Phosphat

Auch bekannt als:

P, Pi, PO4, Phosphor
Bezeichnung: Anorganisches Phosphat
Ähnliche Tests: Calcium, Elektrolyte, Vitamin D, Parathyroid hormone


Auf einen Blick

Warum wird der Phosphat-Wert im Blut bestimmt?

Um festzustellen, ob sich der Phosphat-Spiegel im Normbereich befindet, insbesondere bei Erkrankungen, die eine Erhöhung oder Erniedrigung der Phosphat-Werte im Blut zur Folge haben können (insbesondere Störungen im Calciumstoffwechsel bzw. bei Nierenfunktionsstörungen).

Bei welchen Erkrankungen oder Symptomen soll Phosphat untersucht werden?
Bei gestörter Calciumhomöostase, bei Nierenerkrankungen oder Diabetes sowie bei Mangelernährung bzw. parenteraler Ernährung und bei der Einnahme von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten.

Aus welchem Probenmaterial wird Phosphat untersucht?

Aus einer venösen Blutprobe (üblicherweise aus einer Armvenenpunktion). Häufig ist auch eine Urinuntersuchung sinnvoll.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Die Bestimmung der Phosphatkonzentration im Blut erfolgt vorzugsweise aus Serum (Plasma, das mit Lithium-Heparin antikoaguliert wurde ist auch möglich). Zu beachten ist, dass die Meßwerte für Serumbestimmungen aufgrund der Gerinnungsvorgänge mit Freisetzung von intrazellulärem Phosphat etwas höher liegen als im Plasma.

In der erweiterten Diagnostik bei Störungen der Nierenfunktion und der Nebenschilddrüsenfunktion wird häufig zusätzlich die renale Ausscheidungsmenge gemessen. Dies geschieht in der Regel mittels Phosphat-Clearance, die Spezialdiagnostik umfaßt zusätzlich die prozentuale tubuläre Phosphatrückresorption und das Maximum der tubulären Phosphatrückresorption.

Für die Berechnung der Phosphat-Clearance wird analog der Kreatinin-Clearance in einem definierten Zeitraum die Urinmenge gesammelt (üblicherweise 24 h). Anschließend wird ein Aliquot zur Konzentrationsbestimmung gemeinsam mit einer Serumproben und mit Angabe der Sammelzeit und des Sammelvolumens an das Labor gegeben. Stabilisierende Zusätze zum Urin sind nicht erforderlich.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Üblicherweise wird venöses Blut aus einer Armvenenpunktion gewonnen. Wichtig ist, daß die Entnahme morgens und nüchtern erfolgt, da eine zirkadiane Rhythmik besteht und Insulin die Phosphatkonzentration im Serum / Plasma beeinflußt.

Für die Messung der Phosphatkonzentration im Urin wird in der Regel Sammelurin verwendet. Das Procedere entspricht dem Vorgehen zur Bestimmung der Kreatinin-Clearance.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Mit dem Serum-Phosphat-Test wird die Menge an anorganischem Phosphat im Blut bestimmt. Im flüssigen Blutkompartiment (Serum / Plasma) existiert anorganisches Phosphat in Form der Phosphorsäuren (z.B.  H2PO4-. Innerhalb der Zelle ist Phosphat im wesentlichen in organischen Verbindungen (Zellproteine und Zellmembran) gespeichert.

Phosphate haben verschiedenste, elementare Funktionen: Sie sind wichtige Elemente in der Bildung und Speicherung von Energie, für die Funktion von Muskeln und Nerven und für das Knochenwachstum. Sie spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts.
Ungefähr 70 – 80% des Körperphosphates liegt als Calciumphosphat in Knochen und Zähnen vor, ca. 10% findet sich im Muskel und ca. 1% im Nervengewebe. Der Rest befindet sich in anderen Körperzellen, wo es hauptsächlich der Speicherung von Energie dient. Vom gesamten Körper-Phosphat befindet sich lediglich ca. 1% im flüssigen Blutkompartiment (Serum bzw. Plasma).

Phosphat wird über die Nahrung aufgenommen. Während viele Lebensmittel größere Mengen an Phosphat enthalten, zählen Bohnen, Erbsen und Nüsse, Getreide, Milchprodukte, Eier, Rindfleisch, Huhn und Fisch zu den Produkten mit geringem Phosphatgehalt. Während die Phosphataufnahme des Körpers im wesentlichen von der zugeführten Menge abhängt, wird die Phosphatausscheidung über die renale Ausscheidung reguliert. Der letztgenannte Mechanismus führt im Normalfall dazu, daß die Phosphatwerte im Blut relativ konstant bleiben.

