IMA

Auch bekannt als:
Bezeichnung:

Ischämie-modifiziertes Albumin
Ähnliche Tests: Myoglobin, Kardiale Biomarker, Troponin


Auf einen Blick

Warum wird ima untersucht?

Als ergänzende Diagnostik zur potenziellen Früherkennung eines Myokardinfarktes.

Bei welchen Erkrankungen oder Symptomen sollte ima untersucht werden?
Bei Patienten mit mehreren Minuten bis Stunden anhaltenden Schmerzen in der Brust, um einen akuten oder zurück liegenden Myokardinfarkt (Herzinfarkt) besser diagnostizieren zu können.

In welchem Probenmaterial wird ima bestimmt?
In einer Blutprobe, die üblicherweise aus einer Armvene entnommen wird.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Bei diesem Test wird die Menge des sogenannten „Ischämie modifizierten Albumins“ im Blut bestimmt. Albumin ist ein von der Leber produziertes Protein, welches ca. 60% des Proteingehaltes im Blut ausmacht. Seine Aufgabe ist einerseits, die Flüssigkeitsmenge innerhalb der Blutgefäße zu regulieren und andererseits bestimmte Stoffe im Blut zu transportieren.

Kommt es am Herzen zu einer anhaltenden Durchblutungsstörung (Ischämie) mit Sauerstoff-Mangelversorgung des Herzmuskels, d.h. zu einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt), dann werden unter diesem Sauerstoffmangel Albumin-Moleküle durch einen chemischen Prozess verändert. Innerhalb weniger Minuten, über mehrere Stunden andauernd wird die Fähigkeit der Albumin-Moleküle herabgesetzt, bestimmte Metalle wie z. B. Kobalt zu binden. Die Entdeckung dieser Eigenschaft führte zur Entwicklung eines Tests, bei dem die Menge bzw. Konzentration an Ischämie-modifizierten Albumin bestimmt werden kann, indem die verminderte Fähigkeit des Albumins zur Metall-Bindung gemessen wird.

Zu einer Mangeldurchblutung (Ischämie) am Herzen kommt es, wenn die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen (Herzkranzgefäße), teilweise oder komplett verschlossen sind oder sich krampfartig verengen. Dadurch kommt es zu einem teilweise oder völlig herabgesetzten Blutfluss. Dies kann zu einem Herzinfarkt mit einem dauerhaften Herzmuskel-Zelluntergang führen kann.

Unvollständige Einengungen oder Spasmen der Herzkranzgefäße können zu vorübergehenden Episoden einer Ischämie am Herzen führen und die Symptomatik einer ap (Angina Pectoris) hervorrufen. ap-Beschwerden werden oftmals durch körperliche Anstrengung ausgelöst. Dazu muss die Herzleistung gesteigert werden und die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels über die verengten Herzkranzgefäße wird knapp. Ruhe bessert in der Regel diese sogenannte stabile Angina Pectoris. In manchen Fällen entwickelt sich eine instabile Angina, welche durch Auftreten oder Verschlimmung der Symptomatik in Ruhe charakterisiert ist und sich zum Bild eines akuten Herzinfarktes steigern kann.

Zusammenfassend werden instabile ap und Herzinfarkt auch als akutes Koronarsyndrom bezeichnet (ACS). Die Symptome hierfür können variieren, zeigen sich aber häufig in einem Schmerz- und Druckgefühl in der Brust, welches in oder trotz Ruhe auftritt; weiterhin zeigt es sich als Schulter– und Nackenschmerz mit Übelkeit und Kurzatmigkeit.

Patienten mit diesem Beschwerdebild werden typischerweise in der Notfallaufnahme behandelt. Dabei muss schnell entschieden werden, ob es sich dabei um ein akutes Koronarsyndrom handelt oder um andere Erkrankungen, welche sich mit vergleichbarer Symptomatik äußern können.

Um einen Schaden am Herzen nachzuweisen und rasch eine Diagnose stellen zu können, werden Herzmarker wie z.B. die herzspezifischen Troponine oder Myoglobin bestimmt. Ferner wird ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellt, um die Diagnose eines Herzinfarktes ggf. zu bestätigen und die Lokalisation des Schadens am Herzen näher eingrenzen zu können. Ergeben sich bei diesen Untersuchungen eindeutig abnorme Ergebnisse, wird beim Patienten sofort eine Herzinfarkt-Therapie eingeleitet.

Zeigen sich jedoch keine eindeutigen Ergebnisse, kann nicht entschieden werden, ob der Patient nur vorübergehend eine Angina Pectoris durchmacht hat und sicher nach Hause geschickt werden kann oder möglicherweise in naher Zukunft einen Herzinfarkt erleiden wird. Für dieses Dilemma suchen Forscher nach Tests, welche dem behandelnden Arzt eine zusätzliche Hilfestellung bieten, die richtige Entscheidung für die weitere Betreuung des Patienten zu treffen. Die Bestimmung des Ischämie modifizierten Albumins ist hierbei ein vielversprechender Kandidat.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Üblicherweise wird über eine Kanüle („Nadel“) Blut aus einer Armvene abgenommen.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die Bestimmung des Ischämie-modifizierten Albumins ist eine ziemlich neue Methode zur genaueren Diagnostik bei Patienten mit unklaren Schmerzen auf der Brust, um frühzeitig ein ischämisches Geschehen näher abzuklären. Der Test gehört zu den sog. Herzmarkern und kann zusammen mit bzw. als Ergänzung zu Troponinbestim-mung und EKG angefordert werden.

