Palliativmedizin

Die Palliativmedizin – Leiden verringern

 

Die Palliativmedizin hat insbesondere in den vergangenen Jahren mit dem vermehrten Auftreten an fortschreitenden Erkrankungen mit einer großen Sterblichkeitsrate zugenommen. Nicht nur viele ehrenamtliche Helfer, sondern auch Ärzte mit einer Zusatzausbildung in Palliativmedizin sowie medizinisches Fachpersonal mit entsprechenden Qualifikationen sorgen sich um die Patientinnen und Patienten.

 

Zahlreiche Maßnahmen der Palliativmedizin werden in Deutschland von den Krankenkassen getragen.

 

Begriffsklärung Palliativmedizin

 

Innerhalb der Palliativmedizin werden Menschen versorgt, die unter einer voranschreitenden Erkrankung leiden, die mit einer eingeschränkten Lebenserwartung einher geht. Typisch für diese Krankheiten ist, dass die Behandlungen erschöpft sind und/oder dass die Beschwerden schon zu weit fortgeschritten sind. Darüber hinaus leiden die todkranken Patienten teilweise unter immensen Schmerzzuständen, was eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellt.

 

-Im Mittelpunkt der palliativ medizinischen Behandlung steht ein würdevolles Leben, das den Patienten Wohlbefinden und die Erfüllung individueller Wünsche ermöglicht.

– Die Palliativmedizin gehört zu Palliative Care. Palliativ Care beinhaltet die Begleitung und Versorgung schwerkranker Personen ohne Chance auf Heilung. Hinter dem Synonym „care“ verbergen sich Begriffe wie Aufmerksamkeit, Fürsorge und Betreuung. Übersetzt bedeutet der Wortteil „palliative“ mit ummanteln, verbergen, einhüllen oder bedecken.

 

– Palliativmedizin wird von den meisten Menschen mit Hospizen und Palliativstationen verbunden. Das sind Einrichtungen, in denen sowohl die Patienten als auch die Fachleute und die Angehörigen in palliativ medizinische Tätigkeiten eingebunden werden. Diese Häuser leisten eine sogenannte Systemkontrolle und Sterbebegleitung unter den Prämissen der Teamarbeit und in Einheit mit hoher psychosozialer Kompetenz.

 

Ursprung und Entwicklung der Palliativmedizin

 

Die Geschichte der Palliativmedizin begann im Jahre 1962 mit der Gründung des londoner St. Christopher`s Hospiz durch C. Sanders. Nach einer intensiven Kontaktaufnahme zu dieser Einrichtung entschieden sich Ärzte 1983, die erste deutsche Palliativstation in Köln zu eröffnen. Seitdem kamen immer weitere Hospize dazu. Bis zum Jahr 2004 wurde an zahlreichen medizinischen Lehranstalten die Palliativmedzin als obligatorisches Prüfungsfach deklariert.

 

Im Jahr 2007 wurde mit dem §37b und dem §132d der Anspruch auf eine ambulant durchgeführte Palliativbetreuung im des SGB 5 niedergelegt. Im Jahr 2010 nahm die Charta zur Betreuung schwerstkranker, sterbender Patienten ihre Arbeit auf. Bis zum Jahr 2010 stieg die Zahl der ambulanten Palliativstationen auf über zweihundert. Stationäre Hospize gab es mehr als einhundertsechzig.

 

Funktion, Wirkung und Ziele der Palliativmedizin

 

Die Palliativmedizin beinhaltet als zentrale Funktion die Pflege der Patienten. Darüber hinaus umfasst die Palliativmedizin ebenfalls eine medizinische Versorgung, die hauptsächlich auf die Verringerung belastender Beschwerden wie Schmerzen oder Einschränkungen der Atmung gerichtet ist. Um die erforderlichen Tätigkeiten qualitativ hochwertig zu gestalten, werden in den Palliativhäusern multiprofessionell arbeitende, palliativ medizinisch geschulte Teams zusammengestellt.

 

Die Zielstellungen einer palliativ medizinischen Institution sind vielschichtig. Im Zentrum steht die Erhaltung und die Optimierung der Lebensqualität der Bewohner. Des weiteren ist ein so lange wie möglich selbstbestimmtes Leben der Patienten ein wichtiges Anliegen der Palliativmedizin. Erreicht wird dieses Vorhaben durch:

 

  • Linderung von Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Luftnot, Störungen der Verdauung, Ängsten und Depression
  • Behandlung chronischer Wunden und Appetitlosigkeit
  • Ganzheitliche Pflege, individuell auf den Patienten zugeschnitten
  • Psychosoziale Betreuung und Unterstützung
  • Sterbebegleitung
  • Spirituelle und religiöse Begleitung
  • Geistigen und psychischen Beistand
  • Einbeziehung und Betreuung der Angehörigen in der Phase des Abschiednehmens

Durchführung und Wirkungsweise der Palliativmedizin

 

Jeder Mensch in Deutschland hat einen Rechtsanspruch auf eine palliativ medizinische Begleitung. Entsprechende Verträge, die zwischen den Krankenkassen und den palliativ medizinischen Teams sichern einen solchen Aufenthalt ab.

