Sympathikus

Der „Taktgeber“ Sympathikus

Begriffe wie Parasympathikus und Sympathikus begegnen sowohl den medizinischen Fachkräften als auch den Patienten insbesondere im Zusammenhang mit dem Nervensystem.
Auch gesunde Menschen, die sich intensiv mit Fitness und Sport beschäftigen, kommen häufig nicht umhin, bei bestimmten Aktivitäten Informationen über den Sympathikus und den Parasympathikus einzuholen. Nur mit einem bestimmten Wissen über diese Komponenten ist es möglich, effektive zu trainieren und im anderen Fall erfolgreich therapeutisch zu arbeiten.

Das Nervensystem des Menschen ist äußerst verflochten. Es verzweigt such über den ganze Körper und durchdringt diesen komplett auch innen. Eine enorme Vielzahl an Nerven durchzieht den Organismus. Überdies wird oftmals von Nerven gesprochen, ohne die genauen Verkettungen zu verstehen.
Gerade bei bestimmten Symptomen (Krankheitszeichen, Krankheitsmerkmale) und Erkrankungen kann es somit durchaus sinnvoll sein, sich über diese medizinischen Termini kundig zu machen. Dafür ist es zweckmäßig, sich zuerst mit den allgemeinen Grundlagen auseinanderzusetzen, ehe man sich dem Sympathikus zuwendet.
Bei einem Nerv handelt es sich um ein Organ, das lateinisch als nervus bezeichnet wird. Die Nerven haben die Aufgabe, Erregungen zu leiten. Erregungen entstehen durch die Aufnahme von Reizen.

Reize oder Stimuli können physikalischer oder chemischer Art sein. Sie können außerdem unterschiedliche Ursprünge haben. Verschiedene Reize treffen beispielsweise von außen auf den Körper. Aus der Umwelt stammen unter anderem Stimuli wie Wärme und Kälte, Helligkeit und Dunkelheit, Vibrationen, Berührungen und Geräusche, Druck sowie mechanische und elektrische Einflüsse. Aus dem Körperinneren werden im Rahmen der sogenannten propriozeptiven Wahrnehmung (Tiefensensibilität) Reize aufgenommen, die genau wie die äußeren Reize lebenswichtig sind. Die Tiefensensibilität erfasst dabei vor allen Dingen solche Reize, die der körperlichen Eigenwahrnehmung zuzuschreiben sind. Die Reaktionen darauf haben unter anderem mit dem Sympathikus zu tun.

Typische innere Stimuli sind:

  • Lage und Position des Körpers = Lagesinn
  • Spannungszustand von Sehnen und Muskulatur = Kraftsinn
  • Richtung und Intensität von Bewegungen = Bewegungssinn beziehungsweise Kinästhetik
  • Veränderungen an inneren Organen

Die Nerven unterliegen aufgrund der vielgestaltigen Reize und der dadurch ausgelösten Erregungen einer erstaunlichen Differenzierung. Eine Erregung, deren medizinische Bezeichnung gleichfalls Exzitation ist, stellt einfach ausgedrückt eine Antwort oder eine Reaktion dar. Spezielle organische Gefüge weisen in diesem Moment eine gesteigerte Aktivität auf.
Wichtig sind diesbezüglich Formulierungen wie Erregungszustand und Erregungsvorgang. Die mit den Nerven einhergehende Erregung basiert auf einer elektropysiologischen Basis innerhalb der Nervenzellen. Mittels Erregungsleitung gelangen diese Potentiale zu den Organen, die diese Zustände verarbeiten (Zentrales Nervensystem. peripheres Nervensystem, vegetatives oder Eingeweidenervensystem). In diese Abfolge sind ebenfalls sympathische Nerven eingebunden.

