Hüfte

Hüfte – Verbindung zwischen Oberkörper und Rumpf

Die Hüfte befindet sich zwischen Oberkörper und Rumpf. Das wichtigste Element der Hüfte ist das Hüftgelenk. Durch das Hüftgelenk werden die Bewegung des Beins, das aufrechte Stehen und das Gehen möglich. Zusätzlich übernimmt die Hüfte stabilisierende Funktionen. Schmerzen oder Schäden in der Hüfte verursachen Schwierigkeiten beim Gehen. Bei sehr starken Schmerzen kann ein künstliches Hüftgelenk zum Einsatz kommen.


Was ist eine Hüfte?

Mit dem Begriff „Hüfte“ sind sowohl beide Hüftgelenke, wie auch die Beckenregion gemeint. Der lateinische Begriff für das Hüftgelenk ist Articulatio coxae. Beim Hüftgelenk handelt es sich um ein Kugelgelenk. Ein Kugelgelenk ist sehr beweglich und besitzt eine große Anzahl an Freiheitsgraden. Deshalb kann der Fuß gut bewegt und sogar gedreht werden. Ohne das Hüftgelenk wäre eine Gehbewegung des Fußes nicht möglich.
Das Hüftgelenk bildet die Verbindung zwischen Oberschenkelknochen und Becken.

Für ein zuverlässiges Arbeiten der Hüfte sind neben dem Gelenk auch Bänder und Muskeln nötig. Das Kniegelenk ist das größte Gelenk im menschlichen Körper. Auf Platz zwei kommt das Hüftgelenk. Im Laufe eines Menschenlebens ist die Hüfte großen Belastungen ausgesetzt. Deshalb kommt es häufig zu Abnutzungserscheinungen.

Übergewicht kann die Abnutzung noch beschleunigen. Bei starken Abnutzungserscheinungen werden oft neue Hüftgelenke eingebaut. So können die Schmerzen reduziert und die Bewegungsfreiheit der Beine wiedergewonnen werden. Entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen sind nach einer erfolgreichen Operation wichtig, damit sich der Körper an das neue Hüftgelenk gewöhnt.


Funktionen & Aufgaben

Die Hüfte übernimmt viele wichtige Aufgaben:

  • Beweglichkeit des Beins ermöglichen
  • Stabilität des Körpers
  • wirkt ALS Stoßdämpfer

Beim Hüftgelenk handelt es sich um ein Kugelgelenk, welches dem Bein drei verschiedene Bewegungsfreiheitsgrade ermöglicht. Die Beugung des Beins ist wesentlich größer als die Streckung. Bei der Beugung sind bis zu 120° möglich, die Streckung des Fußes geht nur bis maximal 20°. Zusätzlich kann das Bein transversal auf bis zu 80° abgespreizt werden. Bei der Einwärtsdrehung sind ca. 40° möglich, bei der Auswärtsdrehung des Beins ebenfalls etwa 40°. Die Beweglichkeit des Beins hängt davon ab, ob die Hüfte gestreckt oder gebeugt ist. Zusätzlich haben noch das Alter der Person und deren sportliche Fitness Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Beins.

Durch die vorhandenen Bänder und Muskeln in der Hüfte werden die Bewegungsabläufe stabilisiert und ermöglicht eine aufrechte Haltung des Körpers. Ohne Hüfte wäre außerdem ein aufrechtes Gehen nicht möglich. Gleichmäßige Schritte und sogar Rennen werden erst durch die Hüfte ermöglicht. Zusätzlich fungiert die Hüfte als Stoßdämpfer. Beim Gehen, Springen und Rennen entstehen Stöße. Diese werden von der Hüfte abgedämpft. Da das Hüftgelenk fast ständig belastet wird, treten häufig Verschleißerscheinungen auf. Verschleißerscheinungen können die Beweglichkeit des Hüftgelenks einschränken und Schmerzen verursachen.


Anatomie & Aufbau

Zum Aufbau der Hüfte gehören:

  • Hüftkopf
  • Hüftbein
  • Hüftpfanne
  • Knorpelschicht
  • Hüftgelenkkapsel
  • Bänder

Der Hüftkopf heißt mit lateinischem Namen Caput femoris und befindet sich oben am Oberschenkelknochen und hat die Form einer zweidrittel Kugel. Der Radius des Hüftkopfs beträgt 2,5 Zentimeter. Für reibungslose Bewegungen befindet sich eine Knorpelschicht auf dem Hüftkopf. Stellen, die besonders starken Belastungen ausgesetzt sind, besitzen eine sehr dicke Knorpelschicht.

