Urin-Protein

Auch bekannt als: 

24 Stunden Urin-Protein, UrinGesamtprotein, Urin– Protein/ Kreatinin Quotient, Urineiweiß
Bezeichnung: Urin-Protein
Ähnliche Tests: Albumin/Globulin-Quotient, Mikroalbumin , Eiweißelektrophorese , GesamtproteinUrinalysis


Auf einen Blick

Warum wird der Urin-Protein-Gehalt untersucht?

  • Um einen übermäßigen Verlust von Protein mit dem Urin aufzudecken
  • Zur Kontrolle der Nierenfunktion
  • Um einen eine funktionelle Schädigung von Nierengewebe nachzuweisen

Wann sollte man den Urin-Protein-Gehalt untersuchen lassen?

  • Als Teil einer Routineuntersuchung
  • Als Verlaufskontrolle bei einem vorausgegangenen auffäligem Testergebnis
  • Beim Vorliegen von Nierenfunktionsstörungen

Aus welchem Probenmaterial wird der Urin-Protein-Test durchgeführt?

Es wird entweder eine Probe des Spontanurins oder von 24 Stunden-Sammelurin verwendet.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Der Urin-Protein-Test bestimmt die Menge an Protein, die mit dem Urin ausgeschieden wird. In diesem Zusammenhang gibt es eine Reihe verschiedener Tests. Ein semiquanitativer Test mit einem sog. Urin-Stick zum Eintauchen in den Urin (in der Regel Spontanurin) wird häufig als Bestandteil von Routine-Untersuchungen eingesetzt. Als genaues Maß für die ausgeschiedene Proteinmenge in 24 Stunden benutzt man dagegen die Proteinbestimmung aus dem 24 Stunden- Sammelurin. Darüberhinaus kann man den Proteingehalt im Spontanurin zum Kreatininwert ins Verhältnis setzen. Das Ergebnis wird dann als Urin-Protein/Kreatinin-Quotient angegeben. Allerdings kann das Sammeln von Urin über 24 Stunden insbesondere für Kinder eine Belastung darstellen, deshalb kann auch ersatzweise eine Bestimmung des Urin-Protein/Kreatinin-Quotient aus dem Spontanurin erfolgen. Kreatinin ist ein Abbauprodukt der Muskulatur und wird in konstanter Menge mit dem Urin ausgeschieden. Wenn eine Kreatinin-Bestimmung gemeinsam mit der des Protein-Gehalts im Spontanurin durchgeführt wird, so wird eine Sensitivität vergleichbar der Bestimmung im 24 Stunden-Urin erreicht.

Albumin macht etwa 60 % des Proteingehalts im Blut aus, der Rest der Proteinfraktion besteht aus Globulinen, zu denen auch die Immunglobuline gehören. Im Regelfall sollte kein bzw. nur sehr geringe Mengen an Protein im Urin nachweisbar sein. Die Nieren (zwei paarige Organe, die im hinteren Bereich des Bauchraums unterhalb des Brustkorbs lokalisiert sind) filtern das Blut und entfernen daraus Abbauprodukte und Fremdstoffe, die mit dem Urin ausgeschieden werden. Bei normaler Nierenfunktion werden filtrierte Proteine wieder zum großen Teil rückresorbiert und dem Blutstrom wieder zugeführt. Bei einer Schädigung der Nieren kann ihre Kapazität zur Filtration und Resorption eingeschränkt sein, so dass nachweisbare Proteinmengen in den Urin gelangen. Häufig sind dabei die relativ kleinen Albumin-Moleküle als erstes nachweisbar. Schreitet die Schädigung weiter fort, so steigt die Proteinkonzentration im Urin an und zunehmend sind such die höher-molekularen Globuline betroffen.

