Thrombozytenzahl

Auch bekannt als:

Plättchenzahl, Thrombozytenzahl
Bezeichnung: Plättchenzahl, Thrombozytenzahl
Ähnliche Tests:


Auf einen Blick

Warum wird die Thrombozytenzahl untersucht?

Um bestimmte Blutgerinnungsstörungen oder eine Funktionsstörung des Knochenmarks zu erkennen.

Bei welchen Erkrankungen oder Symptomen sollte eine Bestimmung der Thrombozytenzahl durchgeführt werden?
Als Teil eines Blutbildes, welches zur Routineuntersuchung, bei verschiedenen Krankheiten oder Symptomen oder zur Überwachung von Patienten mit Blut– oder Knochenmarkserkrankungen angefordert wird

An welchem Probenmaterial wird die Thrombozytenzahl bestimmt?
Aus einer Blutprobe einer Armvene oder einem Blutstropfen aus dem Finger, dem Ohr (Kinder & Erwachsene) oder der Ferse (Neugeborene).


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Blutplättchen (Thrombozyten) sind Zellfragmente einer Vorläuferzelle (Megakaryozyt) im Knochenmark, wo sie gebildet und ins Blut abgegeben werden. Sie werden primär vom Körper zum Abdichten von verletzten oder geschädigten Blutgefäßen gebraucht. Am Ort der Verletzung werden sie klebrig und haften aneinander, um so ein Leck zu verschließen und es bildet sich mit Unterstützung von Fibrinfäden (plasmatische Gerinnung) ein Blutgerinnsel (Thrombus). Die Thrombozytenzahl gibt die Menge der Thrombozyten in einem bestimmten Blutvolumen an.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe einer Armvene oder einem Blutstropfen aus dem Finger, dem Ohr (Kinder & Erwachsene) oder der Ferse (Neugeborene).  Das Blut wird mit EDTA ungerinnbar gemacht.  Bei V.a. eine EDTA-induzierte Pseudothrombozytopenie (Aggregation der Thrombozyten nur ausserhalb des Körpers, d.h. in-vitro) muss parallel (!) eine zweite Blutprobe entnommen werden, die mit Citratlösung ungerinnbar gemacht wurde.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Bei einer Blutgerinnungsstörung oder bei Erkrankungen des Knochenmarks, wie z. B. bei der Leukämie, können die Thrombozyten in Anzahl und Funktion gestört sein. Deshalb ist bei diesen Erkrankungen die Bestimmung der Thrombozytenzahl und der Thrombozytenfunktion notwendig.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Die Thrombozytenzahl wird als Teil eines Blutbildes meist routinemäßig bestimmt, z. B. bei jährlichen Vorsorgeuntersuchungen. Sie muss gezielt angefordert werden, wenn sich ein Patient mit unerklärlichen, häufigen blauen Flecken, stecknadelkopfgroßen Einblutungen in die Haut oder langanhaltenden Blutungen von eigentlich kleinen Wunden beim Arzt vorstellt.
Bei einer Milzvergrößerung könnte eine myelopriliferative Erkrankung bestehen, die eine konstante Erhöhung von Thrombozyten verursacht.
Bei venösen Thrombosen könnte durch Aggregatbildung eine Thrombozytopenie bestehen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Bei einem gesunden Erwachsenen liegt die normale Anzahl der Thrombozyten zwischen 150 und 350 pro nl Blut. Von einer sog. Thrombozytopenie spricht man bei unterschreiten der Thrombozytenzahl von unter 100/nl.

