TSH

Auch bekannt als:

Thyreotropin
Bezeichnung: Thyreoidea-(Schilddrüsen) stimulierendes Hormon
Ähnliche Tests: t3, t4, Schilddrüsenantikörper


Auf einen Blick

Warum wird tsh untersucht?

Bei welchen Erkrankungen sollte tsh untersucht werden?

  • Als Screening: Wird grundsätzlich beim Neugeborenen durchgeführt; über die Häufigkeit eines Schilddrüsen-Screenings beim Erwachsenen gibt es keine allgemein akzeptierten Standards.
  • Zur Überwachung einer Therapie: Nach Empfehlung des behandelnden Arztes.
  • Sonstiges: Beim klinischen Bild einer Hyper- oder Hypothyreose und/oder bei vergrößerter Schilddrüse.

Mit welchem Probenmaterial wird der Test durchgeführt?

Mit Blut aus einer Armvene oder (bei Säuglingen) aus einer Ferse.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Der Test bestimmt die Menge an Thyreoidea-stimulierendem Hormon (tsh) im Blut.
tsh wird von der Hypophyse produziert, ein winziges Organ unter dem Gehirn und oberhalb der Nasennebenhöhlen. Es ist Bestandteil eines Feedback-Systems (Rückkopplungssystem), das die Menge der Hormone Thyroxin (t4) und Trijodthyronin (t3) im Blut aufrechterhält. Die Schilddrüsenhormone kontrollieren den Energiehaushalt des Körpers. Beim Sinken der Hormonspiegel im Blut setzt der Hypothalamus (Teil des Gehirns) das Thyreotropin Releasing Hormon (TRH) frei. TRH führt zur Freisetzung von tsh aus der Hypophyse. tsh wiederum stimuliert die Schilddrüse (kleines schmetterlingsförmiges Organ, das auf der Trachea liegt, zur Produktion und Freisetzung von t3 und t4. Wenn alle drei Organe normal funktionieren, kann die Hormonproduktion der Schilddrüse „an- und abgeschaltet“ werden, um den Spiegel an Schilddrüsenhormonen im Blut konstant zu halten.

Bei einer Dysfunktion der Hypophyse kann es zu einer Über- oder Unterproduktion von tsh kommen. Wenn tsh erhöht ist, kann eine unangemessene Produktion und Freisetzung von t3 und t4 durch die Schilddrüse auftreten. Es zeigen sich typische mit einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) assoziierte Symptome, zum Beispiel Herzrasen, Gewichtsverlust, Nervosität, Tremor (Händezittern), Irritation der Augen sowie Schlafstörungen. Wird keine ausreichende Menge an Schilddrüsenhormonen produziert, können Symptome der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) auftreten (z. B. Gewichtszunahme, Trockene Haut, Obstipation, Kälte-Intoleranz und Ermüdung. Neben der Dysfunktion der Hypophyse kann eine Hyper- oder Hypothyreose auch Folge einer Störung im Bereich des Hypothalamus (durch insuffiziente oder übermäßige TRH-Produktion) sein. Unabhängig von der Menge an tsh im Blut kann eine Vielzahl von Erkrankungen der Schilddrüse, die mit einer Beeinträchtigung der Hormonproduktion einhergehen, zur Hyper- bzw. Hypothyreose führen.

Wie wird das Probenmaterial gewonnen?
Das Blut wird zentrifugiert; die Untersuchung wird aus dem Serum durchgeführt. Fersenblut von Säuglingen wird speziell extrahiert.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Sollen die Schilddrüsenfunktion und/oder die Symptome einer Hyper- bzw. Hypothyreose bewertet werden, stellt die Bestimmung von tsh die Laboruntersuchung der Wahl dar. Häufig wird tsh vor oder zusammen mit dem freien t4 bestimmt. Weitere Untersuchungen mit tsh oder nach Diagnostik eines von der Norm abweichenden tsh konzentrieren sich auf t3 und die Schilddrüsenantikörper (wenn eine autoimmun bedingte Schilddrüsenerkrankung vermutet wird).

tsh wird bestimmt:

  • Bei Personen mit Symptomen, die eine Schilddrüsenfunktionsstörung anzeigen;
  • zum Screening auf eine Schilddrüsenunterfunktion bei Neugeborenen;
  • zur Überwachung der Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie bei Patienten mit Hypothyreose;
  • zur Diagnostik und Überwachung von Frauen mit Infertilität (Unfruchtbarkeit);
  • (gelegentlich) als Hilfe zur Bewertung der Hypophysenfunktion;
  • zum Screening von Erwachsenen zur Diagnose einer eventuellen Störung der Schilddrüsenfunktion laut Empfehlung bestimmter Organisationen (z. B. American Thyroid Association).

Wann kann der Test sinnvoll sein?

tsh wird bei Symptomen für eine Hyper- bzw. Hypothyreose und/oder bei Vergrößerung der Schilddrüse untersucht. Außerdem kann es bestimmt werden, um in regelmäßigen Intervallen die Effektivität einer Therapie bei Patienten mit bekannter Schilddrüsenfunktionsstörung zu überwachen.

