Weisheitszähne

Weisheitszähne – Relikte aus der Vergangenheit

Der menschliche Körper ist ein Wunder der Natur. Er besitzt eine Vielzahl an anatomischen Besonderheiten, im Laufe der Evolution hat sich der Mensch und sein Körper stets seiner Umwelt angepasst und verbessert. Heute ist der Mensch in der Lage ein langes und gesundes Leben zu führen. Krank.de stellt in der Rubrik Anatomie & Organe die wichtigsten Bereiche des menschlichen Körpers genauer vor, in diesem Fall wird das Thema Gebiss, insbesondere die Weisheitszähne umfassend beleuchtet.

Was sind Weisheitszähne

Das Gebiss des Menschen dient in erster Linie der Nahrungsaufnahme und stellt die erste Kette des menschlichen Verdauungssystem dar. Gesunde Erwachsene die noch alle Zähne besitzen, haben ein Gebiss mit 32 Zähnen. Das Gebiss lässt sich hier in vier Zahntypen unterteilen:

  • acht Schneidezähne
  • vier Eckzähne
  • acht vordere Backenzähne (Prämolaren)
  • zwölf hintere Backenzähne (Molaren)

Die dritten Molaren brechen erst im Erwachsenenalter durch, daher werden diese Zähne gerne und umgangssprachlich auch als Weisheitszähne bezeichnet. Die Dentes serotini wie sie im lateinischen bezeichnet werden, sind die spät kommenden Zähne, welche junge Erwachsene in der Regel zwischen dem 16. und dem 25 Lebensjahr bekommen. Da sie an achter Stelle von der Mitte des Gebisses aus in der Zahnreihe stehen, Sprechen Zahnärzte vom Achter.

Die Kronen- und Wurzelform der oberen Weisheitszähne ist häufig unregelmäßig, untere Weisheitszähne weisen oft Anomalien in der Zahnstellung auf. Der Durchbruch der Weisheitszähne geht daher oftmals einher mit Komplikationen, verschiedene Erkrankungen oder Beschwerden können die Folge sein. Der Durchbruch der Weisheitszähne ist jedoch kein Muss und variiert von Mensch zu Mensch . Da die oberen und unteren Weisheitszähne nicht zwingend im Kiefer angelegt werden, gibt es Fälle in denen die Zähne später oder gar nicht in Erscheinung treten.

Die Funktionen und Aufgaben der Weisheitszähne

Im Laufe der Evolution hat sich der menschliche Körper weiterentwickelt. Heute werden an Anatomie und Körper der Menschen andere Ansprüche gestellt als vor etlichen Jahren. Die Weisheitszähne gehören zur Klasse der Rudimente, ähnlich wie auch der Blinddarm. Hierbei handelt es sich um körperliche Relikte die für unsere biologischen Vorfahren einen tatsächlichen Nutzen hatten, für uns heute aber keine große Bedeutung besitzen.

Menschen vor Jahrhunderten haben sich vor allem von Rohkost aus der Natur ernährt und bedurften daher ein besonders starkes Gebiss mit kraftvollen hinteren Backenzähnen. Im Laufe der Geschichte und mit der Entdeckung des Feuers jedoch hat sich das Essverhalten des Menschen verändert. Sie waren nun in der Lage Essen zu kochen, ebenso Gemüse, Getreide und Früchte selbstständig anzubauen. Weiche Speisen lassen sich deutlich einfacher kauen, sodass der Weisheitszahn seine ursprüngliche Funktion nicht mehr im selben Maße gerecht werden muss. Heute ist der Weisheitszahn demnach nur ein Andenken aus vergangenen Zeiten und nicht mehr Werkzeug zum Kauen von harten Speisen.

Aufgrund dieser Entwicklung hat sich auch das menschliche Gebiss verändert. Im Vergleich ist unser heutiges Gebiss deutlich kleiner geworden, sodass heute nur noch wenig Platz für die Backenzähne vorhanden ist. Dies ist auch der Grund dafür, dass Weisheitszähne manchmal gar nicht mehr durchbrechen, auf der anderen Seite beim Durchbruch Beschwerden auslösen können.

