Mandelentzündung (eitrige)

Auch bekannt als:

Rachenabstrich, A-Streptokokken
Bezeichnung: Gruppe-A-Streptokokken, Beta-hämolysierende Streptokokken
Ähnliche Tests:


Auf einen Blick

Warum wird der Test durchgeführt?

Der Test wird durchgeführt, um bei einer infektiösen Entzündung des Rachens (Pharyngitis, Tonsilitis) festzustellen, ob es sich bei dem Krankheitserreger um Streptokokken der Gruppe A handelt.

Bei welchen Krankheitssymptomen sollte ein Streptokokken-Test durchgeführt werden?
Bei Symptomen, die auf eine Infektion der oberen Atemwege hinweisen, wie geröteter Rachen, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden mit gleichzeitigem Fieber.

Aus welchem Probenmaterial wird eine Streptokokken-Kultur angelegt?
Aus einem Abstrich von Rachen und Mandeln.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Der Test soll Bakterien vom Typ Streptococcus pyogenes nachweisen, auch bekannt als Gruppe-A-Streptokokken. Diese Bakterien infizieren häufiger Rachenhinterwand und Mandeln (Tonsillen) und verursachen so eine eitrige Mandelentzündung (eitrige Tonsillitis, eitrige Angina) oder eine eitrige Rachenentzündung (Pharyngitis).

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?

Mit einem Mundspatel wird die Zunge leicht nach unten gedrückt, um besser an Rachenhinterwand und Mandeln zu gelangen. Von dort wird mit einem speziellen Tupfer ein Abstrich angefertigt, d.h., es werden Mandeln und Rachen ein paar mal mit dem Tupfer bestrichen. Anschließend kann von diesem Tupfer vor Ort ein schneller Streptokokken-Test durchgeführt oder aber in größeren Labors eine Bakterienkultur mit Identifikation des genauen Infektionserregers und einer Antibiotikatestung durchgeführt werden.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Der Test wird bei Verdacht auf eine durch A-Streptokokken verursachte Mandelentzündung durchgeführt. Die meisten Mandelentzündungen werden durch ein Virus verursacht, aber einige eben auch durch A-Streptokokken (und – selten –  durch andere Bakterien). Für den Nachweis stehen der schnelle Streptokokken-Test und eine Streptokokken-Kultur zur Verfügung. Das Testergebnis erlaubt eine Aussage über die Erreger-Art, sodass die richtige Behandlung begonnen werden kann. Im Fall einer Streptokokken-Infektion wäre dies eine Therapie mit Antibiotika.

Der schnelle Streptokokken-Test dauert 10-20 Minuten und weist eine Infektion mit Streptokokken nach. Bei positivem Testsergebnis sind weitere Tests nicht erforderlich, es kann mit einer entsprechenden Antibiotika-Therapie begonnen werden. Bei negativem Testergebnis sollte eine Streptokokken-Kultur angelegt werden, um dieses Ergebnis zu erhärten. Denn der Nachweis über eine Kultur ist genauer als der Schnelltest, es dauert aber mehrere Tage ehe das Ergebnis vorliegt.
Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Bei folgenden Symptomen kann dieser Test angefordert werden:

Was bedeutet das Testergebnis?

Ein positives Testergebnis sowohl des schnellen Streptokokken-Testes als auch der Streptokokken-Kultur bedeutet, dass A-Streptokokken bei vorliegender Mandelentzündung die Ursache der Erkrankung sind. Ein negativer Schnelltest schließt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Streptokokken-Infektion aus, ein eindeutiges Ergebnis kann aber hierbei nur durch eine Bakterienkultur gewonnen werden. Falls der Patient kurz vor Abnahme eines Abstriches mit Antibiotika behandelt wurde oder mit bestimmten RachenspüLungen gegurgelt hat, können diese Maßnahmen das Testergebnis beeinflussen.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Eine eitrige Mandelentzündung ist ansteckend. Sie wird von Person zu Person über Tröpfchen von Rachensekret übertragen, welches die Streptokokken beinhaltet. Während der Influenza-Saison („echte Grippe“) können Frühsymptome dieser Erkrankung (Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden, Gliederschmerzen) eine eitrige Mandelentzündung oder eine wesentlich ernstere Erkrankung, die Septikämie (Bakterien, welche im Blut wachsen), vortäuschen. Deshalb sind Tests notwendig, um frühzeitig zwischen diesen Erkrankungen unterscheiden zu können. Deshalb werden ein schneller Streptokokken-Test und ein Influenza-Schnelltest durchgeführt. Sind diese beiden Tests negativ, wird eine Blutkultur abgenommen, um eine Septikämie nachweisen oder ausschließen zu können. Eine schnelle Diagnose ist unerlässlich, weil die Therapie dieser drei Erkrankungen sehr unterschiedlich abläuft und eine frühzeitig begonnene, richtige Therapie den Krankheitsverlauf wesentlich beeinflusst.

