Bluttransfusion

Die Übertragung von Blut

Behandlung Bluttransfusion

Eine Transfusion ist im Allgemeinen eine Übertragung. Am gebräuchlichsten ist dieser Begriff jedoch in der Medizin für die Bluttransfusion.

Das Synonym ist abgeleitet vom lateinischen Wort transfundere. Der Vorsatz „trans“ steht für hinüber und aus „fundere“ wird „fließen lassen, leiten oder gießen“.

Bei der Bluttransfusion handelt es sich somit um die Übertragung von Blut von einem Spender zu einem Empfänger.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Bluttransfusion.

Was ist eine Bluttransfusion?

Im Gegensatz zu einer Bluttransfusion, bei der dem Spender Blut abgenommen und dieses dem Empfänger über die Vene eingeleitet wird, stammt das Material bei der Eigenblutspende vom Empfänger selbst.

Spender und Empfänger sind somit die gleiche Person. Dieser Vorgang wird ALS Eigenbluttransfusion, als Eigenblutspende oder als Autotransfusion („auto“ bedeutet eigen- oder selbst-). Bei der normalen Blutspende handelt es sich um eine Fremdblutspende.

Der Ausdruck Bluttransfusion steht mittlerweile für verschiedene Arten von Prozessen. Deshalb ist die Bluttransfusion nur ein Überbegriff für die Übertragung von Blutprodukten wie:

Vollblut

Vollblut besteht aus Blutplasma, dem flüssigen Part und den festen Blutzellen, die im Blutplasma gelöst sind. Das sind die Erythrozyten oder die roten Blutkörperchen, die Leukozyten oder die weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten oder die Blutplättchen für die Blutgerinnung. Vollblut ist die Substanz, die unmittelbar vom Spender gewonnen wird. Es werden keine Blutbestandteile voneinander separiert oder abgetrennt.

Erythrozytenkonzentrate

In Erythrozytenkonzentraten sind nur die roten Blutkörperchen in einer hohen Menge vorhanden. Die Vollblutkonserve wird dazu mehreren Separierungs- und Auswaschungsvorgängen unterzogen, um nur die reinen Erythrozyten zu erhalten.

Thrombozytentransfusion

Hierbei werden dem Empfänger ausschließlich Thrombozyten appliziert oder verabreicht. Dadurch kann das Fehlen körpereigener Blutplättchen beim Empfänger ausgeglichen werden

Granulozytentransfusion

Diese Vorgehensweise ist heute sehr selten geworden. Granulozyten gehören zur Reihe der weißen Blutkörperchen. Sie stellen eine besondere Ausprägung der Leukozyten dar und beinhalten in ihrer Zellstruktur eine sogenannte Granula oder Körnung.

Plasmatransfusion

Die Plasmatransfusion erfüllt mehrere Aufgaben. Bei dieser Variante werden den Empfängern die flüssigen Anteile des Bluts übertragen, die noch alle Gerinnungsfaktoren enthalten. Plasma stammt aus der Plasmaphorese, bei der Vollblut in feste und flüssige Parts aufgeteilt wird. Plasma kann mit modernen Methoden sogar eingefroren werden.

Ursprung und Entwicklung der Bluttransfusion

Bereits im 1492 im Mittelalter war die Übertragung von Blut eine medizinische Thematik.

Im Jahre 1616 stieß Wiliam Harvey auf die Zusammenhänge, die mit dem Blutkreislauf des Menschen verbunden waren. Ab 1818 wurde an Frauen Blut weitergegeben, die nach Geburten unter einem hohen Blutverlust litten. Überstanden die Mütter diese Prozedur, so war das lediglich nur ein glücklicher Zufall, denn viele Versuche waren zum Scheitern verurteilt.

Das Misslingen dieser Prozeduren konnte den unzureichenden Kenntnissen über die Blutgruppensysteme zugeschrieben werden, was zu ständigen Unverträglichkeiten führte.

1874 erkannten Wissenschaftler die tödliche Wirkung der Übertragung von Blut zwischen verschiedenen Spezies. Ein weiteres Problem war die natürliche Blutgerinnung. Im Oktober 1921 kam es zur Gründung des ersten Bluttransfusionsdienstes in England.

Die Anfänge der in der Gegenart so selbstverständlichen Blutspende reichen bis in das Jahr 1901 zurüCK. Karl Landsheimer entdeckte zu diesem Zeitpunkt das ABO-Blutgruppensystem. 1940 wurde das Rhesussystem von ihm bekannt gemacht Damit waren die theoretischen Grundsteine für die Bluttransfusion gelegt.

Der erste Bluttransfusionsdienst wurde in London im Oktober 1921 gegründet. Seit dieser Zeit und seit den Darlegungen von Karl Landsteiner wurden die Erkenntnisse über das Blut und die Transfusion stetig umfangreicher und tiefgründiger. Im Jahr 1957 wurde begonnen, Vollblut in zunehmendem Umfang in Kunststoffbeuteln zu erfassen.