Um den Sympathikus zuordnen zu können, ist es wichtig, die einzelnen Nervensysteme und deren Fragmente zu kennen:

Das periphere Nervensystem setzt sich aus den Bewegungsnerven oder motorischen Nerven und den Empfindungsnerven oder (sensiblen Nerven zusammen.

Die motorischen Nerven sind zuständig für die Reizleitung zu den Erfolgsorganen des Skelettsystems (Sehnen, Muskeln, Bänder).

Die sensiblen Nerven tragen die Reize, die von den Sinnesorganen aufgenommen werden, zum Gehirn oder zum Rückenmark weiter.

Auf diesem Fundament geht es nun um die Zuordnung des Sympathikus. Der Sympathikus ist ein bedeutender Part des vegetativen Nervensystems. Er durchzieht alle Organe, die einer ergotropen Wirkung unterliegen
Ein charakteristisches Merkmal des vegetativen Nervensystems ist, dass es nicht vom Willen des Menschen beeinflusst werden kann. In der Medizin heißt das vegetative Nervensystem daher unwillkürliches Nervensystem. Es existiert unabhängig und eigenständig (autonom), denn es kann nicht willkürlich kontrolliert werden. In Anbetracht seines physiologischen Stellenwertes wird das vegetative Nervensystem in somatisches und autonomes Gefüge unterteilt:

somatisches Nervensystem

  • verantwortlich für Beweglichkeit (Motorik) der Skelettmuskulatur
  • Regulierung des Kontaktes zur Umwelt
  • Steuerung reflektorischer und willkürlicher Aktionen des Körpers

 

autonomes Nervensystem

  • Überwachung der Vitalfunktionen
  • Steuerung der Sexualorgane
  • Beeinflussung der inneren Augenmuskulatur

Das autonome und das somatische Nervensystem können nicht ganz genau voneinander abgetrennt werden. Einzelne Elemente des somatischen Nervensystems werden durchaus unwillkürlich vom Gehirn gelenkt. Dieser Aspekt trifft hauptsächlich auf die reflexartig ablaufenden Bewegungen (motorische Reflexe). Reflexe sind Reaktionen des Nervensystems, die stereotyp vonstatten Gehen. Damit es zu einer solchen Reaktion kommt, müssen entsprechende Reize auf das Nervensystem ausgeübt werden. Diesen Gesichtspunkt macht sich die Medizin bei der Diagnostik (Erhebung von Befunden und die Zuordnung von Beschwerden oder Krankheitszeichen zu Erkrankungen) zunutze, indem Reflexe künstlich hervorgerufen werden, um die Funktionstüchtigkeit von Nerven zu testen.
Mehrere neurologisch ausgerichtete körperliche Untersuchungen beruhen auf diesem Prinzip.
Unter dieser Voraussetzung ist es beispielsweise möglich, die Aktionen des Sympathikus durch das Verfahren der Mikroneurografie am Knie, den Eiswasser- und den Handgrip-Test sowie das sogenannte Valsalva-Manöver zu bestimmen.
Nicht nur der Sympathikus, sondern ebenso der Parasympathikus wird im vegetativen Nervensystem gebraucht. Beide Strukturen stehen in einer untrennbaren Wechselwirkung miteinander.

Vital- beziehungsweise Lebensfunktionen sind:

 

Was ist der Sympathikus?

Der Sympathikus gehört gemeinsam mit dem Parasympathikus, seinem Gegenpart, zu dem autonomen vegetativen Nervensystem. Diese konträren Nerven bedingen sich wechselseitig. Der Mensch spürt den Sympathikus nicht, weil dieser ganz unbewusst funktioniert.

Wie relevant der Sympathikus ist, wird an der Bezeichnung „Fluchtnerv“ deutlich. Er regelt im Körper alle Vorgänge, die benötigt werden, um abrupt vor einer lebensbedrohlichen Gefahr wegrennen zu können. In diesen Situationen können Menschen über sich hinaus wachsen. Das verdanken sie mitnichten dem Sympathikus. Dasselbe trifft auf körperliche Höchsteisturngen oder auf die Bewältigung schwerer körperlichen Tätigkeiten zu. Heute kann der ursprüngliche Fluchtprozess eher mit einer Reaktion auf Stress oder auf einen prekäre Moment verglichen werden. Erst dann bemerken wir, dass wir den Sympathikus haben.

