Neue Untersuchung zu Glyphosat

Glyphosat ist ein häufig eingesetztes Pflanzenschutzmittel. Auch in der deutschen Landwirtschaft wird von Glyphosat reger Gebrauch gemacht. Lange Zeit galt es als unbedenklich und gut verträglich. Inzwischen mehren sich jedoch auch kritische Stimmen zu diesem Herbizid. Was ist dran an der Furcht vor dem Glyphosat und worauf sollte man als Verbraucher achten?

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein chemisches Unkrautvernichtungsmittel, auch Herbizide genannt. Es ist der Gruppe der sogenannten Phosphonate zugehörig. Glyphosat ist geruchlos, wasserlöslich und nicht flüchtig. In organischen Lösungsmitteln wie Fetten und Ölen ist es dagegen nicht löslich.

Es wird gewonnen durch eine Reduktionsprozess von Phosphortrichlorid mit Formaldehyd und Wasser. Dadurch entsteht das Zwischenprodukt Chlormethylphosphonsäure. Reagiert diese anschließend mit Glycin, kommt dabei das Glyphosat als Endprodukt heraus.

Die Geschichte von Glyphosat

Glyphosat kann auf eine relativ kurze Geschichte zurückblicken. Es wurde 1950 erstmals hergestellt durch den Schweizer Chemiker Henri Martin. Allerdings schenkte dieser dem Mittel zunächst wenig Beachtung, da er den Nutzen seiner Erfindung nicht erkannte. Die Forschungsunterlagen verschwanden in den Archiven seines Arbeitgebers, des Chemiekonzerns Cilag. Dieser wurde 1959 jedoch von dem amerikanischen Pharmahersteller Johnson & Johnson aufgekauft, der die Rezeptur an den ebenfalls in den USA ansässigen Hersteller Sigma-Aldrich weiterverkaufte.

Doch auch hier war man sich der herbiziden Wirkung der Chemikalie nicht bewusst. Diese trat erst zu Tage, als man bei dem bekannten Mischkonzern Monsanto zufällig während des Experimentierens mit verschiedenen Substanzen auf die Wirksamkeit von Glyphosat gegen Unkraut aufmerksam wurde. Daraufhin ließ sich Monsanto im Jahre 1974 Glyphosat als Herbizid patentieren.

Heute wird Glyphosat von dutzenden Chemieunternehmen auf der ganzen Welt gefertigt, denn das Patent lief zur Jahrtausendwende ab. Mit fast einer Dreiviertel Millionen Tonnen im Jahr ist es das meist verwendete Unkrautvernichtungsmittel. Glyphosat ist sowohl in industriell genutzten als auch in haushaltsüblichen Herbiziden zu finden, so zum Beispiel auch in dem bekannten Unkrautvernichter Roundup.

Anwendung von Glyphosat

Glyphosat wird üblicherweise auf den Feldern vor der Ausbringung der neuen Saat verwendet, um den bestehenden Unkrautbewuchs zu vernichten. Es kann sogar unmittelbar nach der Saat noch eingesetzt werden, da es nur gegen ausgetriebene Pflanzen, nicht jedoch gegen Samen wirkt.

Glyphosat wirkt gegen alle einkeim- und zweikeimblättrigen Pflanzen. Dies ist sehr praktisch, da es auch Herbizide gibt, die nur gegen eine der beiden Gruppen wirken. Da Glyphosat anschließend vom Boden adsorbiert und dann innerhalb einiger Wochen abgebaut wird, beeinträchtigt es die Feldpflanzen nicht in ihrem Wachstum. Glyphosat wird sowohl im Ackerbau als auch im Wein- und Obstanbau gerne verwendet.

Es gibt heute auch schon viele Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie resistent gegen Glyphosat sind. Auf diese Weise sind bei ihnen mehrmalige Anwendungen möglich, selbst wenn die Ackerpflanzen bereits wachsen. Vor allem bei Mais, Raps, der Sojabohne und Baumwolle wird dieses Verfahren verwendet, insbesondere in den USA. In Europa spielt es dagegen kaum eine Rolle, da gentechnisch veränderte Pflanzen hier kaum angebaut werden und eine große Skepsis gegen sie herrscht.

Wie wirkt Glyphosat?

Glyphosat wird von den Pflanzen durch die grünen Pflanzenteile aufgenommen. Anschließend blockiert es das Enzym EPSPS, das für die Synthese von Aminosäuren in der Pflanze zuständig ist. Normalerweise wird dieses Enzym mit Hilfe von Phosphat gebildet, das einen wichtigen Nährstoff für Pflanzen darstellt. Das Glyphosat verdrängt jedoch die Phosphat-Ionen. Dadurch wird ein weiteres Wachstum verhindert und die Pflanze geht zu Grunde. Es sterben auch die unterirdischen Pflanzenteile ab, sodass ein neues Wachstum verhindert wird.

Da der Stoffwechsel bei Tieren ganz anders aufgebaut ist als bei Pflanzen, ist Glyphosat für Menschen und Tiere dagegen nicht giftig.

Gesundheitsgefährdung durch Glyphosat?

 

Auswirkung von Glyphosat auf die Umwelt

Glyphosat wirkt gezielt gegen Pflanzen und beeinträchtigt nicht die Tierwelt. Es lagert sich nach der Ausbringung vornehmlich im Boden an und wird dort adsorbiert, das heißt, es kann über die Wurzeln der Pflanzen nicht oder nur sehr schlecht aufgenommen werden.

