Hippocampus

Gesunder Hippocampus – gutes Gedächtnis

Seinen Namen Hippocampus hat er seinem Aussehen zu verdanken, denn es ist der lateinische Name des Seepferdchens. Mit viel Phantasie fühlt sich der Betrachter leicht an das Aussehen des Fisches erinnert. Zu finden ist der Hippocampus im sogenannten limbischen System. Sein Aufgabenbereich liegt in der Steuerung der Orientierung und des Gedächtnisses. Nun fand die Wissenschaft heraus, dass möglicherweise eine Abweichung in der Größe des Hippocampus Ursache für das Auftreten schwerer Depressionen bei Jugendlichen ist. Der Blick in die Tiefen des menschlichen Gehirns bleibt somit spannend.

Was ist der Hippocampus?

Die Hirnareale des limbischen Systems stehen in enger Verbindung zueinander. Der Begriff selbst ist unter Wissenschaftlern umstritten. Fest steht jedoch, dass allen Komponenten eine große Bedeutung zukommt – hinsichtlich der Informationsverarbeitung, der Emotionen sowie Erinnerungen. Bis heute konnte noch nicht vollständig geklärt werden, welche Strukturen an all diesen Prozessen beteiligt sind. In der Vergangenheit schrieb man die Verarbeitung menschlicher Emotionen sowie Erinnerungen allein dem limbischen System zu, doch neigen heute zahlreiche Wissenschaftler zu der Annahme, dass weitere Hirnareale daran beteiligt sind. Daher gibt es bis dato keine einheitliche Definition darüber, was das limbische System eigentlich ist.

als ringförmiges Gebilde umschließt es Basalganglien (Kerngebiete unterhalb der Großhirnrinde) und den Thalamus. Unter den weiteren Bestandteilen ist auch der Hippocampus zu finden, der gleich doppelt existiert – in jeder der beiden Gehirnhälften. Er gilt als eines der ältesten Elemente des Gehirns und kann im Temporallappen geortet werden.

Der Hippocampus ist als Teil des limbischen Systems im Großhirn zu finden (Archicortex). Im Bereich des Temporallappens liegend, regelt er den Übergang von Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Auch der Intellekt steht in Beziehung zu ihm. Bei Funktionsstörungen des Hippocampus sind prägnante Erkrankungen wie z. B. Alzheimer, Epilepsie und Schizophrenie zu erwarten. Eine operative Entfernung beider Hippocampi hat schwerwiegende Folgen für die Gedächtnisleistung. Schadlos bliebe diese jedoch, wenn der Hippocampus nur einseitig entnommen wird.

Aufgabe des Hippocampus ist die Übertragung von Informationen in das Langzeitgedächtnis sowie die räumliche Orientierung. Ein Fehlen bzw. Beschwerden haben zur Folge, dass sich die Betroffenen zwar an Vergangenes Erinnern können, jedoch im Jetzt gefangen sind. Die Verarbeitung neuer Informationen ist für sie nicht mehr möglich (anterograde Amnesie). Sie können also kein neues Wissen generieren. Da auch die räumliche Orientierung beeinträchtigt wird, können Betroffene ebenfalls keiner Wegbeschreibung folgen.

Übrigens setzt sich der Hippocampus aus mehreren Strukturen zusammen: Gyrus dentatus, Cornu Ammonis, Subiculum. Gemeinsam bilden sie die sogenannte Hippocampusformation. Dieser Teil des Gehirns ist neben dem Riechkolben (Bulbus olfactorius) die einzige Hirnregion, welche ein Leben lang neue Nervenzellen bildet. Genannt wird dieser Vorgang Neurogenese.

Funktionen & Aufgaben

Die Verarbeitung von Trieben und Emotionen übernimmt das limbische System. Kennzeichnend für ein funktionierendes Gedächtnis sowie für Erinnerungen ist die Erkennung und Verarbeitung neuer Reize. Doch das ist nicht alles. Es reguliert das autonome Nervensystem sowie sogenannte sensorische Stimuli, wie Schmerzen, Gerüche und andere Sinneseindrücke, die als Reize über Nervenbahnen aus anderen Körperbereichen in das Gehirn geleitet werden. Ein reibungsloser Ablauf ist unverzichtbar, daher bildet das limbische System durch den intensiven Informationsaustausch mit den Nervenzellen der Großhirnrinde eine Arbeitseinheit. Nur so können Emotionen und Triebe gesteuert und Ereignisse und gespeichert werden.

