Clindamycin

Clindamycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Lincosamide, welches innerlich und äußerlich angewendet werden kann. Die häufigsten Anwendungsgebiete sind Infektionen der Atemwege, Infektionen der Haut oder Knochen sowie gynäkologische Infektionen wie beispielsweise Chlamydien. Für Patienten, die an einer Penicillin-Allergie leiden, stellt Clindamycin eine geeignete Alternative dar.

ClindamycinWas ist Clindamycin?

Bei Clindamycin handelt es sich um ein Antibiotikum aus der Gruppe der Lincosamide. Es wird halbsynthetisch hergestellt und stellt ein Derivat des Arzneistoffs Lincomycin dar.

Clindamycin hemmt das Wachstum von verschiedenen Bakterien, insbesondere grampositive aerobe Bakterien wie beispielsweise Streptokokken oder Staphylokokken, aber auch gegen gramnegative Anaerobier sowie gegen Bakterien der Familie der Chlamydiaceae.

In hoher Dosierung kann der Wirkstoff auch bakterizid wirken. Wird Clindamycin zusammen mit dem Arzneistoff Pyrimethamin verabreicht, wirkt es des Weiteren gegen den Erreger Toxoplasma gondii.

Clindamycin wird in der Regel in der Form von Kapseln Tabletten, Cremes oder Gels dargereicht. Der Wirkstoff kann auch präventiv vor einer Operation eingesetzt werden, um eine Infektion zu verhindern.

Gerade für Patienten, bei denen ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, lassen sich Infektionen in Folge von Operationen somit eindämmen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Clindamycin wird gegen Infektionen von Bakterien eingesetzt, die empfindlich auf den Wirkstoff reagieren. Die häufigsten Zwecke, in denen Clindamycin eingesetzt wird, sind die folgenden:


Allgemeines

Allgemeines
NameClindamycin
Andere NamenMethyl-6-amino-7-chlor-6,7,8-trideoxy-N-[(2S,4R)-1-methyl-4-propylprolyl]-1-thio-β-L-threo-D-galactooctopyranosid (IUPAC)
SummenformelC18H33ClN2O5S
WirkstoffklasseAntibiotikum

Wirkungsweise

So wirkt Clindamycin

Clindamycin gehört zu den Proteinsynthesehemmern. Wie Makrolid-Antibiotika bindet es an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms, blockiert dadurch das Enzym Peptidyltransferase und hemmt so die bakterielle Proteinsynthese.

Da die Proteine essentiell zum Aufbau der Bakterienzelle sind, wird dadurch bei normaler Dosierung das Wachstum der Bakterien stark gehemmt. In höherer Dosierung kann Clindamycin auch bakterizid wirken.

Die Wirkung des Arzneistoffs wird gegen grampositive aerobe sowie grampositive und gramnegative anaerobe Bakterien, wie beispielsweise Strepto- und Staphylokokken, Chlamydiaceae, Bacteroides, Pneumokokken und Propionibakterien beobachetet.

Aufgrund des sehr ähnlichen Wirkmechanismus von Clindamycin und dem der Makrolid-Antibiotika besteht allerdings die Gefahr von Kreuzresistenzen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Clindamycin

Nach der oralen Einnahme des Antibiotikums wird das Antibiotikum über den Darm in das Körpergewebe, die Knochen und Weichteile aufgenommen. Eine Wirkung ist in der Regel bereits einer bis zwei Stunden zu beobachten.

Clindamycin kann bei Bedarf auch intravenös verabreicht werden. In der Leber wird der Großteil des Wirkstoffs verstoffwechselt bevor es über Urin und Stuhl wieder ausgeschieden wird.

Der Teil des Antibiotikums, der nicht metabolisiert wird – das sind ungefähr 10% – wird unverändert ausgeschieden. Bei einer äußerlichen Anwendung in der Form einer antibiotischen Creme oder eines Gels hemmt Clindamycin das Wachstum der Erreger an der Stelle, an der es aufgetragen wurde.


