Leinsamen

Leinsamen ist der anerkannte Fachbegriff für die Samenkörner des Flachses (Linum usitatissimum). Die alte Kulturpflanze war ursprünglich im westeuropäischen Raum sowie im Mittelmeergebiet und speziell in Süditalien verbreitet. Mittlerweile wird der sogenannte Kreuzungs-Lein, eine gezüchtete Hybrid-Form, beinahe weltweit angebaut.

Als Hauptproduzenten für pharmakologisch verwendeten Leinsamen gelten Länder wie Marokko, Belgien, Argentinien aber auch Ungarn und Indien. Medizinische Anwendung finden insbesondere die getrockneten Samen der Flachspflanze – Botaniker bezeichnen diese als Lini semen. Darüber hinaus besitzen aber auch das gesunde Leinsamen-Öl sowie die Flachs-Fasern einen hohen Stellenwert in den Apotheken dieser Erde.

Leinsamen und Flachs – Interessante Merkmale

Beim Flachs handelt es sich um eine hagere, zarte Pflanze mit einer maximalen Länge von einem Meter. Die Pflanze übersteht den Frost des Winters sowie die zu geringe Dosis an Sonnenstrahlen nicht, weshalb sie in der kalten Jahreszeit abstirbt und ihr Lebenszyklus als einjährig bezeichnet wird. Auch die Blätter sind sehr dünn und schmal, von weitem leicht mit Schilfblättern zu verwechseln. Umso spektakulärer sind die hellblauen Blüten, die allerdings nur bei ausreichender Sonnenintensität geöffnet werden.

Der Flachs produziert in der zweiten Jahreshälfte glatte, rotbraune Früchte, die als Kapseln für den Leinsamen dienen. Normalerweise befindet sich in einer einzigen Frucht eine Hand voll kleiner, ellipsenförmiger Leinsamen.

Prinzipiell gibt es in der Flachszucht zwei Ziele: Einerseits sind die Flachsfasern für die Textilindustrie interessant, und andererseits haben die Leinsamen in der Medizin sowie in der Küche einen hohen Stellenwert. Je nach Verwendungszweck entscheiden sich natürlich auch die Zuchtlinien erheblich voneinander.

Typischerweise laufen die Samenkerne an einem Ende spitzer zusammen als am anderen – was ein vergleichsweise sicheres Bestimmungskriterium für Pflanzenwissenschaftler darstellt. Will man ganz sicher gehen, so gibt man die bis zu sechs Millimeter langen Samenkörner in eine kleine Wasserschale. Binnen kürzester Zeit umgibt das Korn eine sichtbare Schleimschicht. Leinsamen sind geruchsneutral, besitzen einen zarten, leicht öligen Geschmack und fühlen sich nach dem Zerkauen im Mund etwas schleimig an.

Anwendungsmöglichkeiten der kleinen Körner

Leinsamen können sowohl für innerliche wie äußerliche Behandlungen im Bereich des MagenDarm-Traktes sowie der Haut eingesetzt werden. Bei folgenden Symptomen kann nach der oralen Einnahme von Leinsamen Linderung eintreten:

Insbesondere bei Magen-Darm-Leiden hat sich ein Brei auf Wasserbasis mit Leinsamen bewährt. Auch Breiumschläge, welche auf die entsprechende Körperpartie gelegt werden, zeigen eine ausgezeichnete, schmerzlindernde Wirkung. Darüber hinaus gelten Leinsamen bereits seit dem Mittelalter als bekömmliches und vor allem natürliches Abführmittel bei leichten Verstopfungen.

Die wertvollen Inhaltsstoffe der Leinsamen

Die Samen der Flachspflanze bestehen zu rund 25% aus Ballaststoffen. Dazu zählen all die Stoffe, welche der Körper nicht assimilieren kann. Das bedeutet, Ballaststoffe werden in aller Regel nicht zersetzt, sondern unverdaut wieder ausgeschieden. Doch die Einnahme von Ballaststoffen ist keinesfalls sinnlos, wie man nun vielleicht meinen könnte. Denn sie sorgen für einen feinen aber nachhaltigen Abrieb an den Schleimhäuten im Darmtrakt. Dies hat zur Folge, dass auf Dauer schädliche Bakterienstämme und Verhärtungen von den Darmwänden gelöst werden und mit den Ballaststoffen ebenfalls ausgeschieden werden.

