Rücken

Säule des Menschen

Der Rücken des Menschen ist von zentraler Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlgefühl. Dabei macht er mit der Wirbelsäule und wichtigen Muskelpartien den wichtigsten Teil des menschlichen Stützapparates aus. In der Evolution des Menschen mit Bildung des aufrechten Ganges hat er zu seiner heutigen Form gefunden.
Durch die starke Belastung des Rückens in fast allen Lebenslagen, ist er besonders anfällig für Verschleißerscheinungen und andere Leiden. Die meisten Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens Rückenbeschwerden.

Was ist der Rücken?

Der Rücken erstreckt sich vom unteren Rand des Nackens bis zum unteren Lendenbereich bzw. dem Steißbein. Dabei ist mit dem Rücken ausschließlich die Rückseite des Rumpfes gemeint.
Der Rücken liegt also – ausgehend von der Wirbelsäule als Längsachse – dorsal und liegt somit beim Zweibeiner vertikal. Bei den meisten Vierbeinern hingegen beschreibt der Rücken einen eher horizontalen Bereich.
Der Rücken eines Tieres ist dabei bei vorhandener Wirbelsäule oder einem ähnlichen zentralen Stützelement deutlich definiert. Bei Tieren, die über keine eindeutig ausgebildete Körperachse verfügen, werden in der Regel Mundregion und Ausscheidungsorgane berücksichtigt. Zwischen diesen Bereichen wird eine Linie gedacht und auf der, dem Mund gegenüberliegenden Seite, der Rücken definiert. Bei Tieren wie dem Seestern ist dies noch ohne Weiteres möglich. Bei Schwämmen zum Beispiel gestaltet sich dies schon schwieriger.
Meistens ist der Rücken dennoch einfach die dem Betrachter abgewandte Seite, wenn sich das Tier von einem fortbewegt.
Dabei hat der Rücken insgesamt für Tiere, die ihre Körperlast bei der Fortbewegung auf ihre Gliedmaßen verteilen, eine stützendere Funktion als bei Tieren, die im Wasser leben oder sehr leicht sind.

Anatomie & Aufbau des Rückens

Die Bezeichnung selbst meint kein gesondertes Organ, sondern ein Zusammenspiel aus Muskeln, Knochen, Nerven, Sehnen, usw. Im Rücken selbst verlaufen dabei viele verschiedene vitale Bauteile des Körpers.
Das markanteste Element, die Wirbelsäule, ist dabei der relevanteste und auch leidensanfälligste Teil. Gerade beim Menschen ist die Wirbelsäule ständig belastet, weil sie unseren aufrechten Gang und auch unser Sitzen und unser Stehen stützen muss.
Am oberen Ende liegen die Halswirbel, die unseren Kopf stützen und bei der Bewegung desselben mitwirken.
Auch die Rippenbögen sind über Gelenke mit der Wirbelsäule verbunden. Sie stellen dabei besonders empfindliche Knochen in unserer Stützstruktur dar. Am unteren Ende der Wirbelsäule befindet sich das Steißbein. Beim Menschen haben sich in den allermeisten Fällen die Schwanzwirbel zurückgebildet. Bei den meisten Tieren mit Schwanz geht die Wirbelsäule also direkt in diesen über.
Beim Menschen unterscheiden man zwischen sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln, 5 Lendenwirbeln, dem Kreuzbein und dem Steißbein. Insgesamt besteht die menschliche Wirbelsäule dabei aus bis zu 33 Wirbeln. Diese wiederum sind untereinander mit Bandscheiben und Sehnen verbunden. In diesem Wirbelkanal liegt das Rückenmark, dass die Hauptader unseres zentralen Nervensystems darstellt.
Das Rückenmark, in dem alle peripheren Nerven zusammenlaufen und Informationen zum Gehirn übertragen und vom Gehirn erhalten, befindet sich also in unmittelbarer Nähe der wichtigsten Stütze unseres Skeletts.
Entsprechend stabil ist der Rücken in der Regel gebaut. Dabei wird er von einer Gruppe Muskeln (diese werden zusammengefasst als Musculus spinae erectus bezeichnet) beidseitig gestützt. Diese Muskelpartien dienen dem Aufrechthalten und sämtlichen Bewegungen der Wirbelsäule. Sie arbeiten ständig, damit der Mensch seinen aufrechten Stand und Gang beibehalten kann. Bei zusätzlichen Belastungen stabilisieren sie die Wirbelsäule zusätzlich.
Neben dieser reinen Betrachtung des Rückgrats liegen im Rücken noch viele andere Muskelgruppen:

