Endokarditis

Was ist Endokarditis?

als Endokarditis wird eine Entzündung der Innenhaut des Herzens bezeichnet. Das sogenannte Endokard bildet die Innerste der drei Herzwandschichten. Sie setzt sich aus Endothel sowie Bindegewebe zusammen. Wichtigste Aufgabe des etwa 0,5-1,0 Millimeter starken Endokards ist es, die Bildung von Blutgerinnseln an der Herzwand zu verhindern. Abgesehen davon, dass das Endokard die Herzkammern und –vorhöfe auskleidet, bildet es die Herzklappen.

Die vier Herzklappen dienen dem Blut als Ventile, damit es bei jedem Herzschlag durch das Herz befördert werden kann. Üblicherweise ist bei einer Endokarditis mindestens eine Herzklappe entzündet. Zumeist handelt es sich um die Aortenklappe und/oder die Mitralklappe. Bereits kleinste Unebenheiten des Endokards können die Herzleistung einschränken. An einer Endokarditis kann prinzipiell jeder Mensch erkranken. Während eine Entzündung der Herzinnenhaut in Westeuropa bei Personen mit gesundem Herz mittlerweile äußerst selten vorkommt, ist sie in Entwicklungsländern noch immer ein Problem. Überdies bedarf es hochwirksamer Antibiotika, um eine Endokarditis erfolgreich behandeln zu können.

Endokarditis

Allerdings ist seit einiger Zeit selbst in Industrieländern eine Zunahme der Todesfälle aufgrund einer Endokarditis festzustellen, was auf eine Zunahme multiresistenter Erreger zurückzuführen ist. Mediziner unterscheiden in eine akut und eine subakut verlaufende Form der infektiösen Endokarditis – mit dem Hautunterschied, dass die akute Form erheblich schneller verläuft als die subakute. Es kommen sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse Varianten der Endokarditis vor.

Im Fall der nicht-infektiösen Endokarditis kommt es zur Entzündung des Endokards, ohne dass sich Krankheitserreger ansiedeln. Verursacher der Entzündung kann zum Beispiel ein rheumatisches Fieber sein. Eine infektiöse Endokarditis ist auf Bakterien oder Pilze zurückzuführen. Sobald entzündliche Ablagerungen sich von den Herzklappen lösen, besteht die Gefahr eines Gefäßverschlusses, da der Blutstrom sie mitreißt. Eine solche Embolie kann im Grunde genommen jedes Organ betreffen. Findet ein Gefäßverschluss im Gehirn statt, ist dies die gravierendste Komplikation, die mit einer Endokarditis einhergehen kann. Immerhin sind fast 30 Prozent aller Patienten mit einer Endokarditis von einer Bakterienverschleppung in das Gehirn betroffen.

Symtome bei Endokarditis

Die Beschwerden, die eine Endokarditis hervorrufen kann, sind in erster Linie der eigentlichen Ursache der Erkrankung zuzuordnen. Im Fall einer akuten infektiösen Entzündung der Innenhaut des Herzens sind häufig Staphylokokken die Auslöser. Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, beschleunigter Herzschlag sowie Muskel- und Gelenkschmerzen treten plötzlich auf. Die Beschwerden werden schnell intensiver; außerdem kann es zur Bewusstseinstrübung kommen.

Akut lebensbedrohlich ist ein septischer Schock, der infolge einer rasch verlaufenden Endokarditis vorkommen kann. Ein septischer Schock ist gleichermaßen das Endstadium einer Sepsis (Blutvergiftung). Hierbei fällt der Blutdruck so stark ab, dass eine Unterversorgung der lebenswichtigen Organe resultiert. Durchaus kann eine akute Endokarditis binnen 40 Tagen zu einer Zerstörung der Herzklappen führen. Grundsätzlich können einmal ins Blut gelangte Erreger selbstverständlich auch in anderen Teilen des Körpers Infektionen bedingen und somit für zusätzliche Beschwerden sorgen. Derartige Herde werden als septische Embolien bezeichnet, die letzten Endes ein Multiorganversagen hervorrufen können. Die subakute Form der Endokarditis ist durch einen schleichenden Verlauf gekennzeichnet.

Hervorgerufen wird eine Endocarditis lenta vorwiegend durch Streptokokken. Betroffene Personen klagen über leichtes Fieber, ein allgemeines Schwächegefühl, Gewichtsverlust, punktförmige Hautblutungen und Einblutungen im Auge. Außerdem kann es auch zu Muskel- und Gelenkschmerzen sowie zu Hautknötchen im Bereich der Finger und/oder Zehen kommen. Eine rheumatische Endokarditis geht typischerweise vor allem mit Symptomen einher, die das rheumatische Fieber hervorruft. Hierzu gehören insbesondere Gelenkschmerzen. Personen, die unter der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte) leiden, nehmen oftmals erst nach einer längeren Zeit Beschwerden wahr, die von einer Endokarditis herrühren.

Abgesehen von der betroffenen Innenhaut des Herzens kann die Entzündung zusätzlich die anderen Schichten der Herzwand betreffen. Dies wiederum begünstigt zusätzliche Symptome wie einen beschleunigten Herzschlag und Brustschmerzen. Unabhängig davon, ob die Endokarditis akut oder „nur“ subakut verläuft, ist es äußerst wichtig, dass die Erkrankung schnellstmöglich diagnostiziert und korrekt behandelt wird. Nur dann lassen sich mögliche Komplikationen und schwere Verläufe der Endokarditis verhindern.

