LDH

Auch bekannt als:

Laktat-Dehydrogenase, Gesamt-ldh und ldh-Isoenzyme
Bezeichnung: Laktat-Dehydrogenase, Gesamt-ldh und ldh-Isoenzyme
Ähnliche Tests: ck, ck-mb, Myoglobin, Troponin


Auf einen Blick

Warum wird ldh untersucht?

Zur Ursachenabklärung und Lokalisation eines Gewebeschadens im Körper sowie zur Verlaufskontrolle der Organschädigung.
Historisch: Zur Diagnose und Überwachung eines Herzanfalls, aber heute hat das Troponin diese Rolle des LDHs weitgehend übernommen.

Bei welchen Erkrankungen sollte ldh untersucht werden?
Zusammen mit anderen Untersuchungen bei Verdacht auf ein akutes oder chronisches Krankheitsbild, das zur Zerstörung von Gewebe oder Zellen führt, zu dessen Identifizierung und Überwachung.

Aus welchem Probenmaterial wird ldh durchgeführt?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Die Laktatdehydrogenase (ldh) ist ein Enzym, das in fast allen Körpergeweben gefunden wird, aber nur in sehr geringen Dosen im Blut nachweisbar ist. Normalerweise verbleibt es in den Körperzellen. Werden Zellen beschädigt oder zerstört, tritt ldh aus und in den Blutstrom über, wodurch sich sein Blutspiegel erhöht. Aus diesem Grund wird das ldh allgemein als Anzeiger einer Zellverletzung verwendet; es kann aber nicht eingesetzt werden, um herauszufinden, welche Zellen genau beschädigt wurden.

Erhöhungen des LDHs können entweder in Form des Gesamt–ldh oder der ldh-Isoenzyme gemessen werden. Der Gesamt-ldh-Spiegel ist eine Messung aller fünf Isoenzyme (leicht unterschiedlichen Varianten des ldh-Enzyms). Das Gesamt-ldh spiegelt einen vorhandenen Gewebsschaden wider, ist aber nicht spezifisch. Es kann nicht allein eingesetzt werden, um die zugrundeliegende Ursache oder Lokalisation festzustellen.

Obwohl es einige Überschneidungen gibt, kommt jedes der fünf Isoenzyme in einem bestimmten Gewebe in höherer Konzentration vor. Daher können die Messungen der einzelnen Isoenzyme zusammen mit anderen Untersuchungen benutzt werden, um Rückschlüsse auf die Erkrankung, die diesen Gewebeschaden hervorruft, und welche Organe oder Gewebe betroffen sind, ziehen zu können. Im Allgemeinen verteilen sich die Isoenzyme wie folgt:

Obwohl alle Isoenzyme sich im Gesamt-ldh abbilden, macht das ldh-2 normalerweise den größten Anteil aus.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Das Hauptanwendungsgebiet der ldh-Bestimmung ist der Nachweis von akuten oder chronischen Gewebsschäden. Bis zu einem gewissen Grade kann auch der Schweregrad der Erkrankung abgeschätzt und der Verlauf verfolgt werden. Die ldh-Isoenzyme können auch zur Abklärung, welche Organe möglicherweise betroffen sind, bestimmt werden.

Allgemein hat die Anwendung der ldh und der ldh-Isoenzyme abgenommen. Traditionell wurde ldh meist mit anderen Untersuchungen wie der ck und der ck-MB zur Diagnose und Überwachung des Myokardinfarkts (MI, Herzinfarkt) eingesetzt. Der charakteristische Anstieg, der sogenannte Peak, und Abfall des ldh-Spiegels im Blut und ein stärkerer ldh-1- als ldh-2-Anstieg (auch als „flipped Ratio“ bezeichnet), erlaubte es dem behandelnden Arzt den Verlauf und die Behandlung eines Herzinfarktes zu verfolgen und diesen von Brustschmerzen, die durch andere Ursachen wie zum Beispiel Angina hervorgerufen wurden, abzugrenzen. Dieses Anwendungsgebiet der ldh-Bestimmung wurde aber fast vollständig durch die Troponin-Messungen ersetzt, weil diese spezifischer und sensitiver für Verletzungen des Herzmuskels sind als ldh.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Der Gesamt-ldh-Spiegel kann gemeinsam mit anderen Untersuchungen zum Nachweis von Zell- oder Gewebsschaden angefordert werden. Ist die Gesamt-ldh erhöht, können die Isoenzyme der ldh angefordert werden oder allgemein auch Untersuchungen wie alt, ast oder ap, um bei der Diagnose des Krankheitsbildes und des betroffenen Organes zu helfen. Ist die akute oder chronische Erkrankung diagnostiziert, kann die regelmäßige Bestimmung der Gesamt-ldh zur Überwachung des Krankheitsfortschrittes oder der –verbesserung genutzt werden.

Die ldh-Werte können auch zur Überwachung eines Muskeltraumas oder –verletzung und zur Erkennung einer hämolytischen Anämie angefordert werden. Eine hämolytische Anämie wird durch die Zerstörung roter Blutkörperchen verursacht, z.B. weil diese ungewöhnlich zerbrechlich sind oder, weil sie mechanisch, z.B. durch eine künstliche Herzklappe zerstört werden. Eine wichtige Ursache einer hämolytischen Anämie ist die Zerstörung der Erythrozyten durch Autoantikörper. Diese Form kann sehr akut verlaufen und ist sehr gefährlich. Diese sogenannte autoimmun-hämolytische Anämie kann z.B. durch verschiedene Medikamente ausgelöst werden.

