Opposition

Opposition oder auch Opponierbarkeit bezeichnet in der Anatomie die Fähigkeit der Gegenüberstellung. Gemeint ist beim Menschen die mögliche Stellung des zweigliedrigen Daumens gegenüber den anderen dreigliedrigen Fingern.
Aber auch viele verschiedene Tiere – und bei Weitem nicht nur Säugetiere! – sind zur Opposition fähig. Die Opponierbarkeit des Daumens beim Menschen ist dabei eng an seine Evolution geknüpft, weil sie die Hände besser zur Manipulation der Umwelt befähigt. Entsprechend alltäglich ist die Nutzung des Daumens nun für den Menschen.

 

Was ist die Opposition in der Anatomie?

An der Opposition des Daumens gegenüber den anderen Fingern sind einige Nerven, Muskeln und Sehnen beteiligt. All diese Komponenten gingen dabei im Laufe der Evolution aus den Muskeln, Nerven und Sehnen hervor, die in der Stammesgeschichte des Menschen und seiner säugetierartigen Vorfahren für die Feinkontrolle des äußeren Zehs der vorderen Füße zuständig waren.

Die Opposition des Daumens – man spricht auch vom sogenannten Pinzettengriff, bei welchem eine Pinzettenform aus einem dreigliedrigen Finger und dem Daumen gebildet wird – wird vor allem durch die Stellung des Daumens realisiert. Während die vier dreigliedrigen Finger beinahe auf einer Ebene an den Handwurzelknochen anliegen, ist der Daumen um circa 130 Grad gedreht. Ausnahme ist hierbei mit individuellen Abstufungen der kleiner Finger, der ebenfalls ein wenig gedreht sein kann.

Während die dreigliedrigen Finger per Kugelgelenk mit den Handwurzelknochen verbunden sind, besitzt der Daumen ein Sattelgelenk. Die dreigliedrigen Finger sind in ihrer Bewegung stark eingeschränkt und meist nur zur Flexion und Extension fähig. Rotationsbewegungen sind kaum bis gar nicht möglich.
Beim Sattelgelenk des Daumens gibt es hingegen zwei Bewegungsebenen, was die Beweglichkeit enorm erhöht. Das sprichwörtliche Däumchendrehen stellt ein Ausreizen dieser Möglichkeit dar.

Damit der Daumen also den anderen Fingern gegenüber stehen kann, sind eine Reihe von Muskelkontraktionen notwendig. Schließlich muss für eine Gegenüberstellung auch die Hohlhand als solche leicht angepasst werden.
Entscheiden ist der Musculus opponens pollicis, welcher sich im Daumenballen befindet und den Daumen bei Kontraktion so dreht, dass er den anderen Fingern gegenüberstehen kann.

Dabei wird der Muskel vom Nervus medianus aktiviert, welcher wiederum dem Plexus brachialis – dem Nervengeflecht, das als Teil des peripheren Nervensystems im Schulter-, Arm– und Brustbereich wirkt – entstammt. Eine bewusste Steuerung des Daumens ist möglich. Bei vielen Bewegungen, die der Mensch verinnerlicht hat, finden die Bewegungsprozesse allerdings ohne Aufwand von Konzentration statt.

Während dem menschlichen Daumen immer die Fähigkeit zur Opposition zugesprochen wird, ist man sich beim kleinen Finger uneins. Es ist individuell sehr unterschiedlich, inwiefern der kleine Finger opponierbar ist. Einige Menschen können mit ihm eine Gegenüberstellung allen Fingern gegenüber erreichen. Einige Menschen können dies überhaupt nicht. Insgesamt ist der kleine Finger aber weit flexibler in seinen Bewegungen als die Zeige-, Mittel- und Ringfinger.

Opposition bei anderen Tieren

Bei anderen Tieren meint Opposition nicht zwingend die Bewegung eines Daumens. Gemeint ist vielmehr die Möglichkeit, eine dem Pinzettengriff entsprechende Bewegung durchzuführen.
Hierbei können auch Zehen, Teile der Tarsen bei Insekten oder Scheren bei Krebstieren eine Rolle spielen.

