Artikulieren

Wenn uns Menschen etwas elementar von anderen Lebewesen unterscheidet, dann ist es vor allem die Komplexität der Möglichkeiten, mit unserer Umwelt in Kontakt zu treten. Ob vorrangig durch das Zusammenspiel unserer Sprechorgane mit dem Sprachzentrum oder mithilfe des Interagieren mit Händen und Füßen. Wir Artikulieren tagtäglich – bewusst oder gar unbewusst. Doch was verbirgt sich hinter der Artikulation; wie funktioniert sie; wozu dient sie und wie kann sie durch etwaige Krankheitsbilder beeinflusst werden? Speziell diesen Fragen widmet der sich anschließende Artikel.

 


 

Was ist die Artikulation?

Allgemein ausgedrückt beinhaltet die Artikulation die menschliche Fähigkeit einzelne Wörter bis hin zu Sätzen in der Aussprache ganz bewusst und fokussiert zu lenken.

Hierbei fließen speziell Aspekte phonologischer, grammatikalischer und morphologischer Natur mit hinein.
Die phonologische Betrachtungsweise stellt Beobachtungen zur Funktion einzelner Laute einer Sprache auf. Dahingegen geht die Morphologie gewissermaßen einen Schritt weiter und umfasst mitunter die strukturalistische Darstellung einzelner Worte. Das heißt, wie sind sie aufgebaut und welche Regularitäten weisen sie infolgedessen auf.

Für eine gelungene Kommunikation ist die Artikulation unabdingbar. Eine saubere und einwandfreie Artikulation trägt wechselseitig zu einer guten mündlichen Verständigung bei. Dabei spielt insbesondere das erfolgreiche Miteinander der Sprechwerkzeuge beziehungsweise der Artikulationsorgane und dem Sprachzentrum eine entscheidende Rolle. Sehr allgemein gehalten, zählen zu den Organen:

Per beteiligte Muskelpartien werden diese schließlich in Bewegung versetzt. An diesem Punkt spricht man auch von einem neuro- muskulären Sprechvorgang.

Folglich ist eine gesunde Neurophysiologie ebenfalls grundlegend, zu welchem mitunter das zuvor genannte Sprachzentrum gehört. Im Falle eines Rechtshänders ist es beinahe ohne Ausnahme sowohl auf dem Temporal- und Frontallappen der linken Gehirnhälfte zu verorten. Lediglich bei 10% aller Menschen ist das Sprachzentrum linkerseits zu finden.

Hauptsächliches Steuerelement der Artikulation ist das sogenannte Brocca- Zentrum, sitzend im Frontallappen. Hinzu kommt das Wernicke- Zentrum, welches vom Temporallappen aus seinen Beitrag leistet. Allerdings kommt dies erst während einer Erkrankung zur Geltung.

Man unterscheidet zwischen der Lautsprache und den Gebärden – auch als manuelle Artikulation bezeichnet – innerhalb der Gebärdensprachen.


 

Zur Rolle der Gebärde und Parasprache in der Kommunikation

 

Innerhalb des lautsprachlichen Diskurses – die Körpersprache

Die Körpersprache ist Teil der nonverbalen Kommunikation und kann zeitgleich das Gesagte unterstützen beziehungsweise gar als Lüge enttarnen. Sie ermöglicht es uns in erster Linie auch ohne sprachliche Äußerungen unsere Ansichten kundzutun – ob ganz bewusst oder aber unbewusst.

Hierbei spielen die Sprechorgane im Grunde eine eher untergeordnete Rolle. Allein mithilfe von bestimmter Mimik, Gestik, Bewegung oder Haltung kommuniziert man tagtäglich mit anderen Menschen und gibt infolgedessen etwas über die Gefühlswelt preis.

Anders wie bei einer zielgerechten klaren mündlichen Artikulation, können im Falle dessen jedoch schnell Missverständnisse entstehen. Ein eher allgemeingültiges Stirnrunzeln, welches den Ärger in einer Aussage stärker zum Ausdruck bringen kann mag noch einfach zu entschlüsseln sein. Etwaige andere Gesten wie beispielsweise ein unterstützender nach oben gestreckter Daumen kann je nach Kulturkreis (gilt in verschiedenen Teilen der Welt als beleidigend) zu Problemen führen.