Anwendungsgebiete

Wann wird Clindamycin eingesetzt?

Clindamycin wird bei Infektionen durch grampositive aerobe sowie grampositive und gramnegative anaerobe Erreger eingesetzt.

Da das Antibiotikum tief in das Gewebe eindringen kann, wird es häufig bei der Behandlung von Infektionen der Knochen oder Gelenke sowie für Infektionen im Zahn- und Kieferbereich eingesetzt.

Weitere Einsatzgebiete sind Entzündungen im Hals-Nasen-Ohrenbereichs, des Bauchraums sowie gynäkologische Infektionen. Auch bei Infektionen der Weichteile hat sich Clindamycin bewährt.

Bei einer vorliegenden Allergie gegen Penicilline oder einer Erregerresistenz gegen das Antibiotikum Dicloxacillin ist Clindamycin bei der Behandlung aerober Infektionen häufig eine geeignete Alternative.

Da die Nebenwirkungen des Antibiotikums recht stark ausfallen, wird es als Reserveantibiotikum eingestuft. Das bedeutet, dass der Wirkstoff erst eingesetzt wird, wenn die Behandlung mit anderen Antibiotika nicht erfolgreich war.


Richtige Anwendung

So wird Clindamycin angewendet

Clindamycin kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden.

Innerliche Anwendung

In der Form von Kapseln oder Tabletten wird der Wirkstoff unabhängig von den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.

Wird Clindamycin in der Form eines Trockensaftes verabreicht, muss vor der Einnahme eine Suspension hergestellt werden, indem die Flasche bis zur Markierung mit kaltem, abgekochtem Wasser befüllt und anschließend gut geschüttelt wird.

Je nach Schwere der Infektion werden während der Behandlung pro Tag 0,6 und 1,8 Gramm des Wirkstoffs verabreicht. Wie lang und wie oft das Antibiotikum eingenommen werden muss, entscheidet der Arzt je nach Krankheitsverlauf.

Äußerliche Anwendung

Bei einer äußerlichen Anwendung wird ein Gel oder eine Creme, die Clindamycin enthält, auf die infizierte Stelle aufgetragen. Der Kontakt mit den Augen und Schleimhäuten soll unbedingt vermieden werden.

Eine Ausnahme besteht bei Clindamycin-Cremes für die gynäkologische Anwendung. Bei einer vaginalen Anwendung wird das Antibiotikum mit Hilfe eines Applikators in die Vagina eingeführt. Während der Regelblutung sollte die Anwendung unterbrochen werden.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Clindamycin?

Präparate, die den Wirkstoff Clindamycin enthalten, sind in den unterschiedlichsten Darreichungsformen zahlreich auf dem Markt vorhanden.

  • Gels: Basocin Akne-Gel
  • Cremes: Sobelin Vaginalcreme
  • Lösungen: Basocin Akne-Lösung
  • Tabletten: Clinda-saar 150mg/300mg/600mg Filmtabletten
  • Trockensäfte: Sobelin Granulat

Kapseln

  • Clin-Sanorania 150mg/300mg
  • ClindaHEXAL 150mg/300mg
  • Clindamycin Sandoz 300mg Hartkapseln
  • Clindamycin-ratiopharm 150mg/300mg
  • Clindastad 150mg/300mg
  • SOBELIN 75
  • Sobelin 150mg/300mg

Handelsnamen

Monopräparate (Humanmedizin):

  • Basocin (D)
  • Clindasol (D)
  • Clindac (A)
  • Clinda-Saar (D)
  • Clin-Sanorania (D)
  • Dalacin (A, CH)
  • Dentomycin (D)
  • Jutaclin (D)
  • Lanacine (A)
  • Sobelin (D)
  • Turimycin (D)
  • Zindaclin (D, A)
  • Generika (D, A, CH)

Tiermedizin:

  • Aniclindan
  • Antirobe
  • Cleorobe
  • Clinacin
  • Clinda
  • Permycin

Kombinationspräperate (Humanmedizin):

  • Duac (D, CH)
  • Indoxyl (A)

Indikationen

Der Wirkstoff ist zur Behandlung von Infektionen, die durch clindamycin-empfindliche Erreger hervorgerufen werden, zugelassen.

