Nabelschnur

Lebensader vor der Geburt

Die Nabelschnur steht am Anfang der Entwicklung des Menschen. In den Monaten, in denen das Baby im Mutterbauch heranwächst, ist die Nabelschnur die entscheidende Quelle für Nährstoffe, die das heranwachsende Menschenwesen benötigt.
Dabei ist die Qualität der Nabelschnur entscheidend für die Entwicklung des Kindes. Eine gesunde Nabelschnur ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde und störungsfreie Entwicklung des Kindes. Zudem Gehen die Funktionen der Nabelschnur auch noch über das bloße Versorgen hinaus.

Was ist die Nabelschnur?

Die Nabelschnur stellt eine vorübergehende Struktur dar, die während der Schwangerschaft besteht. Sie entwickelt sich aus einem Teil der befruchteten Eizelle und ist somit größtenteils Teil des mütterlichen genetischen Bauplans. Sie geht aus dem Teil der Eizelle hervor, der die Plazenta bildet und entwickelt sich letztlich aus dieser.
Die Ausbildung der Nabelschnur ist ein fester Bestandteil der Schwangerschaft und unterliegt in ihrer Entwicklung ähnlich straffen Zeitplänen wie die Entwicklung des Embryos und des Fetus an sich.

Die Nabelschnur verbindet während der Schwangerschaft die Plazenta mit dem Embryo und später mit dem Fetus. Dabei transportiert sie nährstoffreiches und mit Sauerstoff angereichertes Blut zum heranwachsenden Kind und transportiert nährstoffarmes und mit Kohlenstoffdioxid angereichertes Blut zurück. Die Nabelschnur liegt beim heranwachsenden Menschen an der Stelle an, an der sich später der Bauchnabel befindet.

Nach der Geburt verliert die Nabelschnur ihre Funktion und wird beim Menschen aktiv durchtrennt.
Bei den meisten Tieren, wird sie durchgebissen, gefressen oder schlicht ignoriert, bis sie von allein abfällt.

Funktionen & Aufgaben der Nabelschnur

Die Nabelschnur hat die primäre Aufgabe, das heranwachsende Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Dafür dient ihr ihre Struktur, die sich im wesentlichen aus zwei Arterien und einer Vene zusammensetzt.
Die Vene transportiert dabei das nährstoffreiche Blut zum Kind hin, während die Arterien das verbrauchte Blut und Kohlenstoffdioxid abtransportieren.
Im Fruchtwasser, in dem seitens des heranwachsenden Kindes keine Atmung stattfindet, wird so über das Blut die Sauerstoffversorgung gewährleistet.
Aber auch Hormone, Zucker und andere Nährstoffe finden so ihren Weg in das sich entwickelnde Kind.

Dabei überschneiden sich die Blutkreisläufe von Mutter und Kind nicht direkt, sondern werden über die Plazenta, die im Innereren der Gebärmutter liegt, verbunden. In ihr findet ein Anreichern von Blut mit Sauerstoff und ein Abtransport von Stoffwechselprodukten wie Kohlenstoffdioxid statt.
In der Plazenta findet als der Stoffaustausch statt. Dabei beeinflusst die Plazenta die Mutter durch Abgabe von Hormonen und Stoffwechselprodukten ebenso, wie sie Einfluss auf das Kind hat.
Ihre genaue Funktionsweise und die exakten Mechanismen der Kommunikation von mütterlichem und kindlichem Stoffwechsel sind noch Gegenstand der Forschung.

Neben der Versorgung des Kindes erfüllt die Nabelschnur, die an sich ein elastischer und robuster Gewebeschlauch ist, noch andere Aufgaben. So kommt es durchaus vor, dass das Heranwachsende mit der Nabelschnur im Mutterleib regelrecht spielt, auf ihr herumbeißt, nach ihr greift und so erste haptische Sensationen erfahren kann.
Die Funktion der Nabelschnur geht dahingehend also über das bloße Versorgen mit Nährstoffen hinaus.

Nach dem Vorgang der Geburt verliert die Nabelschnur an Funktionalität. Setzt die Atmung des Kindes ein, wird die Nabelschnur weiß und hört auf zu arbeiten. Sie wird zu einem schlaffen Gewebeschlauch und ist dann Teil der Nachgeburt. Der entsprechende Zeitpunkt ist daran zu erkennen, dass die Nabelschnur aufhört, zu pulsieren.
Da sie über keinerlei Nervenenden verfügt, kann sie problemlos abgeklemmt werden. Dafür wird sie in der Regel von der Plazenta und vom Kind abgeklemmt – beim Kind wird die entsprechende Stelle verbunden. Circa zehn Tage später lösen sich die Nabelschnurreste von selbst und der Bauchnabel tritt zum Vorschein.