Eine eitrige Mandelentzündung kann i.d.R. auch ohne Antibiotika ausheilen. Allerdings dauert die Erkrankung ohne den Einsatz von Antibiotika länger, ferner können bei einem kleinen Prozentsatz der Erkrankten ernsthafte Begleiterkrankungen entstehen, wie Rheumatisches Fieber (Zerstörung der Herzklappen) oder eine Glomerulonephritis (eine Erkrankung der Nieren). Deshalb sollte eine Infektion mit A-Streptokokken immer mit Antibiotika behandelt werden.

Eine eitrige Angina tritt typischerweise im Kindesalter zwischen fünf und zehn Jahren auf. Bis zu 20% der Schulkinder sind Träger der Erkrankung, das bedeutet, dass sie mit A-Streptokokken infiziert sind, aber die Erkrankung nicht ausbricht. Trotzdem können diese Träger andere Kinder via Tröpfchen mit A-Streptokokken infizieren.

Besondere A-Streptokokken können auch Scharlach verursachen. Diese Erreger erzeugen besondere Giftstoffe (Toxine), die z.B. zu einem Hautexanthem führen.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Abstriche für Bakterielle Diagnsotik müssen mit speziellen Abstrichbestecken abgenommen werden und dann in das entsrpechende Röhrchchen mit einem bestimmten Nährmedium gesteckt werden. So bleiben die Proben bei Raumtemperatur 24 h stabil. Während dieser Zeit können viele Bakterien, so auch Streptokokken, zuverlässig bestimmt werden. Am besten erfolgt die Lagerung und der Transport bei raumtemperatur. Eine Lagerung bei 4°C ist nur in besonderen Fällen zu empfehlen, auf keinen Fall dürfen diese Proben eingefroren werden.

Referenzbereich
Im Mund– und Rachenraum herrscht eine umfangreiche bakterielle Besiedelung vor. Selbst pathogene Keime, wie A-Streptokokken können bei bis zu 20% gesunder Kinder nachgewiesen werden. Ein Nachweis von Bakterien muss also immer im Zusammenhang mit der Klinik und den Beschwerden der Patienten beurteilt werden..

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Die Probe sollte vor dem Beginn einer Antibiotikatherapie abgenommen werden, da für die Kultur und für den Nachweis von Resistenzen lebende Bakterien gewonnen werden müssen.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Es besteht keine Ringversuchspflicht nach den RiLiBäk. Die Methode ist soweit möglich normiert und standardisiert.


Häufige Fragen

Wie lange dauert die Antibiotika-Behandlung einer eitrigen Mandelentzündung?

7 bis 10 Tage.

Wie lange sollte sich ein Patient mit positivem Testergebnis von anderen Personen fernhalten?
Nach begonnener Antibiotika-Therapie noch 24 Stunden.

Ab wann können erkrankte Kinder zurück in die Schule?
Üblicherweise nach einem vollen Behandlungstag (24h) mit Antibiotika und deutlich abgeklungen Fieber.

Wird bei einem erkrankten Kind die ganze Familie angesteckt?
Andere Familienangehörige, Erwachsene eingeschlossen, können die Bakterien übertragen. Deshalb könnte eine Testung der ganzen Familie auf A-Streptokokken sinnvoll sein. Zwar schützen die bei einer durchgemachten Erkrankung gebildeten Antikörper den Körper vor einer erneuten Erkrankung mit dem gleichen Erreger. Es gibt jedoch so viele Subtypen, sog. Serotypen, von Streptokokken, dass es unwahrscheinlich ist, gegen alle diese Unterformen immun zu sein. Deshalb können sich auch Erwachsene immer wieder anstecken, wenngleich Mandelentzündungen durch A-Streptokokken im Erwachsenenalter selten sind und sich die Erkrankung in diesem Alter eher durch milder verlaufende Rachenentzündungen äußert.

Was ist der sog. ASO-Test und wie wird er zum Streptokokken-Nachweis eingesetzt?
Antistreptolysin O (ASO) wird im Blut bestimmt und macht eine Aussage darüber, ob sich eine Person im Moment oder aber auch länger zurück mit A-Streptokokken infiziert hat. Bei diesem Test werden Antikörper gegen Streptolysin O (deshalb „Anti-Streptolysin O“) nachgewiesen, einem der Oberflächenproteine von Streptokokkus pyogenes. Während dieser Test vor 30 Jahren sehr verbreitet war, wird er heute kaum noch angewandt. Bei einer akuten eitrigen Angina wird heutzutage der Schnelltest oder die Streptokokken-Kultur angefordert. Wenn jedoch bei entsprechender Symptomatik der Verdacht einer zurückliegenden A-Streptokokken-Infektion geäußert wird, aber keine entsprechende Erkrankung diagnostiziert wurde, kann der ASO-Test für Diagnose und weitere Therapie sinnvoll sein. Zusätzlich kann dieser Test zur Diagnose des rheumatischen Fiebers nützlich sein, das Wochen nach einer A-Streptokokken-Mandelentzündung auftreten kann und deshalb ein Nachweis via Rachenabstrich nicht mehr möglich ist.


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