Östrogen

?hcgAuch bekannt als: 

Östrogen-Fraktionen (mehr als 30 verschiedene Formen von Östrogen wurden beschrieben; die am häufigsten untersuchten Formen sind Östron [E1], Östradiol [17ß-Estradiol, E2], Östriol [E3])
Bezeichnung: E2, Östrogen 
Ähnliche Tests: fsh, lh, TestosteronhCGProgesteronafp MaternalSHBGTriple ScreenTriple Screen


Auf einen Blick

Warum wird Östrogen untersucht?

Bei Frauen um eine mögliche Erklärung für Störungen im Menstruationszyklus, veränderten oder zu starken Blutungen, Infertilität (Unfruchtbarkeit), Symptomen der Menopause (Wechseljahre) oder anderen hormonellen Veränderungen zu finden.

  • Zur Untersuchung der feto-plazentaren Einheit und Funktionstüchtigkeit in der Frühschwangerschaft. Hier wird insbesondere Östriol E3 untersucht.
  • Bei Symptomen der Verweiblichung bei Männern welche ebenfalls durch erhöhte Hormonspiegel bedingt sein können

Bei welchen Erkrankungen sollte Östrogen untersucht werden?

  • Bei Verdacht auf eine Störung des Hormongleichgewichts hat, bei Blutungsstörungen oder gestörter Entwicklung der Geschlechtsorgane (männlich oder weiblich).
  • Zur Überwachung der Funktionstüchtigkeit der Plazenta und der fetalen Gesundheit während der Schwangerschaft.

Aus welchem Probenmaterial wird Östrogen bestimmt?

  • Aus einer Blutprobe aus der Armvene.
  • Im 24 h Sammelurin.
  • In seltenen Fällen aus einer frischen Speichelprobe.

Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Östrogen gehört zu einer Gruppe von Hormonen, die vorwiegend für die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane und sekundären Geschlechtsmerkmale verantwortlich sind. Obwohl Östrogen vorwiegend ein weibliches Geschlechtshormon ist, wird es in geringen Mengen auch bei Männern gefunden. Bei Frauen stimuliert das Follikelstimulierungshormon (fsh; durch die Hypophysegebildet) Zellen (Follikel), die das Ei in den Ovarien (Eierstöcken) umgeben, zur Östrogenproduktion. Bei Erreichen eines bestimmten Östrogenspiegels wird aufgrund eines positiven feed-back-Mechanismus über den Hypothalamus von der Hypophyse vermehrt Luteinisierungshormon (lh) produziert, was die Ovulation (Eisprung) auslösen kann und Vorraussetzung für eine mögliche Konzeption (Befruchtung) ist.

Die wichtigsten Östrogenfraktionen sind: Östron (E1), Östradiol (E2), Östriol (E3).

  • Östron (E1) ist das vorherrschende Östrogen nach der Menopause. Es wird aus Metaboliten der Nebennieren aber auch häufig im Fettgewebe gebildet.
  • Östradiol (E2) wird bei Frauen hauptsächlich im Ovar, beim Mann in Hoden und Nebennieren gebildet. Im Normbereich liegende Östrogenspiegel unterstützen einen reibungslosen Ablauf der Ovulation, Konzeption und Schwangerschaft. Weiter sind sie für eine gesunde Knochenstruktur sowie die Regulation des Cholesterinspiegel im weiblichen Organismus von Bedeutung.
  • Östriol (E3) ist das vorherrschende Östrogen in der Schwangerschaft. Große Mengen werden in der Plazenta produziert (aus Vorläufern, die in der fetalen Nebenniere und Leber produziert werden). Ab der achten Schwangerschaftswoche beginnt der Östriolspiegel zu steigen. Er steigt weiter bis kurz vor der Geburt. Das im mütterlichen Kreislauf zirkulierende Serumöstriol wird rasch aus dem Körper ausgeschieden. Jede Östriolmessung ist eine Momentaufnahme des jeweiligen Zustand des Feten und der Plazenta. Jedoch unterliegt der Östriolspiegel auch physiologischen Schwankungen.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?

Aus einer Blutprobe aus einer Armvene oder aus 24h-Sammelurin. Abhängig vom jeweiligen Labortest kann die Untersuchung selten auch aus gesammelten frischen Speichel durchgeführt werden.


Der Test

Wie wird der Östrogen-Test eingesetzt?

Östron kann bei der Diagnose eines Ovarialkarzinoms (Eierstockkrebs), beim Turner Syndrom, beim Hypopituitarismus und beim Mann bei einer Gynäkomastie oder bei Östrogen-produzierenden Tumoren hilfreich sein.