Die Funktionen der Nabelschnur lassen sich also wie folgt zusammenfassen:

  • Versorgung des heranwachsenden Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen
  • Abtransport von verbrauchtem Blut und Kohlenstoffdioxid
  • Objekt zum Greifen und Beißen
  • Nach der Geburt funktionslos

Es gibt Möglichkeiten, die Nabelschnur nach Wunsch zu konservieren und als Erinnerung zu behalten.
Zudem enthält das Nabelschnurblut wertvolle Stammzellen, die eventuell für eine Therapie von Blutkrebs o.ä. in Frage kommen. Auch wird an weiteren therapeutischen Möglichkeiten mit Nabelschnurblut geforscht.

Was allerdings mit der Nabelschnur und der Plazenta nach der Geburt geschehen soll, ist natürlich den Eltern überlassen.

Anatomie & Aufbau der Nabelschnur

Die Nabelschnur entwickelt sich aus einem Teil der Plazenta, welche sich wiederum aus einem Teil der befruchteten Eizelle entwickelt hat.
In der Plazenta bilden sich anfangs Hohlräume, die mit Blut gefüllt sind. Aus diesen Hohlräumen werden schließlich anfänglich vier Blutgefäße, die bis in die vierte Schwangerschaftswoche hinein ausgebildet werden. Dabei bestehen Plazenta und Nabelschnur aus embryonalem und mütterlichem Gewebe.

Die Blutgefäße nehmen ihre Arbeit auf, sobald das Herz des Embryos zu schlagen beginnt. Dies ist ebenfalls nach circa vier Wochen der Fall.
Zwischen dem 28. und dem 32. Tag der Schwangerschaft bildet sich dann eine der beiden Venen zurück und es bleiben die zwei Arterien und die eine Vene.

Die ganze Struktur Nabelschnur wird schließlich 50-60 Zentimeter lang und ist dabei 1,5-2 Zentimeter breit. Sie ist spiralig gewunden und besteht größtenteils aus den Blutgefäßen und Bindegewebe.

Die Elastizität und Stabilität der Nabelschnur
Das Bindegewebe der Nabelschnur besteht größtenteils aus Kollagen. Diese langkettigen Strukturproteine ermöglichen es, die Nabelschnur in einer Form auszubilden, die Druck, Biegung und Zugbelastung standhält.
Um ausreichend Kollagen zu bilden, verfügt die Nabelschnur dabei über eigene Fibroblasten, die Ausgangsstoffe für die Kollagenbildung synthetisieren. Die Nabelschnur verfügt weder über Muskelzellen noch über Nervenzellen.

Ebenfalls an der Struktur der Nabelschnur beteiligt sind die großen Mengen Hyaluronsäuren in der Nabelschnur. Diese binden Wasser und halten so die Nabelschnur geschmeidig.

Diese stabile Struktur ist notwendig, denn schließlich bewegt sich ein Fetus gerade in den späteren Schwangerschaftsmonaten viel im Mutterleib.
Die dadurch auftretenden Zug -und Kaubelastungen müssen gefahrlos überstanden werden, damit das Heranwachsende nicht zu früh abgenabelt wird.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen im Zusammenhang mit der Nabelschnur

Die Nabelschnur als vorübergehendes Organ hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Nicht nur, dass über Plazenta und den mütterlichen Stoffwechsel viele Stoffe, die die Mutter zu sich nimmt, das Kind erreichen.
Aber auch bei dieser, für Säugetiere recht urtümlichen, Struktur an sich kann es zu Fehlentwicklungen und damit einhergehenden Konsequenzen für das Wachstum des Kindes kommen.
Auch Komplikationen bei der Geburt sind aufgrund der reinen Form der Nabelschnur möglich.

Singuläre Umbilikalarterie
Man spricht hiervon, wenn anstelle der zwei Arterien nur eine Arterie vorhanden ist. Dies kommt bei circa einem Prozent aller Schwangerschaften vor.
Durch die nur einzeln vorhandene Arterie, werden Stoffwechselprodukte nicht so effizient aus dem Heranwachsenden abtransportiert. Es kommt eventuell zu Sauerstoffunterversorgungen und Stoffwechselproblemen im Allgemeinen bei der Entwicklung.

Das Risiko einer Fehlbildung an Chromosomen oder Organen ist um 30-60 Prozent erhöht. Dies bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Chance für eine Fehlbildung 30-60 Prozent beträgt, sondern dass ein bereits vorhandenes Risiko von x Prozent um 30-60 Prozent höher ist.

Auswirkungen einer zu kurzen Nabelschnur
Ist die Nabelschnur deutlich zu kurz, ist das Kind im Mutterleib in seinen Bewegungen eingeschränkt. Es kann hierbei zu Fehlentwicklungen des zentralen Nervensystems und der Muskeln kommen.
In beiden Fällen wäre eine Unterentwicklung möglich. Dies kommt jedoch selten vor.

