Amputation

Eine Amputation kann Leben retten

Behandlung AmputationEine Amputation, die mit dem Verlust eines Körperteils verbunden ist, bedeutet für die Betroffenen einen enormen Einschnitt in ihrem Leben.

Die Gründe für Amputationen sind vielschichtig.

Heute können amputierte Glieder weitgehend durch fortschrittliche Prothesen ersetzt werden, die sogar extremen Herausforderungen gerecht werden.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Amputation.

 

Was genau ist eine Amputation?

 

Der Begriff Amputation beschreibt einen medizinischen Vorgang, bei dem es zu einer beabsichtigten Abtrennung eines Körperteils kommt. Wird eine Amputation durch einen Unfall (Trauma) oder eine Verletzung hervorgerufen, dann wird dieses Synonym ebenfalls verwendet.

Die Bezeichnung „Amputation“ stammt aus dem Lateinischen von amputatio für absetzen. Eine Amputation kann unter verschiedenen Bedingungen erfolgen. Ist ein Glied vollkommen vom Körper getrennt, dann heißt das Totalamputation. In manchen Fällen hängt der Körperteil partiell mit dem Körper durch Haut oder Muskelstränge zusammen. Dann sprechen die Mediziner von einer subtotalen Amputation.

 

Ursprung und Entwicklung der Amputation

 

Forscher und Archäologen nehmen an, dass die ersten Amputationen etwa 8.000 bis 6.000 vor Christus stattfanden. vor etwa 3.000 Jahren wurde nachweislich eine große Zehe abgenommen, weil diese nicht mehr durchblutet wurde.

Um 1600 unternahm der in Frankreich lebende Chirurg Ambroise Parè die erste chirurgische Abtrennung einschließlich einer Kauterisierung der Arterien durch. Das bedeutet, dass die Wunde ausgebrannt wurde, um die Blutung zu stillen.

Obwohl viele Amputationen zunächst gelangen, verstarben die meisten Patienten an postoperativen (nach der Operation eintretenden) Wundinfektionen. 1846 wurde die erste Amputation unter Narkose durchgeführt.

Durch Ferdinand Sauerbruch, einem deutschen Chirurg wurde die Amputationstechnik revolutioniert. Ausgehend vom Einsatz myoelektrischer Technologien in Kombination mit Elektroden und Motoren wurden die heutige High-Tech-Prothesenapparaturen entwickelt. Amputationen zählen dennoch zu den anspruchsvollsten Operationen.

 

Funktion, Wirkung und Ziele der Amputation

 

Amputationen stellen außer bei zufällig eintretenden Ereignissen immer eine medizinisch begründete Notwendigkeit dar. In der Chirurgie werden mittlerweile unterschiedliche Verfahrensweisen praktiziert. Diese zielen darauf ab, ein möglichst optimales Resultat zu liefern.

 

Die Beschaffenheit des Stumpfes ist äußerst wichtig, zumal über diesen eine Versorgung mit einer Prothese erfolgen muss. Des Weiteren achten die Operateure darauf, dass die zurückbleibenden Narben so gut wie möglich verheilen und wenig störend sind. Das kann beispielsweise durch spezielle Nahttechniken umgesetzt werden.

Amputationen werden fast ausnahmslos in vollkommener Anästhesie ausgeführt, sodass eine komplette Schmerzfreiheit unter dem operativen Eingriff gegeben ist.

 

Indikationen beziehungsweise Gründe für eine Amputation sind:

  • Infektionen, die sich vom zu amputierenden Körperteil schnell in den Körper ausbreiten. Ist beispielsweise an der Hand eine Verletzung vorhanden, in der sich Gasbranderreger manifestiert haben, dann ist höchste Eile geboten. Diese Bakterien wandern über den Blutkreislauf rasch in den übrigen Körper und können somit eine lebensgefährliche Situation auslösen.
  • nekrotische oder nicht mehr durchblutete, abgestorbene Glieder beziehungsweise Ulzerationen bei Patienten mit Diabetes mellitus, durch Erfrierungen oder Verbrennungen
  • Muskelzerfall mit Vergiftungserscheinungen durch die in die Nieren gelangenden Abbauprodukte von Eiweiß. Darauffolgt häufig ein Nierenversagen.
  • Verbluten beziehungsweise Notfalloperation
  • Tumore: Ein typischer operativer Eingriff bei Krebs ist die Amputation der Brust. Des Weiteren kann auch eine Amputation des Mastdarms ausgeführt werden, wenn Krebs diagnostiziert wurde.

 

Durchführung und Wirkungsweise von Amputationen

 

Eine Amputation setzt ein hohes Maß an operativem Können und Erfahrung voraus. Eine Arbeit im Team mit modernsten technischen Überwachungs- und Narkoseapparaturen ist unumgänglich. Erst dann, wenn keine Behandlungen anschlagen, entscheiden sich die Ärzte für diesen Weg.

