Polio (Kinderlähmung) Impfung für Erwachsene

Polio – als Kinderlähmung auch für Erwachsene gefährlich

 

Die Poliomyelitis wirkt mit der deutschen Übersetzung Kinderlähmung auf den ersten Blick verwirrend. Das Poliovirus ist vorwiegend, aber keineswegs ausschließlich für Kinder, eine schwere Krankheit mit bleibenden Lähmungsfolgen. Das Poliovirus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Entdeckt wurde das Virus Ende der 1900er Jahre von den beiden Medizinern und Serologen Karl Landsteiner sowie Erwin Popper.

Das Poliovirus gilt als ein sehr einfaches Virus ohne Hülle. Seit seiner Entdeckung ist die Weltgesundheitsorganisation WHO bestrebt, das Virus weltweit zurückzudrängen beziehungsweise ganz auszurotten. Bis heute, Mitte der 2010er Jahre ist das vor allem in denjenigen Gebieten und Regionen noch nicht gelungen, in denen die Bevölkerung nicht systematisch gegen Polio geimpft wird.

Die durchgängige Schutzimpfung, beginnend beim Kleinkind, ist der beste Garant dafür, nicht mit dem Poliovirus infiziert zu werden. Nach dem IfSG, dem Infektionsschutzgesetz gehört Polio zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Die Meldepflicht beginnt bei einem ersten Krankheitsverdacht und geht weiter über die Erkrankung selbst, bis hin zum Tod an Poliomyelitis.

 

Inkubationszeit der Schmier- und Tröpfcheninfektion bis zu einem Monat

 

Das Poliovirus wird in erster Linie durch eine Schmierinfektion übertragen. Dieser hygienische Begriff beschreibt eine Übertragung des Virus als Krankheitserreger durch Körperberührung einer Kontaktperson oder durch das Berühren eines Gegenstandes, der mit dem Virus kontaminiert ist. Das eine ist die direkte, das andere die indirekte Kontaktinfektion.

Häufiger Grund für das Auftreten des Virus ist eine insgesamt mangelnde Toilettenhygiene. Die Übertragung geschieht unter schlechten oder nachlässigen hygienischen Bedingungen durch die Hände sowie die an dem Ort befindlichen Gegenstände. Aufgenommen wird das Virus über den Verdauungstrakt. Fachsprachlich handelt es sich um eine fäkal-orale Schmier- beziehungsweise Kontaktinfektion.

Möglich ist allerdings auch eine Tröpfcheninfektion. Die in der Luft befindlichen, unsichtbar schwebenden Tröpfchen werden eingeatmet und gelangen so auf direktem Weg in den Körper. Die Infektion beginnt bereits wenige Stunden nach Aufnahme des Poliovirus. Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Aufnahme des Virus und dem ersten Auftreten des Krankheitsbildes, liegt zwischen 3 bis mehr als 30 Tagen. Je stärker sich die Viren vermehren, umso größer wird die Gefahr einer Virämie, der Virenverteilung im Blut.

Das führt zu Grippeähnlichen Beschwerden, in seltenen Fällen allerdings auch zu einem Befall der für die Muskulatur im Rückenmark zuständigen Nervenzellen. Daraus entwickelt sich dann in der Folge das Krankheitsbild der Kinderlähmung. Normalerweise wird die überwiegende Zahl der Viren, die sich im Darm vermehren, mit ausgeschieden. Die Virusausscheidung bei Stuhlgang beginnt frühestens drei Tage nach der Aufnahme des Erregers, sie kann anschließend mehrere Wochen andauern. Polioviren werden durch Stuhlprobe, durch Rachenabstrich oder durch Rachenspülwasser nachgewiesen.

 

Nur wenige Infizierte erkranken an Polio

 

Die Mehrzahl der Polioinfektionen verläuft, wie es medizinisch heißt, klinisch stumm. Der mit dem Virus infizierte Körper bildet sofort schützende Antikörper; er wird, wie es genannt wird, mit der Infektion selbst fertig. Zu einem typischen Polio-Krankheitsbild gehören Halsschmerzen, Erhöhte Temperatur bis hin zu hohem Fieber, Übelkeit, Glieder-, Kopf– und Muskelschmerzen. In einer zweiten Stufe folgt ein erneuter Fieberschub, begleitet von Nackensteifheit, Muskelkrämpfen und Rückenschmerzen.