Nach und nach wurden labortechnische Testverfahren wie die Bestimmung der Blutgruppe und die Kreuzprobe eingeführt. Durch diese „Verträglichkeitstests“ und die Untersuchung des Spenderblutes auf ansteckende Krankheiten wie Hepatitis C, Syphilis und ein spezielles Enzym der Leber konnten im Voraus lebensgefährliche Abstoßungsreaktionen ausgeschlossen werden.

Funktion, Wirkung und Ziele der Bluttransfusionen

Der Zweck und die Zielstellungen der Bluttransfusionen beinhalten die intravenöse (durch die Vene) Verabreichung von einzelnen Blutkomponenten oder Vollblut.

Vollblut ist heute nicht mehr so üblich. Sinnvoller ist die Transfusion von partiellen Blutbestandteilen. Um das zu gewährleisten, wird in der Regel die Armvene des Empfängers mit einer Infusionskanüle punktiert beziehungsweise angestochen.

Dem Arzt muss zuvor die schriftlich niedergelegte Einverständniserklärung des Empfängers vorliegen. Nach der Freigabe der Blutkonserven wird geprüft, ob die beiden Blutgruppen miteinander übereinstimmen, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Dieser Schritt wird von Fachleuten als AB0 Bedside-Test oder „an der Seite des Krankenbettes“ ausgeführte Kontrolle bezeichnet. Passen alle Daten, dann kann das Transfusionsbesteck geöffnet werden und die Transfusion beginnt.

Die zuständigen Ärzte bleiben noch beim Patienten, um Unverträglichkeitsreaktionen gleich innerhalb der ersten geringen Mengen zu erkennen. Dann würde die Transfusion sofort abgebrochen. Darüber hinaus bleiben die Patienten während der gesamten Prozedur unter Beobachtung.

Eine Blutgruppenunverträglichkeit kann entstehen, wenn Menschen Blut von anderen Menschen transfundiert wird. Die Grundlage für eine Unverträglichkeit ist das AB0-Blutgruppensystem. Hinter A, B und 0 verbergen sich spezielle Eiweiße oder Antigene, die auf den Membranen der Erythrozyten liegen. Die Blutgruppe A hat das Antigen A, das gegen das Antigen B der Blutgruppe B gerichtet ist und umgekehrt.

Werden die Erythrozyten mit diesen Eigenschaften gemischt, dann zerstören sie sich gegenseitig beziehungsweise sie klumpen aus oder agglutinieren. Bluttransfusionen der Blutgruppe A können also nicht Empfängern verabreicht werden, die die Blutgruppe B oder AB haben.

Die Erythrozyten der Blutgruppe 0 haben keine Antigene. Allerdings ist beim Blutplasma der Spender mit Blutgruppe 0 eine Konstellation aus Antikörpern typisch, die gegen die Antigene A und B „kämpfen“. Würde eine Blutgruppe 0 einem Empfänger mit Blutgruppe A oder B oder AB transfundiert, käme es zu einer lebensbedrohlichen Situation.

Die Eigenblutspende

Alternativ zur gängigen Blutspende ist es kein Problem, wenn sich Patienten auf eine Eigenblutspende konzentrieren.

Behandlung BluttransfusionBei der Eigenblutspende geben die späteren Patienten ihr Blut ab, um bei einem geplanten operativen Eingriff eine ausreichende Versorgung mit unverträglichkeitsfreiem Blut zu garantieren. Die Eigenblutspende basiert auf einer maschinellen Autotransfusion.

Bei einer Eigenblutspende muss darauf geachtet werden, dass die Haltbarkeiten von Vollblut und von Erythrozytenkonzentraten begrenzt sind. Eine genaue Planung ist daher vorteilhaft.

Die Eigenblutspende hat den Vorteil, dass keine immunologischen Komplikationen oder Abstoßungsreaktionen auftreten können.

Patienten, die eine große Angst vor einer Ansteckung vom schwerwiegenden Erkrankungen haben, greifen recht häufig auf das Prinzip der Eigenblutspende zurück. Eine Eigenblutspende hat jedoch auch Nachteile. Deshalb ist eine eingehende Beratung sinnvoll.

Eine Transfusionsbehandlung dient:

  • dem Ersatz verloren gegangenen Blutes oder Blutplasmas = Volumensubstitution
  • der Erhöhung der Sauerstofftransportleistung durch die Gabe von Erythrozytenkonzentrat
  • dem Auffüllen von Gerinnungsfaktoren

Diagnose & Untersuchungsmethoden

Die Auswahl des Spenders wird einer Anamnese und nach einer körperlichen Untersuchung vorgenommen. Ist die Eignung festgestellt, kann der Spender an komplexen Maschinensystemen, die von fachlich geschultem Personal überwacht werden, entweder Vollblut oder Blutplasma spenden. Dieses wird genau wie das Blut des Empfängers im Labor getestet.

Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • Bestimmung der AB0-Blutgruppe (A, B, AB oder 0)
  • Rhesus-Faktor (ist dieses Antigen oder Eiweiß vorhanden, dann Rhesus positiv oder D, bei nicht Vorhandensein des Rhesusfaktors, dann Rhesus negativ oder d)
  • Erfassung von Antikörpern im Blutplasma
  • Nachweis von Hepatitis B und C sowie von Syphilis und HIV

Bluttransfusionen helfen gegen

 

In der Transfusionsmedizin sind verschiedene Erkrankungen und Vorgänge als Indikation oder Grund für eine Bluttransfusion verbindlich:

 

  • Anämie oder Blutarmut
  • Neigung zur Thrombose oder Thrombophilie
  • Leukämie oder Blutkrebs
  • Agranulozytose oder Reduzierung der Granulozyten
  • Hodgkin-Lymphome
  • Plasmozytom oder Multiples Myelom
  • Morbus Kahler
  • Blutungsneigung oder Hämorrhagische Diathese
  • Non-Hodkin-Lymphome
  • Störungen der Blutbildung beispielsweise durch Knochemarkkrebs
  • Myelodysplastische Syndrome (Syndrome sind Komplexe aus mehrere Symptomen)
  • Myeloproliferative Erkrankungen
  • Veränderungen der Milz
  • Polyglobulie oder Zunahme der Erythrozyten
  • Verlust von Blutflüssigkeit nach Verbrennungen
  • massiver Blutverlust nach Unfällen

Eine Bluttransfusion ist in dieser oder jener Weise eine therapeutische Maßnahme, die bei akuten und bei chronischen Erkrankungen angewendet wird. Akut bedeutet, dass es zu einem plötzlichen, unerwarteten Ausbruch einer Krankheit kommt.

Bei einem chronischen Verlauf haben sich die Symptome oder Krankheitsmerkmale manifestiert. Die Krankheit bleibt dauerhaft oder lange bestehen. Bluttransfusionen spielen sowohl in der Schulmedizin als auch in der alternativen Heilkunde eine zentrale Rolle.

Risiken und Nebenwirkungen der Bluttransfusionen

Die Risiken der Bluttransfusion liegen in mehreren Bereichen:

Immunologie beziehungsweise körpereigene Abwehr

  • pyretische Komplikationen (hohes Fieber)
  • anaphylaktische Komplikationen (heftige allergische Reaktion des Organismus)
  • hämolytische Komplikationen (Zerstörung der Erythrozyten durch nicht zueinander passende Blutgruppen)

Stoffwechselprobleme

  • Hyperthermie oder Überwärmung
  • Störungen der Gerinnung
  • Bildung von kleinen Zusammenballungen von Thrombozyten beziehungsweise eine Mikroaggregation
  • Azidose oder Übersäuerung der Blutes
  • Hämolyse oder Auflösung der roten Blutkörperchen
  • Überschuss an Citrat (wird bei der Plasmaspende zugegeben, um die Gerinnung des Plasmas zu verhindern)
  • Luftembolie durch den Verschluss von Lungenvenen oder Lungenarterien

Infektionen

  • Kontamination oder Kontakt mit ansteckenden Erregern
  • Hepatitis wenn Blutkonserven nicht ausreichend geprüft wurden
  • Lues
  • Malaria
  • AIDS

Obwohl Abstoßungs- und Unverträglichkeitsreaktionen fast gar nicht mehr auftreten, sind Transfusionszwischenfälle durchaus hin und wieder zu verzeichnen. Diese Komplikationen können trotz ausgefeilter Technik und fortschrittlicher Spenden- und Empfängerprozesse nicht immer ausgeschlossen werden.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen von Bluttransfusionen

Kontraindikationen der Gegenanzeigen für eine Blutübertragung sind nur dann gegeben, wenn das Blut von Spender und Empfänger hinsichtlich der Blutgruppenverträglichkeit und einer übertragbaren Erkrankung nicht ausreichend getestet wurde.

Fachleute für Bluttransfusionen sind

Die erforderlichen Erythrozytenkonzentrate und Plasmabeutel werden beim Transfusionsdienst bestellt, sodass in den Kliniken immer ein gewisser Vorrat verfügbar ist. Im Notfall können daher auch Unfälle schnell mit entsprechenden Konserven versorgt werden.

Diese Produkte werden zügig im serologischen Labor auf ihre Verträglichkeit und die Blutgruppenkompatibilität untersucht. In lebensbedrohlichen Fällen können unter Umständen Erythrozytenkonzentrate übertragen werden, die von Universalspendern mit 0 Rh negativ oder Universalempfängern mit AB Rh positiv stammen.

Unser Fazit zu Bluttransfusionen

Bluttransfusionen sind durchaus eine bewährte Therapiemethode, die Leben retten und im Krankheitsfall Heilung oder Linderung versprechen kann. Sogar für ungeborene Kinder im Mutterleib kann eine Bluttransfusion über die Nabelschnur eine echte Chance darstellen.

Ratsam ist es in jedem Fall, sich mit einem Arzt oder einer examinierten Fachkraft genau über die Fragen zu informieren, die einem persönlich wichtig sind. Das gilt sowohl für Spender als auch für potenzielle Empfänger.

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