Einige Beispiele, die die vielfältigen Formen der Opposition darstellen, sollen hier aufgelistet sein:

  • Bei vielen Primaten existiert ein Daumen
  • Alle Primaten – außer dem Menschen – können ihre große Zehe den anderen Zehen gegenüberstellen
  • Koalas besitzen zwei Daumen und drei Finger an allen vier Extremitäten
  • Chamäleons haben durch Verwachsungen der Zehen zangenförmige Füße
  • Vogelfüße sind häufig mit einer Klaue nach hinten und dreien nach vorn ausgestattet, was zum Greifen befähigt
  • Feuerameisen haben an ihren vorderen Tarsen opponierbare Borsten
  • Krebstiere besitzen Scheren, die den festen Pinzettengriff ermöglichen

Dabei hat sich die Fähigkeit zur Opposition unterschiedlich entwickelt. In allen Fällen bedeutet sie einen evolutionären Vorteile, weil das Ergreifen von Nahrung, das Klettern oder Nutzen von Objekten dadurch vereinfacht wird.
Der echte Daumen und die flexible Opponierbarkeit ist aber dennoch selten. Bei Chamäleons und Krebstieren zeigt sich dies besonders deutlich; ihre Fähigkeit zur Opposition ist sehr unflexibel und spielt sich nur auf einer Bewegungsebene ab.

Funktionen & Aufgaben der Opposition

Die Opposition des Daumens ist im menschlichen Alltag überpräsent. Jede Greifbewegung, jedes feinmotorische Arbeiten und diverse Gesten hängen von unserer Fähigkeit, den Daumen zu verwenden, ab.
Allein beim Schreiben ist der Daumen ständig in Opposition zu anderen Fingern und manövriert mittels kleinster Bewegungen das Schreibutensil über das Papier.
Das Greifen der meisten Trinkgefäße erfordert aufgrund ihrer Bauchigkeit einen Daumen, will man nicht beide Hände verwenden.

Die Liste ließe sich hierbei endlos fortsetzen. Die Opponierbarkeit des Daumens ist beim Menschen genauso selbstverständlich wie der aufrechte Gang. Entsprechend wird einem der Wert dieser Fähigkeit häufig erst bei Einschränkung oder Verlust bewusst.

Opposition in der Menschwerdung
Die Opponierbarkeit des Daumens in seiner jetzigen Form hat sich schon früh bei unseren Vorfahren entwickelt. Ursprünglich stellte sie vor allem einen Vorteil beim Klettern in Bäumen dar, weil das Greifen den Vorgang des Kletterns ungemein unterstützt. Und auch das Festhalten von Beutetieren und Früchten wurde vereinfacht.

Die ersten Anfänge der Werkzeugnutzung sind abhängig von einem opponierbaren Daumen gewesen. Dabei Gehen die ersten Versuche, Objekte zu verwenden, um die Umwelt zu manipulieren, keineswegs auf den Homo sapiens zurück, sondern reichen weiter in die Vergangenheit. Gerade Primaten, denen wir bei Weitem nicht unsere intellektuelle Kapazität zuschreiben, verwenden Werkzeug wohl schon länger als der Mensch.

Beispielsweise greifen sie Stöcke, um in Insektenhügeln und Astlöchern ihre Beute aufzuspießen oder nach draußen zu locken. Mit Steinen zertrümmern sie hartschalige Früchte und Schnecken. Andere Objekte dienen zum Kratzen, zum Winken, zum Spielen und natürlich auch zur Körperpflege.