Deshalb hat die Evolution den Menschen so „gebaut“, dass der Sympathikus über alle Organe verteilt ist. Im Gehirn befinden sich Nervenzellen, die als Schaltzentrum deklariert werden können. Senden diese Kommandozellen Befehle aus, werden diese über den Sympathikus zu inneren Organen wie der Leber, dem Herz, der Lunge, den Blutgefäßen und den unterschiedlichsten Drüsen transportiert.
Verfolgt man den Sympathikus von diesen Arealen zurück bis zu seinem Ursprungsort, dann kommt man direkt zum Brustkorb (Thorax). Außerdem münden einige Äste des Sympathikus in der Lendenregion, genau gesagt, im Seitenhorn des Rückenmarkskanals.
Gesteuert wird der Sympathikus vom hormonellen System und vom Gehirn.

Funktionen und Aufgaben des Sympathikus

Die Aufgaben des Sympathikus sind darauf ausgerichtet, lebenswichtige Prozesse zu manipulieren. Der Sympathikus innerviert deshalb hauptsächlich die glatte Muskulatur. Diese kleidet unter anderem die die Drüsen, die Bronchien in der Lunge, die Augenmuskeln und die Blutgefäße aus. Auf diesen Weise kann der Sympathikus alle für eine Flucht unentbehrlichen Organe unmittelbar ansteuern.

In diesen Prozess sind folgende Vorgänge eingeschlossen:

  • Erhöhung des Herzschlages durch Zunahme der Herzkontraktionen
  • Ausdehnung der glatten Muskulatur der Bronchien für eine verstärkte Atmung
  • Erhöhung der Sauerstoffaufnahme
  • Blutdruckerhöhung
  • Erhöhung des Muskeltonus am Herzen und an der Skelettmuskulatur
  • Forcierung von Stoffwechselvorgängen wie der Glykolyse
  • Reduzierung aller nicht fluchtwichtigen Organaktivitäten

Unter diesen Gegebenheiten tritt eine Zunahme der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft auf. In Abhängigkeit von der jeweiligen Stärke der Reizintensität kann dieser Effekt entweder kleine oder große Ausmaße annehmen.

  • Muskelkontraktion = aktive Verkürzung des Muskels durch das Zusammenziehen der Muskelfasern Der Muskel ist dann angespannt.
  • Muskeltonus = kann vermindert oder gesteigert sein
    Er wird durch Reize von Nerven ausgelöst und gehalten. Ohne sichtbare Muskeltätigkeit (auch im Schlafzustand) liegt dennoch immer ein Ruhetonus mit einer Grundanspannung vor. Verantwortlich für den Muskeltonus der Skelettmuskeln ist ein abwechselndes Zusammenziehen (Kontraktion) von Muskelfasern. Der Muskeltonus in der glatten Muskulatur wird durch eine dauerhafte Kontraktion von Muskelzellen aufgebaut.

Die Funktionen des Sympathikus reichen weit über diese „Fluchtaktivierung“ hinaus, denn Menschen sind nicht unentwegt diesen Bedingungen ausgesetzt.