Funktionen und Aufgaben in der Übersicht

 

  • Weisheitszähne sind nur noch ein Relikt aus Ur-Zeiten
  • Heute erfordert Kochen und anderes Essverhalten weniger kraftvolle Werkzeuge
  • Weisheitszähne haben heute keine tatsächliche Funktion für den Menschen

Der Aufbau des Weisheitszahns

Die Zähne sind das Kauwerkzeug des Menschen und müssen beim Abbeißen, beim Zerkleinern und Zermahlen die weitere Verarbeitung der Nahrung im Verdauungstrakt vorbereiten. Die Natur hat diesen hohen Belastungen mit sehr robuster Beschaffenheit der Zähne vorgebeugt. Grundlegend sind alle Zähne des menschlichen Gebiss gleich aufgebaut und bestehen äußerlich jeweils aus drei Bereichen.

  • Zahnkrone: Ist der sichtbare Teil des Zahnes, im unteren Bereich fest von Zahnfleisch umgeben.
  • Zahnhals: Bildet den Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel.
  • Zahnwurzel: Ist im Kieferknochen verankert, sorgt für den stabilen Halt des Zahnes. Kleine Zähne sind mit einer Wurzel verankert, große Backenzähne haben mehrere Wurzeln.

Der innere Aufbau

Neben dem äußerlichen Aufbau lässt sich der Weisheitszahn auch hinsichtlich seiner Zusammensetzung in Zahnschmelz, Zahnbein und Zahnmark unterscheiden.

  • Zahnschmelz (Enamelum)

    Die äußerste Schicht des Zahnes bildet der Zahnschmelz. Dieser schützt das Innere der Zahnkrone und bildet die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Der Hauptbestandteil des Zahnschmelzes (95 Prozent) besteht aus Hydroxylapatit, einem kristallinen Mineral. Zusätzlich finden sich weitere Bestandteile wie Kalzium oder Phosphat im Zahnschmelz. Aufgrund von wasserlöslichen Stoffen wie Kalzium, Phosphat oder Fluoriden ist der Zahnschmelz geringfügig durchlässig. Die Bildung des Zahnschmelzes erfolgt durch schmelzbildende Zellen, die sogenannten Adamantoblasten. Der Zahnschmelz ist einmalig und kann nicht nachwachsen.

  • Zahnbein (Dentin)

    Das Zahnbein liegt unterhalb des Zahnschmelzes und reicht bis hinunter zur Wurzelspitze des Zahns. Zu rund zwei Dritteln besteht das Zahnbein aus Kalzium und Phosphat, darüber hinaus aus Wasser und Eiweiß. Zahnbein ist härter als das Gewebe von Knochen, jedoch weniger hart als Zahnschmelz. Dadurch ist es elastischer und wird ein Leben lang immer wieder neu gebildet. In den sogenannten Tubuli, feinen Dentinkanälchen befinden sich Nervenfasern und Wasser (Dentinliquor). Durch Kälte, Hitze oder Berührungen werden in diesen Kanälchen Flüssigkeitsbewegungen ausgelöst und die Zellfortsätze der dentinbildenden Zellen (Odontoblasten) werden gereizt. Für den Menschen macht sich dies in Form von Schmerzen bemerkbar.

  • Zahnmark (Pulpa)

    Das Zahnmark liegt innerhalb eines Hohlraumes im Innern des Zahnes, der sogenannten Pulpahöhle. Es besteht aus Nervenbahnen, Blutgefäßen, Bindegewebe und Zellen, wobei es für die Nährstoffversorgung des Zahnbeins zuständig ist. Über den Blutkreislauf ist es mit dem Organismus verbunden und leitet Hitze- und Kältereize weiter.

Form und Aussehen der Weisheitszähne

Auch wenn Zähne generell nach einem einheitlichen Aufbau gestaltet sind, gibt es immer wieder anatomische Abweichungen. Gerade die Weisheitszähne weichen häufiger als andere Zähne von der typischen, charakteristischen Form ab. Weisheitszähne können sowohl mit drei oder auch fünf Höckern vorkommen, wobei sich auch die Anzahl der Wurzeln unterscheiden kann. Die Wurzeln sind zum Teil miteinander verwachsen, können aber auch hakenförmig gebogen sein. Neben dem Achter gibt es in seltenen Fällen die sogenannten Neuner, hier wachsen hinter den eigentlichen Weisheitszähnen weitere Weisheitszähne, die sogenannten Distomolaren.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Auch wenn die Weisheitszähne heute keine echten Funktionen im menschlichen Gebiss übernehmen, können sie unter Umständen unseren Alltag im negativen Sinne beeinflussen. Da sich der menschliche Kiefer im Verlauf der Evolution hinsichtlich der Größe zurückentwickelt hat, steht heute unter Umständen nicht mehr ausreichend Platz für die freie Entfaltung der Weisheitszähne zur Verfügung. Steht den Weisheitszähnen nicht genügend Platz zum Wachsen und Durchbrechen zur Verfügung, dann macht sich dies durch Beschwerden verschiedener Art bemerkbar.