Häufig wird der Parameter bei Störungen des Calcium– oder Knochenstoffwechsels sowie bei Nierenerkrankungen bestimmt. Weiterhin ist er ein wertvoller Parameter bei Verdacht auf eine Mangelernährung oder bei parenteraler Ernährung.

Obwohl meistens die Phosphatkonzentration im Serum bzw. Plasma zur Beurteilung des Phosphathaushaltes verwendet wird, kann auch die Quantifizierung der renalen Ausscheidung eine wichtige Rolle in der Diagnostik haben. Häufig wird hier in Analogie zur Kreatinin-Clearance die Phosphat-Clearance-Rate bestimmt. Weitere Optionen bei speziellen Fragestellungen sind die Bestimmung der prozentualen bzw. maximalen tubuläre Phosphatrückresorption.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Die Bestimmung von Phosphat im Blut wird oftmals bei Erkrankungen angefordert, welche mit einer gestörten Calcium-Verwertung einhergehen, um diese besser diagnostizieren und einordnen zu können. So hilft der Phosphat-Test bei der Diagnose von Störungen im Stoffwechsel des Parathormons oder des Vitamin D, da diese beiden Stoffe am Calcium-Stoffwechsel und auch direkt oder indirekt am Phosphat-Stoffwechsel beteiligt sind.

Obwohl abnorme Phosphat-Spiegel normalerweise keine Symptome zeigen, wird Phosphat häufig gleichzeitig oder als Folgediagnostik bei auffälligen Calcium-Werten im Blut angefordert und/oder nach Symptomen, welche für einen gestörten Calcium-Haushalt Sprechen, wie Schwindel, Muskelschwäche oder Muskelkrämpfe.

Wichtige Indikationen sind in diesem Zusammenhang:

  • Erkrankungen der Nebenschilddrüsen
    • Hyperparathyreoidismus
    • Hypoparathyreoidismus
  • Störungen des Vitamin D-Stoffwechsels
  • Chronische Nierenerkrankungen / Dialyse

Wenn Erkrankungen oder krankmachende Umstände zu Störungen in den Phosphat- und/oder Calcium-Werten führen, dienen regelmäßige Spiegelbestimmungen von beiden Stoffen einer Therapiekontrolle.

Bei bestehender Nierenerkrankung, Nierensteinen oder nicht eingestelltem Diabetes wird Phosphat regelmäßig kontrolliert, um eine vermehrte renale Ausscheidung oder eine Retention erkennen zu können.

Die Bestimmung des Blut-Phosphates ist zudem wichtig bei Patienten mit V.a. Mangelernährung (z.B. chronischer Alkoholismus) oder parenteraler Ernährung. Hier dient der Parameter vor allem zur Erfassung einer qualitativ mangelhaften Aufnahme von Nährstoffen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Zuwenig Phosphat im Blut wird als Hypophosphatämie bezeichnet. Häufigere Ursachen sind:

  • Primärer Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion)
  • Einnahme von Diuretika („Wassertabletten“), welche die Ausscheidung von Phosphat über die Niere fördern
  • Schwere Verbrennungen
  • Nach Insulinbehandlung einer diabetischen Stoffwechselentgleisung / Ketoazidose
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Hypokaliämie (zuwenig Kalium im Blut)
  • Chronischer Gebrauch von bestimmten Antazida (Medikamenten gegen Sodbrennen)
  • Rachitis und Osteomalazie infolge eines Vitamin-D-Mangels
  • Mangelernährung (bei z.B. chronischem Alkoholabusus)
  • Parenterale Ernährung.

Zu hohe Phosphat-Spiegel im Blut bezeichnet man als Hyperphosphatämie. Ursachen dafür sind unter anderem:

  • Nierenversagen
  • Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion)
  • Metabolische Ketoazidose (zu Beginn der Erkrankung)
  • Vemehrte Phosphatzufuhr.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?

Zu hohe Phosphat-Werte im Blut können dazu führen, dass Organe durch Calcifizierung zerstört werden (Bildung von Calciumphosphatablagerungen, z. B. in den Nieren).

Bei Kindern finden sich i. d. R. hohe Phosphat-Werte im Blut, da die Knochen von Kindern wegen ihres Wachstums einen höheren Umsatz von Knochensubstanz zeige. Sind bei Kindern die Phosphat-Werte im Blut zu niedrig, kann dies das Knochenwachstum hemmen.

Einige Limonaden oder Fertigprodukte enthalten Phosphate als Zusätze. Manche Ernährungsspezialisten glauben, dass diese Zusätze zu einer Überversorgung mit Phosphat führen können.

