Rückenmuskulatur

Die Rückenmuskulatur ist einfach faszinierend

Die Rückenmuskulatur ist das größte Muskelgebiet des menschlichen Körpers. Keine Muskulatur ist so stark ineinander verwoben und durch so eine vielschichtige Überlagerung von Bausteinen gekennzeichnet, wie die Rückenmuskulatur. Unter dieser Voraussetzung gelten die Rückenmuskeln ALS multifunktionale Elemente des menschlichen Körpers.

Sie sind darüber hinaus für eine Vielzahl an Beschwerden und Erkrankungen bekannt. Nicht in jedem Fall sind diese Auffälligkeiten leicht und eindeutig festzustellen. Um die Rückenmuskulatur über das ganze Leben hinweg gesund und leistungsfähig zu erhalten, sind umfangreiche individuelle Maßnahmen sinnvoll.

Was ist die Rückenmuskulatur?

Die Formulierung Rückenmuskulatur kennzeichnet bereits annähernd die Lage der vielzähligen Muskeln. Im folgenden Text werden daher spezielle lateinische und griechische Namen verwendet, die sich meist aus der Position, aus der Physiologie (Lehre von den Funktionen der Organe und Organsysteme) und/oder aus der Morphologie (Lehre von der Form oder der Gestalt eines Organs oder von Organsystemen) ergeben.
Oftmals kommen auch medizinische Laien nicht umhin, sich mit diesen Fremdworten auseinanderzusetzen, weil diese bis zu einem gewissen Grad stark eingedeutscht sind. In diesen Fällen werden in der nachfolgenden Abhandlung zumindest die wichtigsten medizinischen Termini mit den deutschen Bezeichnungen angegeben. Das geschieht jedoch in beschränktem Umfang, um die Leser nicht zu verwirren.
Der Rücken ist der Abschnitt des Körpers, der sich gegenüber dem Bauch befindet. Der Rücken gehört zum Rumpf und ist lediglich dessen entgegengesetzte Seite.
Aufgrund der im gesunden Zustand minimal gekrümmten Beschaffenheit des Rückens, wird der lateinische Begriff dorsum für Krümmung sowohl in der Anatomie (Lehre vom Bau der Organe und Organsystem, der Pathologie (Lehre von den Krankheiten) und der Medizin häufig benutzt. Die Rückenmuskulatur beginnt etwas unterhalb des Nackens. Sie endet an der Steißbeinspitze im Bereich der Lende.
Bei der äußerlichen Betrachtung fallen mehrere an der Oberfläche unter der Haut und dem Fettgewebe liegende Muskeln auf, die sich bei gezielten Bewegungen beispielsweise an den Schulterblättern und auf den Schultern abzeichnen. Darunter liegen noch weitere Muskeln, die als tiefe Muskulatur nicht ohne Weiteres optisch darstellbar sind. Lediglich stark trainierte Bodybuilder oder Menschen mit einer kräftigen Rückenmuskulatur können partiell die tiefe Muskulatur sichtbar zeigen.
Der gesamte Rücken wird in Anlehnung an die spezielle Anatomie in mehrere Segmente unterteilt.

Gängig ist in diesem Zusammenhang folgende Kategorisierung:

  • Region der Halswirbelsäule
  • Region der Brustwirbelsäule
  • Region der Schulterblätter
  • Region unterhalb des Schulterblattes
  • Parevertebralbereich
  • Region der Lende
  • Region des Kreuzbeins
  • Region der Lendenwirbelsäule
  • Region der Wirbelsäule (Regio vertebralis)