Bleiben den Weisheitszähnen keine ausreichenden Möglichkeiten zum hineinwachsen in die Mundhöhle, dann bleiben sie zum Teil oder gar komplett im Kiefer verborgen. Bleiben diese Weisheitszähne im Kiefer, dann kann dies zur Folge haben, dass die Nachbarzähne dadurch beschädigt oder verschoben werden können. Das Verschieben der Nachbarzähne wirkt sich negativ auf das gesamte Zahnbild aus, auch andere Zähne verschieben sich ähnlich einer Kettenreaktion und Zahnfehlstellungen sind die Folge. Doch nicht nur hinsichtlich der Ästhetik haben solche im Kiefer verbliebenen Weisheitszähne Nachteile und führen zu Störungen, auch hinsichtlich Reinigung und Hygiene kann dies zu Problemen führen. Die Zahnfehlstellungen lassen sich nur schlecht reinigen, in den Nischen zwischen den Zähnen kann es vermehrt zu Karies- und Parodontosebildung kommen.

Dadurch dass Weisheitszähne nur zum Teil aus dem Kiefer wachsen können, bilden sich Zahnfleischtaschen. In diesen Taschen entstehen regelrechte Bakterienherde. In diesen Taschen sammeln sich Speisereste, die Entfernung ist nur zum Teil oder gar nicht möglich mit Hilfe den klassischen Zahnpflegeprodukten. An diesen Stellen kann es damit vermehrt zu Entzündungen des Zahnfleisches kommen, in besonders schwerwiegenden Fällen gar zu Abszessen oder lebensbedrohlichen Phlegmonen.

Die Entfernung der Weisheitszähne

Die Weisheitszähne bleiben bei manchen Menschen ein Leben lang im Kiefer verborgen, in anderen Fällen wachsen sie bereits in jungen Jahren und manchmal sind sie gar nicht angelegt. In allen drei Fällen können sie jedoch die Ursache für Zahnfehlstellungen und vor allem für Zahnschmerzen und Entzündungen sein. Waagerecht gewachsene Zähne zum Beispiel können Druck auf die benachbarten Zähne verursachen, in die anderen Backenzähne hineinwachsen und diese beschädigen. Eingequetschte Schleimhäute, schmerzhafte Entzündungen und in schwierigen Fällen können auch Wangen und Kaumuskel beeinträchtigt sein. Spätestens dann wenn Schwierigkeiten mit den Weisheitszähnen auftreten ist eine Entfernung häufig nicht vermeidbar.

Zum Vorbeugen von Problemen mit den Weisheitszähnen empfiehlt sich generell der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt oder beim Kieferchirurgen. Dieser ist in der Lage Fehlstellungen und Probleme mit den Zähnen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten. Häufig empfiehlt es sich die Weisheitszähne entfernen zu lassen, findet dies nicht statt sind Karies, Entzündungen oder Zahnfehlstellungen die Folge. Am besten lassen sich Probleme mit den Weisheitszähnen auf einem Röntgenbild erkennen, hier kann der Arzt generell bestimmen ob eine Entfernung notwendig ist.