Östradiolspiegel werden zur Bestimmung der Ovarialfunktion eingesetzt. Auch bei Mädchen mit Pubertas praecox sowie bei Männern mit Gynäkomastie kann die Bestimmung von Östradiol hilfreich sein. Die wichtigste Bedeutung spielt Östradiol jedoch in der Differentialdiagnose der Amenorrhö (wie z.B. bedingt durch Menopause, Schwangerschaft oder eine andere Ursache). In der Reproduktionsmedizin werden in den Tagen vor einer In-vitro-Fertilisation regelmäßige Messungen zur Überwachung der Follikelreifung im Ovar notwendig. Manchmal wird Östradiol auch zur Überwachung einer Hormonersatztherapie in der Menopause gemessen.

Östriol wird zusammen mit Alpha-Fetoprotein (mütterliches afp), humanem Choriongonadotropin (hCG) und Inhibin A (ein ovarielles und plazentares Hormon) zur Abschätzung des Risikos im Hinblick auf die Austragung eines Feten mit Fehlbildungen wie z.B. dem Down-Syndrom durchgeführt.

Wann könnte die Bestimmung von Östrogen sinnvoll sein?
Die Bestimmung von Östron oder Östradiol (zusammen mit anderen Tests) wird veranlaßt, wenn Symptome wie Ziehen im Becken, auffallende Vaginalblutungen oder Störungen im Menstruationszyklus auftreten sowie bei einer früher oder später erwarteten Entwicklung der Geschlechtsorgane (bei Männern oder Frauen). Auch bei Symptomen der Menopause wie Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlaflosigkeit und/oder Amenorrhö wird die Bestimmung von Östron und/oder Östradiol angefordert. Zur Überwachung einer Hormonersatztherapie kann eine Bestimmung des Östronspiegel notwendig sein.

Bei Fertilitätsstörungen wird der behandelnde Arzt vor In-vitro-Fertilisationen über den Menstruationszyklus hinweg Östradiolmessungen zur Überwachung der Follikelreifung durchführen (zeitlich bestimmt durch einen plötzlichen Anstieg des Östradiolspiegels).

In der Schwangerschaft können mehrere Bestimmungen der Östriolspiegel über eine Zeit hinweg notwendig sein, um eine Tendenz, einen Anstieg oder Abfall der Spiegel zu beurteilen. Unkonjugiertes Östriol (Östriol, dass nicht an Sexualhormon-bindendes Globulingebunden ist) wird häufig zwischen der 15. und 20. Schwangerschaftswoche als Bestandteil des Triple-Tests (zusammen mit afp und HCG) gemessen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Bei vielen Stoffwechselvorgängen können erhöhte oder erniedrigte Östrogenspiegel beobachtet werden. Mit Vorsicht müssen Östron-, Östradiol- und Östriolspiegel beurteilt werden, da die Spiegel von Tag zu Tag als auch während des Menstruationszyklus stark variieren können. Deshalb werden anstatt einzelner Werte eher Tendenzen, eine Zu- oder Abnahme der Hormonspiegel über einen Zeitraum beurteilt. Im Folgenden werden Zustände und Erkrankungen beschrieben, welche mit einer Zu- oder Abnahme der Östrogenspiegel einhergehen können. Es darf nicht Vergessen werden, dass eine Diagnose nicht anhand eines einzelnen Wertes gestellt werden kann.

Erhöhte Östrogenspiegel werden beobachtet bei:

Erniedrigte Östrogenspiegel werden beobachtet bei:

  • Turner-Syndrom
  • Hypopituitarismus
  • Hypogonadismus
  • Nach der Menopause (Östradiol)
  • Bei ausbleibender Schwangerschaft (Östriol)
  • Stein-Leventhal Syndrom (Syndrom der polyzystischen Ovarien)
  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Extremen Ausdauertraining

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?

Die Testergebnisse aus Blut, Urin und Speichel sind nicht gegeneinander austauschbar. Der behandelnde Arzt wird die Entscheidung treffen, welches Östrogen und welches Probenmaterial für die geplante Untersuchung geeignet ist.

Darüber hinaus können Zyklusschwankungen, Krankheiten wie Hypertension (Bluthochdruck), Anämie sowie eine gestörte Leber– oder Nierenfunktion die Östrogenspiegel im Körper beeinträchtigen.