Die Testergebnisse können auch durch therapeutische Maßnahmen wie z. B.  natriumphosphathaltige Klistiere oder Abführmittel, massive Vitamin-D-Aufnahme oder durch Glukose- bzw. Insulininfusionen beeinflusst werden.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Verwendung von Serum sollte die Abtrennung von den zellulären Bestandteilen innerhalb von 2 h erfolgen. Dann ist die Phosphatkonzentration bei Raumtemperatur ca. 2 Tage stabil. Die Phosphatkonzentration ist im Vollblut maximal 1 Tag bei Raumtemperatur stabil. Sie steigt dann zeit- und temperaturabhängig an.

Stabilisierende Zusätze zur Urinprobe sind nicht erforderlich.

Referenzbereiche (Erwachsene)
Phosphatkonzentration im Serum / Plasma: 0,84 – 1,45 mmol / l (2,6 – 4,5 mg / dl)

Die mittleren Serumwerte liegen etwas höher als in Plasmaproben.

Phosphat-Clearance:    5,4 – 16,2 ml / min

 

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Probenmaterial
Serum wird aus meßtechnischen Gründen insbesondere bei der häufig verwendeten Farbkomplexmethode (Phosphormolybdat-Methode) gegenüber Plasma bevorzugt. Falls Plasma verwendet wird, sollte Lithium-Heparin als Antikoagulanz eingesetzt werden.

Meßinterferenz
Da in der Regel eine Farbkomplexmethode mit photometrischer Detektion zur Phosphatmessung eingesetzt wird, führen spektrale Interferenzen durch Hyperlipidämie und anderen Trübungen zu falsch-hohen Meßwerten.

Abhängigkeit von Nahrung und zirkadiane Rhythmik
Da eine ausgeprägte Abhängigkeit des Phosphatkonzentration im Serum / Plasma von der Nahrung besteht und außerdem eine zirkadiane Rhythmik besteht, sollte die Blutentnahme morgens am nüchternen Patienten erfolgen. Die Referenzbereiche gelten nur unter diesen Bedingungen.

Hämolyse
Hämolytische Seren führen aufgrund der Freisetzung von intrazellulären (organischen) Phosphatverbindungen, die extrazellulär in anorganisches Phosphat umgewandelt werden, zu falsch-hohen Phosphatwerten.

Immunglobuline
Monoklonale Immunglobuline führen aufgrund der Phosphatbindung zu falsch-hohen Meßwerten (Pseudohyperphosphatämie).

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Bestimmung von Phosphat im Blut oder Urin gehört zu den RILIBÄK-pflichtigen Parametern. Die analytischen Qualitätskriterinen für die maximal zulässige Unpräzision und Unrichtigkeit sowie für die maximal zulässige Abweichung des Einzelwerts müssen daher den Richtlinien der Bundesärztekammer entsprechen.


Häufige Fragen

Wie können gestörte Phosphat-Spiegel festgestellt werden, obwohl solche Zustände keine Symptome verursachen?
Krankhaft veränderte Phosphat-Spiegel werden meist im Zusammenhang mit Symptomen eines gestörten Calcium-Haushalts diagnostiziert, da sich Phosphat und Calcium gegenseitig beeinflussen. Calcium wird außerdem häufig bei allgemeinen Elektrolyt- und Hormon-Basisuntersuchungen bestimmt. Finden sich hierbei veränderte Calcium-Werte, wird der behandelnde Arzt auch den Phosphat-Spiegel bestimmen.

Können sich Vegetarier ausreichend mit Phosphat versorgen, ohne auf Fleisch oder Milchprodukte zurückgreifen zu müssen?
Ja, aber der Mensch kann nur 50% des in Pflanzen enthaltene Phosphats, wie in Bohnen, Linsen, Getreide, Erdnüssen und Mandeln, nutzen, da ihm ein bestimmtes Enzym fehlt. Eine Ausnahme hierzu bilden Hefe und Hefeprodukte, da Hefe dieses Enzym enthält.


Weiterführende Links zum Thema

AWMF Leitlinien, Diagnostik von kindlichen Stoffwechselstörungen: Leitlinien zur Galaktosämie / Galaktokinasemangel / Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferasemangel / Uridin-disphosphat-Galaktose-4-Epimerasemangel:
https://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/027-008.htm

AWMF Leitlinien, Diagnostik des Harnsteinleidens:
https://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/043-025.htm

AWMF Leitlinien, Metaphylaxe des Harnsteinleidens:
https://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/043-026.htm

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