In diesem Fall hat der Sympathikus einen Einfluss auf:

  • Regulierung der Schweißabsonderung
  • Steuerung der Darmtätigkeit (Peristaltik, Sekretion von Magensäure)
  • Erweiterung der Blutgefäße
  • Regulierung der Durchblutung
  • Lenkung der Blasentätigkeit
  • Einwirkung auf die Funktion der Sexualorgane
  • Kontrolle über die Erweiterung der Pupillen
  • Ausschüttung von Adrenalin, Speichel und Insulin

 

  • Sekretion = Abgabe, Ausschüttung oder Absonderung von Sekreten aus Drüsen
  • Peristaltik = in Wellen ablaufendes Zusammenziehen der glatten Hohlorganmuskulatur zum Transportieren von Substanzen

Um allen diesen Aufgaben gerecht zu werden, nutzt der Sympathikus eine ausgeklügelte Vorgehensweise. Diese fundamentiert auf den sogenannten Neurotransmittern und den Ganglien.
Neurotransmitter oder zu Deutsch Botenstoffe sind Stoffe chemischer Natur. Die Botenstoffe sind als erregende und als hemmende Substanzen für die Informationsleitung aktiv.

  • erregende Botenstoffe sind exzitatorische Neurotransmitter
  • hemmende Botenstoffe sind inhibitierende Neurotransmitter

Die Botenstoffe agieren zwischen den Nervenzellen und deren Fortsätzen (Dendriten und Axone). Während dieser Prozesse müssen die Transmitter mit den Informationspotentialen den synaptischen Spalt (Raum zwischen zwei Synapsen an den Enden der Axone) überwinden, der zwischen (inter-) den Nervenzellen zu finden ist. Das kann nur durch die Ausschüttung der Transmitterstoffe präsynaptisch (vor dem synaptischen Spalt) gewährleistet werden.
Postsynaptisch (nach dem synaptischen Spalt) kann sich der Botenstoff an den nächsten Nervenzellfortsatz andocken. Das ist möglich, weil diese Nervenzelle exakt für diesen Transmitter die passenden Rezeptoren bereithält.

  • vor bedeutet lateinisch prä
  • nach bedeutet lateinisch post

Die Wirkungsweise des Sympathikus lässt sich kurz so erklären:

  • Erregung der Ursprungs-Nervenzelle im Rückenmark durch den Hirnstamm (Truncus encephalis oder Truncus cerebri) oder die Hirnanhangsdrüse (Hypothalamus)
  • Fortleitung der Erregung zum Axonende des Ganglions der ersten Nervenzelle
  • Botenstoff wird päsynaptisch ausgeschüttet.
  • Neurotransmitter mit Erregungsinformation passiert den synaptischen Spalt
  • Botenstoff lagert sich durch Rezeptoren an der ersten Nervenzelle postsynaptisch an
  • Fortleitung der Erregung in derselben Form bis zum Empfängerorgan (Erfolgsorgan)
  • Reaktion auf einen Reiz erfolgt

Der Sympathikus benötigt für seine Funktion zwei differente Transmitter. In der Ursprungszelle wird Acetylcholin freigesetzt. Von der Aktions- oder Empfängernervenzelle im Erfolgsorgan wird Noradrenalin abgegeben.

Anatomie und Aufbau des Sympathikus

Beim Aufbau des Sympathikus ist es günstig, von der kleinsten bis zur größten Struktur vorzugehen.
Der Sympathikus ist aus Milliarden von Nervenzellen aufgebaut. Nervenzellen beinhalten die Nervenzellkörper (Neurone) und werden durch Nervenzellfortsätze verlängert. Als Nervenzellfortsätze oder Neuriten werden die Nervenfasern, die „Schienenstränge“ des Nervensystems deklariert.
Jede einzelne Nervenfaser ist relativ lang und verfügt über eine fadenähnliche Morphologie (Gestalt, Form, Beschaffenheit). Sie ist das eigentliche Verbindungsglied zwischen den Nervenzellen mit den Nervenzellkörperchen und den Fortsätzen. Wird ein Neurit präpariert, werden die weitreichenden Verzweigungen und die knotenartigen Verdickungen sichtbar. Das sind die Endköpfchen. Sie werden auch mit dem Wort Synapsen benannt.