Ein Eintrag ins Grundwasser geschieht kaum. Üblicherweise sind die Nachweisbaren Konzentrationen, die in Gewässer gelangen, verschwindend gering. In die Umwelt ausgebrachtes Glyphosat wird innerhalb relativ kurzer Zeit von Mikroorganismen abgebaut. Im Boden geschieht dies durchschnittlich innerhalb von einem Monat. Je höher die Besiedlungsdichte des Bodens mit Mikroorganismen, desto schneller geht der Abbau von Statten. Die Endprodukte des Abbaus sind Kohlendioxid, Phosphat und Ammonium. Diese sind völlig harmlos und dienen sogar als Nährstoffe.

Da Glyphosat kaum flüchtig ist, wird es auch durch den Wind praktisch nicht verbreitet. Wird es mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen versprüht, so verbreitet es sich kaum über den Rand des Feldes hinaus. Bei der Ausbringung mit Flugzeugen können dagegen noch in 25-100 Metern Abstand vom Feld geringe Konzentrationen von Glyphosat nachgewiesen werden.

Unter dem Strich ist Glyphosat daher ein sehr verträgliches Herbizid, da es für Menschen und Tiere nicht direkt gefährlich ist, kaum ins Grundwasser gelangt, nicht über das Feld hinaus verbreitet wird und sich nach der Anwendung rasch wieder in unschädliche Bestandteile abbaut.

Aufnahme in Organismus findet kaum statt

Obwohl Glyphosat lange Zeit sehr populär als Unkrautvernichtungsmittel war, mehren sich in letzter Zeit kritische Stimmen. Durch unabhängige Organisationen wie die EU und die WHO wurde Glyphosat zwar eingehend getestet und seine Unbedenklichkeit für Menschen und Tiere wurde bestätigt, diverse Naturschutzbünde wie Greenpeace argumentieren dagegen, dass einzelne Studien durchaus eine Gesundheitsgefahr durch Glyphosat belegen.

Zunächst einmal ist darauf hinzuweisen, dass Tierversuche ergeben haben, dass Glyphosat bei oraler Aufnahme kaum in den Körper gelangt, sondern größtenteils wieder ausgeschieden wird. Auch die Aufnahme durch die Haut findet kaum statt. Experimente haben ergeben, dass nur nach einem mehrstündigen direkten Kontakt von unverdünntem Glyphosat mit der Haut ein Nachweis der Substanz im Körper möglich war und die Konzentration im unteren einstelligen Prozentbereich lag.

Stichproben haben zudem ergeben, dass sich Glyphosat auf dem Obst und Gemüse, das letztlich in den Handel kommt, kaum noch nachweisen lässt. In der Zeit zwischen der Ausbringung und der Ernte ist es ohnehin bereits abgebaut. Dies gilt allerdings nur für die europäische Landwirtschaft. In Ländern, in denen Glyphosat bei gentechnisch veränderten Pflanzen zum Einsatz kommt, können höhere Mengen auf den landwirtschaftlichen Erzeugnissen zurückbleiben.

Eine Studie des Bundesumweltamtes mit 400 Teilnehmern zeigte Anfang 2016, dass sich Glyphosat bei 40 % der Probanden im Urin nachweisen ließ. Allerdings war die Konzentration selbst bei dem höchsten Messwert noch um den Faktor 1000 geringer als die noch als unbedenklich geltende Höchstmenge. Die nachgewiesene Glyphosatmenge war also verschwindend gering.

Wer sich als Verbraucher dennoch vor Glyphosat fürchtet, der kann Lebensmittel aus Bio-Erzeugung kaufen oder sollte Obst und Gemüse gründlich waschen. Dies ist auch aus anderen Gründen ohnehin immer zu raten.

Ist Glyphosat krebserregend?

In letzter Zeit ist Glyphosat jedoch in den Verdacht geraten, die Entstehung von Krebs zu begünstigen. Dazu muss angemerkt werden, dass Glyphosat bisher in dieser Beziehung als unbedenklich galt. Seit der Jahrtausendwende haben zahlreiche Studien, die entweder von den Herstellern selbst in Auftrag gegeben oder von nationalen oder supranationalen Organisationen durchgeführt worden sind, keinerlei eindeutigen Beweis für eine kanzerogene Wirkung von Glyphosat erbringen können.

Im Jahre 2015 allerdings veröffentlichte die Internationale Agentur für Krebsforschung die Ergebnisse einer Untersuchung, nach der ein begründeter Verdacht besteht, dass Glyphosat die Erkrankung an dem Non-Hodgkin-Lymphom und dem Multiplen Myelom begünstigen könnte. Versuche mit Mäusen und Ratten legten zudem nahe dass Glyphosat die Entstehung von Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs fördern könne.
Diese Ergebnisse wurden jedoch auch kritisch gesehen, da die kanzerogene Wirkung ebenso auf andere Bestandteile der Rezeptur der für die Studie verwendeten Herbizide zurückgeführt werden könnte und nicht auf das Glyphosat an sich.

Die Gefahren, die sich durch die Glyphosataufnahme mit der Nahrung ergeben, sind prinzipiell gering. Dies zeigen die erwähnten Stichprobenuntersuchungen bei Waren und Verbrauchern.

Einer höheren Gefahr setzt sich jedoch aus, wer mit Glyphosat arbeitet, sei es beruflich oder im eigenen Garten. Da nach wie vor nicht eindeutig geklärt ist, ob Glyphosat in höheren Konzentrationen nicht doch gesundheitsgefährdend ist, sollte man beim Umgang entsprechende Vorsicht walten lassen oder auf die Anwendung wo es geht verzichten. Dies gilt prinzipiell für alle chemischen Pflanzenschutzmittel.

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