West Nil Virus

Auch bekannt als:

wnv
Bezeichnung: West Nil Virus
Ähnliche Tests:


Auf einen Blick

Warum wird ein Suchtest auf das West-Nil-Virus durchgeführt?

Die Verbreitung des wnv ist in Europa sehr gering und regional begrenzt. Bei Reisenden aus Endemiegebieten mit Verdacht auf eine Meningitis (Entzündung der Hirnhäute um Gehirn und Rückenmark) oder eine Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) ist der Erregernachweis für eine rasche und optimale Therapie sehr wichtig. Das West-Nil-Virus ist ein typischer Erreger dieser beiden schweren Krankheitsbilder. Bei Personen aus Endemiegebieten und Reisenden aus diesen Gebieten, wie z.B. den USA kann das wnv mit verschiedenen Tests bei den nachgewiesen und dadurch auch dessen Verbreitung in der Bevölkerung bestimmt werden kann.

Bei welchen Symptomen bzw. Erkrankungen soll ein Test auf das West Nil Virus durchgeführt werden?

Wenn v.a. im Sommer typische Symptome einer Meningitis oder Enzephalitis auftreten, wie starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit und Muskelschwäche. Außerdem kann in Blutspendeprodukten nach diesem Virus gesucht werden.

Welches Probenmaterial ist für die West Nil Virus Tests notwendig?
Über eine Lumbalpunktion wird Liquor (Hirnwasser) und/oder über eine Vene eine Blutprobe abgenommen.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Das West Nil Virus kann Menschen infizieren und wird hauptsächlich über bestimmte Stechmücken, z.B. Moskitos übertragen. Normalerweise kann das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, es wird aber von Fällen berichtet, bei denen dieses Virus über Blutprodukte, transplantierte Organe und selten von der Mutter auf das Kind über die Muttermilch übertragen wurde. Über 80% der infizierten Menschen bekommen keine Symptome, bei den anderen 20% entwickeln sich relativ milde, Grippe-ähnliche Symptome, wie Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschwäche, die sich innerhalb von Tagen bis Wochen von selbst zurück bilden. Nur bei einem von 150 Erkrankten entwickelt sich eine schwere Infektion mit Befall des zentralen Nervensystems. Diese Patienten entwickeln entweder eine Meningitis (Entzündung der Hirnhäute um Gehirn und Rückenmark) und/oder eine Enzephalitis (Entzündung des Gehirns und/oder des Rückenmarkes) und/oder Lähmungserscheinungen. Diese schwere Form einer wnv-Infektion tritt hauptsächlich bei alten und immunschwachen Menschen auf. Während sich die Infektion selbst möglicherweise komplett zurückbildet, können Nervenschädigungen und daraus folgende Störungen, wie Lähmungserscheinungen, länger andauern oder bleiben.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Über eine Lumbalpunktion wird Liquor (Hirnwasser) und/oder über eine Vene eine Blutprobe abgenommen.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Mit dem Virus-Nachweis kann bestimmt werden, ob jemand an einer West Nil Virus Infektion erkrankt ist. Bei symptomatischen, schwer kranken Patienten kann mit den Tests eine wnv-Infektion von anderen Krankheiten unterscheiden werden (z B. bakterielle Meningitis), welche ähnliche Symptome hervorrufen, aber anders zu behandeln sind. Ebenfalls zum Einsatz kommen die Tests zum Nachweis von wnv bei Blutprodukten und bei der Suche nach der Verbreitung dieses Virus in der Bevölkerung. Wird das Virus innerhalb der Bevölkerung festgestellt, können Gesundheitsschützer alarmiert und Vorsorgemaßnahmen eingeleitet werden.

Der Virus-Nachweis erfolgt über zwei Methoden: einmal indirekt über die Messung von Antikörpern gegen wnv (Antikörper sind körpereigene Proteine, welche vom Immunsystem als Antwort auf Infektionserreger, wie z. B. wnv, produziert). Zum direkt über die Messung der Virus-Nukleinsäure (genetisches Material, welches direkt vom Virus stammt).

Antikörper-Suchtest:
Gegen Krankheitserreger – so auch bei einer wnv-Infektion – werden im Körper grundsätzlich zwei Antikörper-Arten gebildet: IgM und IgG. IgM erscheinen als erste Antikörperklasse als Antwort auf wnv. Bei den meisten Infizierten steigt dieser Antikörper im Blut innerhalb von acht Tagen nach Infektion an. Die Antikörper-Menge steigt weiterhin für eine kurze Zeitspanne und nimmt schließlich allmählich wieder ab. Es kommt vor, dass nach ein paar Monaten keine IgMs mehr nachweisbar sind. Dagegen steigt die IgG-Menge erst nach ca. einem Monat nach einer Infektion an, kann aber sehr lange, häufig über viele Jahre im Blut nachgewiesen werden.

