Rachenmandeln

Funktion, Aufbau & Sonstiges

Die Rachenmandeln, in der Fachsprache auch Tonsillen genannt, sind höchstwahrscheinlich jedem bekannte Organe. Doch wie viel ist wirklich darüber bekannt, außer der Tatsache, dass sie oft von der Mandelentzündung befallen sind und damit zu den 20 häufigsten Anlässen gehören, einen Arzt oder sogar ein Krankenhaus aufzusuchen? Dieser Artikel klärt über die wichtigsten Zusammenhänge auf, indem er zunächst auf die Anatomie und die Funktionen der Organe und anschließend auf häufig verbreitete Krankheiten und Beschwerden eingeht.

Was sind Rachenmandeln?

Mandeln beziehungsweise Tonsillen sind lymphatische Organe, die sich im Bereich der Mundhöhle und des Rachens befinden. In ihrer Gesamtheit bilden sie also den lymphatischen Rachenring. Wird normalerweise von Mandeln gesprochen, so sind die Gaumenmandeln (Tonsilla palatina), die sich am hinteren Gaumenende zwischen den Gaumenbögen (Arcus palatopharyngeus und Arcus palatoglossus) befinden, gemeint. Die Tonsillen sind außerdem die erste Station im Körper, die dazu dient, Bakterien zu lokalisieren, wodurch sie Detektoren für schädliche Organismen sind. Zudem wird fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der Mensch nur zwei Mandeln hat. Doch das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Tatsächlich existieren noch weitere Arten, zum Beispiel die Rachenmandel (Tonsilla pharyngica), die Zungenmandel (Tonsilla lingualis) und die Tubenmandel (Tonsilla tubaria). Die verschiedenen Mandeln finden sich sowohl in der Mundhöhle, in der Nasenhöhle als auch im Rachen. Charakteristisch ist vor allem die gute Sichtbarkeit der Gaumenmandeln, sofern sie sich im geschwollenen Zustand befinden.

Funktionen & Aufgaben

Den Rachenmandeln kommt im Körper eine wichtige Bedeutung für das Immunsystem zu. So überwachen sie alle Zugänge der Körpers im Bereich des Kopfes. Während Nahrung und Atem in den Körper gelangen, unterstützen die Tonsillen die Immunabwehr, indem sie die eindringenden Strukturen analysieren, und feststellen, ob es sich um Viren oder Bakterien handelt. Die Rachenmandeln sind somit eine Art Frühwarnsystem.
Dank der Aktivität der Mandeln können andere Abwehrkräfte im Körper stimuliert und beim Eindringen schadhafter Strukturen aktiviert werden. So werden die nasalen Atemwege beispielsweise von der Rachenmandel, die am Rachendach liegt, kontrolliert. Nahrung muss zwangsläufig durch die Gaumenmandel und die Zungenmandel. Die Tonsillen sind damit unerlässlich als Teil der Immunabwehr des Körpers, um Viren und Bakterien frühzeitig zu begegnen. Weitere Teile dieses Abwehrsystems sind die überall verteilten Lymphknoten, das Knochenmark, der Thymus und die Milz.
Die Tonsillen weisen außerdem viele Ausbuchtungen auf, welche aus einem schwammartigen, weichen Gewebe bestehen und damit Viren und Bakterien leichter einfangen können. Sollten die Erreger schon bekannt sein, können sie direkt vor Ort durch Abwehrzellen bekämpft werden. Falls die Keime unbekannt sind, gelangen sie erst in den Körper und werden anschließend von dem restlichen Immunsystem bekämpft.
Weil alles, was durch den Mund eingeatmet oder geschluckt wird, an den Rachenmandeln vorbei muss, wirken sie als ein natürlicher Filter, der Schadstoffe erkennt und beseitigt. Dadurch, dass sie sich alle Stoffe merken, tragen sie außerdem zur positiven Entwicklung des immunologischen Gedächtnisses bei und damit zu einer steten Verbesserung der körpereigenen Abwehr.
Die Funktionen und Aufgaben der Rachenmandeln sind also:

  • Überwachung der Körperzugänge im Bereich des Kopfes
  • Stimulierung und Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte
  • Stärkung des Immunsystems

 