Eine Proteinurie (übermäßige Ausscheidung von Protein mit dem Urin) ist mit verschiedensten Erkrankungen assoziiert wie z. B. Diabetes mellitus oder Arterieller Hypertonie. Dabei zeigen steigende Proteinkonzentrationen im Urin eine zunehmende Nierenschädigung an. Im Frühstadium der Nierenfunktionseinschränkung sind die Patienten oft asymptomatisch. Wenn aber die Schädigung weiter voranschreitet, entwickelt der Betroffene oft bestimmte Symptome wie Ödeme (Flüssigkeitsretention im Gewebe), Dyspnoe (Atemnot), Übelkeit oder körperliche Schwäche. Darüber hinaus kann aber auch eine exzessive Protein-Neubildung, wie sie z. B. beim multiplen Myelom beobachtet wird, zu einer Proteinurie führen.

Der Nachweis von Albumin im Urin stellt einen hoch empfindlichen Indikator für eine Nierenbeteiligung bei Diabetes mellitus oder arterieller Hypertonie dar. Oft wird bei diesen Krankheiten anstelle des Gesamt-Proteins die Albumin-Konzentration im Urin untersuchen lassen (die sogenannte „Mikroalbumin“untersuchung).

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Eine Probe des Spontan-Urins wird in einem sauberen, dafür vorgesehenen Gefäß aufgefangen. Bei der 24 Stunden-Sammelurin-Bestimmung wird der gesamte während eines Tages anfallende Urin gesammelt. Dabei ist es wichtig, dass der Urin über den gesamten Zeitraum gekühlt wird. Das Sammelgefäß sollte außerdem nicht mit Konservierungsmittel präpariert sein.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die Bestimmung des Urin-Protein-Gehalts wird durchgeführt, um eine erhöhte Protein-Ausscheidung mit dem Urin nachzuweisen, um die Nierenfunktion zu überwachen und somit möglichst frühzeitig eine Nierenschädigung bzw. Gewebsuntergang aufzudecken. Routinemäßig wird eine orientierende Untersuchung des Urin-Proteins mit einem Teststreifen zum Eintauchen in den Urin (Urin-Sticks) als Teil der Urin-Analyse durchgeführt. Dieser Test wird als Screening-Test bei der Vorsorge-Untersuchung verwendet, auch wenn keine Symptome einer Nierenfunktionsstörung vorliegen. Im Falle einer leicht bis mäßigen Erhöhung der Protein-Ausscheidung im Urin ist eine Wiederholung der Urin-Analyse bzw. des Urin-Sticks erforderlich, um zu kontrollieren, ob sie weiterhin besteht oder ob sich der Protein-Gehalt des Urins wieder normalisiert hat. Im ersten Fall wird der behandelnde Arzt dann gegebenenfalls eine Sammlung des Urins über 24 Stunden veranlassen. Dies kann auch notwendig sein, wenn der Verdacht besteht dass neben Albuminauch vermehrt andere Proteine mitausgeschieden werden. Die Teststreifenmethode weist in erster Linie die Ausscheidung von Albumin nach.

Der Urin-Stick kann zwar einen Hinweis auf eine vermehrte Eiweiß-Ausscheidung im Urin geben, er kann aber keinen Aufschluss darüber geben, um welche Proteinklasse es sich handelt oder welcher Genese die Proteinurie ist. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, eine Urin- oder Serum-Protein-Elektrophorese bzw. eine Immunfixation anzufordern, bei der die einzelnen Protein-Klassen im elektrischen Feld aufgetrennt werden. Insbesondere bei Verdacht auf eine vermehrte Produktion von abnormen Proteinen, wie sie z. B. mit dem multiplen Myelom assoziiert ist, kann dies einen sehr hilfreichen diagnostischen Schritt darstellen. Darüber hinaus kann eine weitergehende Untersuchung von Leberenzymen, Kreatinin, Harnstoff, dem Serumeiweiß und dem Serumalbumin durchgeführt werden, um die Albumin- und Gesamt-Protein-Werte zu kontrollieren und somit Aufschluss über die Nieren- und Leberfunktion zu erlangen. Bei Verdacht auf eine Erkrankung dieser Organe können auch zusätzlich bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, durch die eine veränderte Organmorphologie dargestellt werden kann.