Die Nervenzellfortsätze weisen eine abweichende Formgebung auf. Gleichen sie dem Geäst eines Baumes, dann handelt es sich um Dendriten. Dendriten stellen mittels den Synapsen und Neurotransmittern die Verknüpfung mit an deren Nervenzellen her.
Die Neurone des Sympathikus liegen im Lenden- und im Brustmark (thorakolumbales System), im Hypothalamus, in der Formatio retikularis und im Hirnstamm vor. Im Seitenhorn des Rückenmarks sind ebenfalls Wurzelzellen des Sympathikus (Nucleus intermediomedialis und Nucleus intermediolaterialis) lokalisiert. Der Sympathikus umfasst den Truncus sympathicus oder den sympathischen Grenzstrang aus den Paravertebralganglien.

Verzweigungen des Truncus sympathikus sind:

  • das Ganglion cervicale superius – oberes Ganglion
  • Ganglion cervicale medium – mittleres Ganglion
  • Ganglion cervicale inferius – unteres Halsganglion
  • Ganglion stellatum – mit Brust- und Thoraxganglion verschaltet

 

Ganglien des Sympathikus und deren Aufteilung

Ganglien sind Ansammlungen von Nervenzellen beziehungsweise Zellkörperchen (nuclei), die einem Knoten ähnlich sind. Ganglien werden im peripheren Nervensystem daher als Nervenverdickungen oder Nervenknoten bezeichnet. Die Nervenfasern vom Ursprungsorgan und vom Erfolgsorgan treffen sich am Ganglion und erfahren dort eine Umschaltung. Diesen Auftrag übernehmen die prä- und die postganglionären Neuronen. Ein bedeutsames Bauteil der Ganglien sind die Axone.
In der Umgebung des Ganglion stellatum werden etwa 12 Brustganglien sichtbar, die beidseitig der Wirbelsäule im Truncus sympathicus verlaufen. Um Rückenmarksbereich sind vier Ganglien zu sehen. Das Ganglion impar ist im Sakralmark (Kreuzbeinmark; Kreuzbein ist Os sacrum) eingeschlossen.

Andere Ganglien innervieren den Hals und die Lenden. Drei sympathische Nervenfasern durchdringen die Brust und gelangen so durch das Zwerchfell. Sie bilden ein Geflecht aus drei sympathischen Nerven, das die inneren Organe erreicht. Aus dem sympathischen Grenzstrang des Sympathikus stammen ebenfalls Nervenfasern, die für die Blutgefäße des Gehirns zuständig sind.
Einige davon weiten sich bis zur Zirbeldrüse im Gehirn (Epiphyse) aus oder sie wandern bis zu den Augenmuskeln.

Sympathikus und Parasympathikus – Gegenspieler und ergänzender Part

Der Sympathikus sorgt für die Einstellung des Organismus auf eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit. Er unterstützt gleichfalls bei körperliche Anstrengung eine nach außen gerichtete (fight and fly – kämpfe und fliehe) körperliche Handlung.
Der Sympathikus ist demnach der Agonist. Alternativ dazu wirkt der Parasympathikus mit Ziel einer Regeneration oder einer Ruhephase. Das geschieht im Sinne von rest and digest – ruhe und verdaue. Der Parasympathikus stellt somit den Antagonisten dar,

