Rheumafaktor

Auch bekannt als:

Rheumafaktor
Bezeichnung: RF
Ähnliche Tests: ana, Autoantibodies


Auf einen Blick

Warum wird der Rheumafaktor untersucht?

Zur Diagnosestellung der rheumatoiden Arthritis (RA) und des Sjögren-Syndroms.

Bei welchen Erkrankungen sollten die Rheumafaktoren untersucht werden?
Beim Auftreten von Symptomen, bei denen der Arzt den Verdacht auf eine Rheumatoide Arthritis oder ein Sjögren-Syndrom hat.

Aus welchem Probenmaterial wird die Untersuchung auf Rheumafaktoren durchgeführt?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Dieser Test weist das Vorhandensein von bestimmten Autoantikörpern, den sog. Rheumafaktoren (RF) nach. Ein Antikörper ist ein Teil des Immunsystems, der im Blut typischerweise als Antwort auf „fremde“ Stoffe, also gewöhnlich andere Proteine, die als Antigen bezeichnet werden, gebildet wird. Autoantikörper greifen fälschlicherweis körpereigene Proteine (Eiweiße) statt fremde Antigene, wie Bakterien, an. Die Rheumafaktoren sind Autoantikörper, meist vom Immunglobulintyp M (IgM), die wiederum gegen Fragmente von Immunglobulinen, meist vom Typ IgG gerichtet sind.

Die Rolle der RF ist nicht sehr gut verstanden. Man geht jedoch nicht davon aus, dass RF selbst zur Zerstörung der Gelenke beitragen, sondern vielmehr eine Entzündungsreaktion in den Gelenken unterstützen, die dann zur Gewebszerstörung führt. Der RF ist in ca. 80% der Patienten mit RA nachweisbar und damit einigermaßen sensitiv, aber nicht sehr spezifisch. Der Nachweis von RF deutet in den meisten Fällen auf eine RA hin, RF sind jedoch auch beim Sjögren Syndrom, bei anderen Autoimmunerkrankungen, aber auch bei persistierenden bakteriellen oder viralen Infektionen positiv. Auch ein gewisser Anteil an Gesunden – je nach Alter von 3% (60Jahre) kann RF positiv sein.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die Untersuchung auf Rheumafaktoren wird in erster Linie zur Diagnose der rheumatoiden Arthritis (RA) eingesetzt, um andere Formen von Arthritis und Erkrankungen die mit Gelenkschmerzen, Gelenksteiffigkeit und Entzündung einhergehen, abzugrenzen. Der Test wird häufig zusammen mit anderen Testen zur Diagnostik von Autoimmunerkrankungen, wie ana (anti-nukleäre Antikörper) und mit Entzündungsmarkern, wie crp (C-reaktives Protein), BKS (Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit) und Differentialblutbild angefordert. Der CCP-Test (Cyclic Citrullinated Peptide Antibody) ist ein relativ neuer Autoantikörpertest, der die Diagnose der RA unterstützen kann. Er verbessert die Erkennung der Frühformen der RA und reagiert bei ca. 50% der RF negativen RA-Patienten positiv.

Der RF-Test kann auch die Diagnose des Sjögren-Syndroms unterstützen. Etwa 80-90% der Patienten mit diesem Syndrom haben hohe RF-Titer in ihrem Blut. Weitere Autoantikörper gegen SS-A und SS-B deuten auf ein Sjögren-Syndrom hin.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Der Test auf RF wird bei Verdacht auf RA angefordert. Symptome können Schmerz, Wärme, Schwellung und Morgensteifigkeit der Gelenke, Schwellungen unter der Haut (Rheumaknoten) und, bei fortgeschrittener Erkrankung auch Röntgenbefunde von aufgequollenen Gelenkkapseln, Knorpel- und Knochenverlust sein.

Dauern die Beschwerden auch nach einem ersten negativen RF-Test an, sollte der Test unter Umständen wiederholt werden. Die Antikörpertiter variieren abhängig vom Grad der Symptome und Entzündung und können bei Remission (einem Rückgang der Erkrankung) oder inaktiven Krankheitsphasen nicht nachweisbar sein.

Der RF-Test kann auch bei der Diagnose des Sjögren-Syndroms helfen. Die Symptome beinhalten extreme Trockenheit von Mund und Augen, Trockene Haut und Gelenks- und Muskelschmerzen. Viele Erkrankungen des Bindegewebes sind auf Autoimmunerkrankungen zurückzuführen und bei Patienten mit RA und/oder Sjögren Syndrom kommen auch andere Störungen, wie das Raynaud-Syndrom, Sklerodermie, autoimmune Schilddrüsenerkrankungen und systemischer Lupus erythematodes gehäuft vor.

Was bedeutet das Testergebnis?

(Anmerkung: Für diesen Test steht kein Standard-Referenzbereich zur Verfügung. Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflußt werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrens-abhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.)

Bei Patienten mit den klinischen Symptomen und Beschwerden, die für eine RA Sprechen, macht die Anwesenheit von deutlich erhöhten Rheumafaktoren  die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis (RA) sehr wahrscheinlich. Gleiches gilt für Patienten mit den Symptomen eines Sjögren Syndroms. Positive RF-Testergebnisse werden bei der Mehrheit der Patienten mit rheumatoider Arthritis gefunden.