Zeigt sich eine signifikant erhöhte und/oder persistierende Protein-Ausscheidung im Urin-Stick, so wird der behandelnde Arzt oft zusätzlich das Verhältnis von Gesamt-Protein zu Kreatinin im Urin bestimmen lassen. Bisweilen haben Kinder und manchmal auch Erwachsene eine unbemerkte transiente Proteinurie ohne Krankheitswert, die tagsüber stärker ausgeprägt sein kann als nachts. Dabei ist es oft ausreichend, die Protein-Ausscheidung regelmäßig zu kontrollieren.

Bei bekannter Nierenfunktionsstörung wird zur Verlaufs- und Therapiekontrolle entweder eine Proteinbestimmung aus 24 Stunden-Sammelurin oder das Verhältnis von Gesamt-Protein zu Kreatinin aus einer Probe des Spontanurins durchgeführt. Auch bei einer Einnahme von Medikamenten die potenziell nierenschädlich sind, sollte zur Überwachung der Nieren-Funktion regelmäßig ein Urin-Sticks oder der Gesamt-Protein/Kreatinin-Quotient durchgeführt werden.

Wann wird der Test angefordert?
Ein Urin-Sticks wird regelmäßig bei jeder Urin-Analyse durchgeführt. Dies kann Teil einer Routine-Untersuchung, einer Kontrolluntersuchung während einer Schwangerschaft, einer Untersuchung bei Verdacht auf eine Harnwegsentzündung, eines Aufnahme-Labors bei einem Krankenhausaufenthalt oder einer Untersuchung bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung sein. Ein positiver Protein-Nachweis im Urin-Sticks erfordert außerdem eine Kontrolle zu einem anderen Zeitpunkt, um eine persistierende Proteinurie auszuschließen.

Bei einem einmalig positivem Urin-Sticks und/oder persistierender starker Protein-Ausscheidung kann zur Überwachung und weiteren Diagnostik eine Untersuchung aus 24 Stunden-Sammelurin angefordert werden. Da die Teststreifen-Methode in erster Linie auf dem Nachweis von Albumin beruht, kann außerdem eine solche Bestimmung aus 24 Stunden-Sammelurin auch bei nur geringem Proteinnachweis erforderlich sein, wenn der Verdacht besteht, dass neben dem Albumin hauptsächlich andere Proteinarten ausgeschieden werden. In diesem Fall kann eine Urinimmunfixation oder eine Serumelektrophorese weiteren diagnostischen Aufschluss erbringen (siehe oben). Es können auch weitere Bluttests durchgeführt werden, wie die Bestimmung von Harnstoff oder Albumin bzw. Gesamt-Protein um die Diagnostik im Hinblick auf eine Nierenfunktionsstörung zu ergänzen.

Eine Bestimmung des Gesamt-Protein/Kreatinin-Quotienten im Urin kann durchgeführt werden, wenn ein Kind im Urin-Sticks eine signifikante und/oder persistierende Protein-Ausscheidung aufweist. Außerdem bei bereits bekannter Nierenerkrankung oder Einnahme Nieren-schädigender Medikamente, um die Nierenfunktion über einen längeren Zeitraum zu überwachen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Ein positiver Protein-Nachweis im Urin bedeutet ein Warnsignal. Er kann entweder bei einer Nierenschädigung oder einer vorübergehenden Mehrausscheidung im Rahmen einer Infektion, Medikamenteneinnahme, bei exzessiver sportlicher Betätigung, bei körperlicher oder bei emotionaler Belastung gefunden werden und hat somit nicht immer einen Krankheitswert. Bei einigen Patienten mit sog. orthostatischer Proteinurie ist die Protein-Ausscheidung nur tagsüber erhöht und verschwindet nachts im Liegen. Während der Schwangerschaft kann eine Proteinurie auch Symptom einer Prä-Eklampsie, einer sehr ernstzunehmenden Komplikation, sein.

