Schleimstoffe

Was sind Schleimstoffe?

Schleimstoffe bestehen überwiegend aus Polysacchariden (Vielfachzucker) und gehören der Kategorie der Biopolymere an. Der Überbegriff, der sogenannte Schleim, ist eine zähflüssige Absonderung und übernimmt wichtige Aufgaben unter anderem im menschlichen Organismus und ist auch ein Bestandteil in Pflanzen.

Eine bestimmte Schleimbildung schützt besonders Organoberflächen vor der Austrocknung und kann im menschlichen Organismus zudem auch zur Abkapselung von unerwünschten Fremdkörpern dienen. Eines der besonderen Merkmale ist die Wasseraufnahmefähigkeit und der daraus resultierenden Bildung von schleimartigen Kolloide und Gele. Diese sogenannten Hydrokolloide dienen als Schutzsubstanz. Die Hauptbestandteile des Schleims sind die sogenannten Mucine.

Die heterogenen Schleimstoffe sind in zwei Arten zu finden. Bei Schleimstoffarten besitzen jedoch gewisse Gemeinsamkeiten. Ein Kriterium ist, dass beide Arten neutrale und saure Substanzen beinhalten. Die sauren Substanzen enthalten Uronsäure-Grundbausteine anstelle der Monosachhariden. Dabei gibt es zudem wasserunlösliche und wasserlösliche Schleimstoffe.

Schleimstoffarten

Tierische Schleimstoffe:

Die tierischen Schleimstoffe bestehen aus Glykoproteinen (Verbindung von Proteinen mit Kohlenhydraten). Diese dienen als Schutzfunktion von Schleimhaut und Haut. Tierische Schleimstoffe sind im Magensaft, Speichel und auch in der Schleimhaut nachweislich. Zudem auch in Sehnen, Haut, Knorpel und in anderen Gewebebereichen. Tierische Schleimausscheidungen können zum Beispiel auch als endogenes Baumaterial angewendet werden( Auskleidung von Wohnröhren, Schaumnester). Diese speziellen Schleimstoffe schützen die Schleimhaut vor physikalischen, chemischen und mechanischen Reizen. Die Schleimstoffe im Speichel, sorgen zum Beispiel für die Viskosität des Speichels und auch der Gleitfähigkeit des Speisebreis.

Pflanzliche Schleimstoffe:

Pflanzliche Schleimstoffe sind besonders in Getreidekörner zu finden. Des weiteren sind allerdings diese speziellen Muzine auch in Algen, Blätter, Wurzeln, Stielen und Rinden vorhanden. Dabei gibt es bestimmte pflanzliche Schleimstoffe, welche vom Bekanntheitsgrad relativ hoch sind, da diese unter anderem auch in der Pflanzenheilkunde und bei bestimmten Ernährungsformen angewendet werden. Dazu dienen diese Schleimstoffe auch als Substanz in diversen Nahrungsmitteln und kann mitunter auch ein Bestandteil von Nahrungsergänzungsprodukten sein. Pflanzliche Schleimstoffe sind hochmolekulare Polysaccharide (komplex gestaltete Zuckerverbindungen) und gehören zur Kategorie der Kohlenhydrate. Eine besondere Form sind die Pentosane (Hemicellulosen) im Roggenmehl. Diese bilden die Teigbildung beim Roggenmehl und sind für die Wasserbindung verantwortlich.

Bekannte pflanzliche Schleimstoffe:

  • Leinsamenschleim
  • Tamarindenschleim
  • Hülsenfrüchtler-Schleim

Funktionsweise in der Pflanze:

Die Pflanzen schützen die Schleimstoffe besonders vor Verletzungen und unterstützen deren Wundheilung. In den Samen können sie durch ihre starke Quellfähigkeit das Wasser binden, welches wichtig für die Keimung ist.

Verwendung von Schleimstoffen

Schleimstoffe, welche von Pflanzen produziert sind, bestehen meistens aus unterschiedlichen Mehrfachzuckern. Werden diese sogenannten Mehrfachzucker mit Wasser in Verbindung gebracht, entsteht dadurch ein schleimiger Brei beziehungsweise eine Schleimstoff-Masse. Diese Pflanzenschleimstoffe sind in zahlreichen Heilpflanzen enthalten. Pflanzliche Schleimstoffe sind in der Naturmedizin, sowie auch in der Schulmedizin eine bedeutende Substanz. Dabei werden bestimmte Inhaltsstoffe und Schleimstoffe zum therapeutischen Zweck eingesetzt und erweisen sich dabei als wirkungsvoll.

Teilweise werden pflanzliche Schleimstoffe auch weiter verarbeitet und in der Medizin angewendet. Der Wirkungsvorgang kann sich positiv auf die allgemeine Gesundheit auswirken. Die Schleimstoffe werden je nach Ausgangssituation angewendet. Wie bei allen Behandlungen, hängt dieses vorrangig natürlich von der richtigen Anwendung ab.

Wasserunlösliche Schleimstoffe:

Wasserunlösliche Schleimstoffe entfalten die therapeutische Wirkung vor allem im Magen-Darm-Trakt. Diese Schleimstoffe wirken sich regulierend auf die Darmflora aus. Dabei steigern wasserunlösliche Schleimstoffe das Darmvolumen, was sich positiv auf den gesamten Magen-Darm-Trakt auswirken kann.