Wenn die Thrombozytenzahl unter 20-30 pro nl Blut fällt, steigt in Abhängigkeit von Kofaktoren die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten spontaner Blutungen, die lebensbedrohlich sein können. Patienten, die an einer Knochenmarkserkrankung leiden, z. B. Leukämie oder andere Tumoren des Knochenmarks, leiden häufig an schwer kontrollierbaren Blutungen, weil die Thrombozytenzahl unter bestimmte Werte fällt. Eine Thrombozytopenie kann ebenfalls bei Patienten mit chronischen Blutungen auftreten, (z.B. im Rahmen eines blutenden Magengeschwürs), weil die Blutplättchen nicht schnell genug nachgebildet werden. Bei Patienten mit bestimmten Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus erythematodes oder Immunthrombozytopenie (ITP)), bei denen der Körper Antikörper gegen eigenes Gewebe produziert, können auch Blutplättchen zerstört werden. Auch bestimmte Medikamente, wie Heparin Quinidin, Sulfa-Medikamente, orale Antidiabetika und sogar Alkohol können teilweise Antikörper-bedingt oder durch Bildungsstörung eine verringerte Thrombozytenzahl hervorrufen, ebenso eine Chemotherapie. Bis zu 5 % der schwangeren Frauen haben am Ende der Schwangerschaft eine Thrombozytopenie.

Eine häufigere Ursache (bis zu 1 % der Bevölkerung) für leicht zustande kommende Blutungen oder Blaue Flecken (Blutergüsse) ist eine vererbbare Erkrankung, das sog. Willebrand-Jürgens-Syndrom. Während die Thrombozytenzahl durchaus normal sein kann, ist deren Fähigkeit zum Zusammenkleben (Aggregation) vermindert. Es fehlt ein bestimmtes Protein, der sog. Willebrand-Faktor, welcher für die Einleitung der Blutgerinnungskaskade sehr wichtig ist. Dies führt zu einer Verlängerung der Blutungszeit. Diese Erkrankung wird aufgrund ihres milden Verlaufes häufig nicht diagnostiziert, dennoch kann eine schwerwiegendere Form verheerende Folgen haben und sollte daher vor Operationen aufgedeckt werden.

Patienten mit einer Thrombozytose (Erhöhung der Thrombozytenzahl über die Norm) können diese ohne nennenswerte Grunderkrankung haben, es gibt aber auch eine schwere Bluterkrankung mit diesem Symptom, das sog. myeloproliferative Syndrom (krankhaftes vermehrtes Wachstum von Blutzellen und deren Vorläuferzellen). Manche Patienten mit dieser Erkrankung können an vermehrten Blutungen leiden, weil die Blutplättchen ihre Fähigkeit zu aggregieren verloren haben. Andere Patienten können spontane Thromben in einem Blutgefäß entwickeln, weil die Thrombozyten zwar normal aggregieren, aber zahlenmäßig zu hoch sind und deshalb spontan zusammen haften. Dies kann bei Ablösen des Thrombus bis zum Tod führen (Thromboembolie).

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Ein schwerer Eisenmangel, längerer Aufenthalt in großen Höhen oder längere körperliche Betätigung können eine erhöhte Thrombozytenzahl verursachen.

Erniedrigte Thrombozytenmengen können bei Frauen kurz vor der Menstruation beobachtet werden.

Manche Medikamente, darunter das in oralen Verhütungsmitteln („Pille“) enthaltene Östrogen, können die Thrombozytenzahl erhöhen und erhöhen v.a. in Zusammenhang mit dem Rauchen das Risiko, eine Thrombose zu erleiden.

Folgende ebenfalls erbliche Erkrankungen führen zu funktionsgestörten Thrombozyten oder zu niedrigeren bzw. fehlenden Proteinen der Blutgerinnungsaktivierung: Glanzmann-Naegeli-Syndrom, Chediak-Higashi-Syndrom, Wiskott-Aldrich-Syndrom, May-Hagglin-Anomalie und Down-Syndrom. Das Auftreten dieser Erkrankungen ist jedoch selten.

Zu einer Thrombozytenzählung sollte bei Vorliegen einer Erkrankung mit Beteiligung der Thrombozyten eine Thrombozytenfunktionsuntersuchung hinzukommen (z.B. Blutungszeit, Thrombozytenaggregation).


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Die EDTA-Blutprobe sollte innerhalb von 24 Stunden untersucht werden. Der Transport soll bei Raumtemperatur oder 10-14 °C erfolgen.