Bei einer vorhandenen Nierenschädigung korreliert die Höhe der Protein-Ausscheidung mit dem Schweregrad. Steigt der Proteingehalt des Urins im zeitlichen Verlauf an, so bedeutet dies eine Progredienz der Erkrankung, mit einer weiteren Einschränkung der Nierenfunktion.

Eine Proteinurie findet sich auch bei einer Reihe von Krankheitszuständen, beispielsweise bei:

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?

Die verschiedenen Methoden zum Nachweis von Protein variieren sehr stark und sind dem Einfluss verschiedener Störgrößen unterworfen. So kann beispielsweise ein erhöhter Proteinnachweis im Uin-Sticks auch auf Verunreinigungen durch andere Proteinquellen zurückzuführen sein, wie Blut, Sperma oder Vaginalsekret. Zudem muß berücksichtigt werden, dass der Urin-Sticks auch negativ ausfallen kann, obwohl eine abnorme Proteinausscheidung vorliegt, da er im wesentlichen nur Albumin nachweist und somit andere Proteinarten nicht detektiert werden. Die Bestimmung des Protein-Gehalts aus 24 Stunden-Sammelurin ist nur dann verlässlich, wenn auch tatsächlich der gesamte Urin innerhalb eines Tages gesammelt wurde.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Lagerung bei +4C° ist die Bestimmung innerhalb einer Woche möglich.

Referenzbereich
Der Referenzbereich ist sehr stark von der Methode abhängig. Bei den photometrischen Methoden werden Bereiche von Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Insbesondere Antibiotika können die Bestimmung stören, sie führen zu falsch erhöhten Werten. In diesen Fällen empfiehlt sich die nephelometrische Bestimmung der Urineinzelproteine.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Urin-Proteinbestimmung unterliegt nicht der RiliBaeK, eine Teilnahme an der externen Qualitätssicherung (Ringversuche) ist möglich.


Häufige Fragen

Gibt es eine Möglichkeit den Proteingehalt des Urins zu Hause zu messen?

Man kann die Teststreifen auch in den zu Hause in einem sauberen Gefäß aufgefangenen Urin eintauchen und dann ablesen. Dies wird der behandelnde Arzt nur dann veranlassen, wenn eine engmaschige Kontrolle der Nierenfunktion bei einer bekannten Erkrankung notwendig ist. Es gelten die oben beschriebenen Einschränkungen der Test-Sticks-Methode.

Kann ein vorhandener Nierenschaden wieder ausheilen?
Ist die Proteinurie durch eine Infektion der Nieren oder der Harnwege begründet, so werden die Nieren unter adäquater Therapie wieder zu einer regelhaften Funktion zurückkehren. Ist die Nierenschädigung Folge einer Einnahme nephrotoxischer Medikamente, so wird sie sich oft die Nierenfunktion wieder normalisieren, nachdem die Medikamente abgesetzt wurden. Bei anderen Ursachen kommt es aber häufigt nicht zu einer spontanen Ausheilung. Deshalb ist das Ziel der Urin-Untersuchung, möglichst frühzeitig eine beginnende Nierenschädigung zu entdecken und einer Behandlung zuzuführen, um den Schaden einzugrenzen.

Kann eine vermehrte Proteinzufuhr mit der Nahrung den Verlust mit dem Urin kompensieren?
Diese Frage muss mit dem behandelnden Arzt eingehend diskutiert werden. Wenn der betroffene Patient unter einer entsprechenden Mangelernährung leidet, so kann eine zusätzliche Zufuhr an Eiweiß mittels einer bilanzierten Diät durchaus angezeigt sein. Bei einer normalen Ernährung muss dagegen immer berücksichtigt werden, dass durch eine vermehrte Proteinzufuhr den Nieren zusätzlicher Schaden entstehen kann.

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