Sind Nahrungsergänzungsmittel gesund?

Der menschliche Körper ist ein hoch komplexes System aus Billionen von Zellen, das sich im Lauf der Evolution entwickelt hat. Das biologische Leben in diesem System erfordert die permanente Aufnahme und Verarbeitung geeigneter Stoffe. Jede einzelne Zelle muss rund um die Uhr mit geeigneten Elementen versorgt werden, damit sie ihre Arbeit im Wesentlichen die Erzeugung von Energie leisten kann.

Dass der Mensch ein solches Evolutions-Erfolgsmodell wurde, ist u.a. den zahlreichen Methoden gedankt, mit denen er Nährstoffe in sich aufnehmen, aufschlüsseln, umbauen und ggf. für die spätere Verwendung speichern kann. Dafür braucht er eine erstaunlich überschaubare Zahl von Stoffen zum Leben. Im Wesentlichen sind das Glukose, Fett, Eiweiße, Mineral– und andere Vitalstoffe. Das Gehirn benötigt Glukose ALS Energieträger, die Zellen brauchen Fett für den Aufbau und Schutz ihrer Zellwände, die Eiweiße können v.a. durch die Leber in Aminosäuren zerlegt und in fast jede benötigte Form wieder zusammengebaut werden. Nur ganz wenige Aminosäuren können von der Leber nicht selbst synthetisiert werden und müssen deshalb zwingend aufgenommen werden. Sie werden deshalb als essentielle Aminosäuren bezeichnet. Die Mineralstoffe schließlich machen, in gelöster Form als Elektrolyte, auf zellulärer Ebene die Energieerzeugung, deren Steuerung und Weiterleitung erst möglich.

Bisher versorgte sich der Mensch wie jedes andere Lebewesen auch instinktiv mit genau den Stoffen, die er für ein reibungsloses Funktionieren dieses Stoffwechsels benötigte.

Das Ernährungsproblem

Doch seit nur wenigen Generationen greift er selbst immer massiver in dieses funktionierende Gefüge ein. Durch die industrialisierte Landwirtschaft werden den Böden zugunsten effizienter Erträge wichtige Stoffe vorenthalten und stattdessen schädliche Stoffe, z.B. für die Schädlingsbekämpfung, eingebaut. Diese Veränderung wirkt über die Nutzpflanzen entweder direkt auf den Menschen, oder über den Umweg der Verfütterung an Nutz- und Schlachttiere.

Aber auch im weiteren Verlauf der Lebensmittelverarbeitung gibt es mittlerweile Eingriffe in das ehemals so gut funktionierende natürliche System. Ziel der modernen Massenverarbeitung von Lebensmitteln ist neben der möglichst preiswerten Herstellung vor allem deren lange Haltbarkeit. Hierfür werden z.B. anstatt der gesunden Fette die billigeren und länger haltbaren Transfette benutzt. Deren Bestandteile lagern sich als das schlechte LDL-Cholesterin an den Gefäßinnenwänden an.

Als Folge dieser industrialisierten Bewirtschaftung ergibt sich ein Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen, der sich nur in seltenen Extremfällen sofort als Krankheit manifestiert. Für die breite Masse der Bevölkerung zeigen sich die Folgen der Mangel- und Fehlernährung in Kombination mit dem Einfluss von Umweltgiften erst viel später. Als sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, als fehlgeleitete autoimmune Prozesse, gemeinhin als Allergien bekannt, und als GefäßKrankheiten mit den bekannten Folgen für Herz und Kreislauf. Inzwischen sind auch neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose und natürlich auch die Demenz vom Alzheimer-Typ u.a. als Folgen von Fehlernährung klar auf dem Vormarsch.

Es erscheint schon ironisch, dass die Lebensmittelindustrie als Mitverursacher selbst erzeugter Mängel zusätzlich profitiert, indem sie Additive zu den eigenen Lebensmitteln anbietet. Waren es bis vor kurzen noch vor allem die alternativen Anbieter, so fehlt inzwischen in fast keinem Supermarkt das einschlägige Regal mit Zusatzstoffen wie Vitamine, Zink, Selen und Mineralstoffe. Zwar kann der Verbraucher gemäß den Verpackungstexten sich selbst einer Zielgruppe (Mann, Frau, ALT, übergewichtig o.ä.) zuordnen und entsprechende Mutmaßungen über den eigenen vermeintlichen Mangel anstellen. Jedoch ersetzt dieser Befund natürlich keine eingehende ärztliche Untersuchung. Schlimmer noch: Aufgrund der freien Verfügbarkeit im Supermärkten, Reformhäusern, Bioläden oder im Versand ist sich der Verbraucher oftmals über die Schädlichkeit mancher Mittel bzw. Dosierung nicht bewußt.

Gesundheit durch Nahrungsergänzungsmittel?

So wird zum Beispiel nicht (genügend) davor gewarnt, dass eine Überdosierung mit Vitamin C als vermeintlicher Schutz gegen Erkältung bei Menschen mit einer Vorschädigung der Nieren deren Zustand dramatisch verschlechtern kann. Oder dass zuviel Vitamin A die Knochendichte bis hin zur Osteoporose herabsetzen kann. Oder dass Beta-Carotin bei Risikogruppen wie Rauchern die Entstehung von Krebserkrankungen eher fördert als hemmt.

Klar ist, dass einerseits die ausgewogene Ernährung dank des Überangebots an industriell gefertigter Nahrung schwieriger geworden ist. Andererseits sollte jedem klar sein, dass eine Kost mit u.a. frischem Obst und Gemüse, aus wenig behandelter Milch und deren Erzeugnissen, aus vollwertigem Korn und aus natürlich behandelten Ölen den Menschen mit genau den Stoffen versorgt, die er zum Leben benötigt. In diesem Fall ist die zusätzliche Versorgung mit z.T. laborerzeugten Vitaminen und Mineralstoffen nicht nur unnötig und teuer, sondern eher kontraproduktiv.

Es gibt jedoch Lebenssituationen oder Verhaltensweisen wie Schwangerschaft, Leistungssport oder auch unverträglichkeitsbedingte Ernährungseinschränkungen, die eine erhöhte Zufuhr bestimmter Stoffe sinnvoll machen. Diese Umstände erfordern jedoch aus genannten Gründen zunächst eine eingehende Untersuchung, um eine Fehl- oder Überdosierung zu vermeiden.

Fazit: Eine ungesunde Ernährung kann auch mit Nahrungsergänzungsmitteln auch wenn die Bezeichnung dies vermitteln mag nicht kompensiert werden. Eine ausgewogene Ernährung macht Ergänzungsmittel in den meisten Fällen unnötig. Nur in Situationen des medizinisch exakt definierten Mangels können bestimmte Nahrungsergänzungen sinnvoll sein. Es gilt nach wie vor der Paracalsussche Satz: Allein die Dosis macht das Gift.

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