Myoglobin

Auch bekannt als:
Bezeichnung:
Ähnliche Tests:

Kardiale Biomarker, ck-MB, ck, Troponin


Auf einen Blick

Warum wird der Test durchgeführt?

Um festzustellen, ob Muskelgewebe, speziell Herzmuskelgewebe, verletzt wurde.

Bei welchen Erkrankungen oder Symptomen sollte der MyoglobinSpiegel im Blut bestimmt werden?
Nach Auftreten von Schmerzen in der linken Brusthälfte und anderen Symptomen, welche auf einen Herzinfarkt hindeuten, sollte alle 2-3 Stunden der MyoglobinSpiegel im Blut bestimmt werden. Heutzutage wird dieser Test selten allein durchgeführt, sondern zusammen mit dem Troponin, um sicherer festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Herzinfarkt handelt. Die Konzentration von Myoglobin im Blut steigt bei schweren Muskelzellschäden und Myonekrosen (Zerstörung und Untergang von Muskelzellen) im Blut an.

Aus welchem Probenmaterial wird Myoglobin bestimmt?
Üblicherweise aus einer Blutprobe, die aus einer Armvene entnommen wurde.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Myoglobin ist ein kleines Eiweiß-Molekül, welches sich in allen Muskelzellen und auch in den Herzmuskelzellen befindet. Seine Funktion ist ähnlich dem Hämoglobin der roten Blutkörperchen. Während jedoch die Aufgabe des Hämoglobins darin besteht, Sauerstoff über die Blutkörperchen im ganzen Körper zu verteilen, bindet Myoglobin den Sauerstoff in der Muskulatur und hält so einen Vorrat davon für die Muskelzellen, die viel Sauerstoff verbrauchen, bereit.

Werden die Muskelzellen beschädigt, gelangt das Myoglobin in die Blutbahn, wo es nun erhöht nachgewiesen werden kann. Nach einem Herzinfarkt ist Myoglobin einer der ersten Herzmarker, der im Blut ansteigt und liefert so erste Hinweise für dieses lebensbedrohliche Ereignis. Auch nach einer schweren Schädigung von Skelettmuskulatur steigt das Myoglobin im Blut an.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Die Blutprobe wird üblicherweise über eine Kanüle aus einer Armvene abgenommen.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Myoglobin wird zusammen mit weiteren sogenannten Herzmarkern (z. B. Troponin) bei Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt eingesetzt, hauptsächlich um diesen auszuschließen, aber auch zur frühen Bestätigung. Myoglobin steigt nach einer Verletzung des Herzmuskels oder auch anderer Muskeln im Körper innerhalb von 2-3 Stunden im Blut an, erreicht seinen Höchstwert nach ca. 8-12 Stunden und fällt üblicherweise einen Tag nach dem Schmerzereignis wieder auf Normalwerte zurück. Demzufolge ist die Bestimmung der Myoglobinkonzentration insbesondere in akuten Notfallsituationen sinnvoll.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Da ein erhöhtes Troponin einen Schaden am Herzmuskel hochspezifisch und sensi-tiv nachweisen kann, wird Myoglobin nur noch selten bestimmt. Zusammen mit Troponin kann das Ausmaß eines Herzinfarktes bewertet werden. Dabei wird Myoglobin bei Patienten mit Brustschmerzen üblicherweise mehrfach in 2-3 stündigem Abstand bestimmt.

Was bedeutet das Testergebnis?
Wenn Myoglobin im Blut ansteigt, wurden wenige Stunden vorher Muskelzellen des Herzens oder der Skelettmuskulatur beschädigt. Steigt andererseits die Myoglobin-Konzentration innerhalb von fünf Stunden nicht merklich an, ist ein Herzinfarkt nahezu ausgeschlossen, vorausgesetzt, dass ein aufgetretener Brustschmerz nicht länger als einen Tag zurück liegt.

Weil Myoglobin auch in anderen Muskelzellen außerhalb des Herzens vorkommt, müssen erhöhte Werte durch weitere Tests (z. B. ck-mb oder Troponin) ergänzt werden, um die Ursache der Erhöhung eindeutig dem Herzen oder der Skelettmuskulatur zuordnen zu können. Hohe Myoglobinwerte können außer bei Herzinfarkt auch nach Unfällen, Krampfanfällen, Operationen oder bei Muskelerkrankungen wie der Muskeldystrophie auftreten.

Gibt es Weiteres, das ich wissen sollte?
Erhöhte Myoglobinwerte kommen auch nach intramuskulären Injektionen und nach schwerer körperlicher Arbeit vor. Da Myoglobin von den Nieren über den Urin ausgeschieden wird, können Myoglobinwerte auch bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion erhöht sein. Selten können durch massiven Alkoholgenuss oder bestimmte Drogen Muskelzellen absterben und zu einem Anstieg der Myoglobinwerte im Blut führen.


Hinweise & Störungen

Probenmaterial

Serum oder Heparinplasma, sowie auch EDTA-Plasma sind zur Untersuchung von Myoglobin geeignet.

Stabilität und Probentransport
Stabilität: 3 Monate (-20°C), 2 Wochen (4-8°C), 2 d (RT). Bei Raumtemperatur sinkt die Konzentration von Myoglobin in der Probe nach einer Stunde bereits ab, so daß die Proben bei zu erwartendem längeren Transport gekühlt erfolgen sollten.
Verschickung entsprechend der Stabilität des Probenmaterials.

