Morbus Boeck


Morbus Boeck (Sarkoidose)Morbus Boeck, in der Medizin auch als Sarkoidose oder Granulomatose bezeichnet, ist eine seltene Erkrankung, bei der es zur Bildung von Granulomen (entzündlichen Knötchen) kommt.

Grundsätzlich können in jedem Organ Granulome entstehen, vorrangig sind allerdings Lunge und Lymphknoten davon betroffen.

Unser Ratgeber soll bei der Aufklärung und besserem Verständnis der Krankheit helfen.


Was ist Morbus Boeck  (Sarkoidose)?

Morbus Boeck (Sarkoidose, Granulomatose, Boeck’sche Krankheit) gehört zu den so genannten systemischen Erkrankungen, die jedes Organ betreffen kann. Sarkoidose ist nicht ansteckend und kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen. Neben der Lunge sind oft auch weitere Organe wie Leber, Milz, Herz, Augen, Haut oder auch das Knochensystem betroffen.

Auch auf das Nervensystem kann sich die Erkrankung ausweiten. Typisch für Morbus Boeck ist die Bildung von entzündlichen Knötchen, den so genannten Granulomen. Die Erkrankung tritt meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf und kann eine Reaktion des Immunsystems in Form zellulärer Abwehrelemente sein.

Häufigkeit der Sarkoidose

Morbus Boeck gehört mit einer Häufigkeit von 20 bis 40 Betroffenen von 100.000 Menschen zu den seltenen Krankheiten. Frauen erkranken häufiger als Männer an Sarkoidose.

Ursachen für Morbus Boeck

Bislang sind die Ursachen für Morbus Boeck noch nicht vollständig geklärt. Die Erkrankung kann durch sehr unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden.

Hierzu gehören

  • erblich bedingte Faktoren (auch Genmutationen)
  • Einatmung von Schadstoffen (z. B. Feinstaub, Chemikalien, Viren, Bakterien, Pilzen, allergieauslösenden Stoffen wie Pollen)

Die Faktoren sind jedoch lediglich Vermutungen, denn es liegen noch keine durch Studien gesicherten Beweise vor.

Symptome und Anzeichen einer Sarkoidose

Zu Beginn der Erkrankung zeigen sich meist keine eindeutigen Symptome. Oft äußern sich Beschwerden unterschiedlich, allgemeine Krankheitssymptome wie

sind durchaus typisch für die entzündliche Erkrankung. Bei chronischem Krankheitsverlauf fehlen diese Anzeichen aber oft.

Die für Morbus Boeck charakteristischen Knötchen sind mikroskopisch klein. Sie können sich grundsätzlich an jedem Organ bilden und für eine Beeinträchtigung der normalen Organfunktion sorgen.

Welche Symptome bei einer Sarkoidose auftreten, hängt davon ab, welches Organ betroffen ist:

  • Lunge: trockener Reizhusten, Atembeschwerden bis hin zu Atemnot bei Belastung
  • Nieren: erhöhte Ausscheidung von Kalzium im Harn, Bildung von Harnsteinen
  • Leber und Milz: in der Regel keine Funktionseinschränkungen, aber erhöhte Leberwerte möglich
  • Herz: bei leichtem Befall keine Beschwerden, bei ausgeprägtem Befall kann es zu Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz kommen
  • Augen: Irisentzündung, Ziliarkörperentzündung, Augenschmerzen bei hellem Licht
  • Haut: bläulich-lila-farbene Haut (Lupus pernio), Verfärbungen an Narben
  • Zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark): Hirnhautentzündung, Lähmung des Nervus fazialis, Störung von Geschmackssinn und Tränenfluss

Diagnose und Krankheitsverlauf bei Morbus Boeck

Die Diagnose von Morbus Boeck ist aufgrund der unterschiedlichen Symptome nicht ganz einfach. Wichtig für die Diagnose einer Sarkoidose sind vor allem bildgebende Verfahren, Funktionstests, Laboruntersuchungen sowie Biopsien von Gewebeproben. Da in der Regel die Lunge befallen ist, erfolgt auch eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs.

Anhand einer Blutuntersuchung kann die Diagnose Morbus Boeck gefestigt werden. Der Wert des Enzyms ACE (Angiotensin Converting Enzyme) ist bei betroffenen Patienten erhöht, ebenso wie die Kalziumwerte. Ebenfalls erhöht ist die Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen bei gesteigerter Krankheitsaktivität. Dies lässt auf eine Entzündungsreaktion im Körper schließen.