Anatomie & Aufbau

Die Tonsillen nennt man im Volksmund auch Mandeln. Sie befinden sich im oberen Pharynxbereich und zählen damit zu den körpereigenen immunbiologischen Abwehrsystemen. Insgesamt existieren sechs solcher Tonsillen, die sich unter der Epitheloberfläche befinden und somit zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe (MALT) gehören. Sie werden aus diesem Grund auch lymphoepitheliale Organe genannt. Das Lymphgewebe befindet sich direkt unter dem Epithel, weshalb die Lymphozyten in direkten Kontakt mit den Epithelzellen treten.
Histologisch erkennt man ein charakteristisches Oberflächenrelief: Krypten und Einstülpungen bedingen eine zerklüftete Morphologie und damit einer Vergrößerung der Oberfläche und eine Erhöhung des Antigenkontakts.
Als MALT wird das Lymphgewebe bezeichnet, das überwiegend im epithelialen Gewebe vorkommt und überall gleich strukturiert ist. So besteht es aus einer T-Zone, die zwischen den Follikeln der B-Zone liegt sowie dem retikulären Grundgerüst. Neben den Rachenmandeln gehören zum MALT auch die Peyer-Plaques und die Lymphfollikel.
Die Tonsilla lingualis und Tonsillae palatinae sind von einem mehrschichtigen, unverhornten Plattenepithel bedeckt. Die tonsillae palatinae befinden sich im Bereich der Schlundenge in der Fossa tonsillaris. Die Tonsilla lingualis ist in der Schleimhaut an der Zungenwurzel zu finden. Etwa 20 Krypten ziehen sich nah an den Mandelgrund. Ausführungsgänge muköser Drüsen befinden sich am Kryptengrund. Das lymphatische Epithel ist recht locker gestaltet, sodass der Zellenverband einem weitmaschigen Netz ähnelt.

Der Feinbau der Rachenmandeln

Die Basalmembran wird diskontinuierlich und häufig unterbrochen, wodurch der Übertritt von Antigenen in die darunter liegende sekundäre B-Zone (Lymphfollikel), erleichtert wird. Es ist bisher noch nicht geklärt, wie es zu einer Einschleusung von Antigenen in gesunde Rachenmandeln mit Plattenepithel kommt. In den vorhandenen Krypten beziehungsweise Einbuchtungen kann sich Abrieb aus abgelagerten Materialien oder abgestorbenen Zellen befinden. Die Krypten der Tonsilla lingualis sind insgesamt weniger tief als die Krypten der Tonsilla palatina.
Die Tonsilla pharyngealis findet sich im Rachendach, genauer in der Mukosa, der Hinterwand im Nasenrachenraum. Die Oberfläche weist unregelmäßige Falten auf und ist mit einem respiratorischen Epithel bedeckt. Während diese Mandel im Schulkindalter noch über eine hohe Aktivität verfügt, nimmt sie mit zunehmendem Alter ab. Bei Erwachsenen ist sie oft atrophisch.
Bei der Tonsillae tubariae handelt es sich um eine Ansammlung von Lymphfollikeln, die sich nahe dem Torus tubarius befinden, und zwar an der Stelle, wo sich die Ohrtuben mit dem Rachenraum vereinen. Zwar gehören alle Tonsillen zum lymphatischen System, liegen aber nicht immer im Verlauf der zuführenden und abführenden Gefäße. Entscheidend ist, dass alle Tonsillen über keine zuführenden, sondern nur über kleine abfließende Gefäße verfügen.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Eine akute Entzündung der Gaumenmandeln kommt zustande, wenn Bakterien oder Viren in den Rachenbereich eindringen. Betroffen von der sogenannten Angina sind vor allem Kinder zwischen 5 und 11 Jahren. Häufige Symptome sind heftige Schluckbeschwerden, hohes Fieber und ein dadurch sehr stark eingeschränktes Allgemeinbefinden. Sollte es sich um eine Virusinfektion handeln, so klingen die Entzündungen und Schmerzen ab, ohne dass eine Therapie vonnöten ist. Der Prozess dauert etwa 3 bis 5 Tage.
Im Falle einer bakteriellen Infektion aus der Gruppe der Streptokokken, so sind die Rachenmandeln entzündet und geschwollen. Sie weisen außerdem eine hochrote Farbe auf und sind mit weißen, gelblichen, streifenartigen oder punktförmigen und meist schmierigen Belägen bedeckt. Eine weitere Begleiterscheinung ist ein sehr unangenehmer Mundgeruch. Wirklich gefährlich wird die Infektion mit Bakterien allerdings erst, wenn sich ein Abszess beziehungsweise eine Eiteransammlung auf den entzündeten Tonsillen bildet. Wichtig hierbei ist, dass der Eiter möglichst schnnell operativ entfernt wird. Meist kommt es im Zuge dessen auch zu einer Entfernung der Rachenmandeln sowie einer Behandlung mit Antibiotika.

