T4

Auch bekannt als:

Gesamt t4, freies t4
Bezeichnung: Thyroxin
Ähnliche Tests: Schilddrüsenantikörper, tsh, t3


Auf einen Blick

Warum wird t4 untersucht?

  • Zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion;
  • bei der Diagnostik und Therapie einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüsen,

Wann sollte man t4 untersuchen lassen?

Ein t4-Test wird angefordert, wenn der tsh-Wert außerhalb des Referenzbereiches liegt oder typische Symptome einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse In einigen Ländern wird der Test routinemäßig bei Neugeborenen angewandt.

Mit welchem Probenmaterial wird der Test durchgeführt?
Mit Blut aus einer Armvene bzw. (beim Säugling) mit Blut aus einer Ferse.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Man bestimmt die t4-Konzentration im Blut. t4 ist neben Trijodthyronin (t3) das wichtigste Schilddrüsenhormon. Der Schilddrüse – einer kleinen schmetterlingsförmigen Drüse direkt unter dem Adamsapfel – kommt eine lebenswichtige Funktion bei der Kontrolle des Energiehaushalts des Körpers zu.
Der Organismus verfügt über einen sogenannten Feedbackmechanismus, der die Hormonproduktion der Schilddrüse an- und abschaltet: Wenn der t4-Spiegel im Blut abfällt, setzt der Hypothalamus (Organ im Zwischenhirn) das Thyreotropin-Releasing-Hormon frei, das die Hypophyse (Organ, das unter dem Hypothalamus liegt) dazu anregt, tsh (Hormon, das die Schilddrüse stimuliert) freizusetzen. tsh wiederum induziert eine erhöhte t4-Produktion und/oder t4-Freisetzung durch die Schilddrüse. Ein erhöhter t4-Spiegel hemmt die Freisetzung von tsh.

In der Schilddrüse liegt zu ca. 90 % t4 und zu weniger als 10 % t3 vor. t4 wird in der Schilddrüse produziert, an das ProteinThyreoglobulin gebunden und in der Schilddrüse gespeichert. Wenn Schilddrüsenhormone benötigt werden, produziert sie t4 und/oder t3 und setzt die neu gebildeten Hormone zusammen mit dem gespeicherten t4 in den Blutkreislauf frei.

t4 kommt im Blut in freier (ungebundener) und in proteingebundener Form (vor allem an das Thyroxin-bindende Globulin, TBG) vor. Der Anteil der freien Form beträgt nur etwa 0,1 % des Gesamt-t4. Dieser freie Anteil stellt jedoch die aktive Form des Thyroxins dar. Für den Stoffwechsel wirksam ist allerdings nur t3: t4  wirkt nur dann auf den Stoffwechsel, wenn es zu einem aktiven Hormon (dem t3) umgewandelt wird. Diese Umwandlung erfolgt in der Leber oder in anderen Geweben.

Produziert die Schilddrüse aufgrund einer Fehlfunktion oder als Folge eines zu niedrigen tsh zu wenig t4, treten häufig Symptome einer Hypothyreose wie Gewichtszunahme, Trockene Haut, Kälte-Intoleranz, unregelmäßige Monatsblutungen und Müdigkeit auf. Ist die Ursache für die zu geringe t4-Produktion Jodmangel, liegt oft eine stark vergrößerte Schilddrüse vor (der sogenannte Kropf).
Bei erhöhter t4-Produktion kommt es zu typischen Symptomen einer Hyperthyreose. Dazu zählen erhöhte Herzfrequenz, Angstzustände, Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, Händezittern und eine Schwellung im Bereich der Augen. Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann zur weiblichen Unfruchtbarkeit führen.

Schilddrüsenfehlfunktionen sind meist durch Autoimmunkrankheiten verursacht. Beim Morbus Basedow tritt eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) auf, bei einer Hashimoto-Thyreoiditis meistens eine Hypothyreose (=Schilddrüsenunterfunktion). Bei Verdacht auf eine autoimmun verursachte Schilddrüsenkrankheit werden zusätzlich die Schilddrüsenantikörper (anti-TPO, anti-Tg) überprüft.
Sowohl eine Hyper- als auch eine Hypothyreose kann durch eine akute Entzündung der Schilddrüse, ein Schilddrüsenadenom, ein Schilddrüsenkarzinom oder durch eine überschießende bzw. unzureichende tsh-Produktion hervorgerufen werden. Die Auswirkungen dieser Krankheitsbilder auf die Schilddrüsenhormonproduktion werden mit Hilfe der Bestimmung des freien t4, eventuell ergänzt durch einen t3-Test,  überwacht.

Wie wird das Probenmaterial gewonnen?
Blut wird zentrifugiert; untersucht wird das Serum.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Gesamt-t4 und freies t4 werden zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion bestimmt. Gesamt-t4 wurde früher bei der Diagnostik von Fehlfunktionen der Schilddrüse eingesetzt. Während die Gesamt-t4-Konzentration sehr stark von der im Blut verfügbaren Menge an Thyroxin bindenden Proteinen beeinträchtigt wird, wird das freie t4 nicht von der Proteinkonzentration beeinflusst. Die Bestimmung des freien t4 hat daher die Bestimmung des Gesamt-t4 ersetzt.