Diese gegliederte Vorgabe ermöglicht eine bessere Zuweisung der jeweiligen Muskeln und Muskelgruppierungen zu ihrem Vorkommen.
Die Mehrheit der Rückenmuskeln steht miteinander in enger Verbindung und ist durch ein ständiges Wechselspiel gekennzeichnet. Außerdem stehen die unterschiedlichsten Muskelgruppen und Einzelmuskeln des Rückens mit anderen Muskeln an der Vorderseite des Körpers sowie mit knochigen Strukturen wie der Wirbelsäule in engem Kontakt.
Anormale krankhafte Veränderungen dieser Systeme können Erkrankungen der Rückenmuskulatur auslösen. Umgekehrt sind die Rückenmuskeln verantwortlich für mannigfaltige Symptome anderer Muskel- und Gelenkareale. Diese Beeinträchtigungen können zudem die physiologischen Vorgänge mehrerer Organe stören (aufrechte Haltung, Atemtätigkeit, Geburtsvorgang).
Ein zentraler Aspekt ist diesbezüglich die Bauchpresse. Dieser Vorgang ist nicht nur Trainierenden, sondern gleichzeitig Patienten und Patientinnen mit einer Schwächung der Rücken- und Bauchmuskulatur sowie gesunden Menschen geläufig, die vorbeugend ihre Rückenmuskeln stärken möchten. Die Bauchpresse ist zudem ein natürlicher, partiell lebenswichtiger Ablauf.

Funktionen und Aufgaben der Rückenmuskulatur

Bei der Aufzählung der Aufgaben der Rückenmuskulatur muss stark differenziert werden.

Wie alle anderen Muskeln des Körpers dient die Rückenmuskulatur in erster Linie der Unterstützung der Beweglichkeit des knochigen Skeletts. Durch die feinen und groben Eigenschaften und die vielzähligen histologischen (Histologie ist die Lehre von den Geweben) und zytologischen (Zytologie ist die Lehre von den Zellen) Fragmente gilt die Rückenmuskulatur als überaus flexibel und belastbar.

Weitere allgemeine Funktionen der Rückenmuskulatur sind:

  • Ermöglichung und Stabilisierung der aufrechten Körperhaltung
  • Dosierung der ablaufenden Bewegungen
  • Unterstützung der Fortbewegung
  • Energieumsatz und damit Gewinnung sowie Freisetzung von Wärme = Ausgleich der Körperwärme
  • sicheres Stehen

Die Rückenwirbelsäule ist wegen ihrer Funktion der Haltgebung für der Wirbelsäule sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite eingebunden. Dabei handelt es sich um regelrechte Muskelstränge, die eine gewisse Spannung aufbauen. Sie bleiben wie alle Muskeln des Menschen im wachen Zustand steht in einer minimalen Spannung. Lediglich während des Schlafes erschlaffen die Rückenmuskeln vollkommen.

Bei der Beschreibung der Aufgaben der Rückenmuskulatur muss die Rumpf- oder Oberflächenmuskulatur (autochthone Muskulatur) getrennt von der Tiefenmuskulatur betrachtet werden.
Grundsätzlich ist es so, dass die Beanspruchung der Funktionseinheiten des Halteapparates wie der Sehnen, der Bänder, der Knochen und der Gelenke mit dem Grad der Kräftigung der Rückenmuskulatur sinkt.

Wichtig ist außerdem, dass die Rückenmuskulatur ohne die Bauchmuskulatur nicht so leistungsfähig ist. Beide Gebiete stützen sich gegenseitig. Das ist realisierbar, weil einige Muskeln des vorderen Rumpfes wie das Zwerchfell beziehungsweise das Diaphragma, die Rippen oder die Atemmuskulatur und die Beckenbodenmuskulatur indirekt mit dem Rückenmuskeln zusammenwirken.

Damit die Rückenmuskeln (Musculus erector spinae)sowohl willkürlich als auch unwillkürlich arbeiten können, erhalten sie die Informationen für das Beugen und das Drehen in die unterschiedlichen Richtungen über die Äste oder die Ausläufer der Spinal- oder Rückenmarksnerven.

Funktion der Tiefenmuskulatur:

 

  • Stützung der Wirbelsäule
  • Einstellung der Distanz zwischen den Wirbelgelenken für die Bandscheiben
  • Schaffung von Freiraum für die Spinalnerven
  • Haltung und Formgebung der Wirbelsäule

Die autochthone, ortsständige oder Tiefenmuskulatur des Rückens übernimmt eine aktive Rolle im Rahmen der Beweglichkeit des Rückens nach vorn, nach hinten und zur rechten sowie zur linken Seite. Dazu kommen die schrägen Drehungen sowie die klassischen Bewegungskombinationen.
Die schräg eingebetteten Muskeln sind für die Drehungen zuständig, wobei die Längsmuskeln des Rückens die nach vorn und hinten sowie zur Seite gerichtete Bewegung übernehmen.

