Schmerzerkrankungen

als Schmerzerkrankungen oder Schmerzsyndrome bezeichnet man Krankheitsbilder mit seit mindestens sechs Monaten anhaltenden Schmerzen.

Akute Schmerzen haben Warn- und Schutzfunktion; viele Krankheiten verlaufen mit akuten Schmerzzuständen.

Bei chronischen Schmerzen geht die Warn- und Schutzfunktion verloren; der Schmerz wird zu einem eigenständigen Krankheitsbild.

Wie entsteht Schmerz?

In vielen Organen befinden sich freie Nervenendigungen, die auf Dehnung, Druck, Kälte, Hitze und chemische Stoffe, die bei Gewebeschädigungen entstehen, reagieren. Bei Überschreiten einer Reizschwelle werden Schmerzreize an das Rückenmark weitergeleitet, wo sie häufig Schutzreflexe auslösen, z.B. Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte. Im Thalamus erfolgt die Schmerzverarbeitung; dabei werden nicht nur körperliche Schmerzursachen, sondern auch Faktoren, die die Schmerzwahrnehmung verstärken oder vermindern, berücksichtigt.

Schmerzverstärkende Faktoren können starke Gefühle, wie Angst, Wut, Trauer oder Hilflosigkeit sein; schmerzvermindernde wirken Faktoren wie Ruhe, Geborgenheit und Anteilnahme. Auch vorangegangene Schmerzerfahrungen und kulturelle oder soziale Prägungen beeinflussen die Schmerzwahrnehmung. Bei intensiver Anstrengung können körpereigene Stoffe gebildet werden, die die Schmerzleitung hemmen.

Einteilung & Ursachen

Man unterscheidet verschiedene Schmerzformen, wie den Entzündungsschmerz, den neuropathischen Schmerz (Nervenschmerz), psychosomatische Schmerzen, ***** Schmerzen, Kopfschmerzen und Fehlregulationsschmerzen. Entzündungsschmerzen werden durch spezielle Schmerzrezeptoren, die auf chemische Entzündungsmediatoren reagieren, verursacht. Dazu gehören Schmerzen bei entzündlichen Erkrankungen wie Polyarthritis oder Zahnschmerzen. Neuropathische Schmerzen entstehen meist durch Druck auf einen Nerv oder durch chronische Erkrankungen des Nervensystems ohne Beteiligung von Schmerzrezeptoren.

Die starken Schmerzen werden auf Körperregionen projiziert, in denen die zugehörigen Nervenendigungen liegen, z.B. bei Trigeminusneuralgie oder Polyneuropathien (Diabetes). Psychosomatische Schmerzen sind Ausdruck unbewältigter seelischer Probleme und können Schmerzzustände auslösen, die keinen organischen Störungen zugeordnet werden können, z.B. kindliche Bauchschmerzen.

Schmerzen werden durch übermäßige Kontraktion der Muskulatur von Hohlorganen verursacht, z.B. Koliken. Kopfschmerzen können durch eine Vielzahl verschiedener Ursachen ausgelöst werden. Verengung der Hirngefäße kann zu rezidivierenden Schmerzen führen. Eine Hirnblutung löst plötzlich auftretenden Vernichtungskopfschmerz aus. Durch Tumorbildung entwickelt sich langsam ein gleichmäßig zunehmender Schmerz.

HWS-Probleme, Kiefer– und Zahnerkrankungen oder Nebenhöhlenerkrankungen können als Kopfschmerzen ausstrahlen. Blitzartig einschießender Kopfschmerz ist charakteristisch für neuralgischen Schmerz. Kopfschmerz kann auch durch Hirndrucksteigerung oder als Anzeichen einer schweren Allgemeinerkrankung sowie durch Medikamente entstehen. Fehlregulationsschmerzen kommen z.B. bei Fehlfunktion des Sympathikus vor.

Symptome

Als Symptome einer Schmerzerkrankung treten mindestens sechs Monate lang anhaltende oder rezidivierende Schmerzen auf. Unter Fibromyalgie versteht man ein generalisiertes Schmerzsyndrom, das sich hauptsächlich im Bereich des Bewegungsapparates manifestiert. Charakteristisch ist die erhöhte Empfindlichkeit bestimmter Druckpunkte (Tender Points). Betroffen sind meist Frauen mittleren Alters.

Diagnose

Der Arzt erhebt eine genaue Anamnese des bisherigen Krankheitsverlaufs. Blutuntersuchungen können durch erhöhte Entzündungszeichen auf Entzündungsschmerzen hinweisen. Der Einsatz bildgebender Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und Computertomografie kann organische Veränderungen als Schmerzursachen nachweisen. Differentialdiagnostisch ist eine larvierte Depression auszuschließen.

Therapie

In einer Schmerzklinik können Schmerzursachen exakt diagnostiziert und behandelt werden. Zur Schmerztherapie werden Analgetika, Spasmolytika, Muskelrelaxanzien, Betarezeptorenblocker, Psychopharmaka, therapeutische Lokalanästhesie und psychologische Verfahren wie Verhaltenstherapie eingesetzt.

Die Betroffenen führen ein Schmerztagebuch, um schmerzlindernde und schmerzverstärkende Faktoren zu erkennen und die Wirksamkeit der Therapie zu dokumentieren. Physikalische Therapiemethoden umfassen Vibrationstherapie, Massagen, Wärmeanwendungen, Kälteanwendungen oder Krankengymnastik.

Auch Akupunktur wirkt nachweislich gegen Schmerzerkrankungen. Viele Heilpflanzen haben schmerzlindernde, entspannende und/oder entzündungshemmende Wirkung, z.B. Weidenrinde und Kamille.

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