Den verschiedenen Bereichen kommen auch unterschiedliche Aufgaben zu. Die Aufgabe des Hippocampus ist die Überführung von Informationen vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis, von wo diese immer wieder abgerufen werden können. Neue Eindrücke bereitet der Hippocampus zum Abspeichern vor und arbeitet dabei mit dem Fornix zusammen. Um die Leistung des limbischen Systems in seiner Gänze zu verstehen, seien an dieser Stelle auch die weiteren Areale aufgeführt:

  • Corpus amygdaloideum: verantwortlich für die Entstehung von Angstgefühlen sowie die Bewertung aller Informationen.
  • Gyrus cinguli: wägt die unterschiedlichen Impulse ab und bestimmt die adäquate Handlung.

Diese Reize folgen keiner Abhandlung, sondern stehen im Gegensatz zueinander. Eine Entscheidung wird somit erforderlich. Alle Vorgänge resultieren aus einem komplexen Zusammenspiel. Das bedeutet, das limbische System ist kein Organ, sondern nur eine Bezeichnung für ein Hirnareal, das sich aus zahlreichen Elementen zusammensetzt.

Anatomie & Aufbau

Der Hippocampus ist im Endhirn, auch Telencephalons genannt, zu finden. Dieses ist Bestandteil des zentralen Nervensystems und gleichzeitig der größte Abschnitt im menschlichen Gehirn. In drei verschiedene Strukturen teilt sich der Hippocampus auf:

  • Gyrus dentatus
  • Cornu Ammonis
  • Subiculum

Der Gyrus dentatus ist sozusagen die Eingangshalle. Hier sammeln sich alle von den Sinnesorganen weitergeleiteten Informationen. Sogenannte Interneuronen sind Bestandteil des Gyrus dentatus. Ihnen kommt eine hemmende Funktion zu; sie regulieren die Intensität der Reize und sorgen für eine gesunde Wahrnehmung.

Der Cornu Ammonis wird auch als Ammonshorn bezeichnet. Das lässt sich in der Fachwelt leichter aussprechen. Er selektiert die Informationsflut. Das scheint eine geringfügige Aufgabe, doch aufgrund des ständigen Eingangs von Informationen hat das Ammonshorn mehr als genug zu tun.

Zum Schluss folgt noch das Subiculum. Es ist für die Spezifikation und Weiterleitung der Informationen zuständig. So kommt alles in die richtigen Gedächtnisbereiche und kann dort abgespeichert werden.

Doch besteht der Hippocampus aus weiteren zahlreichen Verbindungen. Sie sichern die einwandfreie Kommunikation innerhalb des Hippocampus sowie zu den nachbarschaftlichen Hirnarealen. Jedwede Schädigung der Verbindungen führt zu folgenschweren Beeinträchtigungen.

Wie ein gut funktionierendes Unternehmen

Zuständigkeiten

Das limbische System und der darin liegende Hippocampus gleichen dem Aufbau und der Hierarchie eines gut organisierten Unternehmens. Der ungefilterte Eingang von Anfragen, Informationen, Anrufen und Aufträgen hätte das Chaos und ein baldiges Ende einer Firma zur Folge. Der Auftragseingang (Informationen) bedarf einer geordneten Abwicklung und Zuordnung. Jede Stelle, jeder Mitarbeiter bearbeitet seinen eigenen Bereich. Im zentralen Computer Gehen Aufträge und Anfragen ein (Gyrus dentatu – die Eingangshalle). Wie bei der genannten Struktur sammeln sich hier alle Informationen. Das Ammonshorn stellt den Arbeitnehmer dar, der die Aufträge und Anfragen an die entsprechenden Abteilungsleiter selektiert. Dieser wiederum ordnet seinen Untergebenen die entsprechenden Informationen zu, die sie dann bearbeiten und erledigen.

