Ammoniak

Auch bekannt als:

NH3
Bezeichnung:
Ähnliche Tests: Laboruntersuchungen der Leber


Auf einen Blick

Warum wird der AmmoniakSpiegel im Blut untersucht?

Um erhöhte AmmoniakSpiegel im Blut festzustellen, Bewusstseinsveränderungen zu ergründen oder eine hepatische Enzephalopathie sowie das Reye-Syndrom zu diagnostizieren.

Bei welchen Erkrankungen sollte das Ammoniak untersucht werden?
Bei Bewusstseinsveränderungen oder einem Koma unklarer Genese; bei ständigem Erbrechen von  Neugeborenen oder Kindern; bei ausgeprägter Lethargie Neugeborener oder etwa eine Woche nach einem viralen Infekt sollte der Ammoniak-Wert bestimmt werden.

Mit welchem Probenmaterial wird die Untersuchung durchgeführt?
Mit Blut aus einer Armvene

Aus welchem Probenmaterial wird der Test durchgeführt?
Mit EDTA-Plasma aus einer Blutprobe. Serum sollte nicht verwendet werden. Heparinblut ist für den Test geeignet; Ammoniumheparin kommt nicht in Betracht.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Dieser Test bestimmt den Ammoniak-Spiegel im Blut. Ammoniak ist eine von Darmbakterien und Körperzellen während der Verdauung von Proteinen produzierte Verbindung. Als Abfallprodukt wird Ammoniak normalerweise zur Leber transportiert, wo es zu Harnstoff und Glutamin umgewandelt wird. Harnstoff wird über das Blut zu den Nieren transportiert und dort über den Urin ausgeschieden. Funktioniert dieser Harnstoffzyklus nicht vollständig, reichert sich Ammoniak im Blut an und überschreitet die Blut-Hirnschranke.

Im Gehirn können Ammoniak und andere durch die Leber metabolisierte Verbindungen die hepatische Enzephalopathie verursachen. Hierbei handelt es sich um mentale und neurologische Veränderungen, die zu Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, Somnolenz und bis hin zu Koma und Tod führen können. Neugeborene und Kinder mit einem erhöhten Ammoniak-Wert im Blut erbrechen häufig, sind reizbar und verstärkt lethargisch. Unbehandelt kommt es zu epileptischen Anfällen, Atemschwierigkeit und schließlich Bewusstseinsverlust und Koma.
Störungen der Ammoniak-Metabolisierung können mehrere Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Seltene genetische Defekte des Harnstoffzyklus:  Störung eines oder mehrerer Enzyme, die bei der Umwandlung von Ammoniak zu Harnstoff nötig sind.
  • Schwere Lebererkrankung: Die erworbene Schädigung schränkt die Möglichkeit der Leber ein Ammoniak zu metabolisieren. Akute Schwankungen der Ammoniak-Werte treten bei Patienten mit einer stabilen Lebererkrankung auf, besonders nach sogenannten Triggerfaktoren (z. B. gastrointestinalen Blutung oder Elektrolytstörungen.
  • Verminderter Blutfluss zur Leber: Ammoniak gelangt nicht zur Leber und kann nicht abgebaut werden.
  • Reye-Syndrom: Akute Krankheit, die Blut, Gehirn und Leber betrifft. Charakteristisch sind die ansteigenden Ammoniak-Werte und ein sinkender Blutglukose-Wert. Das Reye-Syndrom betrifft Kinder und jüngere Erwachsene. In den meisten Fällen tritt es kurz nach einer Virusinfektion auf und wird offenbar auch durch diese ausgelöst. Kinder, die Acetyl-Salicylsäure bekommen, haben ein erhöhtes Risiko.
  • Nierenversagen: Die Nieren können den Harnstoff nicht ausscheiden; dies führt zu einem Anstieg von Ammoniak im Blut.

Der Test

Wofür wird der Test eingesetzt?

Die Bestimmung von Ammoniak wird primär zur Untersuchung von Verhaltens- und Bewusstseinsänderungen durchgeführt. Es stehen noch andere Tests zur Verfügung (z. B. Bestimmung der Glukose-, Elektrolyt- sowie der Nieren- und Leberwerte), um die Ursache eines unklaren Komas, eines Reye-Syndroms oder einer hepatischen Enzephalopathie herauszufinden. Auch die Schwere eines Enzymdefekts im Harnstoffzyklus kann durch diesen Test ermittelt werden.

Einige Ärzte verwenden die Ammoniak–Spiegel, um die Effektivität der Therapie der hepatischen Enzephalopathie zu überwachen, dieses Vorgehen und sein klinischer Nutzen sind allerdings umstritten. Da die hepatische Enzephalopathie durch verschiedene Toxine in Blut und Gehirn verursacht werden kann, stehen die Ammoniak-Spiegel im Blut mit dem Schweregrad der Schädigung nicht in Verbindung.

