Niereninsuffizienz


Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Die Niere ist dafür verantwortlich, das Blut zu filtern und zu reinigen.

Sie entfernen Stoffwechselgifte, regeln den Flüssigkeits- und Elektrolyte– sowie Säure-Base-Haushalt des Körpers, sie entfernen Medikamente aus dem Körper und geben Hormone an das Blut ab, die wiederum den Blutdruck, die Bildung von Blutkörperchen sowie den Knochenstoffwechsel regulieren.

Liegt eine Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) vor, arbeiten die Nieren nur noch eingeschränkt. Akute Erkrankungen anderer Organe können die Folge sein.


Was ist Niereninsuffizienz  (Nierenschwäche) ?

 

Chronische Niereninsuffizienz

Unter Niereninsuffizienz oder auch Nierenschwäche versteht man ein chronisches Nierenversagen bzw. eine chronische Nierenerkrankung. Kennzeichnend ist ein langsam verlaufender, sich zum Teil über Jahre erstreckender Prozess, der zum Verlust der Nierenfunktion führt. Dabei bezeichnet der Begriff chronisches Nierenversagen genau genommen das Endstadium der chronischen Nierenkrankheit.

Bei einer Niereninsuffizienz ist die Niere chronisch entzündet, was zur allmählichen und dauerhaften Zerstörung des Nierengewebes führt. Die Leistung der Niere wird an der glomerulären Filtrationsrate gemessen. Fällt der Wert unter 15% der normalen Leistung, kann die Niere ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Die Niere kann somit das Blut nicht mehr ausreichend und vollständig reinigen.

Erkrankungen anderer Organe können aufgrund der ungenügenden Entgiftung des Körpers die Folge sein. Therapien, wie Dialysebehandlung bis hin zur Nierentransplantation werden notwendig und ersetzen so die Wasserausscheidung und die Blutreinigung.

Akute Niereninsuffizienz

Demgegenüber steht das akute Nierenversagen, welches plötzlich innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden auftreten kann und oft eine gestörte Nierendurchblutung als Ursache hat. Wenn diese Niereninsuffizienz regelmäßig auftritt oder auch über einen längeren Zeitraum anhält, handelt es sich um eine chronische Nierenerkrankung.

Ursache für akutes Nierenversagen können Verletzungen oder Operationen sein, die mit einem hohen Flüssigkeits- oder Blutverlust einhergehen. Weitere Ursachen können Infektionen, nierenschädigende Medikamente oder Nierensteine sein, die den Harnabfluss unterbrechen. Wenn diese Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird, kann sich das Nierengewebe durchaus wieder erholen. Im schlimmsten Fall kann akutes Nierenversagen jedoch zum Tod führen.


Ursachen von Niereninsuffizienz

Zu den häufigsten Ursachen einer chronischen Nierenerkrankung gehören Bluthochdruck (Hypertonie) und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Im Laufe der Jahre werden anhand von statistischen Erhebungen bei Patienten, die bereits einer Nierenersatztherapie unterzogen werden, immer wieder weitere Ursachen erfasst, wie zum Beispiel angeborene Krankheiten oder Systemerkrankungen. Zum Beispiel kann eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre dazu führen, dass der Urin zum Teil wieder in die Niere zurückgespült wird. Die Einnahme nierenschädigender Medikamente zur Behandlung anderer Krankheiten kann ebenso zu einer Schädigung der Nieren führen. Des Weiteren stellen Übergewicht und Nikotinabusus Risikofaktoren dar und können eine Niereninsuffizienz zur Folge haben.

Symptome & Anzeichen bei Niereninsuffizienz 

Grundsätzlich wird der Krankheitsverlauf zunächst in verschiedene Stadien unterteilt. In den ersten 4 Stadien treten in den meisten Fällen keine Symptome und Schmerzen auf. Folgende Anzeichen können auf eine Erkrankung der Nieren hinweisen, müssen es jedoch nicht. Hierfür könnten auch andere Erkrankungen ursächlich sein.