 

– In der letzten Periode ihres Lebens können Menschen mit den unterschiedlichsten Beschwerden würdevoll und entsprechend ihrer Leiden behandelt und versorgt werden. Dazu liegen dem Personal verschiedene Pflegestandards vor, nach denen sich die Fachleute richten.

 

– Unter Einhaltung bestimmter Vorgaben oder Grundsätze können Tätigkeiten wie die medizinische Kontrolle der Symptome, die Palliativpflege, ethische Themen sowie die spirituelle und psychosoziale Begleitung und die zwischenmenschliche Kommunikation auf einem hohen Niveau gewährleistet werden.

 

Bei der Durchführung der interdisziplinären Palliativmedizin geht es um:

 

  • Palliativ medizinische Versorgung und Hospizarbeit bei Kindern und Jugendlichen
  • Behebung oder Linderung verschiedener quälender Symptome
  • Palliativpflege
  • Psychologische und psychosoziale Unterstützung
  • Ganzheitliches Umsorgen (Körper, Geist und Seele)
  • Betreuung, Beratung und Begleitung
  • Stabiles Umfeld

Palliativmedizin hilft bei:

 

  • Erleichterung der verbliebenen Lebenszeit
  • Erleichtern des Sterbens
  • Lindern und therapeutisches Begleiten von Schmerzen
  • Beheben von Ängsten, Schwäche und Müdigkeit
  • Reduzierung körperlicher Beschwerden
  • Begleitung in der Sterbephase nach unheilbaren Erkrankungen wie
    • Fortgeschrittenen bösartigen Tumoren
    • Herzkreislauferkrankungen
    • Nicht mehr therapierbaren Erkrankungen des Nervensystems
    • Progredienten beziehungsweise fortschreitenden Lungenerkrankungen
    • Nierenleiden
    • AIDS
    • schwerer Demenz
    • Mukoviszidose, Muskel- oder Stoffwechselkrankheiten mit eingeschränkter Lebenserwartung

– Die Palliativmedizin ist nicht nur darauf spezialisiert, Menschen in den letzten Lebenstagen zu versorgen und zu begleiten. Palliativmedizin bietet ebenso eine Fülle an Möglichkeiten, um eine auf eine Heilung ausgerichtete Behandlung zu unterstützen.

 

– Die Palliativmedizin heilt zwar nicht, verlängert und erleichtert aber das Leben schwerkranker Personen. Aus dieser Erfahrung heraus ist es optimal, wenn Patienten nicht erst dann eine palliativ medizinische Versorgung bekommen, wenn sie am Ende einer Behandlung stehen.

 

Erläuterung der Grundsätze der Palliativmedizin:

 

In der Palliativmedizin werden ganz bestimmte Grundsätze beachtet. Diese stellen sich folgendermaßen dar:

 

  • Offenheit und Wahrheit
  • Wille des Patienten
  • Kausale Behandlung
  • Non Malefizienz oder Benefizienz
  • high touch, low tech
  • Autonomie
  • Orientierung

Benefizienz oder Non Malefizienz bedeutet, dass vor einer Behandlung eingehend geprüft werden muss, ob diese Maßnahme tatsächlich förderlich für den Patienten ist. Ergeben sich beispielsweise aus diagnostischen Untersuchungen keine hilfreichen Konsequenzen, dann sollten diese unterlassen werden. Das trifft ebenso auf Tätigkeiten zu, die das Leiden des Schwerstkranken erhöhen.

 

Der Patientenwille kann auf unterschiedliche Art und Weise ausgedrückt werden. Die Willensäußerungen können anhand einer Patientenverfügung oder über einen zuständigen Betreuer dargelegt werden.

 

Im Zusammenhang mit dem Begriff Autonomie ist gemeint, dass der Patient oder die Patientin alle Entscheidungen in Hinblick auf das Leben und das Sterben allein und selbstständig treffen darf.

 

Der Aspekt der Wahrheit und Offenheit ist in der Palliativmedizin einer der bedeutsamsten Leitlinien. Nur dann, wenn ein ehrlicher Umgang mit den Schwerstkranken gepflegt wird, können Entscheidungen auf fundierten Fakten getroffen werden. Der Patient hat daher einen Anspruch darauf, vollständige und wahrheitsgemäße Informationen über seine Erkrankung und die Heilungschancen zu erhalten.

 

Palliativmedizin als letzte Begleitung

 

Um den Patienten eine bestmögliche Hilfe zuteil werden zu lassen, sind medikamentöseTherapien nicht zu umgehen. Insbesondere im Rahmen der Schmerzbehandlung können folgende Anwendungen indiziert oder angebracht sein:

 

  • Stufe 1 leichtere Schmerzmittel oder Analgetika wie Metamizol, Nichtsteroidale Antirheumatika, Diclofenac oder Ibuprofen in hohen Dosierungen
  • sowie andere nicht-opiode Substanzen
  • Stufe 2 starke Schmerzmittel mit schwachen oder mäßigen Konzentrationen an Opioide wie Morphin bei intensiven und anhaltenden Schmerzen oder Kombinationen von Arzneimitteln der Stufe 1
  • Stufe 3 extrem wirkende Opioide wie Morphin, Fentanyl oder Oxycodon sowie Kombinationen mit anderen Schmerzmedikamenten

Die Palliativmediziner greifen ebenfalls auf Co-Analgetika zurück. Hinter Co-Analgetika verbergen sich krampflösende und antidepressiv wirkende Pharmazeutika.