Was der moderne Mensch seinen Vorfahren dann schließlich voraus hat, ist die Entwicklung seiner Kultur, Sprache und Intelligenz. Während das Wachstum des Gehirns maßgeblich mit der besseren Versorgungslage mit Proteinen durch die Entdeckung des Feuers zusammenhing, kam als weiterer Faktor zum erfolgreichen Ausbau der Daumennutzung noch der aufrechte Gang hinzu.
Dadurch, dass die Hände nicht mehr zur Fortbewegung gebraucht wurden, konnten sie eine andere Sensibilität und Motorik entwickeln, die vor allem auf das Betasten und Manipulieren von Objekten ausgerichtet sind.

In Kombination mit den neuen Möglichkeiten einer sich weiter entwickelnden Intelligenz, hat sich schließlich der Daumen in seiner jetzigen Form als Wunderwaffe erwiesen, wenn es darum geht, Objekte zu fertigen, die das Leben einfacher und Vorgänge effizienter machen. Der Mensch lernte, zu fertigen und lernte auch, dieses Wissen über die Sprache, die erst mit dem weiter entwickelten Gehirn entstehen konnte, weiterzugeben.

Die Opposition ermöglicht es also, abhängig von der Intelligenz, Werkzeug zu verwenden und die Umwelt zu manipulieren. Für den gezielten Einsatz von Objekten ist allerdings die Fähigkeit vonnöten, sich auszumalen, welche Konsequenz ein Handeln haben könnte. Die meisten Tiere besitzen dieses Bewusstsein nicht. Gerade deshalb führt Opposition nicht zwangsläufig zu einer Evolution in Richtung einer sehr erfolgreichen, dominanten und Werkzeug verwendenden Spezies.

Krankheiten & Beschwerden im Zusammenhang mit der Opposition

Ist die Fähigkeit zur Opposition eingeschränkt, geht einem ein großer Anteil der Selbstständigkeit im Alltag verloren. Weil die meisten Handgriffe einen opponierbaren Daumen benötigen, machen sich Schwierigkeiten damit besonders bemerkbar.
Während der vollständige Verlust der Fähigkeit zur Opposition selten ist, kommen Einschränkungen häufig vor. Hierfür gibt es verschiedene Gründe, die von Nervenschädigungen bis hin zu Strukturschädigungen am Daumen selbst reichen.

Ist der Nervus medianus etwa durch Quetschungen oder Verletzungen beschädigt, kann der Daumen eventuell nur noch eingeschränkt kontrolliert werden, weil die Leitfähigkeit des Nervs beeinträchtigt wird. Neben mechanischer Behinderung des Nervs, kommen auch Mangelernährung und Vergiftungen als Ursache in Frage. Es ist individuell abzuklären, worauf eine verringerte Kontrolle des Daumens zurückzuführen ist.
Zumeist sind Nervenbeeinträchtigungen Folgeerscheinungen bereits vorhandener Zustände. Chronische Krankheiten wie Diabetes oder der Missbrauch toxischer Substanzen können ursächlich sein.

Ein vollständiger Verlust der Leitfähigkeit des Nervs, und damit eine Lähmung, ist möglich. Ob die Fähigkeit zur Opposition dann noch wiedererlangt werden kann, hängt davon ab, ob der Nerv sich wieder aktiveren lässt. Hierbei sind der Grad der physischen Schädigung des Nervs und der sonstige Zustand des Betroffenen zu berücksichtigen.

Auch die Multiple Sklerose kann ursächlich sein, wenn die Opponierbarkeit des Daumens eingeschränkt wird. Bei dieser Autoimmunkrankheit wird das Nervensystem des Körpers angegriffen. Entzündungen und Funktionsverluste sind die Folge.
Es ist bei Verlust der Fähigkeit zur Opposition in diesem Fall nicht zu erwarten, dass die Fähigkeit wiederkehrt.

Ebenso können Schäden an der Wirbelsäule und am Rückenmark im Bereich von C6 bis Th1 (vom unteren Teil der Halswirbelsäule bis zum obersten Segment der Brustwirbelsäule) die Opponierbarkeit des Daumens unmöglich machen. In diesem Bereich liegt der Teil des zentralen Nervensystems, der in das periphere Nervensystem – in den Plexus brachialis – übergeht. Wird hier eine Beschädigung hervorgerufen, gehen die entsprechenden Funktionen verloren.