Einige Medikamente wie z.B. Kortikosteroide, Ampicillin, Medikamente die Östrogen enthalten, Phenothiazin sowie Tetrazykline können zu einem Anstieg der Östrogenspiegel führen, wie auch Glukose im Urin und Infektionen im Harntrakt. Zu den Medikamenten, die zu einer Abnahme des Östrogenspiegels führen, zählt z.B. das bei der in vitro Fertilisation (IVF) zur künstlichen befruchtung eingesetzte Clomiphen.


Hinweise & Störungen

Probenmaterial

Grundsätzlich ist für die Bestimmung aller Östrogene Serum geeignet. Östriol (E3) kann ebenfalls aus Heparinplasma bestimmt werden.

Stabilität und Probentransport
Stabilität im Serum: 3 Tage bei 4- 8°C, 1 Tag bei 20°C. Eingefroren (-20°C) sind Östrogene mindestens 1 Jahr stabil.

Referenzbereich
Die Referenzbereiche sind alters-, geschlechts- und zyklusabhängig, darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrensabhängig. Als Anhalt für die Referenzbereiche im Serum bei den üblich verwendeten Immunoassay-Methoden [ECLIA, RIA] können folgende Angaben dienen:

Frauen:
Östron [E1]:
35 – 230 ng/l prämenopausal abhängig von der Zyklusphase
15 – 100 ng/l postmenopausal ohne Hormonersatztherapie

Östradiol [E2]:
10 – 500 pg/ml prämenopausal abhängig von der Zyklusphase
Männer: 
Östron [E1]:
20 – 80 ng/l

Östradiol [E2]:
Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Die Beeinflussung des Östradiolspiegels durch orale Kontrazeptiva ist zu beachten und hängt von dem jeweiligen Präparat ab. Bei Leberzirrhose können erhöhte Östradiolwerte gefunden werden.
Bei Patienten unter Therapie mit hohen Biotin-Dosen (> 5 mg/Tag) sollte die Probenentnahme mindestens 8 Stunden nach der letzten Applikation erfolgen.

In seltenen Einzelfällen können Störungen durch extrem hohe Titer von Antikörpern gegen Streptavidin sowie Ruthenium auftreten.

Proben von Patienten, die mit Impfstoffen in Berührungen gekommen sind, welche Kaninchenserum enthalten oder von Patienten, die Kaninchen als Haustiere halten, können eventuell zu falschen Ergebnissen führen.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Qualitätskontrolle für die Östradiolbestimmung muß entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) durchgeführt werden, die Teilnahme an externen Ringversuchen ist Pflicht.

 


Häufige Fragen

  1. Hat jeder Mann weibliche Hormone?
    Ja, auch wenn die vorhandenen Mengen viel niedriger sind als bei Frauen, so sind sie dennoch für das hormonale Gleichgewicht sowie die Funktion anderer Drüsen von Bedeutung.
  2. Was sind Östrogenrezeptoren?
    Östrogenrezeptoren sind in Zellen bestimmter Gewebe lokalisierte Proteine, die Östrogene binden. Ein Risikofaktor für das Mammakarzinom (Brustkrebs) ist ein Übermaß an vorhandenem Östrogen. Diese übermäßige Exposition mit Östrogenen scheint das Wachstum von Karzinomzellen zu stimulieren.
  3. Was sind Phytoöstrogene und Umweltöstrogene?
    Phytoöstrogene sind östrogenähnliche Verbindungen aus pflanzlicher Quelle. Die beiden wichtigsten Gruppen sind die Isoflavone, die in Sojaprodukten enthalten sind und die Lignane, die in Getreide, einigen Früchten und Gemüse enthalten sind. Es wird vermutet, dass diese Produkte möglicherweise eine Alternative zur Hormonersatztherapie darstellen könnten. In initial durchgeführten Studien konnte eine Besserung menopausaler Symptome wie z.B. Hitzewallungen gezeigt werden. Jedoch werden weiterführende Untersuchungen notwendig sein.Umweltöstrogene sind chemische Stoffe, entweder natürliche (aus pflanzlicher Quelle) oder synthetisch hergestellte Verbindungen (wie das Insektizid DDT). Sie imitieren die Effekte von Östrogen und können Ursache für Fertilitätsstörungen, übermäßiges Wachstum der Vaginalschleimhaut, vorzeitige Brustentwicklung und Verweiblichung bei jungen Männern sein. Sie neigen dazu, lange Zeit im Körper zu überdauern und werden hinsichtlich ihrer Langzeitwirkungen untersucht.
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