Überdies ähneln die ersten Symptome einer Erkältung oder einem grippalen Infekt, wie Müdigkeit, Schwäche, Fieber oder Schmerzen in Bereich Niere und Blase. Bei einer Blasenentzündung sollte der Hausarzt konsultiert werden. Mittels Urinprobe wird festgestellt, ob Erreger für einen grippalen Infekt vorliegen, welche mit Antibiotika behandelt werden sollten. Halten die Beschwerden weiterhin an, ist ein Urologe aufzusuchen. So kann frühzeitig eine chronische Nierenerkrankung diagnostiziert werden.

Im vorangeschrittenen Stadium 4 und in Stadium 5 treten meist die ersten körperlichen sowie geistigen Einschränkungen auf und nehmen im Verlauf zu. Dazu zählen:

Diagnose & Krankheitsverlauf von Niereninsuffizienz 

Gemessen wird die Nierenleistung anhand der sog. glomerulären Filtrationsrate (kurz gfr genannt). Diese ist abhängig sowohl vom Alter, als auch Geschlecht und Körpergröße. Mit zunehmendem Alter nimmt die gfr ab. Bei den Frauen ist die Filtrationsrate grundsätzlich ca. 8 % niedriger als bei den Männern.

Diagnostiziert werden kann eine mögliche chronische Nierenerkrankung anhand von Urin– und Blutuntersuchungen. Der Hausarzt oder Urologe testet den Urin auf seinen Eiweiß- und Albumingehalt. Das Blut wird auf Kreatinin und Harnstoff untersucht. Die Filtrationsrate der Niere kann ebenso mittels eines Schnelltests getestet werden und der Grad der Erkrankung eingestuft werden.

Stadien der Erkrankung

Stadium 1

Bei einer frühzeitigen Diagnose erfolgt im ersten Stadium die sofortige Behandlung der verschiedenen Grunderkrankungen. Zu diesem frühen Zeitpunkt ist der Kreatinin-Wert im Blut noch normal, jedoch ist bereits der Eiweißgehalt im Urin erhöht. Der Urin könnte leicht verfärbt sein und erste Wassereinlagerungen können sich gebildet haben. Patienten sind im ersten Stadium noch meist frei von Beschwerden, was die frühzeitige Diagnose erschwert. Allerdings sind jetzt bereits per Ultraschall erste krankhafte Veränderungen der Niere zu erkennen.

Stadium 2

Die glomeruläre Filtrationsrate der Niere sinkt, die Werte im Blut zeigen allerdings weiterhin nur geringe Auffälligkeiten. Auch jetzt sind die Patienten noch weitgehend beschwerdefrei. In diesem Stadium erfolgt die Weiterbehandlung der Grunderkrankungen und Hemmung des Abfalls der Filtrationsrate.

Stadium 3

Ab dem dritten Stadium steigt das Risiko eines akuten Nierenversagens erheblich an. Das betrifft vor allem Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhter Eiweißausscheidungen. Die Filtrationsrate ist nun soweit gesunken, dass sich deutliche Abweichungen der Normwerte im Blut zeigen. Das Kreatinin und der Harnstoff steigen an. In diesem Stadium können die ersten Beschwerden auftreten, wie zum Beispiel Bluthochdruck und akute Müdigkeit.

Stadium 4

Im vierten Stadium werden die Beschwerden deutlich. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sind stark eingeschränkt, es tritt vermehrt Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf. Patienten klagen über Müdigkeit und Knochenschmerzen. Die nun stark eingeschränkte Regulierung des Wasserhaushaltes führt zur vermehrten Bildung von Ödeme.

Stadium 5

Dieses Stadium wird als terminales oder Endstadium bezeichnet. Die Filtrationsrate ist auf ein Minimum gesunken, sie hat den kritischen Wert von 15% erreicht. Die Nierenfunktion ist so stark eingeschränkt, dass ihre Aufgaben künstlich übernommen werden müssen, da der Körper sonst vergiftet werden würde. Nierenersatzverfahren, wie Dialyse oder sogar einen Nierentransplantation werden durchgeführt.