In Deutschland wird tsh routinemäßig bei Neugeborenen als Teil des Neugeborenenscreenings durchgeführt. Die „American Thyroid Association” empfiehlt bei Erwachsenen über 35 Jahre alle fünf Jahre ein Screening auf Schilddrüsenerkrankungen mit einer Bestimmung des tsh-Wertes; andere Organisationen wie die „U.S. Preventive Services Task Force“ widerspricht dieser Empfehlung. Mehrere Organisationen empfehlen stattdessen ein Screening bei Frauen über 50 Jahre und bei asymptomatischen Erwachsenen über 60 Jahre oder bei Patienten mit einem hohen Risiko für Schilddrüsenfunktionsstörungen, zum Beispiel bei Schwangeren oder in der Zeit nach der Geburt.

Was bedeutet das Testergebnis?
Erhöhte tsh-Werte deuten häufig auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin. Die Schilddrüse reagiert auf die Stimulation mit tsh nicht adäquat; dies kann durch einige akute oder chronische Schilddrüsenfunktionsstörungen bedingt sein. Selten können erhöhte tsh-Werte auch durch Störungen der Hypophyse (z. B. durch tsh-produzierende Tumore) hervorgerufen werden. Man spricht dann von einer sekundären Hyperthyreose. Der tsh-Wert kann auch bei Patienten mit bekannter Schilddrüsenfunktionsstörung (oder nach Entfernung der Schilddrüse) erhöht sein, wenn die eingenommene Menge an Schilddrüsenhormonen nicht ausreicht.

Verminderte tsh-Werte können auf Überfunktion der Schilddrüse oder Einnahme zu großer Mengen an Schilddrüsenhormonen bei Patienten hinweisen, die wegen einer Unterfunktion (oder nach Entfernung der Schilddrüse) behandelt werden. Selten ist ein niedriger tsh-Wert durch eine Schädigung der Hypophyse bedingt, die diese an einer ausreichenden tsh-Produktion hindert.

Ob erhöhte oder reduzierte Werte – ein von der Norm abweichender tsh-Wert zeigt eine Über- oder Unterproduktion der dem Körper zur Verfügung stehenden Schilddrüsenhormone an. Die eigentliche Ursache für diesen Zustand wird dadurch nicht erklärt. Daher folgen in der Regel der Diagnostik eines von der Norm abweichenden tsh-Wertes weitere Untersuchungen, um die Ursache der erhöhten oder verminderten Werte zu klären.

Die folgende Tabelle fasst die Laborergebnisse und deren mögliche Bedeutung zusammen:

tsh
freies t4 t3 Interpretation
erhöht normal normal Milde (subklinische) Hypothyreose
erhöht vermindert vermindert oder normal Hypothyreose
vermindert normal normal Milde (subklinische) Hyperthyreose
vermindert erhöht oder normal erhöht oder normal Hyperthyreose
vermindert vermindert oder normal vermindert oder normal Seltene hypophysär bedingte (sekundäre) Hypothyreose

 

Was sollte man außerdem wissen?
Viele Medikamente – einschließlich Aspirin und Medikamente zur Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie – können das Ergebnis einer Schilddrüsenfunktionsuntersuchung beeinträchtigen. Deshalb sollte der behandelnde Arzt über die Einnahme von Medikamenten unterrichtet sein.

Bei der Anpassung der Schilddrüsenhormon-Medikation ist es wichtig, mindestens zwei Monate zu warten, bevor der tsh –Wert erneut ermittelt wird. Erst dann kann die Wirkung der neu eingestellten Dosis beurteilt werden.

Extremer Stress und akute Erkrankungen können die tsh-Werte ebenfalls beeinträchtigen. Die Werte können im ersten Trimenon der Schwangerschaft vermindert sein.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

tsh ist bei Raumtemperatur 24 Stunden und bei 4° C drei Tage stabil. Bei längerer Lagerung muss das Serum eingefroren werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Als immunologischer Test sind Störfaktoren sehr selten. Bei einigen Tests kann es eine Störung durch Anti-Maus-Antikörper und hohe Biotindosen geben.
Bei der Bewertung ist die Abhängigkeit der tsh-Konzentration vom Lebensalter zu beachten. Tests unterschiedlicher Hersteller zeigen deutliche Unterschiede im Referenzbereich.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Qualitätskontrolle für die tsh-Bestimmung muss entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) durchgeführt werden, die Teilnahme an externen Ringversuchen ist Pflicht.


Häufige Fragen

Wird tsh während der Schwangerschaft durch den behandelnden Arzt untersucht?

In Deutschland werden asymptomatische Patientinnen im allgemeinen nicht untersucht. Frauen mit Symptomen und/oder einer bekannten Schilddrüsenfunktionsstörung können jedoch in durch den Arzt empfohlenen Intervallen untersucht werden. Dies geschieht, um eine Hyper- oder Hypothyreose zu erkennen und mögliche Auswirkungen während oder nach der Schwangerschaft auf Mutter und Kind nachzuweisen.

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