Zahllose Studien konnten zudem belegen, dass die Anzahl an Polypen (das sind Ausstülpungen, die unbehandelt mit der Zeit zu gefährlichen Geschwüren heranwachsen können) bei jahrelanger, ballaststoffreicher Kost deutlich reduziert ist. Nach der oben skizzierten Wirkungsweise der wertvollen Stoffe wie etwa Lignin, Zellulose oder aber diverser Polysaccharide ist dies nicht wirklich überraschend.

Bis zu 45% der Inhaltsstoffe machen diverse pflanzliche Öle aus, die einen hohen Anteil an hochwertigen, ungesättigten Fettsäuren aufweisen. Ungesättigte Fettsäuren können vom menschlichen Organismus deutlich besser verwertet werden als die eher ungesunden, gesättigten Fettsäuren. Darüber hinaus besitzen sie nicht nur die Funktion von klassischen Energiespeichern, sondern sie nehmen auch wichtige Rollen in unserem Stoffwechsel ein. Zahlreiche Funktionen im neuronalen Bereich, wie etwa dem Aufbau und der Verschaltung von Neuronen, gelingen nur unter der Anwesenheit von ungesättigten Fettsäuren. Daher haben die werbewirksamen Lobpreisungen auf pflanzliche, hochwertige Fette in der Tat einen medizinisch bestätigten Hintergrund.

Die Einnahme von Leinsamen – alles eine Frage der richtigen Dosierung

Selbstverständlich hängt die richtige Dosierung sowie die Form der Aufnahme vom  Ziel oder besser gesagt von den Symptomen ab, die man über die Einnahme des Naturprodukts lindern möchte. Sollen die kleinen Körner beispielsweise als Abführmittel dienen, so empfiehlt sich bei Erwachsenen die Einnahme von zehn Gramm unzerkleinerter Leinsamen mit rund 300 Milliliter Wasser. Die hohe Wassermenge ist zwingend erforderlich, um ein rasches Aufquellen der Samenkörner zu bewirken, was wiederum dafür verantwortlich ist, dass die heilenden Inhaltsstoffe nach außen in den Magen-Darm-Trakt gelangen können. Man kann diesen Effekt auch noch unterstützen, indem man den Leinsamen vor der Einnahme in einer Schale mit Wasser für zwanzig Minuten aufquellen lässt. Dies empfiehlt sich ganze besonders bei einer akuten Gastritis, da hier eine maximale Wirkung für eine spürbare Besserung der Symptome nur durch eine hohe Dosis der freisetzenden Öle möglich ist.

Für die äußere Anwendung auf der Haut des Patienten werden feuchte Umschläge empfohlen, die rund 30 bis 40 Gramm Leinsamen beinhalten. Auch hier werden die Samenkörner aufquellen, was dann letztlich stark an einen Breiumschlag erinnert. Falls Sie Probleme mit der Erstellung eines Umschlages haben, können Sie diese mittlerweile bereits vorgefertigt in jeder Apotheke kaufen. Diese Umschläge haben bereits die vordefinierte Menge an Leinsamen im Stoff eingearbeitet mit drinnen. Oftmals findet sich auf diesen vorgefertigten Umschlägen der Hinweis: „Aufgeschlossen!“ Das bedeutet nichts anderes, als dass die Leinsamenkerne bereits leicht zerquetscht wurden, ehe sie in den Stoff gefüllt wurden. Das hat den Effekt, dass sie deutlich schneller aufquellen und somit zügiger zum Einsatz kommen können. Allerdings sind solche Wickel keinesfalls unbegrenzt haltbar. Achten Sie daher unbedingt auf das Verfallsdatum.

Übrigens können Sie auch Ihren Kindern mit Leinsamen etwas Gutes tun. Die Inhaltsstoffe sind mild und gut verträglich. Kindern ab sechs Jahren können Sie ohne weiteres die Hälfte der oben genannten Dosis verabreichen.

Wirkungsweise – Über die Quellung zur Ausscheidung

Die Leinsamen gehören in den Bereich der Quellstoffdrogen – klingt erstmal illegal, lässt sich aber mit einer kurzen Erklärung schnell verharmlosen.  Wie bereits bekannt ist, quellen die Samenkörner bei Kontakt mit einer wässrigen Phase auf und erhöhen dabei drastisch ihren Durchmesser.