Die Hüftgelenkpfanne, oder Acetabulum, wird aus Schambein, Sitzbein, Becken und Darmbein gebildet. Es entsteht eine Vertiefung, in die der Hüftkopf perfekt hineinpasst. Zusätzlich ist eine Faserknorpellippe vorhanden, die teilweise über den Hüftkopf hinaus geht. Deshalb spricht man auch von einem Nussgelenk. Da der Hüftkopf eine halbrunde Form aufweist, ist auch die Hüftgelenkpfanne und mit ca. 2,7 Zentimeter Durchmesser nur geringfügig größer als der Hüftkopf.

Um das Hüftgelenk herum befindet sich die Gelenkkapsel. In der Kapsel befinden sich stabilisierende Bänder. Im Inneren der Gelenkkapsel befindet sich eine Gelenkinnenhaut und die Gelenkflüssigkeit, auch Synovia genannt. Die Gelenkflüssigkeit bildet die Nahrungsgrundlage für die Knorpel. Nur bei Bewegung kommt es zu einer Durchmischung der Gelenkflüssigkeit. Dadurch erhalten die Knorpelzellen wichtige Nährstoffe. Nur die optimale Zusammensetzung der Flüssigkeit gewährleistet, dass bei Bewegungen keine Reibungen und so auch keine Schmerzen auftreten.

Das Hüftgelenk ist zusätzlich noch mit Fettkörper und Schleimbeutel ausgestattet. Der Fettkörper ist in der Hüftpfanne und der Schleimbeutel zwischen Lendenmuskel und Kapsel.

Es gibt Bänder außerhalb und innerhalb der Gelenkkapsel. Der Körper verfügt im Hüftbereich über den stärksten Bandapparat und dadurch wird ein großer Bewegungsfreiraum möglich.

Muskulatur

Bei Der Muskulatur unterscheidet man Strecker, Beuger, Heranführer, Einwärtsdreher und Auswärtsdreher. Verschiedene Strecker im Körper haben Auswirkungen auf die Hüfte. Besonders die großen Strecker, wie der Bizeps, der Halbsehnenmuskel, der halbhäutige Muskel und die Oberschenkelmuskeln wirken direkt auf die Hüfte ein. Um das Hüftgelenk beugen zu können, werden Beuger-Muskeln benötigt. Typische Beugermuskeln sind die inneren Lendenmuskeln. Den kleinen Lendenmuskel besitzen nur etwa 50 Prozent der Menschen. Er macht die Beugebewegung der Hüfte noch leichter.

Muskeln, die als Heranführer fungieren, werden auch als Adduktoren bezeichnet. Adduktoren gibt es in verschiedenen Größen. Damit das Bein auch nach innen gedreht werden kann, werden Einwärtsdreher Muskeln benötigt. Unter anderem übernehmen der kleinere und mittlere Gesäßmuskel diese Funktionen. Auch Auswärtsdreher sind in der Muskulatur wichtig. So kann das Bein nach außen gedreht werden. Zu den Auswärtsdrehern gehören die Hüfthochmuskeln und die Zwillingsmuskeln.


Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Die Hüfte und das Hüftgelenk sind wichtige Bestandteile des Körpers. Sie ermöglichen einen aufrechten Gang und die Beweglichkeit der Beine. Durch Abnutzungserscheinungen oder Krankheiten treten Schmerzen im Hüftgelenk auf und die Beweglichkeit der Beine wird eingeschränkt. In seltenen Fällen kann bereits von Geburt an eine Veränderung am Hüftgelenk vorhanden sein. Dies ist bei Mädchen häufiger als bei Jungs.

Coxa valga und Coxa vara
Als Coxa valga wird ein Oberschenkelknochen bezeichnet, dessen oberes Ende steiler ist, als bei einem normalen Oberschenkelknochen. Je nach Stärke der Ausprägung kann Coxa valga starke Beschwerden und Schmerzen verursachen, da die Belastung auf das Hüftgelenk nicht gleichmäßig verteilt ist. Die Coxa vara ist das Gegenteil der Coxa valga. So kann die Coxa vara zu einer Beinverkürzung führen. Dadurch fängt der Patient zu hinken an. Die Coxa valga ist angeboren während die Coxa vara oft eine altersbedingte Abnutzungserscheinung darstellt.

Hüftdysplasie
Das Wort „Hüftdysplasie“ ist ein Sammelbegriff für alle Hüfterkrankungen, die entweder während des Lebens entstehen, oder angeboren sind. Eine Hüftdysplasie kann bereits bei Babys diagnostiziert werden. Ein frühzeitiges Behandeln von Fehlbildungen im Bereich der Hüfte kann spätere Probleme mindern. Besondere Windeln und Spreizhosen kommen meist bei Babys zum Einsatz. Operationen werden normalerweise nicht durchgeführt.

