Augenlid

Der Schutzwall des Auges

Die Augen, unsere Fenster zur Außenwelt, beheimaten für viele Menschen den wohl wichtigsten Sinn: den Sehsinn. Dem Augenlid, das die Augen umschließt, wird oft nur dann Beachtung geschenkt, wenn es auffällig geschminkt wird, oder Krankheitsbeschwerden mit sich bringt. Es zählt zu den eher unauffälligen Körperteilen. Dabei übernimmt das Augenlid einige zentrale Aufgaben, die trotz seiner sensiblen Bauweise nicht unterschätzt werden sollten. So ist es zum Beispiel dafür verantwortlich, das Auge vor Fremdkörpern wie Staub, zu starkem Licht oder Berührungen zu schützen. Auch der Lichteinfall wird durch die Schließbewegung des Augenlids gesteuert. Seine Zusammensetzung sowie Aufgaben und Anfälligkeiten werden im Nachfolgenden genauer beleuchtet.

Was ist das Augenlid?

Das Augenlid ist eine dünne Hautschicht, die den Augapfel im Inneren der Augenhöhle schützt. Es ist in ein Ober- und ein Unterlid aufgeteilt, die sich jeweils durch Muskelbewegung öffnen und schließen lassen. Die Muskelkontraktion, die den Lichteinfall auf die Netzhaut des Auges steuert, nennen wir das Blinzeln. Schlafen wir, bleibt das Augenlid in der Regel geschlossen und schaltet den gesamten Sehsinn ab. Dies hilft uns, für die Nacht abzuschalten und in einen Ruhezustand zu kommen. Trotz seiner dünnen und sensiblen Bauweise, besteht das Augenlid aus einem engen Gewebe aus Muskeln, Bindegewebe und Drüsen. Sie verlaufen unterhalb der Haut besonders konzentriert. Sie versorgen es mit Nährstoffen machen es besonders flexibel und beweglich. Der Spalt zwischen dem Ober- und Unterlid nennt sich Lidspalte und ist mit einem Saum an Haaren besetzt, die zusätzliche Kleinsteile vor dem Eindringen in den Augapfel meiden. Sie sind uns bekannt als Wimpern.
Viele Tierarten, insbesondere Säugetiere, besitzen einen ähnlichen Aufbau des Augenlids mit deckungsgleichen Funktionen. Zusätzlich haben einige von Ihnen ein drittes Lid, das Nickhaut genannt wird. Beim Menschen ist die Nickhaut ebenfalls vorhanden, allerdings nicht sichtbar ausgebildet und in ihrer Funktion nicht erheblich.

Funktionen & Aufgaben

Obwohl das Augenlid nicht als prominentes Organ gilt, hat es zwei immens wichtige Aufgaben. Zunächst ist es der Schutzwall, der das sensible Auge vor der Außenwelt abschirmt. Durch seine Muskelkontraktion ist es in der Lage, das Auge gezielt zu schließen und vor Fremdkörpern, Staub, Schmutz, zu starken Licht oder auch zu extremen Temperaturen zu schützen. Zu viel Hitze kann das Auge austrocknen, zu kalte Luft schadet der Feuchtigkeit des sensiblen Augapfels. Der Wimpernkranz am Rand Saum des Lids fungiert als zusätzlicher Filter, der Kleinstpartikel abhalten und den Verschluss des Lids sichern kann.

Die Muskeln des Augenlids zählen zu den schnellsten Muskeln unseres Körpers. Sie sind mit einem Reflex verbunden, der das Lid bei Erschrecken automatisch schließt. Man nennt dies den reflektorischen Lidschluss, der innerhalb von Bruchteilen von Sekunden reagiert. Auch wenn sich Gegenstände auf unsere Augen zubewegen, oder zu helles Licht auf sie einstrahlt, schließt das Augenlid automatisch. Durch sehr schnelle Muskelkontraktion, die auch Blinzeln genannt wird, können ebenso bereits eingedrungene Fremdkörper zum Rand des Auges transportiert werden. Durch die Tränenflüssigkeit können sie dann ausgespült werden, ohne das Auge weiter zu verletzen.

