Steißbein

Es bezeichnet den untersten Abschnitt der menschlichen Wirbelsäule und befindet sich damit am Ende des Rückens und geht in Po und Hüfte über: Das Steißbein. Das SteißBein selbst ist eine zusammengesetzte Bildung mehrere kleiner Wirbel, die für das Zusammenspiel der Bänder, der Sehnen sowie des Beckenbodens und der Hüfte verantwortlich sind. Somit hält es gewissermaßen das menschliche Skelett zusammen und trägt zu den anatomisch reibungslosen Funktionen des Körpers bei, wie wir sie kennen.


Was ist das Steißbein?

Medizinisch wird das Steißbein als Coccyx bezeichnet und beschreibt den kaudalen Abschnitt des menschlichen Körpers. Es ist also Richtung „Schwanz“ gerichtet. Da der Mensch aufrecht auf zwei Beinen geht hat seine Wirbelsäule eine S-förmigen Verlauf. Das kräftige menschliche Gesäß macht den aufrechten und sicheren Gang erst möglich. Der Mensch hat keinen Schwanz mehr, profitiert aber nach wie vor von dem, was anatomisch davon übrig geblieben ist: Dem Steißbein. Das Steißbein ist mehr oder wenig ein verkümmerter Teil einzelner Wirbel.

Es besteht aus 4 bis 5 kleinen Wirbeln, die sich versteift und zu einem einzigen Gesamtknochen entwickelt haben. Im Prinzip ist das Steißbein viel eher eine Rückentwicklung eines dort ursprünglich ansässigen Schwanzes, für welchen der Mensch keinen Nutzen mehr hatte. Der Schwanz hat sich aber nicht komplett zurück gebildet, sondern geblieben ist exakt die Verknöcherung, die nötig ist, um Sehnen, Bänder und Muskeln beisammen zu halten. Wäre der Schwanz komplett verschwunden und auch kein Steißbein zurück geblieben, so hätte dies anatomische Probleme mit sich gebracht. Der Mensch hätte nicht so fest, gerade stehen können und statische Defizite im Bereich der Hüfte und des Beckens bekommen.

Auch wenn das Steißbein nur ein Überbleibsel ist, ist es heute perfekt ausgebildet und stützt den Menschen exakt so, wie es nötig ist. Das sieht die Evolution auch genau so vor: Zu diesen Rückbildungen kommt es dann, wenn sich die Umwelt und die Lebensbedingungen eines Lebewesens auf lange Sicht verändern und bestimmte Körpermerkmale nicht mehr benötigt werden. Bei der Entstehung zufällig Genmutation wird geprüft, ob die neuen Merkmale von Nutzen sind oder nicht. Wäre das nicht der Fall, würden die neuen Fähigkeiten und Körpermerkmale langsam wieder verloren Gehen.

Funktionen & Aufgabe des Steißbeins

Das Steißbein verkörpert einen einzigen Körperknochen. Entstanden ist es dennoch aus mehrere einzelnen Knochen, die nach und nach ihre Funktion verloren haben. Inzwischen ist von außen nicht einmal mehr ein Schwanzansatz beim Menschen zu erkennen. Diese Art der Verwachsung zu einem Einheitsknochen aus Knorpeln oder Wirbeln wird Synotose genannt. Über dem Steißbein befindet sich das Kreuzbein. Diese wiederum ist mit dem Darmbein verbunden und ist zeitgleich auch Teil der Wirbelsäule.

Die hauptsächliche Aufgabe des Steißbeins besteht aus einer Stützfunktion. Es muss die Kräfte des Beckens und der Hüfte sowie sämtlicher Sehnen, Muskeln und Bänder aufnehmen und trägt damit zur funktionierenden Statik des menschlichen Körpers bei. Zusammenfassend erfüllt das Steißbein beim Menschen folgende Funktionen und Aufgaben:

  • Kraftaufnahme der Bänder,
  • Verbindungsglied zwischen Kreuzbein und Illiosakralgelenk,
  • Haltepunkt für Gelenke und Hüfte und somit
  • Grundlage für das Laufen,

Bereits im Mutterleib bildet sich das Steißbein, ist aber zunächst noch nicht von Gewebe umschlossen. Das passiert im Laufe der Entwicklung bis zur Geburt. Wird ein Enbryo (noch im Mutterleib) im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen vermessen, wird auch immer von der so genannten Schädel-Steiß-Länge gesprochen. Später bezeichnet die Schädelsteißlage die ideale Position des Babys für die Geburt. Der Kopf liegt dabei in Richtung des Beckens und der Steiß zeigt nach oben.

Anatomie & Aufbau des Steißbeins

Das Steißbein ist ein Teil der Wirbelsäule. Es ist ein so genanntes Rudiment (Überrest) aus der Zeit, in der der Mensch noch kein Mensch, sondern ein Wirbeltier war und sein Schwanz auch tatsächlich einen Zweck hatte.