Auswirkungen einer zu langen Nabelschnur
Eine zu lange Nabelschnur kann sich aufgrund ihrer Form verknoten, oder auch abknicken. In den meisten Fällen ist dies vergleichsweise risikoarm. Zwar kommt eine vorübergehende Unterversorgung des Heranwachsenden mit Sauerstoff durchaus vor, aber dies ist selten von Dauer.
Die elastische und geschmeidige Form der Nabelschnur verhindert meist ein völliges Abklemmen der Blutgefäße durch Verknotung oder Abknickung der Nabelschnur.
Eine Form von Knoten oder Knick kommt bei bis zu zwei Prozent aller Schwangerschaften vor.

Nabelschnurbruch

In circa einem von 5000 Fällen tritt ein sogenannter Nabelschnurbruch auf. Dies bedeutet, dass Organe des Kindes, die normalerweise im Bauchraum wären, außen liegen.
Hintergrund ist dieser, dass es während des ersten Trimesters der Schwangerschaft in der Embryonalentwicklung vorgesehen ist, dass einzelne Organe sich außen an der Nabelschnur anlagern. Leber, Milz und Darm entwickeln sich ein Stück weit außerhalb der Bauchhöhle, wandern aber gen Ende des ersten Trimesters zurück.

Bleibt dies aus, liegt ein Nabelschnurbruch vor. Dieser kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Es können ganze Organe außen liegen, einzelne Organteile außen liegen oder auch nur die Bauchdecke nicht völlig verschlossen sein.
Ultraschalluntersuchungen geben hier Auskunft.
Dass die Organe sich überhaupt außerhalb des Körpers entwickeln können, liegt an einer Schutzhaut, die die Nabelschnur und die Andockstelle am Kind umgibt. Diese Bruchhaut sollte auch während der Geburt unbedingt erhalten bleiben, damit die Organe bis zur Ergreifung von Maßnahmen geschützt bleiben.

Einen Nabelschnurbruch kann mittels chirurgischer Mittel in der Regel beheben. Dabei ist es das Ziel, die Organe wieder in den Bauchraum zu verlegen und diesen zu schließen. Hier können mehrere Operationen – je nach Schwere des Falls – notwendig sein.

Probleme mit der Nabelschnur im Geburtskanal
Die Nabelschnur kann unter Umständen auch in den Geburtskanal gelangen. Geschieht dies, muss die Geburt eingeleitet werden.
Weit häufiger kann es aber auch zu Umschlingungen des Kindes während der Geburt kommen. Die Nabelschnur legt sich dabei während der Geburt um einzelne Körperteile.

Legt sie sich um den Hals, ist dies besonder gefährlich. Dies kommt bei 20-30 Prozent aller natürlichen Geburten vor. Auch können die Schlingen dazu führen, dass die Nabelschnur aufhört, zu arbeiten. Bis zum ersten Atemzug des Kindes ist auch dies ein Risiko für die unmittelbare Gesundheit.
In diesem Fall muss die Geburt beschleunigt werden. Zangengeburt oder Kaiserschnitt sind hier Optionen.

Typische & häufige Erkrankungen und Probleme sind also:

  • Singuläre Umbilikalarterie
  • Zu kurze Nabelschnur und damit Einschränkung der Bewegung des Fetus
  • Zu lange Nabelschnur und damit einhergehende Verknotungen und Knicke
  • Nabelschnurbruch
  • Komplikationen während der Geburt durch die Nabelschnur

 

Fragen & Antworten zur Nabelschnur

Wie kann ich während der Schwangerschaft für eine gesunde Nabelschnur sorgen?

Die Nabelschnur ist eine Struktur aus Zellen, die sich teilen, die versorgt werden müssen und die aktiv arbeiten.
Für die Nabelschnur ist also alles gut, was auch für die anderen Organe gut ist. Eine gute Ernährung sichert die Vitalität der Zellen und genügend Flüssigkeit hält den Wasserhaushalt der Nabelschnur aufrecht.

Kann man die Nabelschnur falsch abschneiden?
Nicht wirklich. Dadurch, dass die Nabelschnur nach der Geburt zu unbrauchbarem Gewebe wird, stößt der Kinderkörper sie ja innerhalb weniger Tage ab. Es wird also kein Kind mit einem Stück Nabelschnur aufgrund eines falschen Schnittes aufwachsen müssen.

Kann der Fetus im Mutterbauch die Nabelschnur beschädigen?
Nein. Egal, wie viel auf dem Gewebeschlauch herumgekaut oder an ihm gezerrt wird, wird er nicht reißen oder abknicken. Durch seine Struktur aus Kollagen und der Hyaluronsäure (Wharton-Sulze) kann der Schlauch nicht komplett abknicken, sondern findet immer wieder zurück in seine Form. Eine Schonung der Nabelschnur während der Schwangerschaft ist also ebenfalls unnötig.

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