Adjuvatien werden gegen Nebenwirkungen verabreicht, die durch Schmerzmittel verursacht werden. Das sind unter anderem pharmazeutische Produkte wie Antibrechmittel (Antiemetika) oder Abführmittel gegen Verstopfung, Erbrechen oder Übelkeit.

 

Nutzen der Palliativmedizin für die Patienten

 

Das Fundament der Palliativmedizin ist eine sogenannte temporäre Rehabilitation. Unter einer temporären Rehabilitation wird die vorübergehende, zeitweilige Wiederherstellung der psychischen (geistig, seelischen) oder/und physischen (körperlichen) Fähigkeiten verstanden. Die Betroffenen durchlaufen unterschiedliche Zeitabschnitt, die einzeln benannt werden. Dazu gehören:

 

  • Der als Rehabilitationsstadium bezeichnete Abschnitt
  • Die als Terminalphase deklarierte Stufe
  • Die innerhalb von drei Tagen ablaufende Finalphase

Die Palliativmedizin ermöglicht schwerkranken Patientinnen und Patienten eine normale Lebensführung, so lange dies möglich ist. Dieses Anliegen betrifft auch die letzten Tage des Lebens. Davon profitieren die schwerkranken Menschen besonders stark.

 

Risiken und Nebenwirkungen der Palliativmedizin

 

  • unnötige Therapien
  • sich kontinuierlich verschlechternder Zustand der Betroffenen
  • Sturzrisiko
  • Isolation
  • Pflegefehler

Risiken und Nebenwirkungen sind vor allen Dingen bei Senioren im ambulanten Umfeld zu sehen.In den stationären Bereichen wird durch ein modernes Qualitätsmanagement eine annähernd risikofreie Betreuung ausgeführt.

 

Sterbebegleitung in der Palliativmedizin

 

Palliativ medizinisch ausgebildete Begleiter eines Sterbenden sind in der Lage, die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen, indem sie:

 

  • Wahrnehmen und Zurückhaltung üben
  • Geduldig, ruhig und aufmerksam sind
  • Spezielle Lagerungstechniken anbieten
  • Eine stille Umgebung schaffen
  • Genügend Zeit mitbringen
  • Auf Veränderungen der Atmung, des Hörens und Sehens, des Bewusstseins und der Sprache angemessen reagieren
  • In der Sterbephase Positives in Hinsicht auf den Lebenssinn transportieren
  • Den veränderten Tast- und Geschmackssinn sowie das Fehlen von Wärme situationsgerecht behandeln

– Im Unterschied zu einem Hospiz zieht sich der Aufenthalt auf einer palliativ medizinischen Station maximal über 14 Tage. In einem Hospiz können die Bewohner so lange bleiben, bis das Lebensende nah ist. Bei der Sterbebegleitung geht es darum, todkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu unterstützen.

 

– Die professionelle Begleitung Sterbender ist ein Hauptanliegen der Palliativmedizin. Sie wird durch kompetente Hospizdienste, spezialisierte Mitarbeiterteams, Palliativstationen und Hospize gewährleistet. Die Aufgabenbereiche erstrecken sich in diesem Zusammenhang nicht nur auf die stationären Einrichtungen, sondern gleichfalls auf ambulante, teilstationäre und häusliche Sterbenskranke und deren Familien.

– Je näher die letzte Lebensphase rückt, desto größer wird das Bedürfnis nach menschlicher Zuwendung und Nähe. Aus diesem Grund ist die wohl dosierte Kommunikation und Berührung ein zentraler Part in der Palliativmedizin.

 

Palliativmedizin – Fachdisziplinen

 

  • Ärzte
  • Physiotherapeuten
  • Sozialarbeiter
  • ehrenamtliche Helfer
  • Psychologen
  • Seelsorger
  • Musik- und Kunsttherapeuten
  • Palliativpfleger und Palliativschwestern

In der Palliativmedizin finden sich Fachleute zusammen, die aus unterschiedlichen medizinischen Disziplinen stammen.

 

Unser Fazit:

 

Cicely Saunders, eine Ärztin aus England prägte einst den Ausspruch: “ Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben,sondern den Tagen mehr Leben.“

 

Der Einsatz der Palliativmedizin ist dann gefordert, wenn sich Patienten und Patientinnen im sogenannten Terminalstadium befinden. Insbesondere dann, wenn die Kranken ihr Leben nicht mehr ertragen können und die Lebensqualität bis auf ein unwürdiges Maß gesunken ist, kann der Aufenthalt in einer Palliativeinrichtung sinnvoll für alle Beteiligten sein.

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