Gasbrand

Was ist Gasbrand?

Gasbrand – eine lebensbedrohende Infektionskrankheit
Gasbrand (Gasödem, Gasphlegmone auch Gasgangrän, Clostridium-Myositis, maliges Ödem, Gasphlegmone, Clostridium-Myositis bzw. Clostridium-Zellulitis genannt) ist eine extrem giftige Infektionskrankheit in Wunden, die sich äußerst schnell entwickelt. Verantwortlich für die Infektion sind mehrere Clostridien-Typen, die nur in einem anaeroben (ohne Sauerstoff) Umfeld gedeihen, zur Familie der Clostridiaceae gehören und in der gesamten Natur vorhanden sind. Also auch in Staub, Wasser, Nahrungsmitteln, der Luft und im Boden. Bekannt sind auch Gasbrandfälle, bei denen Clostridien auch in der Genitalflora von Frauen entdeckt wurden.

Statistisch gesehen werden 90 Prozent aller erfassten Gasbrandinfektionen vom Clostridium perfringens ausgelöst. Weitere Vertreter der Clostridien sind die Unterarten sordelli, septicum, bifermentans, histolyticum, fallax und novii. Im menschlichen Körper sind Clostridien vorwiegend im Darm zu finden. Normalerweise lösen diese aber keine Erkrankung aus. Unterschieden wird beim Gasbrand unter einer endogenen und einer exogenen Form der Infektion. Letztere wird auch am häufigsten diagnostiziert. Ein endogener Gasbrand ist selten und entsteht im Darm, von dem aus sich die Bakterien über das Blut auf die Körperweichteile ausbreiten.

Gasbrand

von Andreas Zautner (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Betroffen sind vor allem Menschen, die durch eine bereits bestehende Erkrankung unter einer Schwächung des Immunsystems leiden. Beim exogenen Gasbrand wird die Wunde von außen her mit Clostridium Bakterien infiziert. Durch die rasante Entwicklung des Krankheitsbildes treten die ersten Symptome von Gasbrand schon nach relativ kurzer Zeit (fünf – 48 Stunden) auf. Ein charakteristisches Erscheinungsbild für Gasbrand sind Blasen, die durch die gasproduzierenden Bakterien in der Wunde entstehen. Zusätzlich entstehen bei diesem Prozess auch verschiedene Gifte (Exotoxine), die sich negativ auf die Blutgerinnung auswirken. Zwei Vertreter dieser Toxine sind Cytolysin und Phospholipase C. Vor der Entdeckung von Antibiotika war Gasbrand eine sehr ernst zu nehmende Krankheit, die oftmals zum Tode führte.

Während des Ersten Weltkrieges sind rund ein Zehntel aller Gefallenen einem Gasbrand zum Opfer gefallen. Häufig waren zu dieser Zeit nicht sterile Operationsinstrumente schuld am Gasbrand.

Symptome für Gasbrand

Wunden können entweder nach einer Verletzung der Weichteile, oder nach einer Operation von Clostridien befallen werden. Die ersten Anzeichen von Gasbrand zeigen sich spätestens drei Tage nach der Infektion. Zu Beginn der Infektion ist bei den Betroffenen ein plötzlicher Wandel im Gemüt und im Aussehen zu erkennen. Die innere Unruhe steigt, der Puls schnellt nach oben, das Gesicht verfärbt sich grau-gelb und verfällt zusehends. Der sich vorher noch wohlfühlende Patient mutiert innerhalb kurzer Zeit zum Schwererkrankten.

Dabei können mehrere Symptome einen Hinweis auf Gasbrand liefern. Dazu zählen eine Zunahme des Wundschmerzes, tiefblaue mit Flüssigkeit gefüllte Blasen, gelb/braune bzw. blau/schwarze Verfärbungen, Anschwellungen um die Wunde (Wundödem), bzw. Aussonderungen eines trübbraun verfärbten Sekrets. Durch geschulte Ärzte ist Gasbrand allein schon durch den ausgestoßenen üblen Geruch erkennen. Wenn die Wunde berührt wird, ist ein ungewöhnliches auf ein Hautemphysem (Gasansammlung) basierendes Knistern hörbar.

Zu erklären ist dieses Symptom durch die von den Bakterien ausgelöste Bildung von Kohlendioxid. Die dabei als Nebenprodukt entstehenden Gifte verursachen einen Zersetzungsprozess im Muskel- und Gewebebereich, das mit der Zeit abstirbt. Im weiteren Verlauf der Krankheit wird der menschliche Körper durch eine Reihe von hinzukommenden Komplikationen stakt belastet. Typische Nebenerscheinungen sind Beeinträchtigungen in der Blutgerinnung (Verbrauchskoagulopathie), Störungen in der Atmung und im Kreislauf, eine hämolytische Anämie, Nierenversagen und eine Schädigung in der Leberfunktion. Wird ein Gasbrand nicht behandelt, kann ein lebensgefährlicher septischer Schock die Folge sein. Dieser Schock macht sich in erster Linie durch ein drastisches Absinken des Blutdrucks, und durch eine Beschleunigung der Herzfrequenz bemerkbar.

Durch die eingeschränkte Blutgerinnung formen sich in den Blutgefäßen zuerst Thromben (Blutgerinnsel) aus, bis die Gerinnung mit der Zeit vollkommen zum Erliegen kommt. Dies führt zu Blutungen in den Organen, den Schleimhäuten und in der Haut. In dieser Phase kann es zu einem gleichzeitigen Versagen von mehreren Organen (Multiorganversagen) kommen.