Nimmt ein an Verstopfung leidender Patient nun ein paar Gramm des kostbaren Heilstoffs ein, so wird dieser über die Schluckbewegung in den Magen befördert. Dort sorgt die Magenperistaltik, das sind rhythmische Bewegungen der Magenmuskulatur, dazu, dass der Nahrungsbrei mitsamt der aufquellenden Leinsamen in den Darm befördert wird. Dort angelangt lagern sich nun innerhalb weniger Minuten so viele Milliliter an Wasser in den Schleimzellen der Leinsamen ein, dass sich diese bis auf den achtfachen Oberflächenradius vergrößern können! Selbstverständlich bleibt dieses Größenwachstum nicht folgenlos. Denn es entsteht ein gewaltiger Druck auf die Muskelwände hinter der Darmschleimhaut. Dies initiiert eine reflexartige Bewegung der Darmwand, um den zunehmenden Druck auszugleichen, wodurch weitere Muskelbewegungen geradezu provoziert werden. Und genau diese peristaltischen Bewegungen des Darms sind dafür verantwortlich, dass sich der halbverdaute Nahrungsbrei weiter Richtung Anus bewegt. So lassen sich auf sanfte, natürliche Weise Verstopfungen lösen, ohne auf chemische Präparate zurückgreifen zu müssen.

Nebenbei wird bei diesem Vorgang auch die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes geschützt, da sich durch die zeitweise Überdehnung des Muskelschlauches um den Verdauungstrakt zahlreiche natürliche Darmbakterien erneut ansiedeln können. Diese helfen dabei, künftige Verstopfungen bereits im Keim zu ersticken.

Dennoch müssen einige Punkte bei der Einnahme beachtet werden!

Obwohl es sich bei Leinsamen um ein mildes und schonendes Heilmittel aus der Natur handelt, so kann eine unbedarfte Selbstmedikation schwerwiegende Folgen mit sich führen. So ist prinzipiell davon abzuraten, Teesorten mit Leinsamen zu vermengen, da es mitunter zu Wechselwirkungen der pharmakologischen Inhaltsstoffe kommen kann. Liegt der Verdacht vor, es könne beim Patienten ein Darmverschluss drohen, so muss in jedem Fall von einer Behandlung auf Leinsamen-Basis abgesehen werden. Auch bei den nachfolgenden Symptomen/Beschwerden dürfen die Flachskerne keinesfalls zur Anwendung kommen:

Hauptsächlicher Grund für den Verzicht von Leinsamen in diesen Fällen liegt in der aufquellenden Wirkungsweise der Leinsamen. Liegt bereits eine Verengung im Verdauungstrakt, begonnen mit der Speiseröhre und finalisiert mit dem Enddarm, vor, so können quellende Leinsamen einen Totalverschluss verursachen – mit schwerwiegenden Folgen. Bei Verdacht auf einen Verschluss in Folge einer Leinsamen-Einnahme, welcher sich oftmals durch punktuelle, heftige Schmerzen an der jeweiligen Stelle bemerkbar macht, ist unverzüglich ein Notarzt zu rufen!

Eine rein äußerliche Behandlung der Haut mit Leinsamen sollte immer dann unterbleiben, wenn eitrige, stark nässende Wunden vorliegen. Auch bei starken, intensiven Rötungen sowie verkrusteten Wundrändern, welche erhaben aus der Hautebene hervortreten, gilt es von den Leinsamen-Wickel Abstand zu nehmen und sich besser den Rat eines Hausarztes einzuholen.

Weitere Nebenwirkungen und Kontraindikatoren

Da es sich bei den Leinsamen prinzipiell um vergleichsweise milde Wirkstoffe handelt, so ist in der überwiegenden Mehrheit der Fälle nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen. Sehr selten (im Verhältnis 1:1.000) treten Blähungen und Überempfindlichkeitsreaktionen auf. Diese klingen in aller Regel ohne weiteres dazu tun seitens des Patienten in kürzester Zeit wieder ab.

Essentiell für eine erfolgreiche Therapie mit Leinsamen ist, wie oben bereits erwähnt, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Ärzte raten hierbei, pro Gramm Leinsamenkörner mindestens 10 Milliliter Wasser zu trinken.