Eine Frage der Anordnung und Organisation

Beide Gehirnhälften verfügen jeweils über einen Hippocampus und gleichen damit wiederum dem genannten Unternehmen, das aus mehreren Abteilungen besteht. Nur die geordnete Abfolge garantiert für den unternehmerischen Erfolg. Genauso versprechen ein gesunder Hippocampus und weitere Strukturen die korrekte Zuordnung im menschlichen Gehirn. Ist ein Teil der Arbeitnehmer Krank oder in Urlaub (ein fehlender Hippocampus), übernehmen andere ihre Aufgaben. Nur das perfekte Zusammenspiel und eine angepasste Organisation garantieren den Bestand eines Unternehmens und sichern Arbeitsplätze. Ebenso sichert die ungestörte Symbiose des Hippocampus und weiterer Komponenten die 100 %-ige Gedächtnisleistung sowie die Orientierung, die der Platzierung auf dem Produktmarkt gleichkommt.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Wie alle Teile des menschlichen Organismus, kann auch die Gehirnstruktur Schiffbruch erleiden. Ein Teil davon ist aufgrund eines oder mehrerer Fehlverhalten(s) selbstverschuldet. Das führt im Allgemeinen zu folgenschweren Einschränkungen. Eine große Problematik stellen Abbauprozesse dar, die z. B. Folge einer Demenz– oder AlzheimerErkrankung sind. Die geistigen Fähigkeiten lassen mehr und mehr nach und kommen nahezu vollständig zum Erliegen. Betroffen sind neben dem Denken an sich auch die Erinnerung sowie die räumliche Orientierung. Ein fortgeschrittenes Stadium führt zu alltäglichen Einschränkungen im Bereich aller Aktivitäten, die bisher aus eigenem Antrieb erfolgten. Heilung gibt es nicht, doch kann eine rechtzeitige Therapie den Verlauf merklich verzögern. Die durchschnittliche Lebenserwartung wird mit sieben Jahren beziffert.

Eine weitere typische Erkrankung wird durch eine Störung des Hippocampus und weiterer Areale ausgelöst: die Epilepsie. Die oft unerwarteten Anfälle werfen Betroffene zu Boden und haben die typischen Krampfanfälle zur Folge. Ein solcher Anfall kann wenige Sekunden anhalten oder sich über mehrere Minuten hinziehen. Muskelzuckungen und Bewusstseinsverlust sind die Folgen. Begleitet werden sie von weiteren Krämpfen und unkontrollierten Zuckungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass eine sich verändernde Hippocampusformation dem Ausbruch einer Epilepsieerkrankung förderlich ist. Solcherlei Veränderungen können durch Alkohol- und Medikamentenmissbrauch noch begünstigt werden.

Auch der Drogenkonsum im jungen Alter kann sich nach Meinung der Experten auf die Ausbildung des Hippocampus auswirken. Im Verlauf des Erwachsenendaseins werden die kognitiven Leistungen mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Dies führt häufig zu Fehlbildungen im Erinnerungsvermögen sowie einer schlechten räumlichen Orientierung. Auch die Gefühlswelt leidet – Emotionen werden schwächer wahrgenommen sowie neu eingehenden Informationen wenig Bedeutung zugemessen. Die logische Folge: Es kommt voraussichtlich zu einer Fehlbildung, die eine verschlechterte Koordinierung zahlreicher Gehirnareale nach sich zieht.

Die Wissenschaft hat längst noch nicht alle Ursachen von Dysfunktionen des Hippocampus und der umliegenden Hirnareale erforscht. Erst seit wenigen Jahren ist überhaupt bekanntgeworden, welcher Bereich für die vorgenannten Störungen verantwortlich ist. Patienten und Angehörige tun gut daran, sich hinreichend zu informieren. Auf diese Weise können vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden.

Sensibilisierung

Das Wissen um Erkrankungen und ihre Ursachen stellt einen großen Schatz dar. Gerade der Drogenkonsum ist – vor allen in urbanen Bereichen – eine große Gefahr für junge Menschen. Die Folgen begleiten sie unter Umständen durch ihr gesamtes Leben und bestimmen somit ihre eigene sowie die Zukunft ihrer Familien. Gleiches gilt für den Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Allzu leichtfertig ist der Umgang mit beiden Komponenten häufig. Der Zugang wird leichtgemacht – selbst Nicht-Volljährigen gelingt er ohne Einschränkung. Es geht nicht nur um den momentanen „Kick“ oder Rausch, der danach wieder vorbei ist. Davon abgesehen, dass auch die Leber leidet, bleibt immer ein Stückchen Lebensqualität auf der Strecke, weil das Gehirn „abspeichert“, was ihm nicht angetan wird. Für den Moment scheint alles in Ordnung, doch über die Jahre gesehen werden die Folgen nicht auf sich warten lassen. Patienten, die an Alzheimer, Demenz, Epilepsie, Schizophrenie, bipolaren und kognitiven Störungen sowie Depressionen leiden tun gut daran, in der Vergangenheit zu graben. So kommen gegebenenfalls Ursachen zutage.