Sympathikus – Schlafen und Wachen

Während des Schlafes befindet sich der Sympathikus in einem sehr niedrigen Erregungslevel. Tagsüber steigert sich die Erregung des Sympathikus. Sowohl der Sympathikus als auch der Parasympathikus steuern den Wach- und den Schlafrhythmus. Anhand einer Langzeitmessung der Herzratenvariabilität lässt sich erkennen, dass sich beide abwechseln.
Beginnt der Tag, ist der Sympathikus in Hochform. Diese bleibt bis in die Mittagsstunden. Nach und nach überwiegt der Parasympathikus, sodass gegen Abend hin die Menschen müde werden. Das funktioniert allerdings nur, wenn optimale Bedingungen existieren. Das heißt, ein entspannter Abend. In jeder Phase sind beide Nervensysteme in Aktion.
In Hinsicht auf die Intensität ergeben sich aber deutliche Abweichungen. Diese Einsichten sind extrem wichtig für die Behandlung von Schlafstörungen sowie von psychischen (Psyche ist Geist und Seele) Erkrankungen wie Depression, Manie und Burn-out. Menschen, die sich der natürlichen Abfolge von Sympathikus- und Parasympathikusaktivität dauerhaft widersetzen, tragen ein Risiko, ihre Gesundheit zu verlieren.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen des Sympathikus

Krankhafte (pathologische) Auffälligkeiten sowie Fehlfunktionen oder Funktionseinschränkungen des Sympathikus verursachen sowohl leichte als auch schwere Beschwerdebilder. In der Medizin werden diese Leiden unter der Erkrankung vegetative Dystonie erfasst.
Erweitert werden diese Symptome durch verschiedene psychische und physische (körperliche) Veränderungen, die sich sehr negativ auf die Leistungsfähigkeit, die Gesundheit und die Lebensqualität auswirken können. Vorrangig sind hierbei teilweise hartnäckige Schmerzzustände zu erwähnen, die viele Patienten schon fast bis zur Verzweiflung geplagt haben. Die Behandlungsmethoden in der Alternativmedizin und in der Schulmedizin können die meisten Krankheitsanzeichen lindern oder sogar ganz ausschalten.

Einige typische Symptome und Erkrankungen des Sympathikus

Horner Syndrom

mit einer Dreierkombination aus Symptomen wie:

  • Hängendes Oberlid (Ptosis)
  • deutliche Verengung der Pupille (Miosis)
  • Einsinken des Augapfels in die augenhöhle (Enophthalamus)

Raynaud-Syndrom

mit:

sowie:

  • vegetative Dystonie
  • Fibromyalgie
  • vermehrtes Schwitzen oder Hyperhidrosis
  • Schwächung der körpereigenen Immunabwehr
  • zunehmende Anfälligkeit für Infekte

Derartige Krankheitsbilder sind oftmals auch typisch für andere Erkrankungen. Aus diesem Grund sind die eher unspezifischen pathologischen Erscheinungen nicht sofort und eindeutig den Erkrankungen des Sympathikus zuzuordnen. Erst nach einer umfassenden klinischen Differentialdiagnostik kommen die Patienten und die Fachleute erst zu einem treffenden Ergebnis.

Vegetative Dystonie

Diese Erkrankung wird durch pathologische Beeinträchtigungen des vegetativen Nervensystems einschließlich des Sympathikus hervorgerufen. Oftmals verstärken äußere Komponenten wie Sorgen, Belastungen seelischer Art, Hektik und Stress die Beschwerden. Bei der diagnostischen Untersuchung finden die Ärzte in der Regel keine organischen Auffälligkeiten.
Eine vegetative Dystonie ist daher nicht immer leicht festzustellen.

Klassische Symptome der vegetativen Dystonie sind:

Diese belastenden Zustände können in der Nacht und am Tag auftreten. Da keine organischen Auslöser nachvollzogen werden können und weil die Diagnose nicht wissenschaftlich belegt ist, müssen die Betroffenen oftmals eine gewisse Stigmatisierung hinnehmen. Die vegetative Dystonie wird unter anderem als Störung der Befindlichkeit, als Stresssyndrom (Syndrom ist eine Sammlung mehrerer Symptome) oder als psycho-physischer Erschöpfungszustand beschrieben.