Von welchen Faktoren ist der Krankheitsverlauf abhängig?

Bei einer chronischen Nierenerkrankung nimmt die Nierenfunktion allmählich ab. Der Krankheitsverlauf hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  1. Wann wurde die Niereninsuffizienz diagnostiziert und wie stark nimmt die Filtrationsrate im Laufe der Zeit ab? Der Krankheitsverlauf und der Abfall der gfr schwanken stark von Patient zu Patient, individuell betrachtet schreitet die Progression jedoch verhältnismäßig konstant voran.
  2. Welche Grunderkrankung, also Ursache von Niereninsuffizienz liegt vor? So zum Beispiel schreitet die Krankheit bei Menschen mit diabetische Nephropathie oder Zystennierenerkrankung schneller voran, als bei Patienten mit Bluthochdruck.
  3. Folgende Faktoren können nicht beeinflusst werden, sind jedoch ebenso relevant für den Verlauf der Krankheit: Bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe, schlechter Nierenfunktion zum Zeitpunkt der Diagnose, Männern und älteren Patienten verläuft der Abfall der gfr meist schneller.
  4. Folgende Faktoren, die durchaus positiv beeinflusst werden können, sind: hohe Eiweißausscheidung, hoher Blutdruck, schlechte Blutzuckereinstellung, Rauchen, niedriger Albumingehalt.

Welche Erkrankungen kann eine Niereninsuffizienz zur Folge haben?

Im zunehmenden Verlauf der chronischen Nierenerkrankung können Folgeerkrankungen auftreten.

  1. Bluthochdruck kann sowohl Ursache einer eingeschränkten Nierenfunktion sein, als auch Folge. Grund dafür sind zum Beispiel die Verkalkung der Arterien und der Nierengefäße, Störungen im Stoffwechsel oder auch Flüssigkeitsüberladung. Der hohe Blutdruck wiederum ist häufig der Grund für ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko der Patienten.
  2. Ursächlich für eine Veränderung des Knochenstoffwechsels sind Veränderungen im Vitamin-D-Stoffwechsel, eine verminderte Calciumaufnahme im Darm, sowie eine geringere Ausscheidung von Phosphat über die Niere.
  3. Es kann überdies zu Störung der Blutbildung kommen. Da die Niere zu wenig Erythropoetin (Hormon) produziert, werden zu wenig rote Blutkörperchen im Knochenmark gebildet, was wiederum zu einer Anämieführt.
  4. Ein Anstieg des Kalium-Spiegels im Blut führt zur Störung des Elektrolythaushaltes und kann damit Ursache für Herzrhythmusstörungen
  5. Eine Übersäuerung des Blutes geschieht aufgrund zu geringer Ausscheidung von Protonen. Der gestörte Säure-Base-Haushalt kann wiederum zum Verlust an Knochensubstanz führen.
  6. Wassereinlagerungen in Gewebe (Ödeme) oder auch Lunge (Lungenödem) treten aufgrund verminderter Ausscheidung von Wasser auf.
  7. Insgesamt wird das Immunsystem stark geschwächt. Die Gefahr, an einer Lungenentzündung zu erkranken und daran zu sterben, steigt enorm an. Ebenso sinken die Ansprechraten nach einer Impfung gegen Hepatitis B und Phneumokokken.

Behandlung & Therapie von Niereninsuffizienz 

Grundsätzlich können bei Risikogruppen vorbeugende Maßnahmen getroffen werden, um das Risiko, an einer chronischen Niereninsuffizienz zu erkranken, zu senken. Dazu zählen zum Beispiel die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes.

Da der anfängliche Krankheitsverlauf nahezu beschwerdefrei ist, können Früherkennungsuntersuchungen vorgenommen werden. Dabei wird der Urin auf Eiweiß und Albumin untersucht, sowie eine Kreatinin-Bestimmung im Blut durchgeführt. Bei einer Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob die auszuscheidenden Stoffe Kreatinin und Harnstoff im Blut ungewöhnlich hoch sind. Der Hausarzt oder Urologe kann mittels Schnelltest die glomeruläre Filtrationsrate der Niere testen.