Da Clindamycin tief in das körperliche Gewebe eindringen kann, wird der Wirkstoff insbesondere bei der Behandlung von Infektionen von Knochen und Gelenken eingesetzt.

Zudem ist es indiziert zur Behandlung von Infektionen des Zahn- und Kieferbereichs, des HNO-Bereichs, zur Behandlung gynäkologischer Infektionen, Infektionen des Becken– und Bauchbereichs sowie zur Behandlung von Haut- und Weichteilinfektionen.

Aufgrund der starken Nebenwirkungen wird Clindamycin zur Behandlung der oben genannten Indikationen als Reserveantibiotikum eingestuft.

Weitere Indikationen von Clindamycin sind die Behandlung von schwerwiegenden Staphylokokken-Infektionen bei Patienten mit Penicillin-Allergie oder einer Erregerresistenz gegen Dicloxacillin. Auch Infektionen mit anaeroben Erregern können mit dem Wirkstoff behandelt werden.


Gegenanzeigen

Wann darf Clindamycin nicht verwendet werden?

Bei einer Überempfindlichkeit gegen Lincosamid-Antibiotika darf Clindamycin nicht eingenommen werden, um einen allergischen Schock auszuschließen.

Menschen, die an einer eingeschränkten Leberfunktion oder einer Störung der neuromuskulären Übertragung leiden, sollten den Wirkstoff nicht einnehmen, außer anders vom Arzt angeordnet.

Clindamycin sollte beim Vorliegen einer MagenDarmErkrankung, bei Parkinson oder Muskelschwäche nicht eingesetzt werden.

Die äußerliche Anwendung von Clindamycin sollte bei Vorliegen von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und anderen entzündlichen Darmerkrankungen nur nach Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Bei Infektionen, die von Erregern verursacht werden, die nicht auf Clindamycin reagieren, wird der Wirkstoff nicht angewendet.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es konnte noch nicht ausreichend nachgewiesen werden, wie Clindamycin in der Schwangerschaft wirkt.

Die Anwendung sollte daher nur unter strenger Aufsicht eines Arztes erfolgen. Eine direkte Anwendung in der Vagina darf bei schwangeren Frauen, bei denen ein höheres Risiko für Komplikationen besteht, nicht durchgeführt werden.

Clindamycin kann in der Muttermilch nachgewiesen werden und kann somit auf den Säugling übertragen werden. Dies kann zu Durchfall, Pilzerkrankungen oder Allergien beim Säugling führen. Es wird empfohlen, vor der Behandlung mit dem Wirkstoff abzustillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Medikamente, die Clindamycin enthalten, können Kleinkindern ab vier Wochen verabreicht werden. Je nach Gewicht und Alter muss ein Arzt die Dosis entsprechend anpassen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Clindamycin?

Clindamycin weist eine Reihe von Nebenwirkungen auf. In dieser Liste werden sie nach Anwendungsart und Häufigkeit geordnet dargestellt.


Bei Einnahme:Häufige Nebenwirkungen

Gelegentliche Nebenwirkungen

  • Vorübergehender Anstieg der Leberwerte

Seltene Nebenwirkungen

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Ohne Nennung der Häufigkeit


Bei Anwendung in der Vagina:Häufige Nebenwirkungen

  • Gebärmutterhalsinfektionen
  • Infektionen der vaginalen Schleimhaut

Gelegentliche Nebenwirkungen

  • Äußere Genitalreizungen

Seltene Nebenwirkungen

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Ohne Nennung der Häufigkeit

  • Hefepilzvermehrung
  • Trichomonadenvermehrung

Bei Gabe in den Muskel:Gelegentliche Nebenwirkungen


Bei Gabe in die Vene:Gelegentliche Nebenwirkungen


Bei Anwendung auf der Haut:Seltene Nebenwirkungen


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Clindamycin?