Bis vor kurzem war der Anti-wnv IgM-Test sehr aufwändig und wurde von Labor zu Labor unterschiedlich durchgeführt. Dieses Problem wurde weitgehend durch die Einführung zweier kommerzieller Standard-Antikörper-Such-Tests gelöst, welche als Eingangsuntersuchung bei symptomatischen Patienten genutzt werden können. Diese Tests sind standardisiert und leicht durchzuführen, es können aber auch fälschlicherweise positive Ergebnisse – wie auch bei anderen Testmethoden – durch Antikörper gegen wnv-verwandte Viren, die sog. Flaviviren (Erreger der St. Louis Enzephalitis oder der Japan-Enzephalitis) gefunden werden. Deshalb muss nach einem positiven Testergebnis der Test mit einer anderen Methode wiederholt und bestätigt werden, bevor eine Diagnose gestellt und diese Erkrankung an das Gesundheitsamt oder andere Stellen gemeldet werden kann.

Falls der IgM-Nachweistest negativ ausfällt, der Patient aber immer noch Symptome und klinische Zeichen einer wnv-Infektion aufweist, wird der Test ggf. nach ein paar Tagen mit einer neuen Probe wiederholt.

IgG-Suchtests können dafür genutzt werden, kürzlich erworbene oder weiter zurück liegende wnv-Infektionen nachzuweisen. Falls der IgG-Test positiv ausfällt, kann nach ein paar Wochen eine weitere Blutprobe abgenommen und darauf untersucht werden, ob die Antikörpermenge, der sog. Titer, weiter ansteigt, was die Diagnose einer frischen Infektion unterstützt.

Wenn ein Patient, der vor kurzem Spender-Blutprodukte oder ein Organ-Transplantat bekommen hat, plötzlich nach Auftreten von Symptomen einer wnv-Infektion positiv auf dieses Virus getestet wird, kann über das gespendete Organ oder Blut der Spender ausfindig gemacht und dieser einem Anti-wnv IgM- und IgG-Suchtest unterzogen werden, um festzustellen, ob dieser Spender die Quelle des Virus sein kann. Infiziert sich ein Säugling mit wnv, sollte seine stillende Mutter einem Anti-wnv-Suchtest unterzogen werden, da es die seltene aber dokumentierte Möglichkeit gibt, dass das Virus über die Muttermilch übertragen wurde.

Weil die Mehrheit der mit wnv infizierten Personen keine Symptome und keine gesundheitlichen Probleme haben, wird der Antikörpersuchtest nicht als allgemeine Suchmethode bei der gesunden Bevölkerung eingesetzt.

Nukleinsäure-Nachweis
Bei diesem Verfahren wird in den gewonnenen Proben das genetische Material (RNA) des West Nil Virus vermehrt und gemessen, um es so im Blut oder in anderen Geweben nachweisen zu können. Da bei diesem Test gezielt die Virus-RNA identifiziert werden kann, muss eine bestimmte Menge an RNA-Kopien vorliegen, um sie nachzuweisen.

Da das Virus den Menschen nur „zufällig“ befällt (die Hauptwirte sind Vögel), sind die gemessenen Virusmengen im Menschen nie sehr hoch und nur von kurzer Dauer. Deshalb findet der Nukleinsäure-Test zum Virus-Nachweis fast ausschließlich zum einen in Blutspendeprodukten, zum anderen bei Vögeln und Moskitos Anwendung, um die Ausbreitung des Virus innerhalb einer Bevölkerung zu erkennen. Es ist möglich nachzuweisen, dass das Virus eine bestimmte Region schon erreicht hat und bereits Vögel und Moskitos infiziert hat, noch ehe es irgendwelche Berichte von infizierten Menschen gibt. Dies gibt den Gesundheitsdiensten die Möglichkeit, die Bevölkerung zu warnen und auf Präventionsmaßnahmen hinzuweisen, wie das Benutzen von sog. Repellents (Hautlotionen oder –sprays, die vor Moskitos schützen), das Meiden von Moskito-aktiven Tageszeiten (Morgen –und Abenddämmerung) und die gezielte Bekämpfung von Moskito-Populationen.