Liegt eine chronische Nierenerkrankung vor, sind eine frühzeitige Erkennung sowie die sofortige Behandlung der Grunderkrankungen von entscheidender Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf. (Stadien 1-2)

Im Folgenden werden die Herz-Kreislauf-Komplikationen verhindert und behandelt sowie das Voranschreiten des Abfalls der Filtrationsrate gehemmt. Diese konservativen Therapien hängen zum Teil davon ab, welche Grunderkrankung ursächlich für die Nierenschädigung ist. (Stadien 2-4)

Treten Folgeerkrankungen und Komplikationen auf, werden diese behandelt. (Stadien 3-5)

Bei chronischem Nierenversagen, also dem Absinken der Filtrationsrate unter einen kritischen Wert von 15 %, werden Nierenersatztherapien notwendig. (Stadium 5) Zu den Nierenersatztherapien zählen:

  • Hämodialyse (Blutwäsche)
  • Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
  • Nierentransplantation
  • Medikamentöse Therapien, supportive Therapie

Hausmittel bei Niereninsuffizienz 

Neben den konservativen Therapiemethoden sollten Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz ihre Ernährung umstellen, insbesondere dann, wenn Diabetes mellitus oder Bluthochdruck ursächlich für die Erkrankung sind. Die Ernährung sollte eiweiß- und kaliumarm gestaltet werden. Ebenso sollte weniger Kochsalz konsumiert werden. Verzichtet werden sollte überdies auf Nikotin und Alkohol. So kann dem fortschreitenden Verlauf der Krankheit entgegen gewirkt werden.

Verschiedene Kräuter können überdies die Niere stärken. Zu den besten Hausmitteln für eine gesunde Niere zählen Löwenzahn, Brennnessel und Petersilie. Schachtelhalm wirkt stimulierend und harntreibend für die Niere und kann ergänzend zur Behandlung von Nierensteinen sowie Entzündungen der Harnwege genommen werden.

Kann eine chronische Niereninsuffizienz homöopathisch behandelt werden?

Homöopathische Mittel können den Verlauf der Erkrankung verzögern, ersetzen eine konservative Behandlung jedoch nicht! Die geeigneten homöopathischen Heilmittel helfen dabei, die Symptome zu lindern und einigen Folgeerkrankungen entgegenwirken. Damit unterstützen diese Heilmittel die in jedem Fall zwingend erforderliche medizinische Versorgung.

Kann einer Nierenerkrankung vorgebeugt werden?

Da zu den häufigsten Ursachen einer Niereninsuffizienz Bluthochdruck und Diabetes des Typs 2 gehören, ist es durchaus möglich, der Krankheit vorzubeugen. Diese Risikopatienten sollten Übergewicht reduzieren, sich körperlich betätigen, weniger Kochsalz zu sich nehmen, sich im allgemeinen für eine gesündere Ernährung mit viel Obst und Gemüse entscheiden, das Rauchen einstellen und weniger Alkohol konsumieren.

Bluthochdruck- und Diabetespatienten sollten zudem konsequent ihre Medikamente zu sich nehmen und können so verhindern, an einer chronischen Niereninsuffizienz zu erkranken.

Die Niere kann weiterhin geschützt werden, in dem bei wiederkehrenden Blasenentzündungen pflanzliche Medikamente, Kräutertees und Tabletten aus Heilkräutern zur Vorbeugung einer Blasenentzündung und zur Stärkung des Urogenitaltrakts eingesetzt werden. Überdies können zum Beispiel Kneipp Kuren helfen, die Abwehrkräfte zu stärken.

Fragen zur Krankheit

Kann eine chronische Nierenerkrankung gestoppt werden?

Sofern die Krankheit frühzeitig erkannt wurde und das Endstadium noch nicht erreicht ist, können konsequente Therapiemaßnahmen sowie die Anpassung der Lebensgewohnheiten dazu führen, dass der weitere Verlust der Nierenfunktion gestoppt wird.

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