Gäbe es keine Rückenmuskeln, dann würde der Mensch aufgrund der Anordnung der Eingeweideorgane, der Brust und des Bauches nach vorn überkippen oder nur in einer gebeugten Position erscheinen. Die Rückenmuskeln halten somit ein gewisses Gleichgewicht zwischen hinterer (posterior) und nach vorderer (anterior) Körperzone.

Wenn es um die verständliche Erklärung der Funktion der Rückenmuskulatur geht, kann auf Benennungen wie Agonist und Antagonist nicht verzichtet werden. Die Voraussetzung für eine reibungslose Physiologie der Rückenmuskulatur sind Hergänge, die von diesen Muskeln ausgehen.

  • Agonist = Bewegungsausführung wie beispielsweise Dehnung
  • Antagonist = Gegenspieler zum Agonist wie beispielsweise Zusammenziehen, der Antagonist bewirkt eine Hemmung der Aktivität des Agonisten

Sowohl die Tiefen- als auch die Oberflächenmuskeln überlagern sich in verschiedenartigen Schichten.

Den Oberflächenmuskeln werden folgende Aufgaben zuteil:

  • Verbindung der Arme mit dem Rücken
  • Drehung des Kopfes
  • Anheben des Schlüsselbeins
  • Motorik des Schulterblattes
  • seitliches Neigen des Rumpfes
  • rückwärtiges Bewegen der Arme
  • Arme an den Körper ziehen
  • Stabilisierung der Schulterblätter
  • Hochziehen der Schulterblätter
  • Unterstützung des Atmungsvorganges

Natürlich sind die Oberflächenmuskeln auch bedeutsam für das Anheben und das Tragen von Lasten.

Anatomie und Aufbau der Rückenmuskulatur

Die Rückenmuskulatur ist ein überaus komplex aufgebautes System, innerhalb dessen an einigen Muskeln sogenannte Ansatzpunkte zu finden sind. Solche Ansatzpunkte fixieren den Muskel regulär über Sehnen an dessen Ansatz und an dessen Ursprung.

Diese Ansatzpunkte sind unter anderem an den Quer- und an den Dornfortsätzen der einzelnen Wirbelkörper zu finden. Eine derartige „Konstruktion“ gewährleistet einerseits eine Verknüpfung zwischen den Querfortsätzen und andererseits eine Vernetzung zwischen Dornfortsätzen und Querfortsätzen.
Weitere Ansatzstellen der Rückenmuskeln haben sich beispielsweise an den Beckenknochen, an den Schultern und an den Oberarmknochen ausgebildet.

In ihrer Gesamtheit werden die Rückenmuskeln als:

  • Tiefenmuskulatur
  • Oberflächenmuskulatur

definiert.

Von ihrer Lage her ist die tief liegende Rückenmuskulatur genau medial (zur Körpermitte) hin ausgerichtet. Diese Muskelpartien müssen die Anziehungskraft der Erde überwinden, um die Wirbelsäule in ihrer aufrechten Stellung zu halten.
Durch die eigenwillige Lokalisation der tiefen Rückenmuskeln verlagert sich Körpermasseschwerpunkt außerhalb von der Wirbelsäule, sodass der menschliche Körper nicht vornüber kippen kann.

Tiefe Muskeln sind Glieder, die von der Wirbelsäule nicht zu trennen sind.

Sie sind dem bloßen Auge verborgen und basieren auf:

  • Zwischendornfortsatzmuskeln – innerhalb der Dornfortsätze der Wirbelkörper
  • Zwischenquerfortsatzmuskeln – zwischen den Querfortsätzen der Wirbelkörper
  • Rückenaufrichtemuskeln – vom Kopf bis zum Becken
  • Querfortsatz-Dornfortsatz-Muskeln – von Querfortsatz zu Dornfortsatz verschiedener Wirbelkörper

 

Die tiefen Rückenmuskeln

Tiefe Rückenmuskeln liegen auf der Wirbelsäule und werden von der Fascia thoracolumbalis ummantelt. Eine Faszie ist eine Hülle aus Bindegewebe.