Wann wird der Test angeordnet?
Die Bestimmung des Ammoniak-Wertes kann bei einem Neugeborenen erfolgen, wenn Symptome wie Reizbarkeit, Erbrechen, Lethargie und (epileptische) Anfälle in den ersten Tagen nach der Geburt auftreten. Der Ammoniak-Wert sollte auch ermittelt werden, wenn diese Symptome bei einem Kind etwa eine Woche nach einem viralen Infekt auftreten und der Arzt ein Reye-Syndrom vermutet.
Treten bei Erwachsenen Wesensveränderungen, Orientierungslosigkeit, Somnolenz bis hin zum Koma auf, sollte der Ammoniak-Wert bestimmt werden, um die Ursache dieser Veränderungen aufzuklären. Wenn der Zustand des Patienten mit chronischer Lebererkrankung sich akut verschlechtert, ist der Ammoniak-Test zusammen mit anderen Leberfunktionstests angezeigt,

Was bedeutet das Testergebnis?
Bemerkung: Es gibt für diesen Test keine standardisierte Referenzrate. Da solche Referenzwerte von vielen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Population und darüber hinaus Methode- bzw. Verfahrensabhängig sind, haben numerische Testergebnisse in verschiedenen Laboratorien verschiedene Bedeutungen. Der Laborbericht sollte die spezifischen Referenzwerte für den Test beinhalten. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und ihre Bedeutung“ entnommen werden.)

Deutlich gestiegene Ammoniak-Konzentrationen im Blut zeigen, dass der Körper Ammoniak nicht mehr effektiv metabolisieren und ausscheiden kann. Sie sagen jedoch nichts über die Ursache aus. Bei Kindern sind sehr hohe Werte mit einer erblichen Störung des Harnstoffzyklus verbunden, können aber auch mit einer fetalen Erythroblastose (M. haemolyticus Neonatorum) einhergehen. Mäßige kurzfristige Erhöhungen der Ammoniak-Werte sind relativ häufig bei Neugeborenen; hier können die Werte steigen und fallen ohne ursächlich identifizierbare Symptome.

Erhöhte Ammoniak-Werte zusammen mit einem verminderten Blutglukose-Wert weisen bei symptomatischen Kindern und Heranwachsenden auf das Reye-Syndrom hin. Erhöhte Konzentrationen können auch einen bisher unerkannten Defekt im Harnstoffzyklus anzeigen; bei Kindern und Erwachsenen kommt auch eine Nieren- oder Leberschädigung in Betracht. Oft fungiert eine akute oder chronische Krankheit als Trigger und lässt die Ammoniak-Konzentration auf Werte ansteigen, die ein geschwächter Patient nur schwer,abbauen kann.

Eine hepatische Enzephalopathie wird durch normale Ammoniak-Werte nicht ausgeschlossen: Andere Abbauprodukte kommen als Ursache für die Veränderung der Wesens- und Bewusstseinslage in Frage; außerdem können die Ammoniak-Werte im Gehirn ein Vielfaches höher sein als im Blut, so dass es schwierig ist, von dem Ammoniak-Wert auf die Symptome zu schließen.

Was sollte man außerdem wissen?
Erhöhte Ammoniak-Werte sind auch zu beobachten bei:

  •  Gastrointestinaler Blutung: Blutzellen werden im Darm hämolysiert (aufgelöst) und ihre Proteine freigesetzt;
  • muskulärer Überlastung: Aktive Muskeln produzieren Ammoniak und resorbieren es, wenn sie ruhen;
  • unterschiedlicher, zu fester oder zu langer Stauung bei der Blutabnahme;
  • der Einnahme bestimmter Medikamente (z. B  Barbiturate, Diruetika und Narkotika; auch Alkohol und Rauchen).

Reduzierte Ammoniakwerte treten bei Hypertonus und bei Einnahme einiger Antibiotika auf (z. B. Neomycin).


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Zur Bestimmung von Amoniak wird die Verwendung von EDTA-Plasma empfohlen. Heparin-Plasma kann ebenfalls verwendet werden. Im Serum werden zu hohe Werte bestimmt. Im EDTA-Plasma sowie im EDTA-Vollblut ist die Probe bei Raumtemperatur nur 15 Minuten lang stabil, bei 4° C zwei Stunden und bei -20° C drei Wochen lang.

Referenzbereich
Referenzbereich Erwachsene: 16 – 53 µmol/l, jedoch kann der Refernzbereich von Labor zu Labor oder bei unterschiedlichen Methoden schwanken, da es keine Standardisierung der Referenzbereiche gibt. Die für den Befund gültigen Referenzbereiche sollten daher die im Laborbefund angegeben werden. Es gibt eine starke Altersabhängigkeit der Referenzbereiche.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

Ammonium-Heparin darf nicht verwendet werden. Eine Kontamination der Probe mit Schweiß (Ammoniak) ist zu verhindern.
Die Bestimmung der Ammoniak-Werte kann auch in arteriellem Blut erfolgen; diese Methode wird jedoch weitaus seltener benutzt. Es gibt Hinweise, dass die arterielle Bestimmung klinisch relevanter ist. In Richtlinien wird zur Erkennung der hepatischen Enzephalopathie die arterielle Bestimmung empfohlen. Die Meinungen der Experten, ob dieses Verfahren angezeigt ist, Gehen auseinander.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Ammoniak gehört nicht zu den RILIBÄK-pflichtigen Parametern.


Häufige Fragen

Wird die Bestimmung der Ammoniak-Werte benutzt, um eine Ammoniak-Vergiftung festzustellen oder auch ihren Verlauf zu beobachten?

Nein. Dies ist klinisch nicht von Nutzen. In den meisten Fällen schadet Ammoniak lokal und verätzt oder irritiert die Stellen, mit denen es in Kontakt kommt. Konzentrierter Industrie-Ammoniak, flüssig oder als Dampf, verursacht schwerere Verbrennungen als der verdünnte Haushalts-Ammoniak, beide Formen schädigen jedoch Augen, Haut, Respirationstrakt sowie Mund, Kehle und Magen, wenn sie geschluckt werden.

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