Das Befeuchten des Auges durch diese Tränenflüssigkeit ist die zweite Aufgabe des Augenlids. Jede Muskelbewegung sorgt dafür, dass der Augapfel gleichmäßig befeuchtet wird. Diese feuchte Oberfläche hilft nicht nur, das Auge zu reinigen. Auf ihr gleiten die Augenlider besser und schneller, um die empfindliche Hornhaut am Auge optimal zu schützen.
Bei besonders trockener Umgebung wie etwa heißen Sommertagen oder Heizungsluft, blinzeln wir deutlich öfter, um das Auge feucht zu halten, meist sogar unbemerkt. Auch im Schlaf wird das Auge durch die geschlossenen Lider weiterhin gleichmäßig mit Feuchtigkeit benetzt.

Die Aufgaben des Augenlids im Überblick:

 

  • Schutz des Auges vor äußeren Fremdkörpern und Verschmutzung
  • Reflektorischer Lidschluss
  • Befeuchtung des Auges

Anatomie & Aufbau

Das Augenlid schließt die Augenhöhle, in welche der Augapfel eingebettet ist, nach vorne ab. Es lässt sich vollständig schließen, um Fremdkörper und sogar Flüssigkeiten effizient vor dem Eindringen in das Innere des Auges abhalten zu können. Die zwei Lider sind dabei jedoch nicht gleichermaßen groß ausgebildet. Das Oberlid ist etwas größer als das Unterlid und lässt sich zudem weiter aufklappen, um einen weiteren Blickwinkel nach oben zu ermöglichen. Die Wimpern, die am Rand beider Lider zu finden sind, werden in der Fachsprache Zilien genannt. Am Oberlid sind sie deutlich dichter und länger. An ihrem Ansatz finden sich zudem die Drüsen, die das Auge mit Nährstoffen versorgen.
Weiterhin ist das Augenlid in ein äußeres und inneres Lidblatt untergliedert. Das äußere Lidblatt besteht aus einer sehr dünnen Hautschicht und umfasst die Ringmuskeln, die das Auge öffnen und schließen können. Das innere Lidblatt ist dagegen aus mehreren Komponenten zusammengesetzt. Sein Hauptbestandteil ist der Tarsus, eine Bindegewebsplatte, die leicht in Form des Auges gebogen ist.

Begrenzt wird das Augenlid an beiden Enden von den Augenwinkeln. Die Augenwinkel sind nicht symmetrisch. Der Innere ist abgerundet und enthält die Tränenpunkte und den Tränensee, der als kleine Ausbuchtung zu erkennen ist. Der äußere Augenwinkel läuft sehr spitzwinklig zu.

Kulturelle Unterschiede des Augenlids

Die Form der Augenlider ist ein markantes Zeichen, das insbesondere bei der Beschreibung von Körpertypen unterschiedlicher Kulturen herangezogen wird. Klassisch ist das mandelförmige Auge asiatischer Menschen. Grund für die unterschiedlich wahrgenommene Augenform ist eine doppelte Lidfalte, die insbesondere unter Europäern genetisch nicht vorkommt. Das asiatische Auge erscheint verengt und kleiner als das europäische. In seiner Funktion büßt das Auge durch die veränderte Form nichts ein. Dennoch gilt die europäische Augenform in Ländern wie Südkorea als Schönheitsideal, das mithilfe von Kosmetik oder Schönheitsoperationen angestrebt wird.

Auch über die asiatische Kultur hinaus, gelten große Augen als ein Ideal. Sie wirken offen, aufgeschlossen und freundlich und sind besonders bei Frauen sehr beliebt. Kleinkinder lösen durch ihre großen, kugelförmigen Augen oft einen Süßheits-Effekt aus, der Erwachsene in ihren Bann zieht. Auch bei Babies von Säugetieren ist der Effekt zu beobachten. Frauen streben diesem Ideal entgegen, indem sie das Augenlid mithilfe von Kosmetik optisch verlängern, und dadurch die Augen scheinbar vergrößern. Größere sowie dunklere Pupillen haben einen ähnlichen Effekt, der vom Augelid losgelöst funktioniert.