Clindamycin zeigt Wechselwirkungen mit Makrolid-Antibiotika. Diese schwächen sich gegenseitig in ihrer Wirkung ab. Die muskelschwächende Wirkung des Arzneistoffs wird bei gleichzeitiger Gabe von Muskelrelaxanzien und Narkosegasen weiter verstärkt.

Bei intravenöser Gabe von Clindamycin dürfen Aminophyllin, Ampicillin, Calciumgluconat, Magnesiumsulfat, Phenytoin-Natrium oder Beruhigungsmittel aus der Barbiturate-Gruppe nicht gleichzeitig verabreicht werden.

Eine gemeinsame Gabe von Clindamycin mit Vitamin-K-Antagonisten kann dazu führen, dass erhöhte Blutgerinnungswerte oder Blutungen auftreten.

Es besteht die Gefahr, dass schwangerschaftsverhütende Medikamte wie die Pille während der Clindamycin-Behandlung schlechter aufgenommen wird.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Clindamycin zu beachten?

Patienten, die überempfindlich gegen Clindamycin reagieren, dürfen Medikamente mit diesem Wirkstoff nicht einnehmen. Bei eingeschränkter Leberfunktion, neuromuskulären Übertragungsstörungen oder Magen-Darm-Erkrankungen darf die Einnahme nicht ohne Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Da bei der Anwendung des Wirkstoffs häufig Durchfälle auftreten können, ist es ratsam, zeitgleich probiotische Präparate zum Aufbau einer gesunden Darmflora einzunehmen.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Clindamycin

Medikamente, die Clindamycin enthalten, sind verschreibungspflichtig und nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke erhältlich.


Geschichte

Seit wann ist Clindamycin bekannt?

In den 1950er Jahren wurde das Arzneimittel Lincomycin entdeckt, welches vom Bakterium Streptomyces lincolnensis produziert wird. Den Namen verdankt Lincomycin seinem Fundort in der Stadt Lincoln, Nebraska.

Durch Chlorierung von Lincomycin wird der Wirkstoff Clindamycin gewonnen. Seit 1968 sind Medikamente mit Clindamycin erhältlich.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei längerer Einnahme des Wirkstoffs sollten Leber-, Nieren-, und Blutwerte regelmäßig durch einen Arzt kontrolliert werden.
  • Zur Behandlung von Akne darf Clindamycin nicht langfristig angewendet werden.
  • Clindamycin darf nicht zur Behandlung von Augen– oder Hirnhautinfektionen verwendet werden.
  • Kommt es während der Behandlung mit dem Wirkstoff zu schweren und langanhaltenden Durchfällen oder allergischen Reaktionen, ist sofort ein Arzt aufzusuchen.

Quellen

  • ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: www.abda.de (Abruf: 01.02.2014)
  • de Groot, M. & Puijenbroek, E.: Clindamycin and taste disorders, in: Br J Clin Pharmacol. (2007), Ausgabe 64(4) [S. 542–545]
  • Finch, R. G. et al.: Antibiotic and Chemotherapy, Elsevier Science Limited, 2003
  • Hänsel, R. et al.: Hagers Handbuch der Pharmazeutische Praxis, Band 6, Springer Verlag, 1994
  • Lüllmann, H. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2010
  • Riviere, J. & Papich, M.: Veterinary Pharmacology and Therapeutics, Wiley-Blackwell, 2009
  • Schneider, D. & Richling, F.: Checkliste Arzneimittel A – Z, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Smollich, M. & Jansen, A.C.: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit, Georg Thieme Verlag, 2011

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