Knochenbruch
Da die Hüfte aus neben Bändern und Muskeln auch Knochen besteht, kann ein Knochenbruch auftreten. Bei jüngeren Personen ist ein Knochenbruch im Bereich der Hüfte eher selten und meist nur infolge eines Unfalls. Ältere Personen neigen eher zu Brüchen in der Hüfte. Erkrankungen wie zum Beispiel Osteoporose begünstigen dies. So reicht bei älteren Menschen manchmal bereits en einfacher Sturz aus, um einen Bruch in der Hüfte zu verursachen. Je nach Art des Knochenbruchs ist eine Operation erforderlich.

Kontraktur
Auch Muskeln, Faszien, Sehnen und Bänder können einen negativen Einfluss auf die Beweglichkeit der Hüfte ausüben. Bei einer Kontraktur wird die Funktion und Bewegung der Hüfte durch Veränderungen der Muskeln oder anderer Weichteile hervorgerufen. Die Bewegung des Hüftgelenks wird schwerfälliger und ist manchmal sogar mit Schmerzen verbunden. Im schlimmsten Fall kann eine Kontraktur zu einer vollkommenen Versteifung des Hüftgelenks führen. Durch physiotherapeutische Behandlungen kann einer Versteifung entgegengewirkt und die Kontraktur sogar umgekehrt werden.

Hüftkopfnekrose
Die Hüftkopfnekrose ist auch unter dem Begriff Femurkopfnekrose bekannt. Zum Krankheitsbild gehört, dass der knöcherne Oberschenkelkopf langsam abstirbt. Das Absterben wird durch eine zu geringe Durchblutung verursacht. Meist tritt die Hüftkopfnekrose bei Erwachsenen auf. Die Ursachen dafür sind noch nicht vollständig geklärt. Alkoholismus, Diabetes mellitus und hochdosiertes Kortison stehen aber im Verdacht, den Beginn der Erkrankung zu begünstigen. Bei Kindern ist die Hüftkopfnekrose selten und wird dann als Morbus Perthes bezeichnet.

Arthritis
Arthritis ist eine Entzündung in den Gelenken. Sie kann in allen Gelenken im Körper auftreten, auch im Hüftgelenk. Typische Symptome einer Arthritis sind Gelenkschmerzen und Rötungen, Schwellungen und eine Überwärmung der betroffenen Stelle. Arthritis kann verschiedene Ursachen haben. Eine bakterielle Arthritis kann durch verschiedene Bakterien ausgelöst werden und bei richtiger Behandlung wieder vollständig abklingen. Eine nicht-infektionsbedingte Arthritis gehört zu einer Form der Rheumaerkrankung. Sie entsteht durch Autoimmunprozesse, das heißt, der Körper greift sich selbst an und zerstört nach und nach das Knorpelgewebe im Hüftgelenk.

Epiphyseolysis capitis femoris
Diese Erkrankung tritt nur bei Kindern auf, meistens zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr. Dabei Erkranken wesentlich mehr Jungs an Epiphyseolysis capitis femoris, als Mädchen. Weltweit kommen auf 100.000 Kinder 0,2-1 Kind mit dieser Erkrankung. bei der Epiphyseolysis eine Wachstumsfuge zwischen Metaphyse und Epiphyse. Hüftschmerzen sind die Folge. Fehlhaltungen können sogar zu Schmerzen im Knie führen.

Hüftgelenksarthrose
Die Knorpeloberfläche im Hüftgelenk wird während eines Menschenlebens stark beansprucht. Dadurch kommt es zu Verschleißerscheinungen. Die Hüftgelenksarthrose ist eine degenerative Hüfterkrankung, die durch diesen Verschleiß entsteht. So tritt Hüftgelenksarthrose häufig in hohem Alter auf. Liegen bereits Vorerkrankungen an der Hüfte vor, tritt eine Hüftgelenksarthrose bevorzugt auf. Die genauen Ursachen der Krankheit sind jedoch nicht vollständig geklärt. Bei fortgeschrittener Arthrose kann der Schmerz nur noch dauerhaft beendet werden, wenn ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wird. Dafür sind eine Operation und entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich. 150.000 künstliche Hüftgelenke werden jährlich in Deutschland implantiert.