Die wesentlichen Ursachen für Gasbrand

In Zeiten, in denen man noch kein Wissen über die Sterilisation von medizinischen Instrumenten hatte, zählte Gasbrand zu den gefährlichsten Krankheiten. Dadurch konnten sich die Bakterien ungehindert ausbreiten. Den hauptsächlichen Erreger Clostridium perfringens, kann man mit kochendem Wasser (mind. 100 Grad C) oder mit Äthanol (80Prozent) abtöten. Das Gefährliche sind aber die Bakteriensporen, die dadurch nicht eliminiert werden können und somit weiter bestehen.

Ob sich diese unter Menschen, oder von Tieren zu Menschen übertragen, konnte bisher durch die Medizin noch nicht dokumentiert werden. Die Erreger von Gasbrand gelangen über Verletzungen in den menschlichen Leib. Für die rapide Entwicklung der Clostridien gibt es mehrere Ursachen. Dazu zählt hauptsächlich eine schlechte bzw. gar keine Durchblutung im geschädigten Gewebe, wie es z. B. bei einer Quetschung vorkommen kann. Weitere Risiken für eine Infektion sind gegeben, wenn es sich um eine großflächige Wunde (u. a. eine Amputation) handelt, die Wunde verdreckt ist bzw. sich in ihr ein Fremdkörper (Splitter, Pfählungsverletzung) befindet. Sehr ernst zu nehmende Gefahrenquellen sind für Gasbrand auch offene Brüche, Stoffwechselerkrankungen und Stichwunden.

Sehr gute Wachstumsvoraussetzungen finden die Bakterien zudem in Schusswunden. Begünstigend und Gasbrand fördernd wirken sich Abschnürungen bei Verletzungen aus, wenn sie ohne Notwendigkeit angelegt werden bzw. zu lange angelegt sind. Für eine hohe Infektionsgefahr stehen bei Injektionen ferner mit den Sporen der Bakterien infizierte Kanülen. Überdies kann auch eine Abtreibung der Auslöser für Gasbrand sein.

Verschiedene Krankheiten, die im direkten Zusammenhang mit Durchblutungsstörungen (u. a. Arteriosklerose, böse Tumore, Diabetes mellitus) stehen, steigern ebenfalls Infektionen durch Gasbrand. Letztlich sind auch schwere Erfrierungen unter die Auslöser von Gasbrand einzuordnen. Oftmals nisten sich in Wunden nicht nur Clostridien, sondern auch andere Bakterien ein. Von Ärzten wird dieser Umstand als Mischinfektion bezeichnet. Solche Bakterien verändern das geschädigte Gewebe und fördern somit zusätzlich ein leichteres Entstehen von Gasbrand.

Möglichkeiten zur Behandlung von Gasbrand

Obwohl selten vorkommend, ist Gasbrand eine ernstzunehmende Krankheit. Die Sterblichkeitsrate liegt immerhin zwischen 30 – 50 Prozent. Handelt es sich um endogenen Gasbrand, ist der Prozentsatz noch wesentlich höher. Daher ist es lebensnotwendig, Gasbrand rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Behandlungsmethoden einzuleiten. Dabei sollte schon beim leisesten Verdacht auf Gasbrand und auch ohne vollständige Ergebnisse aus dem Labor mit der Therapie begonnen werden. Das primäre Behandlungsziel liegt darin, die Wunde mit möglichst viel Sauerstoff zu versorgen. Dadurch wird eine Weiterverbreitung der Bakterien unterbunden.

Im Wesentlichen besteht eine Behandlung von Gasbrand aus zwei Stufen. Eine davon ist die Behandlung der Wunde selber. Dies geschieht durch ein Reinigen und Desinfizieren der Wunde bzw. durch das Entfernen von abgestorbenen Gewebeteilen. Schlimmstenfalls kann auch eine Amputation von Gliedmaßen notwendig sein. Sollten die Clostridien bereits den Körperstamm befallen haben, ist leider keine Hilfe mehr möglich. Die zweite Möglichkeit einer Gasbrandtherapie basiert auf antibiotischen Medikamenten. Im Rahmen der Behandlung mit Antibiotika werden unter anderem Kombinationen von Cephalosporine und Metronidazol bzw. von Clindamycin mit Penicillin G verabreicht.

 

Alternativ und abhängig vom Krankheitsbild kommen sogenannte hyperbare Therapien mit Sauersoff zur Anwendung. Um das geschädigte Gewebe mit Sauerstoff zu versorgen, muss der Patient dabei in einer Druckkammer mit erhöhtem Luftdruck Sauerstoff einatmen. Dadurch wirkt die erhöhte Sauerstoffmenge auch von außen auf die Wunde ein. Allerdings ist sich die Fachwelt über die Sinnhaftigkeit dieser Methode uneins. Wenn Komplikationen in Form eines septischen Schocks eintreten, kann nur mehr die Intensivmedizin mit kreislaufstabilisierenden Medikamenten bzw. Infusionen helfen.

Bei einem Organversagen muss man das betreffende Organ (z. B. ein Nierenversagen mit einer Blutwäsche) zeitweilig ersetzen, sofern dieses überhaupt möglich ist. Um Gasbrand vorzubeugen kann man kleinere Wunden selber mit ausreichend Wasser reinigen und danach desinfizieren. Die Behandlung von großen Wunden oder Bissverletzungen fällt aber in die Zuständigkeit eines Arztes. Diabetiker sollten grundsätzlich alle Verletzungen von einem Arzt behandeln lassen.

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