Am Harmlosesten sind Schmerzen, die bei der Opposition auftreten können. Sie können unterschiedliche Ursachen haben. Dabei sind Muskelfaserrisse oder Entzündungen zuerst zu nennen. Sie gehen meist vorüber und sind selten chronisch. Auch Frakturen im Bereich der Hand schränken die Bewegungsabläufe ein. Hier ist Schonung der betroffenen Bereiche und eventuelles Schienen relevant.

Langfristig belastend sind hingegen chronische Gelenkerkrankungen. Hier können Arthrose und Arthritis auftreten und das Bewegen des Daumens mit Schmerzen verbinden. Entsprechendes Training, Schmerzmittel und das Erlernen bestimmter Bewegungen, die den Daumen so bewegen, dass es weniger schmerzt, können Abhilfe schaffen.
Allerdings sind diese Formen der Gelenkbeinträchtigung chronisch und erfordern es oftmals nach Jahren, die entsprechenden Bewegungen sparsamer durchzuführen.

Gerade bei Druckausübung auf den Daumen (beim Öffnen von Gläsern, beim Drücken von Knöpfen usw.) können hier starke Schmerzen auftreten.

Die Opposition kann also durch Folgendes beeinträchtigt werden oder ganz verloren gehen:

 

Fragen & Antworten zur Opposition

Kann man den Daumen trainieren, damit die Fähigkeit zur Opposition im Alter nicht eingeschränkt wird?

Ein einhundertprozentiges Vorbeugen gibt es nicht, weil Erkrankungen jeden Treffen können. Allerdings kann man den Verschleißerscheinungen, die völlig natürlich sind, begegnen, indem man seinen Daumen häufig verwendet.
Bei der Flexibilität der Bewegungen gibt es dabei große Spielräume, wie zum Beispiel Pianisten mit ihren spreizbaren Fingern eindrucksvoll beweisen. Greifübungen, Fingerpressen usw. können die Beweglichkeit des Daumens sicherstellen.

Woran merke ich, dass meine Fähigkeit zur Opposition eingeschränkt ist?
Probleme beim Greifen sind erste Anzeichen. Aber um die Qualität der Opposition zu testen, genügt es meist, jeden seiner dreigliedrigen Fingern mit dem Daumen an der Spitze zu berühren. Gelingt dies nicht, liegt bereits eine Beeinträchtigung vor.

Hätte sich der Mensch auch ohne den Daumen zu einer solch erfolgreichen Spezies entwickeln können?
Davon ist nicht auszugehen. Unsere empfindlichen Hände und unsere Fähigkeit, zu greifen, sind elementar für unsere Interaktion miteinander und mit der Umwelt. Zwar könnten wir unsere Intelligenz auch durchaus ohne die opponierbaren Daumen erworben haben. Aber die Unfähigkeit, Objekte ausgiebig zu verwenden und zu bearbeiten, hätte uns wohl für immer abhängig von den gegeben Umständen der Natur sein lassen.
Die Fähigkeit zur Opposition ist so maßgeblich für die Entwicklung allen Werkzeugs und damit auch der Kulturbildung, dass nicht davon auszugehen ist, dass der Mensch heute überhaupt irgendeine Form von Technik besitzen würde, würde er nicht über seinen opponierbaren Daumen verfügen.

Unser Fazit zur Opposition

Die Opposition begleitet uns bei fast jeder unserer Bewegungen, die wir mit den Händen ausführen. Das Greifen und Bearbeiten von Objekten ist dabei so selbstverständlich für uns, dass uns erst der Verlust der Fähigkeit dazu darauf aufmerksam macht.
Letzten Endes ist auch der opponierbare Daumen in dieser Form und Anwendbarkeit etwas, was den Menschen wieder ein wenig von anderen Tieren abhebt.

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