Coxitis fugax
Bei einer Coxitis fugax kommt es zu einer Entzündung des Hüftgelenks, die ohne das Vorhandensein von Keimen entsteht. Humpeln und weitere Bewegungseinschränkungen sind die Folgen. Die Schmerzen können sogar bis hin zum Knie reichen. Häufig sind Kinder bis 10 Jahren davon betroffen. Ohne Therapie verschwindet die Coxitis fugax von selbst nach spätestens zwei Wochen wieder. Häufig tritt die Coxitis fugax Fieber oder viralen Atemwegs-Infekten auf. Meist reicht als Therapie eine Schonung des Hüftgelenks bereits aus.

Protrusio acetabuli
Bei einer Protrusio acetabuli sind Hüftkopf und Hüftpfanne leicht vorgewölbt. Die Krankheit wird vererbt und ist bei Mädchen häufiger als bei Jungs. Zuerst treten Rotationsprobleme und Adduktionsprobleme auf. Weitere Schwierigkeiten bei der Streckung und Beugung des Beins können auftreten. Insgesamt schränkt die Protrusio acetabuli Erkrankung die Beweglichkeit des Beins ein und erschwert das Gehen.

Künstliches Hüftgelenk

Bei Hüftproblemen werden Schmerztherapien und physiotherapeutische Therapien durchgeführt. Ist ein dauerhafter Schmerz vorhanden, der die Lebensqualität entschieden einschränkt, kann ein künstliches Hüftgelenk implantiert werden. Es gibt verschiedene Arten von künstlichen Hüftgelenken. Der Typ der Hüftgelenksprothese richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Ziel bei jeder Operation ist es, möglichst viel Knochenmaterial zu erhalten.

Bei der Hüftkopfprothese wird nur der Hüftkopf ersetzt. Die Hüftpfanne bleibt dabei unverändert. Die Hüftkopfprothese kommt vor allem bei älteren Menschen zum Einsatz, die durch einen Sturz Beschwerden im Hüftbereich haben. Die Hüftschaftprothese besitzt zusätzlich noch eine Verankerung im Oberschenkelknochen. Auch eine zementfreie Befestigung ist möglich. Das Besondere der Hüftkappenprothese ist, dass Hüftkopf und Schenkelhals erhalten bleiben. Es werden lediglich die oberen Schichten entfernt und metallene Endprothesen eingesetzt. Ist das Hüftgelenk sehr stark geschädigt, kommt es zum Einsatz einer Hüft-Totalendprothese. Bei dieser Prothesenart wird das gesamte Hüftgelenk ersetzt.


Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Coxa valga und Coxa vara
  • Hüftdysplasie
  • Knochenbruch
  • Kontraktur
  • Hüftkopfnekrose
  • Arthritis
  • Epiphyseolysis capitis femoris
  • Hüftgelenksarthrose
  • Coxitis fugax
  • Protrusio acetabuli

Fragen & Antworten

Wie lange hält ein künstliches Hüftgelenk?

Wie lange ein künstliches Hüftgelenk funktioniert, bevor es dann durch eine neue Hüftprothese ersetzt werden muss, hängt von der Art der Hüftprothese ab. Gleichzeitig funktioniert ein künstliches Hüftgelenk nicht bei allen Patienten gleich gut. Nach 20 Jahren funktionieren im Schnitt noch ca. 80 Prozent der künstlichen Hüftgelenke ohne Probleme. Wird ein künstliches Hüftgelenk also erst in höherem Alter implantiert, kann es ein Leben lang halten, ohne dass es gewechselt werden muss. Bei manchen Patienten hält ein künstliches Hüftgelenk sogar 40 oder 50 Jahre lang.

Aus was besteht ein künstliches Hüftgelenk? 
Nicht jedes Material kann für ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden. Es ist wichtig, dass es zwischen dem Material und dem Knochen nicht zu Reibungen kommt. Denn Reibungen verursachen Schmerzen. Typische Materialien für das künstliche Hüftgelenk sind Metalle, Keramik und Polymere. Dabei sind bestimmte Materialkombinationen für Gleitpaarungen besonders geeignet.

Kann hinken behoben werden? 
Je nach Schwere des Hinkens wird das Leiden unterschiedlich behoben. Bei schwachem Hinken und bei Kindern wird zuerst versucht, das Hinken durch physiotherapeutische Maßnahmen oder geeignete orthopädische Hilfsmittel zu verbessern. Bei starkem Hinken wird eine Operation benötigt, um das Hinken zu verbessern. Dafür wird eine Operation am Trochanter durchgeführt. In jedem Fall sollte bei auftretendem Hinken ein Arzt kontaktiert werden, damit die weitere Behandlung besprochen werden kann.

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