Typische und häufige Erkrankungen des Sympathikus

 

Vegetative Dystonie:

Außerdem:

  • Blockade des Sympathikus
  • chronische (anhaltende, wiederkehrende) Schmerzzustände
  • Horner-Syndrom (Funktionsverlust des Halssympathikus)
  • Horton-Neuralgie
  • ideopathische Facialisparese
  • Kopfschmerz und Migräne
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • trockenes Auge
  • Heberdenarthrose
  • Golf- und Tennisarm
  • Morbus Sudeck
  • Missempfindungen
  • Interkostalneuralgie
  • Erektions- und Orgasmusstörungen
  • Neurasthenie
  • Reizblase
  • Inkontinenz (Fähigkeit der kontrollierten Urinabgabe geht verloren)
  • Ganglioneurome (gutartige Tumore)

 

Fragen und Antworten zum Thema Sympathikus

 

Was ist Morbus Sudeck?

Unter Morbus (Morbus ist der lateinische Begriff für Krankheit) Sudeck verstehen die Mediziner, Anatomen und Pathologen ein Schmerzsyndrom, das sich aus vielen komplexen, örtlich manifestierten Schmerzzuständen ergibt. Morbus Sudeck wird zu den neurologisch-orthopädisch-traumatologischen Krankheiten gezählt.

Bei Morbus Sudeck klagen die Betroffenen überwiegend über Schmerzen, die vorrangig in den oberen Gliedmaßen zu spüren sind. Häufig sind die kribbelnden oder brennenden Schmerzen auch in den Beinen zu bemerken. Im fortschreitenden Verlauf der Erkrankungen sind Muskelzittern, Lähmungen, Kraftlosigkeit und Versteifungen der Arme oder Beine zu beobachten. Vermutet wird, das Morbus Sudeck durch eine Fehlfunktion oder Verletzungen des Sympathikus zustande kommt.

Was hat der Sympathikus mit der psychischen Gesundheit zu tun?

Der Sympathikus übt eine entscheidende Funktion in Hinsicht auf die Verarbeitung von Stress aus. Als Bestandteil des Lebensnervensystems, das unter anderem an der Bildung des Sonnengeflechtes beziehungsweise des Solarplexus beteiligt ist, wirkt der Sympathikus ebenso an der psychischen und der physischen Stressbewältigung mit.
Kein Mensch kann dauernd in Alarmbereitschaft sein und höchste Leistungsbereitschaft zeigen. Deshalb ist es sinnvoll, die Anzeichen eines kranken Sympathikus zu beachten. Dann bleibt das vegetative Nervensystem immer in diesem angespannten Zustand, was unweigerlich zu einer Fülle an psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Burn-out und Depressionen führen kann.
Nur ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus, das jeder Mensch selbst fördern muss, kann diesen Kreislauf durchbrechen.

Sympathikus – schuld an Bluthochdruck?

Ohne den Sympathikus wäre es den Menschen nicht möglich, ihren Alltag zu bewältigen. Der Sympathikus garantiert einige Vorteile, wenn es um das vorübergehende gesunde Verkraften von Stress, Bedrohung und Anspannung geht. Ins Gegenteilige können sich jedoch anhaltende Aktivitäten des Sympathikus umkehren.
Sie bedingen Bluthochdruck (Hypertonie), Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) und als Folge Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Der Sympathikus reguliert den Widerstand der Gefäße und die Frequenz des Herzschlages. Patienten und Patienten mit einem hohen Blutdruck leiden nicht selten unter einer übersteigerten Funktion des Sympathikus, die auf eine Erhöhung des Adrenalins und des Noradrenalins zurückgeführt werden kann.
Daraus resultieren auch Erkrankungen wie eine Herzschwäche (kongestive Herzinsuffizienz) und/oder eine chronische Niereninsuffizienz beziehungsweise eine Nierenschwäche.
Stehen Menschen permanent unter Stress in Kombination mit einem schlechten Gefühlszustand des sympathischen Nervensystems, forciert sich die Ausschüttung von Noradrenalin. Kommen genetische und umweltbedingte Auslöser hinzu, leben diese Patienten mit einem hohen Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden.

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