 

Die Abtrennung erkrankter oder beschädigter Körperteile soll das Leben der Betroffenen retten. Der größte Teil an Amputationen betrifft Extremitäten wie Unter- und Oberschenkel sowie Unter- und Oberarme und einzelne Gliedmaßen wie Zehen, Füße und Finger.

Außerdem werden in Abhängigkeit von der medizinischen Notwendigkeit Nasen, Ohren, Geschlechtsteile und Brüste abgenommen. Das kann beispielsweise bei Erfrierungen der Fall sein.

Nach der Vollnarkose werden die zu amputierenden Glieder mit einer Manschette abgeschnürt. Auf diese Weise kann ein zu hoher Blutverlust verhindert werden. Die Vollnarkose wird regulär durch eine zusätzliche örtliche Anästhesie ergänzt. Dabei werden vor allen Dingen großflächige Körperzonen schmerzunempfindlich gemacht.

 

Angegriffenes Gewebe und Knochen werden komplett entfernt. Der Chirurg durchtrennt alle versorgenden Blutgefäße und Nerven sowie die Haut und das Muskelgewebe. Nach dem Durchtrennen der Knochen und dem Glätten der Knochenkanten wird die Haut über den Kanten des Stumpfes zusammengezogen und durch chirurgische Nähte geschlossen oder geklammert. Zum Sägen werden gekühlte Knochensägen verwendet.

Nach dem Abtragen von überschüssigem Knochengewebe an den Rändern und der Glättung der Knochenfläche werden die Nervenendigungen oberhalb des knöchernen Stumpfes gekürzt. Dasselbe gilt für die Blutgefäße. Beim Verschluss der Wunde vermeiden die Operateure eine Spannung in der Haut. Auf diese Weise kann der problemlose Verschluss der Wunde gewährleistet werden.

Sollte sich unter der Haut Wundflüssigkeit aus dem Gewebe oder Eiter bilden, sorgt ein Drainageschlauch dafür, dass es kontinuierlich abfließen kann. Mussten sogenannte durchpießungsgefährdete Knochen durchtrennt werden, wird eine Stumpfkappenplastik eingearbeitet.

 

Die Patienten erhalten eine umfangreiche Nachsorge mit Schmerztherapie, Rehabilitationsmaßnahmen und einer entsprechenden Prothesenversorgung.

 

Amputationsarten

 

  • große Amputationen oder Majoramputationen oberhalb von Knöchelstrukturen
  • kleine Amputationen oder Minoramputationen bis zu den Knöchelgelenken
  • Grenzzonenamputation bis zum Beginn von gesundem Gewebe
  • Gritti Stokes Amputation ist eine kniegelenknahe Oberschenkelamputation
  • Pirogoff-Amputation ist eine spezielle Fußamputation
  • Ertl-Modifikation Unterschenkelamputation zwischen Waden- und Schienbein
  • Notamputation zur Bergung von Verletzten

Selten sind die sogenannten Selbstamputationen, bei denen sich Betroffene in aussichtslosen Situationen Körperteile selbst abtrennen.

 

Diabetisches Fußsyndrom und Amputation

 

Neben Durchblutungsstörungen durch eine ungesunde Lebensweise ist das Gangrän eine der häufigsten Ursachen für eine Amputation. Das Gangrän bildet sich infolge einer diabetischen Neuropathie.

Das Gangrän ist oftmals eine Folge einer Mangeldurchblutung bei Menschen mit einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Dabei kommt es zu einem Selbstauflösen von Gewebe. Medizinisch exakt ist dieser Prozess eine Nekrose. Das gesunde Gewebe leidet unter der Unterversorgung mit Blut (Ischämie), sodass es zu einer regelrechten Selbstauflösung kommt.

Ein Gangrän ist meist schmerzlos und erscheint als schwärzlicher Körperbereich. Es kann trocken oder feucht sein. Die Therapie des fortgeschrittenen Gangräns endet oftmals in der Amputation von Teilen des Fußes oder des kompletten Fußes.

 

Amputationen des Mastdarms bei Darmkrebs

 

Das Rektum- oder Mastdarmkarzinom kann eine weitere Indikation sein, um eine Amputation des Mastdarms zu planen. Mastdarmkrebs kann sich aus gutartigen Geschwülsten wie Polypen oder Adenomen entwickeln. Ist der Schließmuskel intakt, wird vorübergehend ein künstlicher Darmausgang gelegt.

 

Eine Rektumamputation ist bei einer vollständigen Resektion oder Entfernung des Mastdarms angezeigt. Der Schließmuskel wird dabei vollständig entnommen und der Anus vernäht. Ein dauerhaft bleibender künstlicher Darmausgang oder ein Anus praeter wird seitlich in der Bauchwand gestaltet.

 

Prothetik und Amputation

 

Ist die Amputation erfolgreich überstanden, die Wundheilung abgeschlossen und die Schwellung am Stumpf zurückgegangen, kann eine Prothesenversorgung vorgenommen werden.