Geschwollene Augen

Geschwollene Augen sind kein Einzelphänomen und kommen bei jedem Menschen in unregelmäßigen Abständen vor. Grund hierfür ist das äußere Lidblatt. Es kann Feuchtigkeit und Flüssigkeiten aus der Umgebung absorbieren und dadurch vergleichsweise schnell anschwellen. Insbesondere nach dem Aufstehen nach mehreren Stunden Schlaf haben viele Menschen daher angeschwollene Augen. Da während des Schlafens nicht geblinzelt wird, wird das Auge durchgehend mit Flüssigkeit umgeben, die vom äußeren Augenlid aufgenommen werden kann. Auch nach dem Weinen schwillt die Umhaut des Auges stark an und rötet sich. Austretende Körperflüssigkeit wird zum Teil absorbiert, wenn sie nicht zuvor abgetrocknet wurde und sorgt für unschöne „verheulte Augen“. Häufig und stark geschwollene Augen können jedoch auch auf eine Fehlernährung hindeuten, die sich durch zu viele Konservierungsstoffe und Sodium auszeichnet.

Gegen angeschwollene Augen hilft es, die Umhaut des Auges leicht zu kühlen, oder sie mit Feuchtigkeit von außen zu versorgen, etwa durch Gurkenmasken. Von Cremes und Salbe sollte abgesehen werden, wenn sie nicht explizit für Augen ausgelegt sind. Das sensible Augenlid kann durch parfümierte Stoffe schnell gereizt werden und mit Entzündungen und Rötungen reagieren.

Krankeiten, Beschwerden & Störungen

Das Augenlid ist durch seine hohe Konzentration von Muskeln, Gewebe und Drüsen sehr sensibel gegenüber Krankheitseinflüssen. Entsprechend kann eine Vielzahl von Krankheiten und Beschwerden auftreten.

Die wohl häufigste auftretende Beschwerde ist eine Bewegungsstörung des Lids. Sie kann bei Schwellungen plötzlich über Nacht oder durch eine allergische Reaktion auftreten, aber ebenso schnell auch wieder abklingen. Allerdings können Bewegungsstörungen wie etwa ein unkontrolliertes Lidzucken auch angeboren sein und von einer Fehlstellung des Lids herbeigeführt werden. Sind sie nicht genetisch veranlagt, können auch Mineralstoffmangel, oder eine ungesunde Lebensweise Grund für die Beschwerden sein. Da das Organ des Auges eine hohe Konzentration an Nährstoffen über den Tag verteilt benötigt, ist eine ausgewogene und entlastende Lebensweise daher wichtig.
Auch eine Lähmung kann das Auge betreffen. Liegt eine Nervenstörung, etwa durch Medikamente oder einen Schlaganfall vor, können Teile der Gesichtspartien erschlaffen. Häufig wird in diesem Fall die Muskulatur einer Gesichtshälfte betroffen. Backe und Augenlid hängen dabei deutlich sichtbar herab und sind in ihrer Funktion stark eingeschränkt.

Neben den Bewegungsstörungen kann das Augenlid ebenso wie das Auge selbst auch von einer Vielzahl an Entzündungen betroffen werden. Die weit verbreitete Bindehautentzündung kann auch auf das Augenlid übergehen. Sie betrifft dann insbesondere den Lidrand und wird Blepharitis genannt.

Auch das Gerstenkorn ist weit verbreitet. Dabei handelt es sich um eine akute Entzündung, die durch Bakterien ausgelöst wird. Sie können durch unsaubere Hände auf das Auge übertragen werden. Es betrifft die Drüsen am Augenlid und verursacht eine Eiteransammlung, die sich einen Abszess herausbilden kann. In der Regel löst sich das Gerstenkorn nach einigen Tagen von selbst. Bei einer hartnäckigen Entzündung sollte jedoch ein Augenarzt aufgesucht werden.