Mit Hilfe weiterer Untersuchungen kann der Befall anderer Organe beurteilt werden (z. B. Herzultraschall, Leberwertbestimmung, Urinuntersuchung, EKG, augenärztliche Untersuchung).

Der Krankheitsverlauf ist davon abhängig, ob es sich um eine akute oder eine chronische Sarkoidose handelt.

Die akute Sarkoidose tritt sehr plötzlich auf und heilt in der Regel ohne Folgen aus. In seltenen Fällen geht sie in eine chronische Sarkoidose über. Am häufigsten sind junge Frauen von der akuten Sarkoidose betroffen, welche auch als Löfgren-Syndrom bezeichnet wird und sich durch Fieber, Abgeschlagenheit sowie Hautveränderungen, Gelenkentzündungen und Lymphknotenschwellungen im Bereich der beiden Lungen äußert. Bei nur etwa fünf Prozent aller Fälle handelt es sich um einen akuten Krankheitsverlauf.

Mit etwa 95 Prozent aller Fälle ist die häufigste Form die chronische Form von Morbus Boeck. Etwa die Hälfte aller betroffenen Patienten zeigt dabei keinerlei Symptome. Erkannt wird Morbus Boeck in diesem Fall oft zufällig während einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs. Sofern die Lunge betroffen ist, kommt es bei den Erkrankten zu chronischem Reizhusten und belastungsbedingter Atemnot. Die chronische Form der Erkrankung geht zudem oft mit Gewichtsverlust, Gelenkschmerzen, Müdigkeit und leichtem Fieber einher.

Stadien der Sarkoidose

Mediziner nehmen eine Einteilung von Morbus Boeck in folgende Stadien vor:

  • Stadium 0 (keine Beteiligung der Lungen, Organbefall außerhalb des Brustkorbs)
  • Stadium I (vergrößerte Lymphknoten zwischen den Lungenflügeln, unauffällige Lungengewebsstruktur)
  • Stadium II (zusätzlich zur Lymphknotenschwellung fleckige Veränderungen an der Lunge)
  • Stadium III (keine Schwellung der Lymphknoten, jedoch Lungengewebsveränderungen)
  • Stadium IV (Lungenfibrose – also krankhafter Umbau des Lungengewebes – mit eingeschränkter Funktion der Lunge)

Prognose bei Morbus Boeck

Sowohl bei akutem als auch bei chronischem Verlauf sind die Heilungschancen durchaus positiv. Prognose und mögliche Komplikationen bei Morbus Boeck sind jedoch vom befallenen Organ abhängig.

Eine akute Sarkoidose heilt trotz eher heftigem Verlauf bei 95 von 100 Patienten spontan und ohne medikamentöse Behandlung innerhalb eines Zeitraums von vier bis sechs Wochen aus. Nach einigen Monaten ist oft eine vollständige Erholung eingetreten, nach einem Jahr sind auch im Röntgenbild keine Veränderungen mehr sichtbar.

Die chronische Verlaufsform von Morbus Boeck lässt sich unter Umständen mit Hilfe von Kortison heilen. Jedoch sinkt hier die Heilungschance mit dem Schweregrad der Erkrankung. Die Prognose ist deshalb ab Stadium III etwas ungünstiger, ungefähr jeder 20. Patient stirbt an den Folgen der chronischen Sarkoidose. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Lunge massiv beeinträchtigt ist oder Herz und Gehirn beteiligt sind. Grundsätzlich sind aber auch im Stadium II noch Spontanheilungen möglich.

Komplikationen bei Sarkoidose

Zu Komplikationen kommt es vor allem beim chronischen Krankheitsverlauf. Mögliche Komplikationen sind:

Behandlung von Sarkoidose

Eine Therapie ist bei Morbus Boeck nicht in jedem Fall notwendig. Gerade die akute Sarkoidose heilt oft auch ohne Medikamente folgenlos aus. Bei einer leichten Form mit guter Prognose sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt zunächst ausreichend.

Akute Beschwerden beim Löfgren-Syndrom werden meist mit Medikamenten behandelt, die folgende Eigenschaften aufweisen:

  • entzündungshemmend
  • fiebersenkend
  • schmerzstillend

Ab dem 2. Stadium der Sarkoidose sowie bei Beteiligung von Herz, Leber, Haut, Augen oder Nerven kommen kortisonhaltige Präparate zum Einsatz.