Der Stumpf bedarf allerdings einer weiteren Vorbereitung. Schon in der Klinik beginnt diese Maßnahme, indem der Stumpf mit einer Kompressionsbandage eingewickelt wird. Alternativ dazu nutzen die Fachleute ebenfalls die postoperativen Liner (postoperativ bedeutet nach der Operation), die der Ausbildung von Wasseransammlungen im Stumpf (Oedeme) entgegenwirken.

Behandlung AmputationDurch die Kompressionsverbände werden die Blutgefäße komprimiert oder zusammengedrückt, sodass das Gewebswasser zum Herzen hin abgeführt werden kann. Ist das nicht der Fall, „versackt“ das Gewebswasser im Stumpf. Die Kompressionstherapie wird später mit einem Stumpfstrumpf fortgeführt. Dieses Produkt ist meist noch enger und straffer als der Verband. Daraus resultiert eine Verschmälerung oder Modellierung des Stumpfes.

Die Stumpfversorgung darf nicht zu zeitig beginnen. Ist das der Fall, muss eine ständige Neuanpassung des Stumpfes gewährleistet werden. Die Prothesenversorgung wird mit einer sogenannten Interimsprothese fortgesetzt. Diese ermöglicht eine Frühmobilisation. Erst nach einem halben Jahr bekommen die Patienten ihre endgültige Prothese.

 

Amputationen helfen gegen

 

  • Ausbreitung von Krebs beziehungsweise von Tochtergeschwülsten oder Metastasen
  • um sich greifende Vergiftung des Organismus durch absterbendes Gewebe
  • Symptome (Krankheitszeichen) durch Zerstörungen der Knochen und der Gelenke (Osteoarthropathie)
  • massiven lebensbedrohlichen Blutverlust
  • Verlust kompletter Extremitäten
  • Verlust von weiterem gesundem Gewebe

Die Amputationen können angesichts dieser Fakten häufig auch als vorbeugende oder präventive Maßnahmen angesehen werden. Wenn die Amputationsnarben nach einer guten Abheilung für eine geeignete Prothese bereit sind, können die Betroffen in den meisten Fällen wieder in den Alltag zurückkehren und unter Umständen sogar wieder ihren Hobbys nachgehen. Die Heilungschancen nach einer Amputation sind in der Regel günstig.

 

Diagnose und Untersuchungsmethoden bei Amputationen

 

Die Erhebung des Befundes vor einer Amputation basiert auf einer Fülle an Untersuchungen. Erst unter dieser Voraussetzung kann ein Arzt erkennen, ob eine Amputation hilfreich ist, um den Körperteil zu erhalten.

Die Diagnose umfasst daher mehrere Schritte:

 

  • Untersuchung mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen
  • Differentialdiagnose, um Erkrankungen eindeutig zu identifizieren
  • Anamnese oder Krankengeschichte 
  • körperliche Untersuchung

Risiken und Nebenwirkungen von Amputationen

 

  • Verletzung von Haut
  • Verletzung von großen und kleinen Blutgefäßen
  • Durchtrennung von Nerven
  • Phantomschmerz
  • schwerwiegende Infektionen
  • Blutvergiftung oder Sepsis
  • übermäßige Narbenbildungen mit Verformungen des Stumpfes
  • Narkoserisiken wie Blutdruckabfall
  • Druckschäden und Lähmungen durch die Staumanschette
  • Nachblutungen
  • Blutergüsse oder Hämatome
  • schmerzhafte Amputationsneuronen (Nervenknoten im Abtrennungsbereich)
  • Entstehung von Shunts (nicht natürliche Verbindungen zwischen Venen und Arterien)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen oder Allergien
  • Folgeschäden an der Wirbelsäule oder an den Gelenken
  • Abbau vom Muskelmasse

Eine so komplexe Operation wie eine Amputation ist durchaus mit Risiken und gesundheitlichen Gefährdungen verbunden. Das Abwägen von Belastungen und Nutzeffekt für den Patienten ist daher eine zentrale Aufgabe der Mediziner. Eine Amputation kann nicht rückgängig gemacht werden. Deshalb muss dieser Schritt intensiv durchdacht werden.

 

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen von Amputationen

 

Eine Kontraindikation oder Gegenanzeige liegt nur dann vor, wenn die Chance zur Erhaltung der Extremität zu gering ist und die gesundheitlichen Risiken durch eine Operation überwiegen.

 

Fachleute für Amputationen sind

 

  • Fachärzte für Amputationschirurgie

 

Sie arbeiten fachübergreifend mit den Orthetikern oder Prothetikern zusammen.

 

Unser Fazit zur Amputationen

 

Obwohl eine Amputation verständlicherweise ein schwerer Schritt ist, kann dank einer modernen Prothesenversorgung eine gewisse Lebensqualität wieder hergestellt werden. Dabei sind die Patienten nicht allein. Sie bekommen Unterstützung von ihren Angehörigen und vielen medizinischen sowie sozial tätigen Fachleuten.

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