Die chronische Mandelentzündung

Zu einer chronischen Mandelentzündung kommt es, wenn auf der Mandeloberfläche, besonders aber in den Einsenkungen, dauerhaft abgestorbene Zellteile und Bakterien verbleiben, wodurch die Entzündung aufrecht erhalten wird. Im Folgenden entsteht eine Zerklüftung der Oberfläche sowie zu einer Vernarbung des Gewebes. Die meisten Betroffenen merken nicht einmal etwas von der Infektion, weil sie nicht immer mit Beschwerden einhergeht. Bei einigen wiederum kommt es zu Schluckbeschwerden oder einem unangenehmen Geschmack sowie Mundgeruch. Drückt man auf die kleinen Gruben auf der Mandeloberfläche, sondern sie Eiter ab.
In diesem Stadium ist es nicht mehr möglich, das Mandelgewebe durch Antibiotika zu erreichen. Zudem wirkt die Bakterienansammlung oft als Streuherd. Botenstoffe und Bakterien gelangen ins Blut und werden so zu anderen Organen transportiert, wodurch weitere Infektionen entstehen. Im Verlauf einer chronischen Mandelentzündung sind also sowohl Herzklappen als auch Nieren bedroht, was im schlimmsten Fall sogar zu rheumatischem Fieber führen kann.

Der Peritonsillarabszess, Wucherungen und Tonsillensteine

Als eine besondere Komplikation bei der Mandelentzündung kann es zu einem Peritonsillarabszess beziehungsweise Mandelabszess kommen. Es handelt sich um eine Eiteransammlung, die im Bereich der Rachenmandeln beginnt und sich von dort aus ausbreiten kann. Eiterherde, die als Abszess bezeichnet werden, entstehen.
Im Großteil der Fälle sind die Bakterien für eine solche Abszessbildung verantwortlich. Typische Beschwerden, die nach einer abklingenden Mandelentzündung hinzukommen, sind Fieber, starke, bis zum Ohr ausstrahlende Schmerzen und Schluckbeschwerden. Behandeln kann man den Mandelabszess operativ. Nicht selten geht er mit der Mandelentfernung einher.
Eine ebenfalls mögliche Beeinträchtigung im Mandelbereich sind Wucherungen, durch die sämtliche Rachenmandeln betroffen sein können. Wenn sie beispielsweise an der Rachenmandel auftreten, nennt man sie Adenoide oder Polypen. Auch sie werden in fast allen Fällen chirurgisch entfernt.
Mandelsteine beziehungsweise Tonsillensteine sind harmlose und nur wenige Millimeter große Gebilde, bestehend aus Bakterien, Speiseresten und toten Schleimhautzellen. Charakteristisch für sie ist ein übler Geruch. Es ist möglich, sie selbst zu entfernen, was beispielsweise unter Zuhilfenahme eines Wattestäbchens oder der Zunge funktioniert. Falls das nicht möglich ist, so lösen sich die Steinchen mit der Zeit von alleine.

Der operative Eingriff

Normalerweise wird der Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt. Er dauert ungefähr 20 Minuten. Sollte eine Mittelohrschwerhörigkeit bestehen, ist es möglich, sie in der gleichen Operation mitzubehandeln. Meist genügt es, einen zusätzlichen Schnitt ins Trommelfell zu machen, sodass die Belüftung des Mittelohrs verbessert wird. Es ist ebenfalls möglich, ein Röhrchen ins Trommelfell einzusetzen, wodurch das Sekret abfließt.
Für diesen Eingriff ist es wichtig, dass die zu operierende Person körperlich gesund ist und länger als eine Woche weder an Fieber noch einer Erkältung erkrankt war. Umstritten ist die Behandlung allerdings bei Kindern, die noch kein Jahr alt sind, weil das Immunsystem des Kindes zu dem Zeitpunkt noch im Aufbau ist. Unumgänglich ist, vor jeder Operation ein Gespräch mit dem Narkosearzt zu führen, weil dadurch erst Klarheit zu potenziellen Narkoserisiken entsteht. So sollten Patienten mit einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme (blutverdünnene Substanzen etc.) unbedingt Absprache mit dem zuständigen Arzt halten und die Medikamente gegebenenfalls absetzen.

Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Mandelentzündung (Tonsilitis)
  • Wucherungen (Hyperplasien)
  • Adenoide (Polypen)
  • Mandelsteine

 

Fragen & Antworten

Wann sollten Gaumen- oder Rachenmandeln entfernt werden?

Am besten ist, wenn jedes Kind seine Rachenmandeln behält. Denn aus heutiger Sicht weiß man, wie wichtig diese Organe für die Körperabwehr sind. Dennoch ist die Mandeloperation ein oft praktizierter Eingriff, denn nicht selten werden sie von Entzündungen befallen und gefährden damit den ganzen Körper.
In diesem Fall ist eine operative Entfernung der Mandeln dringend notwendig, weil das Organ nicht mehr seiner Funktion der Infektionsabwehr nachkommt, sondern selbst Krankheiten verbreitet.
Gleichzeitig sind gelegentliche Mandelentzündungen noch kein Grund für die Entfernung. Erst wenn Kinder bis zu viermal im Jahr akut erkranken, wird zu einer Operation geraten. So kann eine Entzündung der Gaumen- oder Rachenmandeln beispielsweise dazu führen, dass die Öffnung der Ohrtrompete verlegt wird und dadurch anhaltende Mittelohrentzündungen entstehen. Auch das ist ein guter Grund, die Rachenmandeln operieren zu lassen.
Rachenmandeln werden ambulant operiert, weil die Gefahr von Nachblutungen deutlich kleiner ist als bei Gaumenmandeln. Diese können auch nach Tagen noch nachbluten.

Sind Mandelsteine schädlich für die Gesundheit?

Es mag nicht appetitlich wirken, doch viele Menschen finden im eigenen Speichel kleine Klumpen vor, die vor allem eines tun: unangenehm riechen. Ganz egal, wie alt man ist, jeder Mensch besitzt Mandelsteine. Sie finden sich direkt in den Einsenkungen der Rachenmandeln vor, also links und rechts im Hals. Doch Mediziner geben Entwarnung: sie sind komplett harmlos.
Durch verschiedene Umstände kann es aber geschehen, dass die Mandelsteine ihren Ursprungsort verlassen und sofort an die Oberfläche der Rachenmandeln gelangen. Von dort aus Gehen sie in den Speichel über und verursachen einen starken Mundgeruch.
Es ist wichtig, sich hinsichtlich dessen aufzuklären. So haben Mandelsteine entgegen verbreiteter Annahmen nichts mit schlechter Hygiene zu tun. Tatsache ist, dass sie zu etwa einem Prozent aus Speiseresten bestehen. Die restlichen 99 Prozent sind ein Gemisch aus Epithelzellen und weißen Blutkörperchen.
Normalerweise schluckt man sie im Zuge der Selbstreinigung herunter, wodurch sie nicht im Mundraum verbleiben. Weist diese Funktion aber eine Störung auf, so sammeln sich die Zellen und es entstehen Ansammlungen.

Kommt es beim operativen Eingriff zu Komplikationen?

Die Operation ist ein kleiner Eingriff, der in Vollnarkose durchgeführt wird. Dabei trennt der Arzt die beiden Gaumenmandeln direkt am Mandelpol ab. Weil oft die Gefahr von Nachblutungen besteht, muss der Eingriff stationär durchgeführt werden. Meist treten sie direkt am ersten Tag nach der Operation auf, teilweise aber auch am fünften oder sechsten Tag, sobald sich die Wundbeläge aus den Mandelbetten lösen.

Die Blutungen können massiv und damit lebensbedrohlich sein, sodass ein ärztliches Eingreifen zwingend erforderlich ist. In der Regel bleiben die Patienten also bis zu 7 Tage im Krankenhaus. In einem sehr kleinen Prozentsatz aller Fälle kommt es zu Seitenstrang-Anginen, also zu einer Entzündung in der Seitenwand des Rachens.

 

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (51 Stimmen, Durchschnitt: 4,86 von 5)
Loading...
Top