Referenzbereich
Abhängig von der Art der eingesetzten Bestimmung.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Rasche Zentrifugation und Abtrennung des Serums / Plasmas nach Blutentnahme

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung von ima gibt es derzeit keine externe Qualitätskontrolle entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK). Externe Ringversuche werden angeboten.


Häufige Fragen

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Bei einem Herzinfarkt sterben bestimmte Areale des Herzens aufgrund von Sauerstoffunterversorgung ab. Der medizinische Begriff dafür ist Myokardinfarkt. Sehr häufig macht sich ein Herzinfarkt durch starken Druck oder Schmerz auf der Brust bemerkbar, der sich häufig in den Hals oder den linken Arm ausbreitet. Weitere Symptome sind massive Atemnot, Schwächegefühl und kalter Schweiß.

Ein Herzinfarkt entsteht dadurch, dass sich ein Blutgefäß, welches den Herzmuskel selbst mit Blut versorgt (sog. Herzkranzgefäß oder Koronargefäß) plötzlich verschließt. Dies geschieht i. d. R. dadurch, dass sich an bereits vorbestehenden Ablagerungen der Gefäßwand Blutgerinnsel bilden und so das Gefäß komplett verschließen. Die fetthaltigen Ablagerungen bilden sich über Jahre und Jahrzehnte aufgrund mehrerer Faktoren (hohes Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes etc.) und führen zu einer Verhärtung der Arterienwand, der sogenannten Arteriosklerose.

Bedeutet jeder Schmerz in der Brust einen akuten Herzinfarkt?
Eine Reihe Erkrankungen äußern sich über das Symptom „Brustschmerz“ und der Charakter des Brustschmerzes alleine lässt noch keine Schlüsse darüber zu, ob sich dahinter ein Herzinfarkt verbirgt oder nicht. Manche Menschen verspüren Brustschmerzen als Folge einer Überbeanspruchung der Muskulatur im Bereich des Brustkorbes. Weiterhin äußern sich manche entzündlichen und nicht-entzündlichen Lungenerkrankungen in Brustschmerzen. Auch die Arteriosklerose bzw. Koronare Herzkrankheit als Vorerkrankung des Herzinfarktes (Verhärtung und Einengung der Herzkranzgefäße) kann sich als Angina Pectoris bzw. akutes koronares Syndrom mit Druckgefühl oder Schmerz in der Brust äußern.

Tritt nach körperlicher Belastung, harter Arbeit oder Stressphasen ein Brustschmerz auf, der nur über wenige Minuten anhält und sich nach körperlicher Ruhe wieder legt, spricht man von einer (stabilen) Angina Pectoris. Hält der Schmerz länger an und verschwindet auch nicht bei körperlicher Ruhe, so muss sich der Patient akut in ärztliche Behandlung begeben.

Diese ist im besonderen Maße sofort ärztlich abzuklären, wenn sie nicht nach ein paar Minuten wieder verschwindet oder sogar in Ruhe auftritt.

Welche weiteren Tests werden zur Diagnose Herzinfarkt durchgeführt?
In der Regel werden bei Patienten mit Brustschmerz zur Diagnosesicherung Herzinfarkt mehrere Parameter im Blut untersucht. Das herzmuskelspezifische Protein Tro-ponin kann auch dann am Herzen aufgetretene Schädigungen nachweisen, wenn sonst keine weiteren Symptome oder Tests auf einen Herzinfarkt hinweisen. Myoglo-bin, ck (Creatin-Kinase) und ck-MB zeigen bei vielen Herzinfarkten einen deutlichen Anstieg. Es gibt jedoch auch kleinere Herzinfarkte (NSTEMI), die nur einen Anstieg des Troponins zeigen ohne nachweisbare Erhöhung von ck, ck-MB und Myoglobin sowie ohne eindeutige Infarktzeichen im EKG; auch diese Infarkte gefährden den Patienten und erfordern stationäre Behandlung.

Welche Symptome machen einen Herzinfarkt wahrscheinlich?
Liegt ein lang anhaltender Brustschmerz vor, welcher sich nicht durch Ruhe oder Medikamente (Nitroglycerin) bessern lässt, muss sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Viele Patienten, die an einem Herzinfarkt verstorben sind, haben nicht bzw. nicht ausreichend rechtzeitig versucht, einen Notarzt zu alarmieren.

Kann Myoglobin auch zur Diagnose Schlaganfall verwendet werden?
Bei einem Schlaganfall (Hirninfarkt) passiert das gleiche wie bei einem Herzinfarkt: Meist durch eine Verstopfung eines Blutgefäßes sterben Teile des Gehirns ab. Myoglobin kommt nur in Muskelzellen vor, nicht im Gehirn. Daher ist die Bestimmung von Myoglobin bei einem Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall nicht sinnvoll.


Weiterführende Links zum Thema

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie; Leitlinien https://www.dgk.org/leitlinien/

AWMF Leitlinien, Indikation von myoglobin zur Abschätzung einer Muskel-Nekrose, Therapie der malignen Hyperthermie: https://www.uni-düsseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/001-008.htm

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