Außerdem findet dieser Test Anwendung bei bereits verstorbenen Personen, um zu erkennen, ob das West Nil Virus den Tod (mit)verursacht hat.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
wnv-Antikörper-Suchtests werden v.a. dann eingesetzt, wenn sich Patienten in Gebieten, in denen gerade wnv-Saison ist (normalerweise Juli bis Oktober, in manchen Regionen auch das ganze Jahr hindurch) aufhalten oder aufgehalten haben und sich mit den typischen Zeichen einer wnv-Infektion beim Arzt vorstellen.

Zwei bis vier Wochen nach einem positiven Antikörpertest werden beim gesundeten Patienten nochmals Anti-wnv-Suchtests durchgeführt, um entscheiden zu können, ob beim Patienten überhaupt IgGs gebildet wurden und ob bereits vorhandene IgG-Level weiter ansteigen oder stabil bleiben. War ein anfänglich durchgeführter IgM-Suchtest negativ, aber der Patient zeigt immer noch typische Symptome, kann nach Ausschluss anderer Erkrankungen ein weiterer IgM-Suchtest nach ein paar Tagen sinnvoll sein, um einen jetzt angestiegenen IgM-Titer zu erkennen.

Normalerweise wird bei asymptomatischen Personen keine Anti-wnv-Suchtest durchgeführt. Infiziert sich allerdings ein Organ- oder Blutspendeempfänger mit wnv, wird der (meist symptomlose) Spender auf Anti-wnv IgMs und IgGs untersucht, um die Ursache der Erkrankung herauszufinden.

Was bedeutet das Testergebnis?

Antikörper-Suchtest:
Falls Blut und/oder Liquor (Hirnwasser) positiv auf Anti-wnv-IgMs getestet wurden, und dieses Ergebnis durch eine andere Methode bestätigt wurde, ist beim Patienten von einer akuten oder kurz zurückliegenden Infektion mit dem wnv auszugehen. Finden sich Anti-wnv-Antikörper im Liquor, spricht man von einer neuroinvasiven (das Zentrale Nervensystem betreffenden) Infektion mit wnv.

Ist bei erhöhten IgM-Leveln das IgG ebenfalls erhöht, spricht dies für eine mindestens drei Wochen zurückliegende Ansteckung mit dem wnv. Ist dagegen der IgG-Titer hoch, aber der IgM-Titer niedrig oder nicht nachweisbar, hat der Patient die Erkrankung schon vor längerer Zeit durchgemacht, sodass die aktuellen Symptome nicht auf eine wnv-Infektion zurückzuführen sind.

Die Anwesenheit von Antikörpern kann einen Patienten als Krank ausweisen, aber sie können in keiner Weise dafür benutzt werden, den Schweregrad oder die Aussichten des Patienten auf Heilung vorauszusehen.

Nukleinsäure-Nachweis:
Wird im Nukleinsäure-Test eine Probe (Blutprodukte, Gewebe von Menschen, Vögeln, anderen Tieren oder aus einem Moskito-Pool) positiv auf das WN-Virus getestet, kann von einem Befall dieser Probe mit dem Virus ausgegangen werden sowie einer Ausbreitung des Virus in der geographischen Region der entnommenen Probe.

Negative Testergebnisse ergeben sich aus Proben mit sehr wenig oder gar keinem Virusmaterial. Ein negatives Testergebnis schließt einen Befall der Probe mit dem West Nil Virus nicht hundertprozentig aus.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Das West Nil Virus bewegt sich innerhalb der Vereinigten Staaten allmählich Richtung Westen. In manchen warmen Regionen ist das Risiko einer Erkrankung am wnv das ganze Jahr über hoch. Aber in den meisten Gebieten tritt das Virus überwiegend saisonal auf – Fälle werden während der Moskito-Saison gemeldet. Die Virusmenge in einer bestimmten Region wird zum Teil von der Anzahl der befallenen Vögel und der Größe der Moskitopopulation bestimmt. Präventionsmaßnahmen zielen auf die Reduktion des individuellen Expositionsrisikos und der Kontrolle der Moskitopopulation ab. Laut den Zahlen der Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention erkrankten 2003 insgesamt 9858 Menschen am einer wnv-Infektion, und 264 Todesfälle Gehen ursächlich auf das wnv zurück. Die Nukleinsäure-Bestimmung, aber auch Virus-Kulturen werden in Forschungseinrichtungen zur Isolierung von krankmachenden Virusstämmen und deren Eigenschaften benutzt. Es wurden mittlerweile unterschiedliche Virenstämme gefunden und verschiedenen Epidemien in unterschiedlichen Regionen der Welt zugeordnet.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Raumtemperatur ist die Probe für 5 Tage stabil, während dieser Zeit können Antikörper zuverlässig bestimmt werden. Bei Lagerung bei 4°C ist die Probe für 4 Wochen stabil. Bei Lagerung bei -20°C können Viren mit Hilfe der PCR und Antikörper gegen Viren auch nach Jahrzehnten noch nachgewiesen werden.