  • Trapezmuskel (Musculus trapezius) – Bewegung von Kopf, Schulterblatt und Halswirbelsäule
  • Großer Rückenmuskel (M. latissimus dorsi) – Bewegung des Armes und Unterstützung des Hustens
  • Kleiner und großer rautenförmiger Muskel (M. rhomboideus minor bzw. major) – Bewegung und Befestigung der Schulterblätter
  • Sägemuskel (M. serratus posterior inferior und M. serratus posterior inferior) – Atemhilfsmuskulatur
  • Schulterblattheber (M. levator scapulae) – Hebt das Schulterblatt

Der Rücken ist also großflächig auch Aufenthaltsort verschiedener Komponenten unseres respiratorischen Systems sowie unseres Bewegungsapparates. Gerade der Schultergürtel wird deshalb umgangssprachlich häufig dem Rücken zugerechnet.
Er ist also nicht ein feststehender Körperteil, sondern meint das zusammengefügte Ganze aus verschiedenen Muskeln, der Wirbelsäule und dem zentralen Nervensystem.

Die Evolution des Rückens

Beim Menschen hat sich durch seine Evolution zum aufrechten Gang, der sich wohl vor circa 5-6 Millionen Jahren auszubilden begann, der Rücken zu seiner doppelten S-Form hin entwickelt. Diese stellt die Form dar, in der der Körper am ehesten in Balance gehalten und gestützt werden kann.
Für einen Zweibeiner ist dies relevant, aber es stellt dennoch eine höchst instabile Form dar. Schließlich ist die Belastung bei einer vertikal verlaufenden Wirbelsäule um einiges größer als bei einer horizontal verlaufenden. Da das Körpergewicht beim Menschen nicht auf vier Gliedmaßen beim Laufen verteilt wird, musste sich die Stützmuskulatur des Rückens entsprechend anpassen.
Auch andere Faktoren spielten bei der Entwicklung unserer heutigen Wirbelsäule eine Rolle. So wirkt die doppelte S-Form federnd, was beim Bezwingen von Terrain auf zwei Beinen – inklusive Sprüngen – einen Vorteil darstellt. Auch hat die Wirbelsäule sich dahingehend entwickelt, dass der beim Menschen relativ schwere Kopf erfolgreich balanciert werden kann.
Entsprechend der höheren Belastung unseres Rückgrats sind deshalb auch die Verschleißerscheinungen und Probleme.

Funktionen & Aufgaben des Rückens

Die Aufgaben des Rückens sind sie vielfältig wie seine Anatomie. Dabei dient der Rücken bei fast allen Tiere der Stützung des Organismus. Die Rückenpartie bildet dabei mit der Bauchpartie und den Flanken den Rumpf, an welchem Gliedmaßen und Kopf sitzen.
Dabei ist der Rücken nicht nur für entsprechende Drehbewegungen relevant, sondern ist als zentraler Bereich des Körpers auch für alle Bewegungsabläufe indirekt verantwortlich.
Bei schwimmenden Tieren entscheidet die Rückenform mit über die Manövrierfähigkeit im Wasser. Bei jagenden Tieren ist eine flexible und gleichzeitig Körperspannung aufbauende Wirbelsäule von zentraler Bedeutung für das Anspringen und Jagen von Beutetieren.

Da sich bei den meisten Tieren im Rücken eine Form von zentralem Nervensystem befindet, ist der Rücken gleichzeitig eine wichtige Schutzhülle für diese Nervenstränge. Er muss also entsprechend gebaut sein, damit das Nervensystem nicht beschädigt werden kann.
Hierfür ist die Wirbelsäule mit ihren einzelnen und noch leicht beweglichen Wirbeln, die das Rückenmark schützen, ideal.
Eine komplett steife Wirbelsäule wäre aufgrund der erhöhten Bruchgefahr und der Inflexibilität dementsprechend schnell tödlich für den Besitzer derselben. Auch deshalb hat sich diese Form von Wirbelsäule herausgebildet.

Der Rücken beim Menschen

Beim Menschen genießt der Rücken eine Sonderstellung. Nicht nur, dass Rückenleiden in unseren Gesellschaften eher die Regel als die Ausnahme darstellen.
Auch symbolisch steht ein gesunder Rücken positiv da. So gelten eine aufrechte Haltung, ein aufrechte Gang und ein starkes Rückgrat – auch bildlich gesprochen – als Tugenden. Entsprechend wird gerade bei Kindern viel darauf geachtet, dass sie die richtige Körperhaltung beim Sitzen, Stehen und Laufen annehmen.
Ein gesunder und fitter Rücken ist dabei ein Faktor für die Aufrechterhaltung des Wohlgefühls und trägt somit zur Lebensqualität bei. Entsprechend engagiert ist der Mensch, seinen Rücken zu fördern. Verschiedene Sportprogramme und Ratschläge sollen den einzelnen dabei unterstützen, seinen Rücken gesund zu halten.
Leider werden diese Bemühungen durch die Lebensumstände und Gewohnheiten des einzelnen oftmals torpediert (s. Krankheiten, Beschwerden & Störungen im Zusammenhang mit dem Rücken).