Der Kieferchirurg oder der Zahnarzt kann bei der Entfernung der Weisheitszähne auf seine anatomischen Kenntnisse zurückgreifen, sodass man bei einer Weisheitszahn-OP generell von einem eher unkomplizierten Eingriff spricht. Erfahrene Ärzte können auch auf unvorhergesehene Verläufe der OP reagieren, vor allem geht es bei einer solchen OP jedoch darum, dass die Nachbarzähne, die Kieferhöhle und der Unterkiefernerv nicht beschädigt werden. Die Weisheitszahn-OP erfolgt in den meisten Fällen ambulant und mit Hilfe einer Lokalanästhesie, aber auch eine Vollnarkose ist möglich. Die Dauer einer solchen OP liegt in der Regel zwischen 20 Minuten und einer Stunde. Bei der Operation selbst wird das Zahnfleisch durch einen Schnitt geöffnet und vom Knochen gelöst, nun kann der Weisheitszahn am Stück entfernt werden. Liegt der Zahn verlagert oder besitzt eine außergewöhnliche Form, dann kann eine schichtweise Abtragung oder eine Zerteilung notwendig sein. Es ist möglich alle vier Weisheitszähne in einem Eingriff zu entfernen, für den Patienten ist es meist jedoch angenehmer nur eine Seite zu entfernen und ein paar Wochen später die andere Seite.

Nach einer Weisheitszahn-OP sollte sich der Patient zwei bis drei Tage Ruhe gönnen, zumal Schwellungen durch Kühlpads gelindert werden können. Die Schwellungen klingen nach ein paar Tagen selbstständig ab, parallel lassen sich Schmerzen mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol behandeln. Eine antibakterielle Mundspülung kann nach der Weisheitszahn-OP die Mundhygiene positiv beeinflussen. Zudem können in den ersten Tagen feste Nahrungsmittel nur bedingt eingenommen werden, sodass sich gut kaubares Essen auf dem Speiseplan befinden sollte.

Typische & häufige Erkrankungen durch Weisheitszähne

 

  • Können beim Zahnwachstum zu schwerwiegenden Komplikationen führen
  • Mangelnder Platz führt zu Problemen
  • Beschädigung der Nachbarzähne möglich
  • Zahnfehlstellungen des ganzen Gebisses denkbar
  • Nischen zwischen den Zähnen stark anfällig für Karies und Parodontose
  • Zahnfleischtasche durch zum Teil durchgebrochene Weisheitszähne sind große Bakterienherde
  • Zahnfleischentzündungen bis hin zu Abszessen
  • bei Nichtbehandlung Gefahr vor lebensbedrohlichen Phlegmonen

Weitere Fragen

Wann ist das Ziehen der Weisheitszähne sinnvoll?

Weisheitszähne können problematische Folgen und Erkrankungen auslösen. Am einfachsten lassen sich die Weisheitszähne im Teenager-Alter entfernen, hier ist die Wurzel noch nicht voll ausgebildet. Eine präventive Entfernung ist dann sinnvoll, wenn eine Entzündung im Mundraum absehbar ist oder eben eine Fehlstellung der Zähne. Sind bereits Entzündungen oder andere Komplikationen aufgetreten, spätestens dann ist eine Entfernung ebenso notwendig, jedoch meist etwas schwieriger.

Sollten alle vier Weisheitszähne auf einmal entfernt werden?

Die Entfernung aller vier Weisheitszähne in einer OP hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Wenn alle vier Zähne in einer OP entfernt werden, dann muss sich der Patient nur einer OP und einer Narkose unterziehen. Jede Narkose birgt ein gewisses Risiko, zumal jeder entfernte Zahn jeweils für sich das Risiko von Wundinfektionen, Schmerzen oder Schwellungen birgt. Angenehmer für den Patienten ist es häufig zunächst nur eine Seite behandeln zu lassen, auf der anderen Seite kann meist nahezu ohne Einschränkungen gekaut werden. Nach ein paar Wochen können dann die Weisheitszähne auf der anderen Seite entfernt werden.

Welche Beschwerden können nach einer Weisheitszahn-Op auftreten?

Wie bei jeder anderen Zahnextraktion können auch bei der Weisheitszahn-OP Beschwerden auftreten. Häufige Probleme nach einer solchen Operation sind Wundheilungsstörungen, Schwellungen, Probleme beim Kauen, Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen, aber auch Verletzungen der übrigen Backenzähne, die Eröffnung der Kieferhöhle oder der Bruch des Kiefers. Wundschmerzen und Schwellungen treten nach fast jeder Weisheitszahn-OP auf, die übrigen Beschwerden jedoch sehr selten. In der modernen Zahnmedizin wird vorbeugend sehr viel dafür getan, dass die Komplikationen und Beschwerden so gering wie möglich ausfallen

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