Ein positiver RF-Test kann auch eine andere Ursache, wie Endokarditis, systemischer Lupus erythematodes, Tuberkulose, Syphilis, Sarkoidose, Krebs, Virusinfekte oder Erkrankungen der Leber, Lunge oder Nieren haben. Der RF-Test wird nicht zur Diagnose oder zur Verlaufkontrolle dieser Erkrankungen verwendet. Auch ein Teil der Gesunden kann einen positiven RF-Test aufweisen.

Ein negatives RF-Ergebnis schließt die Diagnose einer RA oder eines Sjögren Syndroms nicht aus.  Ca. 20% der Patienten mit RA und Sjögren Syndrom sind andauernd negativ oder haben sehr niedrige Titer von RF. Liegen trotzdem Symptome, die auf eine RA oder ein Sjögren-Syndrom hindeuten, vor, so ist es sinnvoll, den Test nach einiger Zeit wiederholen, da besonders bei Frühformen der RA der Test noch negativ sein kann.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Der RF-Test weist eine hohe Rate an falsch positiven Ergebnissen auf, und die gewonnenen Informationen müssen immer in Zusammenhang mit den Symptomen des Patienten und seiner Vorgeschichte betrachtet werden, um die Diagnose RA, Sjögren-Syndrom oder die eines anderen Krankheitsbild stellen zu können.

Einfluss auf die RF-Untersuchung nehmen viele der Impfstoffe, Lipämie (eine große Menge von Fetten im Blut) oder bestimmte Behandlungsschemata.
Methyldopa, ein Blutdruckmedikament, kann die im Test nachweisbare Menge an RF erhöhen. Die Zahl der falsch positiven Ergebnisse nimmt mit dem Alter zu.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Raumtemperatur ist die Probe für 5 Tage stabil, während dieser Zeit können Autoantikörper zuverlässig bestimmt werden. Bei Lagerung bei 4°C ist die Probe für 4 Wochen stabil. Bei Lagerung bei -20°C können Autoantikörper auch nach Jahrzehnten noch nachgewiesen werden.

Referenzbereich
Normalerweise werden keine Autoantikörper nachgewiesen.
Referenzbereich: Negativ.

Der Grenzwert für positive Ergebnisse kann von Labor zu Labor oder bei unterschiedlichen Methoden schwanken, da es keine Standardisierung der Referenzbereiche gibt. Die für den Befund gültigen Referenzbereiche sollten daher die im Laborbefund angegeben werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Autoantikörper werden bevorzugt aus Serum gemessen. Die Verwendung von EDTA- bzw. Heparinplasma oder auch Citratplasma sollte nur erfolgen, wenn die entsprechenden Testsysteme dafür evaluiert wurden und dies in der Testbeschreibung angegeben ist.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung der Autoantikörper besteht keine Ringversuchspflicht nach den RiLiBäk. Die Methode ist soweit möglich anhand von WHO-Referenzseren normiert und standardisiert. Jedoch können gerade bei der Bestimmung von Autoantikörper auf verschiedenen Testsystemen oft erhebliche quantitative Titerunterschiede auftreten. Qualitätskriterien sind definiert und werden in verschiedenen externen Ringversuchen geprüft.


Häufige Fragen

Bedeutet eine große Menge an RF, dass die Krankheit in einer besonders schweren Form vorliegt?

Nicht unbedingt. Es ist zwar richtig, dass bei Patienten mit einer schweren, aktiven rheumatoiden Arthritis hohe Mengen an Autoantikörpern vorliegen, hohe RF-Werte können aber auch aus einem Sjögren-Syndrom oder einer anderen Entzündung resultieren. Erhöhtes RF im Blut des Patienten kann unter anderem auch bei einer Endokarditis, systemischem Lupus erythematodes, Tuberkulose, Syphilis, Sarkoidose, Krebs, Virusinfektionen oder Leber-, Lungen– oder Nierenerkrankungen vorkommen. Das Testergebnis kann auch positiv ausfallen, wenn der Untersuchte Haut– oder Nierentransplantate von einer Person erhalten hat, die nicht exakt das gleiche genetische Muster hat.

Kann sich die rheumatoide Arthritis nur verschlechtern?
Nicht unbedingt. Bei einigen Menschen, dauert die RA nur einige Monate oder vielleicht ein Jahr oder zwei und heilt dann, ohne einen wirklichen Schaden angerichtet zu haben, aus. Andere leiden unter einer milden bis mäßig schweren Form mit Phasen mit einer Verschlechterung der Symptome, was auch als Aufflackern bezeichnet wird. Bei anderen wiederum liegt eine schwere Form der Erkrankung vor, die die meiste Zeit aktiv ist und zu ernsthaften Gelenkschäden führt.

 

Deutsche Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen:
https://www.autoimmun.org/

AWMF Leitlinien, Diagnostik und Therapie der vaskulitischen Neuropathien und Neuropathien bei Kollagenosen
https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/030-068.htm

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