Tiefe Rückenmuskeln werden unterteilt in:

  • Längsmuskeln
  • kurze Muskelabschnitte
  • Quermuskeln

Erweitert wird diese Klassifizierung durch die Unterordnung in:

  • den medialen oder mittigen Trakt oder Strang
  • den lateralen oder seitlichen Trakt oder Strang
  • die kurzen Nackenmuskeln

Die Tiefenmuskulatur oder autochthone Rückenmuskulatur ist eine primäre oder erstrangige Muskulatur, die sich bis zum Nacken hinzieht. Mediziner und Anatomen Sprechen bei der oberflächlichen Rückenmuskulatur von einer sekundären oder zweitrangigen Muskulatur. Sie stammt von der Bronchial-, der Extremitäten- und Schultermuskulatur ab. Die Extremitäten sind die Gliedmaßen oder die Arme und Beine.

Die Oberflächenmuskeln

Ein anderer medizinischer Terminus für die Oberflächenmuskulatur des Rückens ist sekundäre eingewanderte Rückenmuskulatur.

Dazu zählt:

  • Wirbelsäulen-Rippen-Muskulatur = hinterer unterer Sägemuskel und vorderer oberer Sägemuskel
  • Rumpf-Arm-Muskulatur = Trapez- oder Kapuzenmuskel (Musculus trapezius) und breiter Rückenmuskel(Latissimus oder Musculus Latissimus dorsi)
  • Rumpfgürtelmuskulatur = kleiner und großer Rautenmuskel (Musculus rhobideus minor und Musculus rhoboideus major) sowie Schulterblatthebemuskel (Musculus levator scapulae)

Scapula

bedeutet Schulterblatt.

Die beiden Sägemuskel haben ihre spezielle Namensgebung ihrer zackenähnlichen Gestalt zu verdanken. Diese Muskeln gehören zur sogenannten Atemhilfsmuskulatur.

Der Aufbau der Rückenmuskulatur basiert auf einer groben und einer feinen Strukturierung. Diese kann nur zum Teil ohne optische Hilfsmittel betrachtet werden.
Der Grobaufbau der Rückenmuskulatur umfasst die einzelne, separate Muskelfaser, die durch das Endomysium zu mehreren Muskelfasern und damit zu einem Muskelfaserbündel zusammengefasst wird. Diese Aufgabe übernimmt ein extrem festes Bindegewebe, das Perimysium. Mehrere Muskelfaserbündel mit einer Umhüllung aus einer Muskelfaszie (Epimysium, erscheint als stabile weiße Haut) sind das Fundament eines Muskels.
Im Muskel sind Nerven sowie Arterien, Venen und Kapillaren integriert.
Beim histologischen Feinaufbau des Rückenmuskels ergeben sich enorme Abweichungen. Alle Muskeln verfügen allerdings über Myofibrillen, die längs angeordneten Muskelfäden aus Sarkomeren und Millionen von Muskelzellen. Weitere Bausteine sind das Aktin und das Myosin.

Was gehört noch zur Rückenmuskulatur?

Die Rückenmuskulatur bezieht sich auf folgende Körperzonen:

  • Wirbelsäule
  • Schulterblätter
  • hinterer Rippenanteil
  • Schultergürtel
  • Abschnitte der Bauchmuskulatur

Mediziner sprechen bei den Rückenmuskeln über einen inneren und einen äußeren Trakt sowie von den kurzen Nackenmuskeln und der sogenannten Rückenmuskulatur ventraler Abstammung.
Die zuletzt genannten Muskeln waren ursprünglich auf der Körpervorderseite ausgeprägt. Im Laufe der Evolution und mit dem zunehmend aufrechten Gang des Menschen verteilten sich diese Komponenten auf dem Rücken.

Woraus setzt sich die Atemhilfsmuskulatur zusammen?