Tabletten – die erlaubte „Sucht“

Mit der Industrialisierung hat der Stress Einzug in die Gesellschaft gehalten. Jahr für Jahr scheint er noch zuzunehmen und die Einnahme von Schlaftabletten und Aufputschmitteln gehört längst zum Tagesgeschäft. Wer nach der Einnahme eines sogenannten anticholinergen Arzneimittels unter Mundtrockenheit leidet, hat vermutlich Inkontinenz– oder Beruhigungsmittel, Neuroleptika, Antidepressiva, Tabletten gegen Übelkeit, Schmerzen oder Allergien eingenommen. Die erwartete Wirkung lässt zwar nicht lange auf sich warten, doch das Demenzrisiko steigt in erhöhtem Maß. Zunehmende Gedächtnisprobleme könnten ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Anticholinergika stören die Nervenzellen und schränken die Gedächtnisleistung dauerhaft ein. Bereits jeder dritte Patient nimmt diese Medikamente ein. Die darauf folgenden Gedächtnisstörungen werden ignoriert bzw. auf das zunehmende Alter geschoben. Hier empfiehlt sich, den Zusammenhang mit Medikamenten zu überprüfen.

Grundsätzlich sollte der Umgang mit den genannten Medikamenten überprüft werden. Schlafstörungen sind bei bis zu 43 % der männlichen und weiblichen Bevölkerung zu finden. Die Schlafforschung liefert noch nicht ausreichend Alternativen, die zur Aufhebung in Frage kommen. Der Griff zu Schlaftabletten scheint daher die einfachste Lösung. Wünschenswert wäre auch eine weitreichende Aufklärung durch Ärzte und Apotheker. Gern wird der Hinweis zum Stressabbau gegeben. Das ist zum Teil richtig, doch erfordert dies im Grunde eine Umstellung der gesamten bisherigen Lebensweise eines Patienten, um entspannter leben und besser Schlafen zu können. Gleiches gilt für Schmerz- und zahlreiche andere Tabletten. Nicht immer kann verzichtet werden, doch eine fachgerechte Überprüfung würde vermutlich einen großen Anteil eliminieren. Die betroffenen Hirnareale würden frei von Beeinträchtigungen.

Typische und häufige Erkrankungen

Fragen & Antworten

Wo genau ist der Hippocampus zu finden?

Der Hippocampus ist Bestandteil des sogenannten limbischen Systems. Eigentlich müsste von Hippocampi die Rede sein, denn seinen Sitz hat er in jeder der beiden Gehirnhälften, genauer gesagt im Temporallappen (Großhirn).

Was sind im Detail die Aufgaben des Hippocampus?

Der Hippocampus stellt eine Art Verkehrspolizist im Bereich des Gedächtnisses dar. Er reguliert den Übergang vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis sowie die räumliche Orientierung. Ein verhältnismäßig reibungsloser Ablauf ist selbst dann noch gewährleistet, wenn er einseitig operativ entfernt wird. Beträchtliche Funktionsstörungen ergeben sich erst, wenn er beidseitig entnommen wird. Solange also noch ein Hippocampus vorhanden ist, funktionieren Gedächtnis und Orientierung.

Woraus setzt sich der Hippocampus zusammen und welche Teile gehören noch zum limbischen System?

Dem Hippocampus kommt eine wichtige Aufgabe zu. Doch als Teil eines ganzen Gehirnes ist er auf das Zusammenspiel aller Areale angewiesen:

  • Der Gyrus dentatus sammelt alle Informationen der Sinnesorgane. Als Bestandteil dessen regulieren die sogenannten Interneuronen die Intensität der Reize.
  • Der Cornu Ammonis selektiert die Informationsflut, die im Verlauf eines Tages groß ist.
  • Das Subiculum hat die Spezifikation und Weiterleitung der Informationen inne.

Alle zusammen bilden die Hippocampusformation, die übrigens (neben dem sog. Riechkolben – auch Bulbus olfactorius genannt) lebenslang neue Nervenzellen Bilden. Man nennt dies auch Neurogenese.

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