Zusätzlich spielt der Rücken für den Menschen auch in der Erotik eine Rolle. Abbildungen schöner Rücken finden sich auf vielen Abbildungen. Dabei werden verschiedene Präferenzen in den einzelnen Epochen und Kulturen, wie bei allen Abbildungen von Menschen und Erotik, deutlich.
In den meisten Gesellschaften ist der ideale Rücken gut definiert (beim Mann) oder zierlich (bei der Frau) und dazu noch haarlos. Er sollte glatt sein und eine schöne Haut haben.
Da die Rückenpartien selten haptisch stimuliert werden, können Berührungen an Nacken und Rücken entsprechend intensiv gespürt werden. Bei einigen Menschen befinden sich am Rücken erogene Zonen. Wie sehr der Rücken allerdings für das Empfinden von Erotik eine Rolle spielt, variiert stark.

Dem Rücken werden also vor allem folgende Aufgaben zuteil:

  • Stützung des Organismus als Körperachse
  • Aufrechterhaltung bei Gang und Stand beim Menschen
  • Stützung des Kopfes
  • Schutz und Beinhaltung des Rückenmarks

Krankheiten, Beschwerden & Störungen im Zusammenhang mit dem Rücken

Da der Rücken im menschlichen Alltag vielen Widrigkeiten ausgesetzt ist, mehren sich die Beschwerden und Krankheiten, die mit ihm einhergehen. Nicht nur, dass er durch Alterungs- und Verschleißerscheinungen schlichtweg an Qualität im Bereich der Muskeln, Sehnen und Knochen verliert.
Auch muss er aufgrund von falschem Sitzen, falschem Gehen, falschem Liegen und Übergewicht zusätzliche Belastungen auf sich nehmen. Dabei bauen sich einige Schädigungen schleichend auf und führen zu Problemen und Schmerzen im Alter, während andere Beschwerden durchaus akut auftreten können.
Ursächlich für Rückenbeschwerden sind dabei fast immer Verschleißerscheinungen und Schiefhaltungen, die zum Teil wenigstens durch eine korrekte Handhabung der Körperhaltung im Alltag eingedämmt oder verhindert werden können. Eine hundertprozentige Prophylaxe vor Rückenbeschwerden ist nach Stand der heutigen medizinischen Kenntnisse nicht möglich.
Dennoch kann der einzelne Mensch einiges dafür tun, seinem Rücken entgegen zu kommen.
Regelmäßiger Sport, der den gesamten Körper – also Rückenmuskulatur und Bauchmuskulatur – belastet, ist eine ideale Möglichkeit, seinen Rücken zu formen und zu stärken. Hier bietet sich vor allem das Schwimmen an.
Aber auch das entlastende Sitzen in speziell dafür gefertigten Stühlen und die Auswahl der richtigen Matratze können dazu beitragen, den Rücken bei seinen Aufgaben zu entlasten und Beschwerden vorzubeugen. Zusätzlich sollte Übergewicht abgebaut und vermieden werden. Die Hauptlast des Rückens ist schließlich tragender Natur. Untergewicht ist aufgrund der folgenden Unterversorgung der wichtigen Muskelpartien natürlich ebenfalls zu vermeiden.

Verspannungen
Eine schlechte Körperhaltung über Stunden sorgt besonders oft für Verspannungen. Die Muskeln werden steif und man verspürt unter Umständen bei Bewegungen Schmerzen. Besonders unangenehm sind dabei starke Verspannungen im Nackenbereich, die die Bewegung des Kopfes einschränken.
Massagen, Wärme und Salben können hier Abhilfe schaffen. Besonders hartnäckige Verspannungen sind allerdings klärungsbedürftig durch einen Arzt, damit auch die Ursachen erkannt werden können.
Häufig liegen den Verspannungen einseitige Körperhaltungen ohne Abwechslung und ohne Rücksichtnahme auf den eigenen Körper zugrunde. Gebeugte Körperhaltungen mit starrem Blick auf einen Bildschirm sind eine mögliche Ursache. Aber auch eine Schieflage während des Schlafens kommt häufig vor.
Einseitige körperliche Belastungen sind vorbeugend zu vermeiden.