An der Atmung sind je nach Atemphase (Ein- oder Ausatmen) die inspiratorischen
Atemhilfsmuskeln
(Einatemmuskulatur) und die exspiratorischen Atemhilfsmuskeln (Ausatemmuskulatur) des Rückens beteiligt.

Dazu zählen:

  • beim Einatemvorgang der vordere und der hintere obere sowie der hintere untere Sägemuskel
  • beim Ausatmen der als Hustenmuskel deklarierte breite Rückenmuskel (Musculus latissimus dorsi)

„Hustenmuskel“ ist deshalb zutreffend, weil der breite Rückenmuskel insbesondere bei starkem Husten zu Schmerzen beginnt. Der Hustenvorgang beinhaltet einen Druckaufbau durch das einheitliche Anspannen der Muskulatur des Bauches, der Brust sowie zwischen den Rippen und auf dem Rücken.
Dadurch wird ein kräftiger Hustenstoß ausgelöst. Durch ein Training der Atemhilfsmuskulatur, vor allen Dingen des breiten Rückenmuskels kann ein Abhusten bei bestimmten Krankheitsbildern gefördert werden.

Was versteht man unter einer Bauchpresse?

Der Begriff Bauchpresse beschreibt einen Prozess, bei dem die Bauchhöhle entweder beabsichtigt oder unbeabsichtigt unter mechanischen Druck gesetzt wird.
Dieser Vorgang stellt sich so dar, dass die Bauchmuskulatur, das Zwerchfell und die Muskulatur des Beckenbodens zum gleichen Zeitpunkt angespannt oder kontrahiert ist.

  • Die Bauchpresse unterstützt den natürlichen Geburtsvorgang, bei dem das Kind durch das Zusammenziehen der Muskulatur des Geburtskanals und durch die Steigerung des Druckes in diese Bauchmuskelgruppen (intraabdominaler Druck) ausgetrieben wird.
  • Die Wirkung der Bauchpresse kann durch das Atmen in den Bauch (tiefes Einatmen und gleichzeitiges Schließen der Stimmritze) forciert werden.
  • Eine Bauchpresse dient gleichfalls zur Stuhlentleerung (Defäkation).
  • Bei einer willkürlich erzeugten Bauchpresse im Training wird von einem Crunch gesprochen.
  • Die Bauchpresse ist eine typische Reaktion, wenn Menschen einen schweren Gegenstand mit den Armen vor sich heben. Die Bauchpresse trägt in diesem Moment dazu bei, dass die Bandscheiben eine Druckentlastung erfahren.

 

Krankheiten, Beschwerden und Störungen der Rückenmuskulatur

Wenn von Symptomen im Zusammenhang mit Erkrankungen des Rückens und der Wirbelsäule gesprochen wird, ist mit Sicherheit auch die Rückenmuskulatur gemeint.
Die betroffenen Patientinnen und Patienten äußern sich teilweise nur kurz über ihre Beschwerden, in dem sie sagen: „Ich habe heute Rücken.“ oder „Ich habe Hexenschuss.“ Fast jede Person weiß dann, was gemeint ist. Rückenbeschwerden sind heute zu einer Volkskrankheit geworden, der jedoch mit Leichtigkeit vorgebeugt werden kann.

Etliche Krankheiten oder Pathogenesen sind auf einen Schwund oder einen Abbau der Tiefenmuskulatur des Rückens zurückzuführen. Vorrangig Erkrankungen des Rückens mit einem chronischen Verlauf sind durch einen Verlust an aktiver Muskulatur charakterisiert.

Komplizierte biochemische Prozesse in den Muskelzellen sind dafür verantwortlich, dass das Muskelgewebe vermehrt Fett einlagert und zu Bindegewebe umgewandelt wird. Muskeln verhärten dabei regelrecht und büßen an Geschmeidigkeit sowie an Kontraktionsfähigkeit sowie an Aktivität ein.
Entsprechende prophylaktische (vorbeugende) Maßnahmen (vor allen Dingen ausreichend ausgewogene körperliche Bewegung) sind daher bereits im Wachstumsalter zu empfehlen.

