hinaus methoden- bzw. verfahrensabhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.

Die Veränderungen von Aldosteron, Cortisol und Renin sind in der oben gezeigten Tabelle zusammengefaßt. Hohe Spiegel von Aldosteron im Blut und Urin bei niedrigen Spiegeln von Renin deuten auf primären Hyperaldosteronismus hin. Sekundärer Hyperaldosteronismus ist dagegen durch hohes Aldosteron und hohes Renin gekennzeichnet.

Niedriges Aldosteron ist meist Teil einer Nebenniereninsuffizienz bei der Addison-Krankheit. Bei Kindern mit angeborener Vergrößerung der Nebennieren fehlt manchmal ein Enzym, das zur Produktion von Cortisol benötigt wird. Bei manchen dieser Kinder ist auch die Produktion von Aldosteron gestört. Dies ist eine sehr seltene Ursache von niedrigem Aldosteron.

Was sollte man außerdem wissen?
Das Testergebnis kann beeinflußt werden durch den Salzgehalt in der Nahrung und durch Medikamente (z. B. manche Schmerzmittel, Wassertabletten, Betablocker, Steroide, ace-Hemmer und die „Pille“). Viele dieser Medikamente werden zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet. Vor der Testung von Aldosteron kann es daher notwendig sein, Hinweise zum Salzgehalt der Nahrung, zu Medikamenten oder zur sportlichen Betätigung zu beachten. Die oben genannten Medikamente sollten, wenn möglich, zwei Wochen vor der Blutabnahme abgesetzt werden. Elektrolytzufuhr führt ebenfalls zu Veränderungen der Testergebnisse, so daß eine möglichst ausgeglichene Elektrolytaufnahme drei Tage vor der Blutentnahme erfolgen sollte.

Bei schwerer Krankheit kann der Aldosteron-Spiegel auf sehr niedrige Werte abfallen. Daher sollte die Bestimmung nicht während einer solchen Krankheit durchgeführt werden.


Hinweise & Störungen

Stabilität und ProbentransportStabilität:

Aldosteron im Serum ist bei 20° C acht Stunden und bei 4° C. 24 Stunden stabil. Aufbewahrung bei 22° C für die Dauer von vier Tagen führt zu einer Abnahme um 13 %.

Aldosteron im Urin:
24 Stunden Sammelurin auf Borsäure sammeln (1g/100ml). Der Urin muß angesäuert sein, da das Hormon sonst nicht stabil ist.

Renin im EDTA-Plasma:
Bei 20° C vier Stunden stabil. Zur Bestimmung von Renin darf die Blutprobe nicht bei 4° C aufbewahrt werden (Kryoaktivierung). Bei –20° C bleibt Renein sechs Monate stabil.

Probentransport:
Die Proben sollten nicht – wie oft empfohlen – nach der Blutentnahme sofort im Eisbad gekühlt werden, sondern bei Raumtemperatur ins Labor gebracht werden, weil es bei 4° C zur Kryoaktivierung des Prorenins und damit zur Verfälschung der Meßergebnisse kommen kann.

Referenzbereiche
Die Referenzbereiche sind methoden- und verfahrensabhängig und zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar!

• Aldosteron:

Erwachsene:
Liegende Körperhaltung:

29-145 ng/l

Stehende Körperhaltung:

65-285 ng/l

Neugeborene und Kinder (liegende Körperhaltung):
12 Stunden:

343-1253 ng/l

24 Stunden:

217-1054 ng/l

2 Tage:

191-1123 ng/l

3 Tage:

90- 913 ng/l

4 Tage:

83- 921 ng/l

5 Tage:

72- 831 ng/l

6-31 Tage:

69- 812 ng/l

1-12 Monate:

69- 552 ng/l

1-2 Jahre:

61- 495 ng/l

2-6 Jahre:

40- 271 ng/l

6-14 Jahre:

31- 148 ng/l

• Aldosteron im Urin:

Aldosteron gesamt (freies Aldosteron und Aldosteron-18-Glucuronid):

Erwachsene:

3 – 19 µg/24 Stunden

Kinder 4 – 10 Jahre:

1 – 8 µg/24 Stunden

Neugeborene:

0,5 – 5 µg/24 Stunden

• Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität bei Erwachsenen für einen Radioimmunoassay (RIA):

Stehend:

0,98 – 4,18 µg/l/h

Liegend:

0,51 – 2,64 µg/l/h

 

 

• Bestimmung der Konzentration des aktiven Renins (Reninmasse)
bei Erwachsenen:

Stehend:

7 – 76 mU/l (4,2 – 45,6 ng/l)

Liegend:

 5 – 47 mU/l  (2,4 – 28,2 ng/l)

bei Kindern:

1- 6 Jahre:

10 – 250 mU/l  (6,3 – 149 ng/l)

7-12 Jahre:

9 – 180 mU/l  (5,5 – 110 ng/l)

3-17 Jahre:

5 – 100 mU/l (3,3 – 61 ng/l)

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

Bei der Patientenvorbereitung ist zu beachten:

  • Mehrstündige strikte Bettruhe (mindestens zwei Stunden) vor der Blutentnahme. Blutentnahme empfohlen zwischen 7 Uhr und 8 Uhr morgens. Nach zwei Stunden in stehender oder gehender Körperhaltung erfolgt die Blutentnahme unter Orthostase-Bedingungen.
  • Ausgeglichener Wasser– u. Elektrolythaushalt (zur Überprüfung: Messung von Na+- und K+ im 24-Stunden-Sammelurin).
  • Absetzen interferierender Medikamente zwei Wochen vor der Blutentnahme:

    Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System kann stimuliert werden durch Diuretika (Thiazide, Aldosteron-Antagonisten), Laxantien und Antihypertensiva (z.B. Hydralazin, ace-Hemmer, Alpha-Blocker).

    Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System kann gehemmt werden durch Beta-Blocker, Clonidin, alpha-Methyldopa, Guanethidin, Carbenoxolon und Glucocorticoide.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle

Die Qualitätskontrolle für Aldosteron muß entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) durchgeführt werden. Die Teilnahme an externen Ringversuchen ist Pflicht; es sind Grenzen für die interne Qualitätskontrolle vorgegeben (Richtigkeit und Präzision).


Häufige Fragen

Was sollte vor der Testung noch beachtet werden?

Lakritze kann die Funktion von Aldosteron vortäuschen und sollte daher mindestens zwei Wochen vor der Testung vermieden werden. Falls der Patient sich über das Vorhandensein von Lakritze in Lebensmitteln nicht sicher ist, sollte er Angaben über die Zusammensetzung mit zum Arzt bringen. Streß und körperliche Anstrengung können das Testergebnis ebenfalls beeinträchtigen.

Wie wird sichergestellt, daß die Körperhaltung das Ergebnis nicht beeinflußt?
Der Patient sollte rechtzeitig vor der Blutentnahme beim Arzt eintreffen, damit er lange genug ruhig liegen oder Sitzen kann, bis in einem entspannten Zustand vor dem Test der Ausgangswert erreicht ist.

Welche Einflüsse können außerdem zu Abweichungen im Aldosteron-Spiegel führen?
Langfristige Einnahme von Steroiden, salzhaltige Ernährung, einige Medikamente und die Addison-Krankheit können einen verminderten Aldosteron-Spiegel zur Folge haben.

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