Das dann folgende Krankheitsbild ist motorische Schwäche von Thorax, Armen und Beinen, bis hin zur Beeinträchtigung der Atemmuskulatur. In diesem Stadium befindet sich der Patient – selbstverständlich und notwendigerweise – in ärztlicher, oftmals schon stationärer Behandlung. Im Einzelfall kann eine Unterstützung der Beatmung erforderlich werden. Derartige Lähmungen können sich sowohl aus- als auch fortbilden.

Zum Vollbild, dem Postpolio-Syndrom nach Jahren oder auch Jahrzehnten sind Wiederauftreten sowie Zunahme der Lähmung mit Muskelschwund möglich. Dieses Szenario ist in der heutigen Zeit und hier in Deutschland weitestgehend Theorie. Damit soll jedoch verdeutlicht werden, was geschehen kann, wenn nicht frühzeitig und ausreichend vorgebeugt wird. Das ist nur mit einer  Polio-Schutzimpfung gewährleistet. Eine spezifische Therapie ist nicht medikamentös, sondern nur symptomatisch möglich.

In Deutschland ist seit Anfang der 1990er Jahre keine Polioerkrankung aufgetreten beziehungsweise gemeldet worden. Die Globalisierung mit ihren weltweiten beruflichen sowie privaten Reiseaktivitäten ist ein zunehmender Unsicherheitsfaktor. Das latente Problem ist die lange Inkubationszeit. Wer ohne zu wissen polioinfiziert ist und nach Deutschland einreist, der kann innerhalb eines Monats buchstäblich Tausende infizieren respektive schon infiziert haben, bevor er selbst polioauffällig wird.

Vor diesem Risiko schützt einzig und allein die Polioimpfe, solange es der WHO nicht gelungen ist, Polio weltweit nachweislich einzudämmen. Einzelne Erkrankungsfälle von Nichtgeimpften werden auch dauerhaft bleiben. Pech und ganz schlimm ist es für diejenigen, die sich mangels Impfe an Polio infizieren oder infiziert werden.

 

Mangelnde Grundimmunisierung auf jeden Fall im Erwachsenenalter nachholen

 

Die STIKO, Ständige Impfkommission empfiehlt allen Bürgern und Einwohnern eine frühzeitige Polioimpfe, bestenfalls als Grundimmunisierung im jüngsten Kindesalter. Dennoch ist auch in der heutigen Zeit nicht jeder Erwachsene poliogeimpft. In dieser Hinsicht gelten als Erwachsene Frauen und Männer nach dem 17. Lebensjahr.

Ist der Erwachsene noch gar nicht geimpft, dann wird auch bei ihm mit einer Grundimmunisierung begonnen. Das geschieht in zwei oder drei Impfen mit einem jeweiligen Zeitabstand von wenigstens vier Wochen bis hin zu einem halben Jahr. Empfehlenswert ist eine anschließend einmalige Impfauffrischung. Für diejenigen, mit einem erhöhten Infektionsrisiko aus beruflichen Gründen ist die Auffrischung geradezu ein Muss. Spätestens beim Erstkontakt zu einem Polioerkrankten muss sofort geimpft werden.

Der für Erwachsene verwendete Impfstoff ist immer eine zwei- oder dreifach dosierte Kombiimpfe. Darin enthalten sind Impfstoffe gegen Krankheiten wie Diphterie, Pertussis sowie auch Tetanus. Im Gegensatz zur Schluckimpfung mit Lebendimpfstoff werden Erwachsene durch das Injizieren von Totimpfstoff geimpft. Das hat den Vorteil, dass auch Immungeschwächte oder ganz allgemein geschwächte ältere Personen problemlos gegen Polio geimpft werden können.

 

Kaum Nebenwirkungen zu befürchten

 

Die Polioimpfe für Erwachsene verläuft in der heutigen Zeit nahezu komplett ohne Nebenwirkung oder Reaktionen. Zu denen gehören die ansonsten auch üblichen Hautreaktionen sowie leichte Schmerzen rund um die Einstichstelle der Injektionsnadel. Gängige Allgemeinsymptome sind temporäres leichtes Frösteln, kaum spürbares Kopfziehen sowie etwas Unwohlsein.

Empfindliche sowie immungeschwächte Erwachsene können vorübergehende Verdauungsbeschwerden haben. All diese Reaktionen klingen nach zwei bis drei Tagen von selbst wieder ab. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören allergische, und zwar vorwiegend Hautreaktionen. Die einzelnen Reaktionen stehen im direkten Zusammenhang mit dem individuell verwendeten Impfstoff; insofern können sie von Impfe zu Impfe unterschiedlich sein. Der Arzt kennt den Impfstoff und kann in etwa abschätzen, mit welchen eher außergewöhnlichen Reaktionen der Poliogeimpfte rechnen sollte.

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