Rückenschmerzen
Rückenschmerzen sind ein häufiges Symptom. Neun aus zehn Menschen leiden in Deutschland mindestens einmal daran. Viele haben chronische Schmerzen. Dabei unterscheiden sich die Schmerzen von Person zu Person stark.
Sie können überall im Rücken auftreten, sind aber besonders im Lendenbereich häufig. Sie können stechend, ziehend, drückend und vieles mehr sein. Dabei sind die Ursachen enorm vielfältig und reichen von verschobenen Wirbeln bis hin zu eingeklemmten Nerven. Auch Muskelrisse kommen in Frage.
Schmerzen können ihre Ursache auch nicht im Rücken selbst haben. Bei Nierenerkrankungen kommen beispielsweise auch Rückenschmerzen vor. Bei chronischen Schmerzen ist deshalb eine Klärung der Ursache anzustreben.
Wenn es einen Zustand gibt, der die Schmerzen erzeugt, sollte dieser auch behandelt werden. Da Rückenschmerzen nämlich auch unspezifisch und in Wellen auftreten können, sind sie eine erhebliche Belastung im Alltag.

Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall ist in der Regel eine Verschleißerscheinung. Abgenutzte Wirbel werden durch Alter oder Belastung rissig. Dadurch dringt Material aus der Bandscheibe ein und verliert somit an Pufferfähigkeit, die bei der Belastung der Wirbelsäule aber vonnöten ist.
Die Wirbel liegen dann näher aneinander und werden im Alltag stärker belastet. Dies kann Nerven einklemmen und erhebliche Schmerzen verursachen, die bis in die Extremitäten ausstrahlen.
Muskelschwäche, Empfindungsstörungen und allgemeine Schwäche treten ebenfalls auf.
Die häufigste Form der Behandlung stellen das Verordnen von Ruhe und ein gezielter Aufbau der anliegenden Muskelpartien dar. Beschädigte Bandscheiben werden nur selten operativ korrigiert. Da eine Wiederherstellung des richtigen Zustandes ohnehin nicht möglich ist, beschränkt man sich dabei auf das Entfernen von Material.
Einem Bandscheibenvorfall kann man vorbeugen, indem man seine Muskulatur regelmäßig trainiert und sich generell nicht durch Hebearbeiten und Übergewicht überlastet.

Hexenschuss
Die Bezeichnung meint einen plötzlich auftretenden und stechenden Schmerz im unteren Lendenbereich. Ursächlich ist hier eine akute Verspannung der Muskulatur im unteren Rücken. Das Aufrichten des Körpers verursacht dabei erhebliche Schmerzen.
Wärme, Bewegung und Dehnübungen sind die einzigen Mittel der Linderung. Bettruhe löst schließlich keine Verspannungen. Bei besonders starken Schmerzen können Schmerzmittel nötig sein.

Typische & häufige Erkrankungen sind also:

  • Allgemeine Schmerzen
  • Verspannungen
  • Muskelrisse
  • Bandscheibenvorfall
  • Hexenschuss

Fragen & Antworten zum Rücken

Wie kann ich meinen Rücken im Alltag stärken?
Auf die Körperhaltung zu achten, ist der wichtigste Schritt. Gebeugtes Stehen und Sitzen ist kontraproduktiv. Ein ergonomischer Bürostuhl sollte nach Möglichkeit angeschafft werden.
Auch ist das Sitzen generell einfach mal zu meiden. In der Bahn oder im Bus zu stehen, ist eine gute Möglichkeit, die Rückenmuskulatur sanft zu beanspruchen. Regelmäßige Bewegung ist ebenfalls gut. Das Schwimmen und Laufen sind hier gute Möglichkeiten. Auch gezielter Muskelaufbau ist gut, wenn er alle Partien des Körpers erfasst.

Warum soll man seinen Rücken bei einem Hexenschuss nicht schonen?
Weil eine Verspannung ursächlich ist. Verspannungen neigen bei fehlender Bewegung dazu, noch weiter zu versteifen. Bewegung fördert die Durchblutung der Muskeln und kann somit die Verspannung lösen. Zudem wärmt Bewegung.

Warum sind Rückenbeschwerden so häufig?
Ein Grund liegt in der Anatomie des Rückens. Der Bau der Wirbelsäule ist schlichtweg verschleißanfällig. Allerdings soll dies nicht zur Ausrede genügen. Den größten Anteil am schnelleren Verschleiß trägt schließlich der Mensch selbst, indem er wenig auf seine Körperhaltung achtet.

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