Bei langwierigen Krankheitsverläufen oder einer unzureichend wirkenden Kortison-Therapie können zusätzliche abwehrunterdrückende Medikamente (so genannte Immunsuppressiva) vom Arzt verordnet werden.

Die Behandlung von Morbus Boeck mit Kortison dauert etwa vier Wochen, danach wird die Dosis langsam gesenkt. Nach Absprache mit dem Arzt können die Medikamente aber frühestens nach einem halben Jahr abgesetzt werden. Während der gesamten Therapie sollten die befallenen Organe in regelmäßigen Abständen auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft werden.

Kommt es im Endstadium der Sarkoidose zu einer Lungenfibrose, ist eine Lungentransplantation oft die letzte Möglichkeit einer erfolgreichen Therapie.


Alternative Behandlung mit Radon

Eine so genannte Radonwärmetherapie in stillgelegten Bergwerkstollen kann aufgrund der antiallergischen Luft und anderen klimatischen Faktoren einen günstigen Einfluss auf die Symptome bei Morbus Boeck nehmen.

Das Edelgas Radon wirkt gemeinsam mit hoher Luftfeuchtigkeit und tropischer Temperatur. Radon gehört zu den Naturheilmitteln und soll bei Sarkoidose die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen. Es kommt durch das Edelgas zu einer positiven Verschiebung des Gleichgewichts bestimmter Zytokine (Proteine), welche für das Wachstum und die Differenzierung der Zellen notwendig sind. So kann es zu einer Stabilisierung des Immunsystems kommen.

Drei Beschwerde-Bereiche werden durch die Radonwärmetherapie nach Aussagen von Dr. Bertram Hölzl, Facharzt für innere Medizin) nachhaltig beeinflusst:

  • Lunge
  • Haut
  • Bewegungsapparat

Die Therapie ist vor allem dann geeignet, wenn es aufgrund der Sarkoidose zu Schmerzen und einer Störung des Immunsystems kommt. Die Wirkung ist bereits wissenschaftlich nachgewiesen. In Stollen zeigt sich typischerweise eine besonders reine Atemluft, weshalb es zu einer Erholung der Atemwege kommt. Gerade bei chronischer Sarkoidose können Entzündungsprozesse so gehemmt werden.

Die Empfehlungen der Stollentherapie liegen bei einem Zeitraum von mehreren Wochen im Rahmen einer Kur. Etwa für eine Stunde verbringen Patienten mehrmals Zeit im Stollen. Die Radontherapie ist dabei von Krankenkassen anerkannt lediglich der Umfang der Kostenübernahme muss von der Krankenkasse bewilligt werden.

Welcher Arzt führt die Behandlung durch?

Da bei Sarkoidose oft die Lungen betroffen sind, wird die Erkrankung meist von Pneumologen behandelt. Ist jedoch ein anderes Organ ohne Beteiligung der Lunge betroffen, erfolgt die Behandlung durch einen entsprechenden Facharzt.

Morbus Boeck vorbeugen

Einer Sarkoidose lässt sich nicht vorbeugen, denn die tatsächlichen Auslöser sind bislang nicht bekannt. Gerade wenn Fälle innerhalb der Familie bekannt sind, ist es ratsam, auf mögliche Symptome zu achten und den Arzt zur Erleichterung der Diagnose auf die familiäre Vorbelastung hinzuweisen.

Was können Betroffene selbst tun?

Grundsätzlich sollten betroffene Patienten, die Kortison einnehmen, dieses nie selbständig absetzen. Während der Behandlung wird die körpereigene Kortisonbildung eingestellt. Da das Hormon aber vom Körper benötigt wird, kann ein plötzliches Absetzen zu schwerwiegenden Störungen des Stoffwechsels führen.

Kontrolluntersuchungen sollten regelmäßig wahrgenommen werden, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten und den Krankheitsverlauf beurteilen zu können. Ist die Behandlung beendet, sind in den darauf folgenden drei Jahren Nachuntersuchungen ratsam, um Rückfälle schnell zu erkennen.

Es kann auch sinnvoll sein, psychologische und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen oder in Selbsthilfegruppen Unterstützung zu suchen.

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