Kaum ein Patient hat im Laufe seines Daseins keine akuten (plötzlich oder unerwartet, explosiv eintretende Beschwerden) oder chronischen (langsam verlaufend, einschleichend, wiederkehrend) Rückenkrankheiten miterleben müssen. Vor allen Dingen die Chronifizierung der Rückenleiden nimmt rasant zu. Nachdem die Symptome zu Beginn nur einige Tage dauern, nehmen diese zu und bleiben sogar über Wochen, Monate und Jahre. Der Leidensdruck der Betroffenen nimmt zu, die Lebensqualität nimmt ab.

Welche Auslöser für Krankheiten der Rückenmuskulatur sind zu beachten?

Die ursächlichen Zusammenhänge bei auftretenden Beschwerden des Rückens sind vielgestaltig. Nicht immer gelingt es den Medizinern und häufig sogar den Patienten selbst, diese eindeutig zu erkennen.

Erfahrungsgemäß überwiegen allerdings folgende Gründe:

  • Mangel an Bewegung
  • schlecht entwickelte Bauch- und Rückenmuskeln
  • einseitige Belastung des Skelettsystems
  • anhaltende Zwangshaltung
  • Übergewicht oder Fettsucht (Adipositas)
  • organischer Anlass
  • psychische (seelische) Auslöser
  • diverse Vorerkrankungen

Zu den Vor- oder Begleiterkrankungen, die eine pathologische Entwicklung der Rückenmuskulatur bedingen können, gehören unter anderem:

Diese knappe Aufzählung ist nur ein kleiner Abriss aus der Fülle der negativen Einflüsse, die zu krankhaften Störungen der Rückenmuskulatur führen können.
Degeneration bedeutet einen Abbau oder einen Rückgang von Gewebe oder Teilen von Organen.

Ein Dekonditionierungssyndrom ergibt sich aus einer unzureichenden Auslastung oder Beanspruchung von Muskelsträngen und Muskelbögen, die zur Rückenmuskulatur zugehörig sind. Diese Rückenmuskeln werden daher nicht mehr gefordert, die Streck- und Drehbewegungen der Hals-, Brust- und Ledenwirbelsäule permanent umzusetzen. Diese Fähigkeit verkümmert, sodass daraus nachteilige Veränderungen in den Spannungszuständen der Muskeln resultieren. Treten an einem Muskel Schmerzen auf, dann schont der Organismus diesen auf natürliche Weise. Ein anderer Muskel wird dann angespannt. Diese Wechselwirkung begünstigt eine Abnahme der Muskelaktivitäten mit wiederum auftretenden Schmerzen. Ein Kreislauf beginnt.

Ein Syndrom ist eine Ansammlung aus mehreren Symptomen oder Krankheitsmerkmalen.

Welche therapeutischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Um eine baldige Genesung und eine Leistungsfähigkeit der Patientinnen und Patienten wieder herzustellen, bieten die Schulmediziner und die Heilpraktiker zahlreiche bewährte Verfahren und Methoden an. Diese sind entweder konservativer oder bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung operativer Natur.

In der Gegenwart haben sich etabliert:

  • Krankengymnastik und Physiotherapie
  • physikalische Anwendungen mit Wärme, Elektro- und Ultraschall sowie mit Kälte
  • Balneo- und Akupunkturbehandlung
  • Übungen zur Kräftigung der Muskeln
  • krankengymnastische Übungen
  • orale (durch den Mund) oder per Injektion (mit der Spritze) verabreichte Arzneimittel

Bei den Arzneimitteln haben die Behandler die Auswahl zwischen muskelentspannenden und/oder entzündungshemmenden und/oder schmerzlindernden Medikamenten. Oftmals genügen sogar äußerlich aufzutragende Salben mit derartigen Wirkstoffen.

Operative Eingriffe sind dann indiziert (begründet), wenn es zu Nervenirritationen (Nervenreizungen), Sensibilitäts- beziehungsweise Gefühlsstörungen oder Lähmungen kommt. Die Chirurgen nutzen hierbei sowohl die minimal-invasiven als auch die offenen Vorgehensweisen.