Das ldh und seine Isoenzyme können immer noch, aber zunehmend seltener, zusammen mit ck und ck-MB angefordert werden, wenn ein Patient Symptome eines Herzinfarktes zeigt. In den meisten Fällen fordert der Arzt heutzutage die Troponinspiegel zusammen mit der ck und der ck-MB statt dem ldh an.

Was bedeutet das Testergebnis?
Erhöhtes ldh und Veränderungen im Verhältnis der Isoenzyme zueinander weisen normalerweise auf einen wie auch immer gearteten Gewebeschaden hin. Die ldh-Werte steigen mit beginnender Zellzerstörung, mit einem Spitzenwert nach einer bestimmten Zeit und einem nachfolgendem Abfall. Zum Beispiel steigt bei einem Patienten mit Herzinfarkt das Gesamt-ldh innerhalb der ersten 24-48 Stunden, erreicht seinen Höhepunkt nach 2 bis 3 Tagen und kehrt nach 10 bis 14 Tagen zu Normalwerten zurück.

Erhöhte ldh-Spiegel können bei folgenden Erkrankungen gesehen werden:

  • Zerebrovaskulären Erkrankungen (CVA= cerebrovascular accidents), wie z.B. ein Schlaganfall
  • Medikamente: Anästhetika, Aspirin, Narkotika, Procainamid, Alkohol
  • Hämolytische Anämie
  • Perniziöse Anämie (megaloblastische Anämie)
  • Infektiöse Mononukleose
  • Infarkte des Darmes und der Lunge (Zelluntergang)
  • Nierenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Muskeldystrophie
  • Pankreatitis
  • Einige Krebsarten

Bei einigen chronischen und fortschreitenden Krankheitsbildern und auch durch die Einnahme einiger Medikamente kann eine leichte bis mäßige Erhöhung des ldh-Spiegels weiterbestehen.

Erniedrigte ldh-Werte sind für gewöhnlich kein Hinweis auf eine Erkrankung. Niedrige Werte werden manchmal bei Patienten, die große Mengen an Ascorbinsäure (Vitamin C) einnehmen, gefunden.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Viele Dinge, die nicht unbedingt Grund zur Sorge geben, können die ldh-Werte beeinflussen. Zum Beispiel:

  • Schwere körperliche Anstrengung kann zeitweise zu ldh-Erhöhungen führen.
  • Hämolyse des Blutes durch unsachgemäße Handhabung, wie Schwierigkeiten bei der Blutabnahme (zu langes Stauen, zu große Aspiration), zu lange oder falsche Lagerung und/oder Transport bei extremen Temperaturen kann zu falsch positiven Ergebnissen führen („Hämolyse des Blutes“ bezieht sich auf die Zerstörung der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) im Blutröhrchen ausserhalb des Körpers).
  • Wenn eine erhöhte Plättchenzahl vorliegt, wird ldh bei der Bestimmung aus dem Serum erhöht gefunden und spiegelt nicht das tatsächliche ldh wider (ldh wird bei der Gerinnung im Blutröhrchen ausserhalb Körpers aus den Blutplättchen freigesetzt).

Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Raumtemperatur kann es im Vollblut bereits nach 1 h zu einer geringen stetigen Zunahme der Aktiviät kommen (Freisetzung aus Erythrozyten). In abzentrifugiertem Serum und Plasma ist die Probe bei RT für 7 Tage, bei 4°C 4 Tage und  -20°C für 6 Wochen stabil.

Referenzbereich
Neue vorläufige Referenzbereiche der standardisierten Methoden nach
IFCC für Erwachsene:Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
ldh wir bevorzugt aus Heparin- oder EDTA-plasma bestimmt. Die Verwendung von Citratplasma ist möglich, bei Citratplasma ist i.d.R. ein Verdünnungfaktor zu berücksichtigen. Im Serum steigt die ldh Konzentration mit der Thrombozytenzahl an.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Methode ist nach IFCC normiert und standardisiert. ldh gehört zu den RILIBÄK-pflichtigen Parametern. Die analytischen Qualitätskriterinen für die maximal zulässige Unpräzision und Unrichtigkeit sowie für die maximal zulässige Abweichung des Einzelwerts müssen daher den Richtlinien der Bundesärztekammer entsprechen.


Häufige Fragen

Wann kann mehr als ein ldh-Isoenzym erhöht sein?

Mehrere ldh-Isoenzyme können zugleich ansteigen, wenn mehr als ein Organ betroffen ist- zum Beispiel bei einem Patienten mit Pneumonie, der dann plötzlich einen Herzinfarkt erleidet. Bei einem anderen Beispiel können mehrere Isoenzyme steigen, wenn ein Patient eine fortschreitende Erkrankung, wie Krebsmetastasen, hat, die mehrere Organe betreffen. Obwohl also die Isoenzyme in verschiedenen Geweben konzentriert sind, können einige Überschneidungen gefunden werden. Eine einzige Ursache kann mehrere der Unterformen in gewissem Maße erhöhen. Zum Beispiel kann schwere körperliche Anstrengung zu einer vorübergehenden Erhöhung des ldh-1, ldh-2 und ldh-5 führen.


Weiterführende Links zum Thema

AWMF Leitlinie, Diagnostik und Therapie des akuten Herzinfarktes in der Prähospitalphase:
https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll-na/019-002.htm

Nationale Versorgungsleitlinie Herz-Kreislauferkrankungen bei Typ II Diabetikern: https://www.leitlinien.de/versorgungsleitlinien/diabetes2/6herzkreislauf/view

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (96 Stimmen, Durchschnitt: 4,70 von 5)
Loading...
Top