Referenzbereich
Normalerweise werden keine Viren oder Antikörper dagegen nachgewiesen.
Referenzbereich: Negativ.

Der Grenzwert für positive Antikörper-Ergebnisse kann von Labor zu Labor oder bei unterschiedlichen Methoden schwanken, da es keine Standardisierung der Referenzbereiche gibt. Die für den Befund gültigen Referenzbereiche sollten daher die im Laborbefund angegeben werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Der Virusnachweis über PCR kann durch verschiedene Substanzen gehemmt werden (z.B. Heparin). Die Probe sollte nicht in irgendwelchen Konservierungsmedien oder Abnahmebestecken für die Bakteriologie gesammelt werden.

Antikörper werden bevorzugt aus Serum gemessen. Die Verwendung von EDTA- bzw. Heparinplasma oder auch Citratplasma sollte nur erfolgen, wenn die entsprechenden Testsysteme dafür evaluiert wurden und dies in der Testbeschreibung angegeben ist.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Es besteht keine Ringversuchspflicht nach den RiLiBäk. Die Methode ist soweit möglich normiert und standardisiert. Jedoch können gerade bei der Bestimmung von Antikörpern auf verschiedenen Testsystemen oft erhebliche quantitative Titerunterschiede auftreten, sodass Titerverläufe nur auswertbar sind, wenn sie mit dem selben Test durchgeführt wurden. Qualitätskriterien sind definiert und werden in verschiedenen externen Ringversuchen geprüft.


Häufige Fragen

Gibt es einen Impfstoff gegen das West Nil Virus?

Für Menschen bisher noch nicht, aber es wird mit einem oder mehreren Impfstoffen in den nächsten Jahren gerechnet. Ein Impfstoff wurde bereits entwickelt, indem das West Nil Virus mit dem Impfstoff gegen Gelbfieber vermischt wurde, um die Proteine zu verändern, welche den bereits entwickelte Impfstoff bedecken. Dieses neue Impfstoff wurde bereits erfolgreich in Bezug auf Effektivität und Sicherheit an Tieren getestet, mit einer Testreihe am Menschen wurde gerade begonnen.

Ein anderer wirksamer Impfstoff, der wnv-Proteine benutzt (anstelle von lebendem Virus) wurde ebenfalls entwickelt und ersten Tests unterzogen. Diese Art von Impfstoff hätte den Vorteil, dass es für jede Person, sogar für Immungeschwächte, geeignet wäre.

Kann das West Nil Virus jemals ausgerottet werden?
Wahrscheinlich nicht. Wie die Grippe oder andere krankheitserregende Viren wurde auch das West Nil Virus in vielen Teilen der Erde zu einem saisonalen Problem.

Ist eine Blutspende bzw. das Erhalten von Blutspendeprodukten sicher?
Ja. Es gibt absolut kein Risiko für den Spender. Und West Nil Virus Nukleinsäure-Tests sind mittlerweile Teil des umfassenden Blutprodukt-Testprogramms, um für die Empfänger eine Transfusion so sicher wie möglich zu machen. Vor kurzem wurde ein weiteres Hilfsmittel im Kampf gegen das West Nil Virus bei Blutspendediensten eingeführt: potentielle Spender werden während der wnv-Saison gefragt, ob sie in letzter Zeit Fieber oder Kopfschmerzen (Symptome einer Infektion mit dem wnv oder einem anderen Virus) an sich bemerkt hätten.

 

 

Auf dieser Seite
Labortests: Antikörper-Suchtests,
Krankheitsbilder: West Nil Virus

An anderer Stelle im Internet
ECDC, Europäisches Zentrum für Infektionskontrolle und Prävention, https://ecdc.europa.eu/en/Pages/home.aspx

CDC, USA Zentrum für Infektionskontrolle:
Abteilung für Überträger-assoziierte infektiöse Erkrankungen: West Nil Virus https://www.cdc.gov/ncidod/dvbid/westnile/index.htm

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