Evolutionär ergaben sich durch Zufallsmutation und veränderte Lebensweise des Menschen immer weniger Verwendungen für diesen Schwanz. Er wurde nicht mehr benötigt. Anatomisch fand deshalb eine langsame Rückbildung statt, der zunächst noch als Überrest erkennbar war. Was einst Schwanzwirbel war, ist heute das Steißbein. Es besteht aus 4 bis 5 einzelnen Steißwirbeln, wird aber dennoch als ein einziger Knochen bezeichnet. Grund dafür ist eine Art Verschmelzung bzw. -knorpelung der Einzelwirbel.

Das Steißbein hat die Form eines Kegels, dessen unteres Ende optisch einer Art Knopf gleicht. Oben wiederum ist das Steißbein mit dem Kreuzbein verbunden. Dieses wiederum besteht selbst aus ursprünglich 5 einzelnen Wirbeln, die sich zu einem einzelnen Knochengerüst gebildet haben. Das Kreuzbein ist Teil des Kreuzbein-Darmbein-Gelenks, das mit dem Becken verbunden ist.

Stärkung des Steißbeins

Bereits wenn ein Mensch geboren wird, ist sein Steißbein vollständig ausgebildet. Verhält sich ein Mensch so, wie die Natur dies vorgesehen hat, erleidet er in der Regel keine Beschwerden. Doch wer viel sitzt, sollte nicht nur seine Rückenmuskulatur stärken, sondern auch etwas für das Steißbein tun. Es gibt Möglichkeiten das Steißbein zu stärken und Beschwerden vorzubeugen:

  • Viel Bewegung im Alltag (Treppensteigen, Gehen),
  • Ergonomisch geeignete Sitzgelegenheiten,
  • Vermeiden langer Autofahrten / angemessene Pausen,
  • Blockaden vermeiden (z.B. durch Massagen)

Gymnastik

zur Stärkung des unteren Rückens hilft meist bei der Vorbeugung von Beschwerden. Auch typisches Beckenboden-Training kann zu guten Ergebnissen führen und ist für Männer ebenso geeignet wie für Frauen. Die Übungen sollten sich nicht auf die Zeit nach der Geburt beschränken.

Krankeiten, Beschwerden & Störungen des Steißbeins

Wer sich das Steißbein prellt, hat meist sehr starke Schmerzen. Die gute Nachricht ist: Diese Erkrankung heilt so gut wie immer von selbst wieder ab. Viel tun kann man allerdings nicht und wird im schlechtesten Fall einige Tage oder sogar Wochen stark in der Bewegung eingeschränkt sein. Es kann aber auch zu einem echten Bruch des Steißbeins kommen.

Anfällig für Beschwerden und Verletzungen ist das Steißbein deshalb, weil der Mensch beim Fallen dazu neigt, exakt dort aufzuschlagen. Außerdem wird das Steißbein bei der Geburt eines Kindes relativ häufig in Mitleidenschaft gezogen. Auch ein Steißbeinbruch während der Geburt kommt hin und wieder vor. Klassisches Beschwerden des Steißbeins sind:

  • Prellung,
  • Bruch,
  • Verrenkungen,
  • Vorschädigung des Knochens durch Osteoporose

Die Beschwerden zu erkennen ist allerdings gar nicht so einfach. Zu ertasten ist ein Steißbeinbruch nur rektal. Wer einen Bruch oder eine Prellung erlitten hat, leidet häufig an folgenden Symptomen:

Operiert

werden muss ein Steißbeinbruch allerdings so gut wie nie. Die schlechte Nachricht ist aber, dass Schonung und Bettruhe fast das Einzige ist, das man tun kann. Schmerzmittel lindern in den ersten Tagen die starken Beschwerden, sollten aber nicht zur Gewohnheit werden. Die Region rund um das Steißbein kann außerdem gut gekühlt werden. Wer sich für die Verwendung eines Ringkissens entscheidet, kann das Sitzen etwas erleichtern. Trotz aller Maßnahmen kann es einige Wochen dauern bis die Beschwerden deutlich gelindert sind und normale Bewegungsabläufe wieder möglich sind.

Wer einmal eine Steißbeinfraktur erlitten hat, kann im Laufe der Jahre immer wieder Beschwerden entwickeln. Der Bruch verwächst nicht immer ideal. In komplizierten Operationen kann das Steißbein sogar vollständig entfernt werden. Allerdings sind die Beschwerden rund um die Narbe meist immens und nicht weniger stark als die ursprünglichen Schmerzen am Steißbein. Ob eine Operation nötig ist und wirklich helfen kann, ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig und kann pauschal nicht beantwortet werden.

Beschwerden rund um die Geburt

Einige Frauen leiden bereits während der Schwangerschaft unter Schmerzen am Steißbein. Das liegt häufig daran, dass das Becken bzw. die Muskulatur des Beckens sich langsam lockert und das nicht immer so reibungslos funktioniert, wie es sollte. Schmerzen können auftreten. Aber auch dem entstehenden Druck auf das Becken ist nicht jede Frau gewachsen. Bei manchen schmerzt einige Wochen vor der Geburt das Steißbein so stark, dass sie kaum noch gerade gehen oder sitzen können. In diesem Fall ist zwingend ärztlicher Rat einzuholen. Falls bereits eine Fraktur vorliegt, hat das eventuell Folgen für den Geburtsverlauf.