Man misst das freie t4 in der Regel zusammen mit tsh oder aufgrund eines pathologischen tsh-Wertes. Durch diese Untersuchungen lässt sich der Rückkopplungsmechanismus in der Schilddrüse überprüfen; man erhält so Hinweise auf die Ursache einer Schilddrüsenfehlfunktion. Zur weiteren Diagnostik wird sehr häufig auch die Untersuchung auf t3 herangezogen.

Bei Patienten mit einer bekannten Schilddrüsenfehlfunktion werden freies t4 und/oder tsh (eventuell auch t3 in regelmäßigen Abständen zur Überwachung der Schilddrüsenfunktion bestimmt. Bei Schwangeren mit einer Schilddrüsenfunktionsstörung erlauben diese Untersuchungen eine Aussage darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Neugeborene ebenfalls von einer Fehlfunktion betroffen sein wird.
In den Vereinigten Staaten werden sowohl t4 als auch tsh bei Neugeborenen routinemäßig bestimmt. In Deutschland wird stattdessen die alleinige Bestimmung von tsh im Rahmen des Neugeborenen-Screenings eingesetzt. Ziel dieses Screenings ist es festzustellen, ob eine angeborene Hypothyreose vorliegt, da diese unbehandelt zu einer Verlangsamung der geistigen Entwicklung führen kann.

Wann wird der Test angefordert?
Wenn der tsh-Wert von der Norm abweicht, wird in der Regel das freie t4 und/oder das t3 bestimmt. Manchmal wird der t4-Wert zusammen mit tsh gemessen, um einen besseren Überblick über die Funktionsfähigkeit des Feedbackmechanismus der Schilddrüsenhormone zu gewinnen. t4 und tsh werden gemessen, wenn Symptome einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse auftreten. Teilweise erfolgt die freie t4 Bestimmung des freien t4 auch im Rahmen des Routinescreenings; allerdings ist der Nutzen dieser Maßnahme umstritten. Bei einer vorliegenden Schilddrüsenerkrankung wird durch die Bestimmung des freien t4 der Behandlungserfolg überprüft. Bei Schwangeren mit Schilddrüsenerkrankungen werden die Schilddrüsenhormone während der Schwangerschaft und noch einige Zeit nach der Entbindung gemessen, um Mutter und Kind zu überwachen.

Was bedeutet das Testergebnis?

Ein erhöhter t4-Wert tritt im allgemeinen bei einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) auf; ein reduzierter Wert deutet auf eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) hin. Das Testergebnis allein ist für eine endgültige Diagnose noch nicht aussagekräftig genug. Daher sind weitere regelmäßige Untersuchungen erforderlich, um die genaue Ursache für einen Überschuss oder Mangel an Schilddrüsenhormonen festzustellen. Sowohl verminderte als auch erhöhte freie t4-Werte können mit zahlreichen vorübergehenden oder chronischen Schilddrüsenerkrankungen in Verbindung stehen. Niedrige Werte, die mit niedrigen tsh-Werten einhergehen, bzw. hohe t4- und tsh-Werte können auf eine Hypophysenerkrankung hinweisen.
Folgende Tabelle fasst Testergebnisse und deren möglichen Bedeutung zusammen:

t4 tsh t3 Interpretation
normal erhöht normal Milde (subklinische) Hypothyreose
reduziert erhöht reduziert oder normal Hypothyreose
normal reduziert normal Milde (subklinische) Hyperthyreose
erhöht oder normal reduziert erhöht oder normal Hyperthyreose
reduziert oder normal reduziert reduziert oder normal Seltene hypophysär bedingte (sekundäre) Hypothyreose

Anmerkung:

Für diesen Test steht kein Standard-Referenzbereich zur Verfügung. Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflusst werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrens-abhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Freies t4 ist bei Raumtemperatur 24 Stunden und bei 4° C drei Tage lang stabil. Bei längerer Lagerung muss das Serum eingefroren werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Als immunologischer Test sind Störfaktoren sehr selten. Bei einigen Tests können Störungen durch Anti-Maus-Antikörper und hohe Biotindosen auftreten.

Bei der Bewertung der Ergebnisseist die Abhängigkeit der freien t4-Konzentration vom Lebensalter zu beachten. Tests unterschiedlicher Hersteller zeigen deutliche Unterschiede im Referenzbereich.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Qualitätskontrolle für die freie t4-Bestimmung muss entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) durchgeführt werden, die Teilnahme an externen Ringversuchen ist Pflicht.


Häufige Fragen

Sind die Ergebnisse der Tests verschiedener Hersteller miteinander vergleichbar?

Die Bildung der Schilddrüsenhormone ist sehr stark von der Jodversorgung abhängig. Unterschiedliche gesetzliche Regelungen über den Zusatz von Jod (in der Regel zum Speisesalz) beeinflussen erheblich die Ausbildung eines Kropfes und die Konzentration der Schilddrüsenhormone. Deshalb sind die Referenzbereiche verschiedener Tests abhängig vom jeweiligen Land und der untersuchten Person.

Die Konzentration des freien t4 im Serum ist sehr niedrig (ca. 10 ng/ml). Abhängig von der Untersuchungsmethode kann es zu gewissen systematischen Abweichungen kommen (z. B. beim Vergleich einer Messung mit Hilfe einer Routinemethode mit einer früheren direkten Dialyse). Daher sollte immer der Referenzbereich, der mit dem entsprechenden Reagenzienkit erhoben und der vom durchführenden Laborarzt mitgeteilt wurde, bei der Bewertung berücksichtigt werden.

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