Neben Abszessen können auch Tumore oder Zysten das Augenlid befallen. Sie schränken insbesondere die Bewegung des Augenlids ein und können dadurch zum Austrocknen des Auges führen oder seine Nährstoffversorgung angreifen. Ein Parasitenbefall kann durch mangelnde Hygiene ebenfalls auftreten und das Auge im Gesamten erkranken lassen. Auch hier ist ein Gang zum Augenarzt die beste Therapie.
Augenfehlstellungen treten insbesondere durch Erberkrankungen auf. Eine Schrägstellung oder die nasale Lidfalte etwa sind beidem Down-Syndrom sehr prominent. Die Lidfalten selbst können in Einzelfällen auch stark verhornt und verformt sein, oder sogar vollständig fehlen.

Auswirkung einer Fettstoffwechselstörung sind sogenannte Xanthelasmen, die sich durch gelbe oder rote Fetteinlagen am Augenrand äußern. Sie treten meist auf beiden Gesichtshälfte an der nasalen Seite der Augenlider auf, und sind nicht rückwirkend zu behandeln.

Störungen der Lidform können um Beispiel durch einen Bruch der Lidplatten, das sogenannte Ektropium entstehen. In diesem Krankheitsfall wölbt sich das Augenlid nach außen. Auftreten können diese Verformungen durch Vernarbungen oder als Auwirkungen von Augenoperationen.

Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Hagelkorn
  • Gesternkorn
  • Lidrandtentzündungen
  • Bewegungsstörungen
  • Geschwüre, Abszesse, Zysten & Tumore
  • Xanthelasma
  • Lidfehlstellungen & Fehlbildungen
  • Ektropium

Das Innenschielen bei Kindern

Eine bekannte Fehlstellung des Auges ist das sogenannte Schielen. Bei Kleinkindern kann es zwischen dem zweiten oder dritten Lebensjahr besonders häufig vorkommen. Meist ist es in den frühen Lebensjahren aber noch harmlos und handelt sich lediglich um eine Täuschung. Mit dem Wachstum und der Ausbildung des Nasenrückens verschwindet es mit dem Alter des Kindes. Sollte das Schielen jedoch nach diesem Zeitraum noch auftreten, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Früh erkannte dauerhafte Fehlstellungen sind in jungen Jahren noch besonders gut zu korrigieren. Bleibt eine nötige Behandlung aus, kann es zu einseitigen Sehschwächen oder schweren Störungen kommen, die das dreidimensionale Sehfeld der Kinder einschränken können.

Fragen & Antworten

Staub im Auge

Trotz des Schutzmechanismus des Augenlids kommt es häufig vor, dass Fremdkörper oder Staub ins Augeninnere gelangen. Kleinstpartikel können Sie einfach selbst aus dem Auge entfernen, indem Sie das Auge schließen und leicht auf dem Augenlid in Richtung Nase streichen. Achten Sie darauf, nicht zu viel Druck auf das Auge auszuüben und die Hände vorher sorgfältig zu desinfizieren, da Sie es sonst weiter reizen oder eine Entzündung ausüben können. Ein feuchtes Tuch unterstützt die Tränenflüssigkeit, die den Fremdkörper so ausspülen kann.

Fremdkörper im Augapfel, was tun?
Sollten massivere Fremdkörper in das Auge gelangt sein, die sich durch einfaches Streichen nicht entfernen lassen, oder eine Verletzung des Augapfels vorliegen, vermeiden Sie unbedingt den Augenkontakt. Festsitzende Fremdkörper, die den Augapfel oder die Bindehaut durchstoßen oder verletzt haben, sollten im Auge belassen und vom Facharzt professionell entfernt werden.

Auch Abszesse wie das Gerstenkorn sollten Sie auf keinen Fall mit den Fingern ausdrücken. In offene Wunden können schnell Bakterien eindringen, die bei dem empfindlichen Auge Entzündung auslösen können.

Sind Augenringe ungesund?
Sogenannte Augenringe besitzt jeder Mensch. Sie äußern sich in einer dunklen, meist blauen Färbung, die meist unmittelbar unterhalb der Augen auftritt und die von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt ist. Betroffene Menschen wirken meist Krank oder eingefallen, trotzdem müssen bei auftretenden Augenringen nicht zwangsläufig eine Krankheit vorliegen. In den meisten Fällen sind sie harmlos, nur von kurzer Dauer und kosmetisch leicht zu überdecken.

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