Außer bei den Operationen ist bei allen andere Behandlungen die Mitwirkung der Patienten grundlegend, um eine Besserung der Beschwerden zu erzielen. Wichtig ist vor allen Dingen die Regelmäßigkeit und die Dauerhaftigkeit bei der Umsetzung der Therapien.

Typische und häufige Erkrankungen der Rückenmuskulatur

 

  • Schmerzen im Rücken
  • Muskelverspannung
  • Fehlbelastung und daraus resultierende Haltungsschäden
  • Bandscheibenvorfall
  • Lendenwirbelsyndrom
  • genetisch bedingte Muskeldystrophie (Rückgang der Muskulatur)
  • Rundrücken

 

Fragen und Antworten zum Thema Rückenmuskulatur

Nicht immer treten die Beschwerden wie Kopfschmerzen im Hinterhaupt, Tennisellenbogen, Ischiasbeschwerden oder Missempfindungendurch wegen einer erkrankten Rückenmuskulatur oder durch eine Dysfunktion (Fehlfunktion) in diesem Bereich chronisch auf.
Oftmals verschwinden die Symptome schnell wieder und der Rücken erholt sich. Sind die Erkrankungen jedoch sehr hartnäckig und quälend und stellt sich keine Verringerung der Leiden ein, dann kann eine ernsthafte pathologische Anomalie vorhanden sein.

Was ist ein Rundrücken?

Zu einem Rundrücken kommt es überwiegend dann, wenn die sitzende Haltung lange anhält. In dieser Situation tritt eine Verkürzung der Brustmuskeln ein. Im Gegenzug dehnen sich die Schulter– und Nackenmuskeln.
Beteiligt sind häufig auch die Kiefermuskeln. Durch die Stärkung der Rumpfmuskulatur und einem Wechsel der Haltungsposition mit einem Ausgleich der Muskelspannung kann einem Rundrücken entgegengewirkt werden.

Was ist eine Ischialgie?

Die Ischialgie ist ein Krankheitszustand, der durch eine Reizung des Ischiasnerven zustande kommt.
Eine verspannte Muskulatur kann bei bestimmten abrupten Bewegungsmuskeln schnell auf den Ischiasnerv drücken. Tumore oder verschiedene Vorerkrankungen können eine Ischialgie ebenfalls auslösen. Der Ischiasnerv setzt innerhalb des vierten Lenden- und des dritten Kreuzsegments der Wirbelsäule an und verläuft bis in das Bein hinein. Der Ischiasnerv wird somit als Hüft- oder Sitzbeinnerv deklariert.

Eine Linderung bringen in der Regel eine körperliche Schonung sowie eine sogenannte Stufenlagerung der Beine mit sich. Medikamente zur Reduzierung des Schmerzes können gleichfalls sinnvoll sein.

Was verbirgt sich hinter dem Synonym Hexenschuss?

Entgegen der traditionellen Vermutung, dass Patienten durch den Schuss einer Hexe geplagt sind, bezeichnen die Mediziner heute dieses Krankheitsbild als normale Folge einer schlagartig stattfindenden Bewegung.
Infolgedessen können sich die Gelenke der Wirbelkörper ungünstig zueinander verschieben. In den Gelenkkapseln der Wirbel sind extrem dünne Nerven eingeschlossen. Diese erfahren eine Spannung, was sich durch teilweise extremen, unerwartet einschießenden Schmerzen ausdrückt.
Daraus resultiert in der Mehrheit der Fälle eine Schonhaltung, der jedoch durch die Gabe von Analgetika (Medikamente gegen Schmerzen) und Entzündungshemmern sowie die Entspannung der Muskulatur fördernde Wirkstoffe begegnet werden kann. Vorteilhafte Hausmittel sind Wärmeanwendungen sowie eine Stufenlagerung.

Bei der Stufenlagerung, die sich gleichfalls für zahlreiche andere Symptome als Entlastung eignet, befindet sich der Patient in flacher Rückenlage. Nur die Unterschenkel werden auf die Sitzfläche eines Stuhls gelegt.

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