Referenzbereich
Der Referenzbereich ist breit und für Frauen und Männer different.  Die Angaben in der Literatur schwanken v.a. für die Obergrenze von 350.000 bis 450.000/µl. Die höheren Werte kommen durch den Einschluß von nicht gesunden Personen zustande. Der intraindivuduelle Normbereich (Schwankungsbereich innerhalb einer Person) ist sehr viel enger und sollte durch eine Voruntersuchung bekannt sein. Dadurch kann ein Thrombozytenabfall viel früher erkannt werden wenn sich die Konzentration noch in der Norm befindet.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Wichtigste Störgröße ist die EDTA-induzierte Pseudothrombozytopenie, en Artefakt durch Antikörper, die nur in Gegenwart von EDTA wirken (was im Patienten nicht vorkommt).  Das Phänomen ist stabil und sollte dem Patienten bekannt sein, damit er es seinen behandelnden Ärzten mitteilen kann.  Die Bestimmung der Thrombozytenzahl muss in dem Fall aus Citratblut erfolgen unter Berücksichtigungn des Verdünnungsfaktors durch die vorgelegte Lösung im Abnahmeröhrchen. Jede Thrombozytopenie muss daher beim erstmaligen Auftreten im gefärbten Blutausstrich nachkontrolliert werden.

Die untere Meßgrenze ist abhängig vom Messprinzip des Hämatologiegerätes und liegt zwischen 20.000 (Impedanzverfahren) und 5.000 (Laserstreulicht) und damit laborabhängig und anfällig gegen Störgrößen (kleine Erythrozyten, Fragmentozyten).

Bei Erkrankungen unter Beteiligung der Thrombozyten hervorgerufen werden (Blutungen, Thrombosen) muss auch die Thrombozytenfunktion geprüft werden. Dies ist nur mit frisch entnommen Proben direkt nach der Entnahme im Labor möglich (kein Versand).

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Bestimmung der Thrombozytenzahl ist Bestandteil des kleinen Blutbildes und ist in Deutschland Bestandteil der Parameter der Anlage 1 der Richtlinien der Bundesärztekammer (RiLiBÄK) und damit ringversuchspflichtig.


Häufige Fragen

Wie werden Blutgerinnungsstörungen behandelt?

Die Ursache der Blutgerinnungsstörung muss genau diagnostiziert und dann erst behandelt werden. Liegt die Ursache bei einer zu geringen Thrombozytenmenge, können Thrombozytenkonzentrate transfundiert werden, um die Thrombozytenzahl zu erhöhen. In manchen Fällen kann eine Behandlung mit Steroiden die Produktion von Thrombozyten vergrößern.

Welche Symptome können bei hohen bzw. geringen Thrombozytenzahlen auftreten?
Blaue Flecken ohne erkennbare Ursache, häufiges Nasenbluten, Bluten aus dem Mund oder dem Rektum ohne offenkundige Verletzung oder kaum stillbare Blutungen aus eigentlich kleinen Wunden können Hinweise auf eine Störung der Plättchenfunktion sein.

Welche Risikofaktoren entstehen durch hohe oder niedrige Thrombozytenzahlen?
Eine zu hohe Thrombozytenzahl begünstigt das Auftreten spontaner Blutgerinnsel, was zu Thrombosen oder Embolien führen kann. Ein weitaus größeres Risiko stellt jedoch eine zu geringe Thrombozytenzahl dar, weil kaum stillbare, lebensgefährliche Blutungen entstehen können.

 

Auf dieser Seite

Tests: Blutbild, Blutausstrich, Thrombozytenfunktionstests, Faktor V Leiden, pt 20210

Krankheitsbilder: Blutgerinnungsstörungen

An anderer Stelle im Internet
Vereinigung zur Unterstützung bei Thrombozyten-Erkrankungen
Thrombozyten im Internet: Puget Sound Blut Zentrum (auf „Was ist Blut?“ klicken und anschließend auf „Thrombozyten“)

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