Auch während der Geburt kommt es in einigen Fällen zu einer Fraktur (Bruch) des Steißbeins. Dieser wird konservativ behandelt (Kühlen und Schonen), allerdings ist das für die meisten Frauen, die gerade ein Kind bekommen haben, alles andere als angenehm. Neben den üblichen Beschwerden bei der Rückbildung kommen starke Beschwerden hinzu. Ohne Schmerzmittel können die ersten Tage nur selten überstanden werden. Wer keine Bettruhe halten kann, weil er ein Baby zu versorgen hat, wird sicherlich so viel Unterstützung nötig haben wie nur möglich.

Typische, häufige Erkrankungen & Auslöser

 

  • Sturz direkt auf das Steißbein oder auf das Gesäß,
  • direkte Gewalteinwirkung,
  • Fraktur des Steißbeins bei der Geburt,
  • Fehlbildung, die von Geburt an besteht,
  • Erkrankungen, die den Knochenaufbau oder die -stärke betreffen (Osteoporose oder Osteogenesis imperfecta

Fragen & Antworten zum Steißbein

 

Wird eine Prellung des Steißbeins anders behandelt als ein Bruch?

Im Prinzip nicht. Beide Erkrankungen sind sehr schmerzhaft, müssen aber mehr oder weniger von selbst heilen. Sowohl bei einer Prellung als auch bei einem Bruch empfiehlt es sich den unteren Rücken regelmäßig zu kühlen und die Bewegung auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Wer kann, sollte einige Tage vollständig im Liegen verbringen. Danach kann ein Ringkissen beim Sitzen helfen, z.B. beim Toilettengang. Ohne Schmerzmittel kommt kaum jemand aus – Dabei spielt es meist keine Rolle, ob das Steißbein nur geprellt oder tatsächlich gebrochen ist. Eine Prellung allerdings heilt unkomplizierter wieder ab. Bei einem Bruch kann es auch Jahre später noch einmal zu einer Verschlechterung kommen. Das liegt einfach daran, dass bei der Prellung das Knochengeschwülst noch intakt ist und hier für die Zukunft keine Gefahr besteht, dass es zu komplizierten Verwachsungen kommt. Dennoch muss eine Prellung genauso ernsthaft „behandelt“ werden wie ein Bruch. Wer Schmerzen und Schonung missachtet, riskiert einen ernsthaften und mitunter lebenslangen Schaden des Steißbeins.

Wann darf nach einem Bruch am Steißbein wieder Sport betrieben werden?

Allgemein gilt: Wenn selbst die gewöhnliche Bewegung wie gehen, stehen oder sitzen schmerzt, dann ist die Zeit für Sport noch nicht gekommen. Ein Arzt kann feststellen, wie weit die Fraktur geheilt ist. Unabhängig davon ist der Schmerzgrad entscheiden darüber, was als angenehm empfunden wird und was nicht. Manchen Menschen tut die Bewegung auch gut. Der Bruch muss aber in jedem Fall, genauso wie beim Arm oder Bein, ausgeheilt und vollständig zusammen gewachsen sein, bevor Sport wieder ein ernsthaftes Thema sein darf. Beachtet man das nicht, besteht sogar die Gefahr, dass das Knochengerüst nicht wie gewünscht zusammen wachsen kann und man eventuell sein restliches Leben lang unter Beschwerden leidet. Mit Sport sollte im Ernstfall also lieber etwas zu lange gewartet werden als zu früh damit zu beginnen. Unangemessener Ehrgeiz ist hier Fehl am Platz.

Was lindert die Schmerzen am besten?

In der sehr akuten Situation – also wenige Stunden oder Tage nach der Verletzung – wirken Schmerzmittel tatsächlich am besten. Sie lindern effektiv. Sie können als Tabletten eingenommen werden aber auch als lokale Schmerzmittel in Form von Pflastern. Darüber hinaus kann es sehr helfen, wenn die betroffene Stelle gekühlt wird. Das gilt aber nicht pauschal: Manche Menschen empfinden Wärme als angenehmer. Der Patient sollte dann entscheiden, welche Postion und Lage er als angenehm empfindet: Wer am besten auf dem Bauch liegt, sollte dies tun und so wenig wie möglich aufstehen. Wer kann und gut versorgt wird, sollte sich dringend einige Tage strenge Bettruhe gönnen. Die Belastung sollte so gering wie möglich gehalten werden. Probleme beim Sitzen, z.B. beim Stuhlgang, können mit einem Ringkissen gelindert werden. Nach einigen Wochen können auch leichte Massagen etwas helfen, aber hierfür muss die Fraktur ausgeheilt bzw. die Prellung abgeklungen sein. Solange noch Schwellungen oder gar Blutergüsse vorhanden sind, sollte von äußerem Druck Abstand genommen werden.

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