Nierenversagen

Nierenversagen

Die Nieren sind zuständig für die Blutreinigung und die Ausscheidung von Wasser und Stoffwechselprodukten.

Außerdem bilden die Nieren ein Hormon, das für die Blutbildung benötigt wird.

Bei Nierenversagen ist die Nierenfunktion vermindert.

Man unterscheidet eine akute und eine chronische Verlaufsform des Nierenversagens.

Akutes Nierenversagen

Das akute Nierenversagen wird auch als Schockniere oder Schockanurie bezeichnet. Laut Definition versteht darunter den plötzlich auftretenden, teilweisen oder vollständigen Verlust der Ausscheidungsfunktion der Nieren. Akutes Nierenversagen wird nach dem Grad der Schädigung, der an der ausgeschiedenen Urinmenge erkennbar ist, in vier verschiedene Stadien eingeteilt und ist meist reversibel.

In Stadium I liegt eine Nierenschädigung vor, die Diurese beträgt mehr als 500ml/d. Stadium II ist durch Oligurie bzw. Anurie gekennzeichnet (Diurese beträgt weniger als 500ml/d). In Stadium III tritt eine Polyurie auf (Diurese mehr als 2000ml/d). Stadium IV ist das der Restitution, die Harnmenge normalisiert sich.

Ursachen

Akutes Nierenversagen kann durch Minderperfusion verursacht werden, z.B. als Folge von Hypovolämie, Hypotonie, Dehydratation, Blutverlusten, gastrointestinalen Tumoren, Erbrechen, Durchfall, Ileus, Herzinfarkt oder Verbrennungen. Eine weitere Ursache stellen endokrine Störungen wie die hyperkalzämische Krise dar. Nephrotoxine und Nierenerkrankungen können ebenfalls zu akutem Nierenversagen führen.

Als Nephrotoxine können exogene (Anilin, Chlorate, Schwermetalle, Tetrachlorkohlenstoff, Medikamente, Phosphor, Phenole, Kaliumbromat) oder endogene Substanzen (Myoglobin, Urate, Oxalate, Immunglobulin-Leichtketten) wirken. Nierenerkrankungen, die zu akutem Nierenversagen führen können, sind z.B. Glomerulonephritis, Pyelonephritis oder Abstoßungsreaktionen nach einer Nierentransplantation. Auch eine Harnstauung durch eine AbflußBehinderung (Steinleiden) kann akutes Nierenversagen hervorrufen.

Symptome

Je nach Stadium des akuten Nierenversagens können unterschiedliche Symptome auftreten: Oligurie, Anurie, Polyurie, Proteinurie, Hämaturie, Zylindrurie, Azotämie, Azidose, Exiskkose, Elektrolytstörungen, Anämie, Ödeme, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Juckreiz und Müdigkeit.

Diagnose

Zur Diagnose eines akuten Nierenversagens sind eine Reihe von Untersuchungen erforderlich. In Bluttests erkennt man bei akutem Nierenversagen erhöhte Harnstoff– und Kreatininwerte. Ultraschalluntersuchungen zeigen den Zustand der Nieren an. Zur Diagnose kann auch eine Nierenbiopsie erforderlich sein. Anhand von Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) kann der Arzt den Zustand der Harnwege beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung des akuten Nierenversagens erfolgt durch Ausschalten der Auslöser und durch möglichst weitgehende Wiederherstellung der Nierenfunktion. Wenn die Herz-Kreislauferkrankungen Ursache des akuten Nierenversagens sind, wird die Nierendurchblutung durch Medikamente und Infusionen verbessert. Bei Schädigung des Nierengewebes wird die Ursache, z.B. Medikamente oder Toxine, abgestellt.

Geht das akute Nierenversagen auf eine Harnabflussstörung zurück, wird diese aufgelöst. Als Medikamente kann Furosemid zur Steigerung der Harnausscheidung eingesetzt werden, Elektrolytstörungen werden durch Substitution ausgeglichen. Wenn durch konservative Therapie keine Besserung eintritt, wird mit Dialyse, einer Blutwäsche außerhalb des Körpers behandelt.

Chronisches Nierenversagen

Allgemeines

Bei chronischem Nierenversagen ist die Nierenfunktion dauerhaft gemindert. Die Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Blut kann zu lebensbedrohlicher Vergiftung des Körpers, einer Urämie und zum Tod führen.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen zählen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Hypertonie, Nierentumore, Glomerulonephritis, Pyelonephritis, Zystennieren oder Schmerzmittelmissbrauch.

Symptome

Im Anfangsstadium chronischen Nierenversagens treten unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche und Häufiges Wasserlassen auf, sowie Symptome der Grunderkrankung. In fortgeschrittenem Stadium kommt es zu Ödemen, vor allem an Beinen und Augenlidern, Bluthochdruck, rotem Urin, Knochenschmerzen, Nierenschmerzen, Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, geringen Urinmengen, schäumendem Urin, renaler Anämie, Menstruationsstörungen, Impotenz, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit oder Muskelschwäche.

Diagnose

Zur Diagnose führt der Arzt nach der Anamnese Blut– und Urinuntersuchungen durch, z.B. bestimmt er die Urinmenge. Im Blut sind bei Nierenversagen die Kreatinin– und Harnstoffwerte erhöht. Kreatinin-Clearance erlaubt genaue Aussagen über die Nierenfunktion. Um die Ursache des Nierenversagens zu ermitteln, kann der Arzt bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine Nierenbiopsie durchführen.

Behandlung

Neben Therapie der Grunderkrankung erfolgt Einstellung von Blutdruck und Blutelektrolyten, Behandlung von Folgekrankheiten des Nierenversagens (renale Anämie, Knochenkrankheiten), reichlich Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 l täglich) und Diuretika. Gegen Hyperlipidämie können Lipidsenker eingesetzt werden.

Empfohlen wird Umstellung der Ernährung auf eiweiß-, Kalium– und phosphatarme Kost, daher sollten die Betroffenen wenig, aber biologisch hochwertiges Eiweiß zu sich nehmen, z.B. Kartoffeln mit Ei oder Bohnen mit Ei. Die Lebenserwartung kann bei chronischem Nierenversagen verkürzt sein, besonders wenn Diabetes als Grunderkrankung besteht. Bei chronischer Niereninsuffizienz muss lebenslang mit Dialyse behandelt werden, bzw. eine Nierentransplantation durchgeführt werden.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (101 Stimmen, Durchschnitt: 4,79 von 5)
Loading...
Top