Innerhalb der Gebärdensprache

Unter der Gebärdensprache versteht man zunächst eine natürliche Sprache, die über ihre Visualität wahrgenommen und manuell produziert wird. Vor allem nicht oder schwer hörende Menschen können auf diese Weise mit ihrer Umwelt kommunizieren. Dabei stützt sich die Gebärdensprache auf Zeichen der Gestik, lautlos gesprochenen Worten, Körperhaltung und Gesichtsmimik. Bedingt durch den jeweiligen Diskurs und gewünschten Satz werden diese aneinandergereiht.

Teilweise werden solche Gebärden auch von Menschen ohne Gehörschäden angewandt. Begründet durch andersartige Behinderungen, haben sie nämlich vielmehr Probleme mit der Lautsprache.

Parasprachliche Aspekte

Mit dem Begriff der sogenannten Parasprache werden alle Phänomene erfasst, welche sprachbegleitend sowie lautgebunden erfolgen. Dazu gehören unter anderem:

  • Lautstärke,
  • Tonfall,
  • sämtliche Pausen,
  • seufzen,
  • lachen oder
  • Verwendung oder Unterdrückung eines Dialektes.

Solchermaßen kann ein und derselbe ausgesprochene Satz vielerlei Bedeutungen auferlegt werden. Solche Mittel tragen demnach einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur gelungenen Kommunikation bei.


 

Funktion & Aufgabe der Artikulation

 

Der Artikulationsprozess

In Bezug auf die Artikulation geschieht am Kehlkopf der erste bedeutende Schritt. Hier wird entschieden, ob der Luftstrom aus den Lungen die Atmungsstellung der Stimmlippen passiert oder durch die Stimmstellung zur Stimmerzeugung beiträgt.

Mittels des Luftstroms werden anschließend die Stimmlippen in Schwingung versetzt – sie öffnen und schließen sich abwechselnd und entlassen auf diese Weise in Stößen Luft in den Artikulationsraum. Nach Erzeugung eines (Primär-)Klangs gelangt jener in den Bereich, bestehend aus Rachen-, Nasen- und Mundhöhle. Vergleichbar mit einem instrumentalen Resonanzraum, werden anhand dieser Organe die einst erzeugten Geräusche und Klänge zu Sprechlauten umgewandelt.

Nebst Vokalen und Konsonanten werden ebenso Luftströme, stimmhafte und stimmlose sowie betonte und unbetonte Laute erzeugt. Hier kann in Artikulationsort und Artikulationsart unterteilt werden. Aufgrund dessen spricht man beispielweise von Dentallauten, Plosiven oder Verschlusslauten. Beeinflusst wird die Aussprache derer wiederum durch die jeweilige Sprache und dem Dialekt, aber auch durch weitere individuelle Faktoren wie Intonation, Rhythmus und Emotionen, die das stimmliche Klangbild bestimmen.

Artikulation = Mittel zur Kommunikation

Zwar sind alle gesunden Menschen mit einem beinahe identisch aufgebauten Artikulationsapparat ausgestattet, jedoch ist letztlich auch die Herkunft und Sozialisation für die Aussprache entscheidend.

Die Basis einer geglückten Kommunikation, in der die Gesprächsteilnehmer einander gut verstehen, ist die Eindeutigkeit einer jeden Artikulation. Denn im Gegensatz zu ihren Vorfahren und tierischen Erdbewohnern sind die Menschen befähigt sich präzise und in komplexer Form zum Ausdruck zu bringen. Sie verhilft in angemessener Form dazu, als Individuum innerhalb der Gesellschaft seinen Platz zu finden, Unklarheiten aus dem Weg zu Gehen und ein besseres Zusammenleben zu ermöglichen.

Gute Artikulation ist Ergebnis eines langwierigen Lernprozesses. Bereits im Baby- und Kleinkindalter setzt dieser durch einfaches Nachahmen der Eltern ein. Kinder und Jugendliche erfahren speziell in der Schule einer Verbesserung ihrer kommunikativen Fähigkeiten. Dennoch sind Erwachsene von Verständigungsproblemen, auch in der eigenen Muttersprache, keineswegs ausgenommen. Auch sie müssen stets konzentriert achtgeben wie sie was ausdrücken. Sich im Vorfeld gedanklich Inhalte zurechtgelegt, ist man anschließend in der Lage, Wörter und zusammenhängende Satzgruppen stringent zu formulieren und damit zu kommunizieren.

Schlussfolgernd ergibt sich ein enges Abhängigkeitsverhältnis aus Denken, Artikulation und entsprechendem Handeln.