Wasserlösliche Schleimstoffe:

Wasserlösliche Schleimstoffe besitzen als besonderes Merkmal, eine lokale Wirkungsweise. Das bedeutet, dass wasserlösliche Schleimstoffe eine lokal einweichende, einhüllende und hauptsächlich auch reizmildernde Wirkung auf die Schleimhäute besitzt.

Bestimmte Schleimstoffe werden explizit dazu eingesetzt, um Giftstoffe aufzusaugen, diverse Entzündungen abzumildern, sowie positiv auf das Immunsystem zu wirken. Dazu können manche Schleimstoffe sogar den Blutzucker senken. Schleimstoffe bringen unterschiedliche Wirkmechanismen (je nach Heilpflanze) mit sich. Dabei wird eine Therapie mit Schleimstoffen in einer innerlichen und in einer äußerlichen Anwendung unterschieden. Je nachdem, welche Symptome vorliegen beziehungsweise welche speziellen Schleimstoffe zum Einsatz kommen.

Die Inhaltsstoffe dienen dabei vor allem zur therapeutischen Behandlung:

  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Entzündungen im Mund- und Rachen
  • Entzündungen der oberen Luftwege
  • hartnäckiger und zäher Husten
  • Magenschleimhautentzündungen
  • Blutzuckersenkung
  • Abbau von Giftstoffen

Weitere Einsatzbereiche:

  • Stärkung des Immunsystems
  • Hautschutzprodukte
  • Mückenstich-Produkte

Im Bereich der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) werden häufig Schleimstoffe aus folgenden Pflanzen angewendet:

  • Leinsamen
  • Flohsamen
  • Huflattich
  • Wilde Malve
  • Echter Eibisch
  • Himbeere
  • Apfel
  • Ringelblume
  • Brennnessel
  • Isländisches Moos
  • Lindenblüten
  • Okra
  • Wollblumen
  • Spitzwegerich

Glykosaminoglykane

Saure Polysachharide sind Glykosaminoglykane oder Mucopolysaccharide. Diese bestehen aus wiederholenden Disacchariden (Zweifachzucker). Die einzelnen Disachharid-Bestandteile enthalten Uronsäure, welche mit einem sogenannten Aminozucker (N-Acetylglucosamin) verbunden ist. Manchmal sind Glykosaminglykane auch mit Essigsäure oder Schwefelsäure weiter verbunden. Mucopolysaccharide sind Hauptbestandteile von einigen biologischen Makromolekülen. Dabei bilden diese eine Struktur von faserbildenden Stoffen. Die hohe Fähigkeit der Wasseraufnahme, macht sich in einer hohen Elastizität bemerkbar.

Je nach Zusammensetzung der Disaccharide-Bestandteile, gibt es verschiedene Unterkategorien der Glykosaminoglykane:

Hyaluronsäure:

Hyaluronsäure stellt einen wichtigen Bestandteil des Bindegewebes (extrazelluläre Matrix) von Wirbeltieren. Eine besondere Eigenschaft der Hyaluronsäure, ist die Hohe Fähigkeit der Wasserbindung. Die einzelnen sogenannten Ketten können eine molare Masse von atomaren Massen-Einheiten in einer Zahl, welche in den Bereich von mehreren Millionen geht, erreichen. Dabei besitzt die Hyaluronsäure eine mechanische und auch biochemische Funktion.

Heparin/Heparansulfat:

Heparansulfat ist strukturell mit dem Heparin zu vergleichen. Heparine sind Vielfachzucker und werden im therapeutischen Sinne zur Blutgerinnungshemmung angewendet. Heparine sind variabel verzweigte Glycosaminoglycane, und bestehen aus abwechselnden Folgen von einer Uronsäure (L-Iduronsäure oder D-Glucuronsäure) und D-Glucosamin. Natürliche Heparine werden aus der Dünndarm-Schleimhaut von Schweinen entnommen.

Keratansulfat:

Keratansulfat ist in Bandscheiben, Cornea und Knorpel vorhanden und gehört den Glykosaminoglykane an. Keratansulfat ist aus gleichartigen Disaccharideinheiten aufgebaut und enthält (gegensätzlich zu anderen Glykosaminoglykane) keine Uronsäure. Die einzelnen Bestandteile sind Glucosamin und Galaktose.

Chondroitinsulfat/Dermatansulfat:

Chondroitinsulfat und Dermatansulfat ist im Bindegewebe vorhanden. Dermatansulfat ist besonders in der Haut vorhanden. Chondroitinsulfat ist ein biologisches Makromolekül und ein Hauptbestandteil des Knorpelgewebes. Dabei trägt es zum Widerstand des Knorpelgewebes (gegen Kompressionen) bei. Im chemischen Sinne, ist es ein Gemisch aus sulfatierten (gekoppelten) Glykosaminoglykane.

Wichtige Schleimstoff-Hinweise

Die Wirkungsweisen und Anwendungsbereiche von Schleimstoffen können bedeutend unterschiedlich sein. Dabei kann die Anwendung von Schleimstoffen die Wirkung von Medikamenten gegebenenfalls beeinflussen. Ebenso kann durch die innerliche Anwendung von Schleimstoffen die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigt werden. Schleimstoffe können sich positiv auf die Gesundheit auswirken, jedoch – bei einer unsachgemäßen Anwendung – genauso die Gesundheit gefährden. Daher sind Schleimstoffe bezüglich einer Selbstmedikation ungeeignet. Die Anwendung von Schleimstoffen kann keinen Arztbesuch beziehungsweise eine medizinische Behandlung ersetzen.

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