Ursachen einer Endokarditis

Die Gründe für die Entstehung einer Endokarditis können infektiös und nicht-infektiös sein. Eine bakterielle Endokarditis geht zumeist durch kleine Schäden der Herzinnenhaut hervor. Auf diesen vorgeschädigten Stellen können sich Erreger ansiedeln. Die Ansiedlung der Erreger gründet sich zum Beispiel auf angeborene oder erworbene Herzfehler (ein Beispiel ist der offene Ductus arteriosus). In deren Folge kommt es zu außergewöhnlichen Blutverwirbelungen, die das Endokard so angreifen, dass die Entstehung von Infektionen begünstigt wird.

Eine weitere Ursache für eine Endokarditis können Operationen am Herzen sein; dies gilt insbesondere für den Fall, dass Fremdkörper wie künstliche Herzklappen und/oder Kabel eingesetzt werden. Auch bei vielen anderen Operationen (insbesondere im Bereich der Atemwege oder des Mundes) kann es zu einer Endokarditis kommen. Grundsätzlich kann das Ausschwemmen einer Vielzahl an Bakterien in das Blut eine Entzündung der Herzinnenhaut mit sich bringen.

Die häufigsten Erkrankungen, die einer nicht-infektiösen Endokarditis entsprechen, sind eine rheumatische Endokarditis und eine Libman-Sacks-Endokarditis; eine weitere aber seltene Variante ist die Löffler Endokarditis (Löfflersche Endokardfibrose oder eosinophile Endokarditis). Obgleich die rheumatische Endokarditis als nicht-infektiös gilt, geht ihr eine Infektion mit Streptokokken voran. Es kommt zu hohem Fieber, und verschiedene Gelenke sind von Entzündungen betroffen. Die Innenhaut des Herzens ist entzündet, und in einigen Fällen können sich Ausschläge sowie Knötchen auf der Haut bilden.

Die Libman-Sacks-Endokarditis gründet sich auf die für Lupus erythematodes typische körpereigene Abwehr, die Entzündungen und Fibrinthromben (Ablagerungen an den Herzklappen) mit sich bringt. Im Fall einer Löffler Endokarditis vermehren sich zunächst einmal spezielle Abwehrzellen, die eosinophilen Granulozyten, deutlich. Hierdurch bilden sich Thromben auf der Innenhaut des Herzens. Diese wiederum führen zu Verdickungen und Vernarbungen, die das Endokard und die Herzkappen betreffen. Die Veränderungen des Endokards bringen es mit sich, dass sich das Herz nicht hinreichend ausdehnen kann. Es resultieren kleine Auswurfmengen und eine Sauerstoffunterversorgung des ganzen Körpers. Das Geschehen wird als Restriktion bezeichnet.

Behandlung von Endokarditis

Um die jeweils bestmögliche Therapie umsetzen zu können, sind Spezialisten wie Kardiologen und Herzchirurgen gefragt.

Sofern es sich um eine bakterielle Endokarditis handelt, bedarf es einer Antibiotikatherapie. Unter anderem wird hierfür Penicillin oder Vancomycin eingesetzt. Üblich ist es, das gewählte Antibiotikum dem Patienten intravenös zu verabreichen.

Die behandelnden Ärzte sind gefordert, das Antibiotikum zu wählen, mit dem sich die auslösenden Erreger bestmöglich bekämpfen lassen. Eine intravenöse antibiotische Therapie nimmt normalerweise einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen ein. Schließlich geht es darum, die Erreger komplett aus dem betroffenen Gewebe zu eliminieren. Sollte jedoch eine Therapie mit Antibiotika nicht ausreichen, kann eine Operation notwendig sein.

Insbesondere ist eine Operation angezeigt, falls die Herzklappen aufgrund der Entzündung bereits stark beschädigt sein sollten. Dann besteht nämlich die Gefahr der Herzschwäche. Im Rahmen einer Operation wird einerseits das erkrankte Gewebe entfernt, und andererseits erhält der Patient eine (oder gegebenenfalls auch mehrere) künstliche Herzklappe(n).

Derartige herzchirurgische Eingriffe verbessern die Überlebenschance der betroffenen Personen erheblich. Zugleich ist es möglich, das Risiko zu mindern, dass eine Embolie entsteht. Hat die Endokarditis nicht-infektiöse Ursachen, geht es vorrangig darum, die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln. Beispielsweise erhalten Patienten, die unter Lupus erythematodes leiden, Kortisonpräparate, um die Autoimmunreaktion zu stoppen.

Handelt es sich um Rheumatisches Fieber, müssen nicht nur die Streptokokken mit gut wirksamen Antibiotika behandelt werden, sondern zusätzlich muss die Abwehrreaktion mit speziellen entzündungshemmenden Präparaten gemindert werden. Inzwischen sind durchschnittlich drei von vier Fällen einer infektiösen Endokarditis erfolgreich zu behandeln. Hierfür ist es allerdings unabdingbar, dass die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird. Die Gefahr einer tödlich verlaufenden Endokarditis nimmt zu, wenn sie erst spät erkannt wird, der Patient bereits älter ist und/oder schon anderweitig erkrankt ist. Grundsätzlich hat eine bakterielle Endokarditis als lebensbedrohlich zu gelten. In jedem Fall sollte die Behandlung dieser sehr ernstzunehmenden Erkrankung in einem Krankenhaus stattfinden, um auf mögliche Komplikationen rasch reagieren zu können.

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