 

Krankheiten & Beschwerden

Recht schnell kann es passieren, dass die sprachliche Artikulation durch Versprecher, Wortverwechslungen oder Fehler in der Aussprache gestört wird. Das sind aber völlig normale Phänomene, die unbewusst geschehen und vollkommen unbedenklich sind.
Aspekte, die mitunter solcherlei Probleme hervorbringen können wären Übermüdung, Gleichgültigkeit und Erschöpfungszustände.

Sollten Eltern bei ihren Kindern verhältnismäßig starke Artikulationsprobleme feststellen, ist es in jedem Fall anzuraten einen Sprachtherapeut oder Logopäden aufzusuchen.

Im Falle dessen, dass derartige Schwierigkeiten bei einem Individuum vergleichsweise übermäßig oft auftauchen, spricht man letztlich von einer
Kommunikationsstörung. Unzureichend artikulierend fängt der Betroffene an zu lallen, zu Stottern oder gar zu nuscheln.

Ebenso können zusätzlich ernstzunehmende Sprachausfallerscheinungen wie Aphasien, allerdings auch weitere Gedächtnisstörungen beispielsweise Alzheimer auftreten
Nicht zu Vergessen sind darüber hinaus der Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. So kann ein Überhandnehmen des Konsums nicht nur Veränderungen des Charakters hervorrufen, sondern auch langanhaltende bis hin zu irreversiblen Folgen für die Artikulationsfähigkeit haben.
Ein Beispiel, welches hierbei anzuführen wäre, ist das irreversible Korsakow- Syndrom. Beeinträchtigt davon wird vor allem die phonologische Ebene. Einzelne Lautkombinationen sind dann nur noch sehr schwer ausführbar.

Schocks und Traumata, die der Betroffene einst durchlitt können sich auch negativ darauf auswirken.

Letzten Endes sind an dieser Stelle noch vollkommen normale altersbedingte Beschwerden in der Artikulation zu nennen.

Häufige Beschwerden/ Krankheitsbilder und ihre Symptome

 

Stottern

Ungewolltes Wiederholen von Silben; Aussprechen eines Wortes ist meist nur unter Anstrengung möglich; einhergehender kurzzeitiger Kontrollverlust über den eigenen Sprechablauf

sind alles Hinweise, die darauf hindeuten, dass der Betroffene stottert.
In Abhängigkeit vom Gesprächspartner und der gegebenen Situation kommt die Sprachstörung unterschiedlich stark zum Vorschein.

Empfehlenswert ist, nach Erkennen schnellstmöglich eine Sprachtherapie in Erwägung zu ziehen. Andernfalls könnte es sich sonst im Kindesalter als wahrhaftes Problem entpuppen und eine regelrechte Sprechangst heraufbeschwören.
Es sei aber auch darauf verwiesen, dass es nicht immer erfolgreich zu einem vollständigen Rückgang der Beschwerde kommt.

Zeitweise ist bei Kindern zwischen den Altersstufen 3 und 6 Jahren ein Stottern zu bemerken. Als Entwicklungsunflüssigkeit bekannt steht es eher mit der noch fehlenden Motorik von Zunge und Lippen in Zusammenhang.

Lispeln

Sigmatismus oder das Lispeln ist besonders typisch für die Phase des Spracherwerbs.
Während des Lispelns stößt bei der Artikulation des s- Lautes die Zunge an die Zähne oder rutscht gar in deren Zwischenräume.

Sollte das Problem auch noch nach dem 5. Lebensjahr bestehen bleiben, handelt es sich schließlich um eine Sprachstörung und ein Eingreifen eines Logopäden wird erforderlich.
Hier wird dann vor allem anderen versucht dem Hauptproblem – einer zu kraftlosen Zungen- und Mundmuskulatur – entgegen zu wirken.

Selektiver Mutismus

Dessen Ursachen bis heute ungeklärt, verbirgt sich dahinter ein anhaltendes, wiederholtes Schweigen in jeweiligen Situationen oder im Beisein bestimmter Personen. Und das obwohl die Sprechfähigkeit gegeben ist.

Auch hier ist ein Schnelles therapeutisches eingreifen nötig, um dieser Sprachentwicklungsverzögerung Einhalt zu gebieten.