Falls der Troponin-Test (Troponin kann mehrere Stunden brauchen, um nach einem Herzinfarkt im Blut anzusteigen) negativ ist und das EKG zweifelhaft, kann die Bestimmung von ima wertvolle Informationen darüber liefern, ob tatsächlich ein Herzinfarkt vorliegt. In den ersten Stunden nach Auftreten eines Brustschmerzes kann ima zusammen mit Myoglobin abgenommen werden, um abschätzen zu können, ob der Patient einen akuten Herzinfarkt entwickelt.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
ima kann zusammen mit Troponin und einem EKG angefordert werden bzw. als Folgediagnostik dieser Untersuchungen. Ferner kann es zusammen mit Myoglobin bestimmt werden, um bei einem Patienten mit erst kurz bestehenden Brustschmerzen mehr Information darüber zu bekommen, ob die Symptome in Zusammenhang mit einer schweren Ischämie am Herzen stehen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Ischämie-modifiziertes Albumin ist eine Markersubstanz für eine herabgesetzte Sauerstoffversorgung eines Organs. Studien haben gezeigt, dass ima zwar sensitiv für ein ischämisches Ereignis am Herzen ist (fast alle Kranken werden als Krank er-kannt), aber nicht sehr spezifisch (eine Ischämie an anderer Stelle des Körpers verursacht ebenfalls eine Erhöhung, d.h. Herzgesunde werden mit erhöhtem ima fälschlicherweise als herzkrank eingestuft). Die Hauptbedeutung des ima ist daher sein hoher sogenannter negativer prädiktiver Wert (d.h., ein negatives ima schließt einen akuten Herzinfarkt mit hoher Sicherheit aus).

Lässt sich ima bei einem Patienten mit seit Minuten bis Stunden anhaltenden Brustschmerzen nicht nachweisen, ist eine Ischämie am Herzen eher unwahrscheinlich. Sind ima und Myoglobin negativ, das EKG unauffällig und der Troponin-Test (der bei Krankenhausaufnahme sowie danach wiederholt durchgeführt wird, um einen Herzin-farkt rasch zu erkennen) ebenfalls negativ, kann davon ausgegangen werden, dass der Brustschmerz nicht von einem Herzinfarkt herrührt.

Klagt ein Patient über einen seit vielen Stunden bestehenden bzw. Stunden zurückliegenden Brustschmerz, ist ima nicht sehr hilfreich, da es in dieser Zeitspanne zwar angestiegen, aber zum Zeitpunkt der Blutabnahme bereits wieder auf normale oder fast normale Werte gesunken ist.

Gibt es Weiteres, das ich wissen sollte?
In Forschung und Studien soll momentan geklärt werden, ob ein eindeutig erhöhtes ima als positiver Marker für das Vorliegen einer Ischämie am Herzen genutzt werden kann, denn erhöhtes ima lässt sich auch unter Ischämie-Bedingungen an anderer Stelle des Körpers nachweisen, z. B. an der Skelettmuskulatur oder am MagenDarm-Trakt.

Die ima-Bestimmung wird zur Zeit noch kaum eingesetzt. Obwohl ima für einen vielversprechenden Herzmarker gehalten wird, muss sein endgültiger klinischer Nutzen erst noch bestimmt werden, so dass viele Ärzte zu diesem Test noch eine abwartende Haltung einnehmen. Für sie müssen weitere Daten zum Nachweis des klinischen Nutzens dieses Tests gesammelt werden. Zudem müssen die Faktoren abgeklärt werden, welche möglicherweise einen störenden Einfluss auf das Testsergebnis haben (z. B. vorbestehende Erkrankungen oder niedrige Albumin-Werte).


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Messung binnen 2.5 h erforderlich. Stabilität bei -20°C mehr als 2 Monate.
Versand bei -20°C.

Referenzbereich
ima Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Keine Probenverdünnung möglich. Vollständige Probengerinnung beachten.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung von ima gibt es derzeit keine externe Qualitätskontrolle entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK). Externe Ringversuche werden angeboten.


Häufige Fragen

Kann ima in einer normalen Arztpraxis bestimmt werden?

Nein, der Test muss mit spezieller Ausrüstung durchgeführt werden. In den meisten Fällen wird ima angefordert, wenn ein Patient mit Brustschmerz in der Notaufnahme eines Krankenhauses näher untersucht wird.

Falls ein Patient mit Brustschmerz letztlich keinen Herzinfarkt hatte, warum wird er trotzdem als Risikopatient eingestuft?
Die einem Brustschmerz zu Grunde liegende Ursache, z. B. eine verengte Koronararterie, kann sich häufig im Laufe der Zeit verschlimmern, indem sich das Gefäß komplett verschließt und so ein Herzinfarkt entsteht. Selbst bei Patienten mit stabiler Angina (Angina-Episoden in der Vergangenheit, die sich aber immer zurückgebildet haben) kann sich die Situation verschlimmern (Übergang in eine instabile Angina), indem sich z.B. eine verengte Arterie ganz verschließt (Übergang in Herzinfarkt).


Weiterführende Links zum Thema

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie; Leitlinien https://www.dgk.org/leitlinien/

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