Besonders sorgsam sollten Sie bei einer Therapie mit Leinsamen immer dann sein, wenn Sie weitere Medikamente einnehmen. Denn Leinsamen kann die medizinischen Wirkstoffe der Medikamente beim Übertritt in die Blutbahn blockieren, was die Wirkung der Medikamente natürlich minimiert. Dies ist beispielsweise besonders gefährlich bei Diabetes-Patienten, die über blutzuckersenkende Medikamente ‚eingestellt‘ sind. Auch bei Personen mit Herzleiden, die zur Kreislaufregulation auf die regelmäßige Einnahme von Betablockern angewiesen sind, kann ein ‚Dazwischenfunken‘ der Leinsamen gefährliche Folgen nach sich ziehen.

Hier empfehlen Ärzte, stets mindestens eine Stunde nach der oralen Einnahme der Medikamente zu warten, ehe Leinsamen-Produkte konsumiert werden sollten.

Leinsamen als kleine Geburtshelfer

Gerade in den Wochen unmittelbar vor dem errechneten Geburtstermin können Leinsamen bei täglicher Aufnahme während der Schwangerschaft den weiblichen Körper schonend bei der Geburtsvorbereitung unterstützen. So können die Wehen angeregt und der eigentliche Geburtsvorgang beschleunigt werden. Die genauen Wirkmechanismen sind dabei:

  • Leinsamen regen die Schleimproduktion am Scheidengang an, was sich in der finalen Austreibungsquase der Geburt als hilfreich und beschleunigend auswirkt.
  • Wie bereits erwähnt, fördern die Samen des Flachses die Darmtätigkeiten und lösen Verstopfungen. Viele Frauen haben in den Tagen vor der Entbindung einen verhärteten oder gar ausbleibenden Stuhlgang und sorgen sich vor dem unkontrollierten Austritt während der Geburt. Hier können die kleinen Leinsamenkerne vorab für Abhilfe sorgen.
  • Neben dem Magen-Darm-Trakt wird simultan auch die Gebärmutter angeregt, die diese im voll beladenen Zustand unmittelbar vor der Geburt in direkter Nachbarschaft zum Darmepithel vorliegt. Allerdings sollten Sie bis zur 34. Schwangerschaftswoche mit der gezielten Einnahme von Leinsamen warten, da sonst die Gefahr einer verfrühten Geburtseinleitung besteht.

Zum Wunschgewicht mit Leinsamen – Was ist dran am Fitness-Mythos?

Die beiden Hauptgründe, weshalb der regelmäßige Konsum von Leinsamen-Produkten in der Tat dabei helfen kann, die Gewichte purzeln zu lassen, liegen in der Anregung der Verdauung und dem lange anhaltendem Sättigungsgefühl. Wer häufig Heißhunger bekommt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit in einen Schokoriegel oder ähnliche Diät-Killer beißt, wird die sättigenden Wirkung von Leinsamen, zum Beispiel mit dem morgendlichen Müsli vermengt, sehr zu schätzen wissen. Grund für diese langanhaltende Sättigung ist der eingangs beschriebene hohe Gehalt an unverdaulichen Ballaststoffen. Diese gaukeln in gewisser Weise dem Verdauungsapparat des Menschen vor, dass noch mehr als genug Nahrungsbrei vorhanden ist, was natürlich das Hungersignal an das Gehirn und die darauf folgenden ‚Fressattacken‘ unterbindet.

Des Weiteren regen Leinsamen die Verdauung an, was dazu führt, dass mehr Kalorien vom Körper durch eine höhere Stoffwechselrate verbraucht werden.

Wie beinahe alle im Leben, so haben auch Leinsamen einen Haken: Die Körner an sich sind wahre Kalorienbomben! Daher solltest du keinesfalls mehr als zwei Esslöffel von ihnen pro Tag zu dir nehmen, um die daraus resultierenden Erfolge nicht gleich wieder indirekt zu Nichte zu machen. Der hohe Nährstoffgehalt wird bedingt durch einen sehr hohen Fettanteil von rund 40 Prozent, was stattliche 372 Kilokalorien auf lediglich einhundert Gramm Leinsamen zur Folge hat.

Prinzipiell ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass ein zügiges Abnehmen ausschließlich durch die Einnahme dieser pflanzlichen Körner für die meisten Konsumenten nicht möglich ist. Letzten Endes muss durch eine sinnvolle und nachhaltige Ernährungsweise im Zusammenspiel mit ausreichender sportlicher Betätigung ein Kaloriendefizit erreicht werden, um wirklich schnell und langfristig an Gewicht zu verlieren.

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