Dysarthrie

In puncto einer Dysarthrie handelt es sich um ein Problem mit der Sprechmotorik. Der Betroffene ist im vollen Bewusstsein darüber, was und wie er etwas aussprechen möchte. Jedoch sind die verantwortlichen Nerven– und Muskelstrukturen zur Ausführung nicht in der Lage.

Ursachen für dieses Krankheitsbild liegen entweder in einem vorrangehenden Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einer Gehirnerschütterung. Nach jedem Ereignis kann sich die Störung auch wieder legen, anders ist es im Falle langsam absterbender Hirnzellen wie bei Parkinson oder Multipler Sklerose.

Individuell angepasst an die Bedürfnisse und Belastungsgrenze können entsprechende Sprachtherapien zur Erhaltung noch vorhandener Kommunikationsfähigkeit oder gar Genesung beitragen.

Einige Artikulationsbeschwerden im Überblick

 

  • Stottern/ Balbuties
  • Lispeln
  • Selektiver Mutismus
  • Dysarthrie
  • Echolalie
  • Poltern
  • Dysgrammatismus
  • Taubstummheit

 


 

Fragen & Antworten zur Artikulation

 

Ich muss zum Logopäden – was erwartet mich?

Im medizinisch- therapeutischen Fachgebiet der Logopädie werden Sprach-, Stimm-, Sprech-, Schluck- sowie Hörstörungen behandelt. Dabei sind die Behandlungsmethoden ebenso mannigfaltig wie die Störungsbilder.
Was alle gemeinsam haben, ist der Verzicht auf ein medikamentöses Eingreifen. Vielmehr sind es Übungen, die auf eine Verbesserung der Artikulation, des Sprechflusses oder der Atmung und Stimmgebung abzielen. Außerdem wird daran gearbeitet den Wortschatz, die Wortfindung, die Grammatik und die Fähigkeit mit seinem Gesprächspartner in den Dialog zu gehen, zu verbessern.
Beim Logopäden kommen Biofeedback– Techniken und Computerprogramme zum Einsatz. Das Erstere liefert Zeugnis über Veränderungen der trainierten Fähigkeiten.

Was unterscheidet Artikulationsorgane von Artikulationsorten?

Grundlegend heben sich beide anhand ihrer Flexibilität voneinander ab.

Das Artikulationsorgan ist der eher aktive Part innerhalb des Artikulationsprozesses. Er kann sich den entsprechenden Artikulationsort zubewegen beziehungsweise ihn auch berühren:

  • Unterlippe
  • die Zunge mit all ihren Bestandteilen
  • Stimmbänder

Hingegen ist der Artikulationsort relativ unbeweglich:

  • Oberlippe
  • obere Schneidezähne
  • Zahndamm
  • Gaumenzäpfchen
  • harter Gaumen
  • weicher Gaumen
  • Rachen
  • Stimmlippen

Die Laute, die durch das Mitwirken beider Bereiche entstehen, leiten sich in ihrer Bezeichnung von ihnen ab, zum Beispiel:

  • Unterlippe/ Oberlippe: bilabial
  • Zungenblatt/ obere Schneidezähne: dental
  • Zungenspitze/ Zahndamm: alveolar

 

Wann spricht man von einer Sprachstörung, wann von einer Sprechstörung?

Sprachstörungen beinhalten Probleme in der Sprachentwicklung und dem Sprachverständnis

. Beide sind dann aus irgendeinem Grund nicht dem Alter entsprechend ausgebildet. Solchermaßen treten Wortfindungsstörungen, Probleme bei der Sprachproduktion oder dem Sprachverständnisses auf.
Ebenfalls vorkommen können sie noch nach abgeschlossenem Spracherwerb. Wobei sogar ein kompletter Sprachverlust daraus resultieren kann.

Im Vergleich sind Sprechstörungen vorhanden, sobald Redefluss, Lautbildung beziehungsweise die Aussprache beeinträchtigt sind.
Hat der Betroffene zum Beispiel mit Stammeln zu kämpfen, redet man von einer Kombination der zwei Formen.


 

Unser Fazit zur Artikulation

Resümierend sind nicht nur die Artikulation sowie ihre Möglichkeiten der Kommunikation sehr komplexer Natur. Auch die Beschwerden sind es, die in der Gegenüberstellung entweder ‚geringfügig‘ und mit guten Erfolgschancen kurierbar sind oder schwerwiegender aussehen können. Jedoch auch hier ist der menschliche Körper in der Lage, dies mit entsprechender Übung auszugleichen.

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