Gentamicin

Das Antibiotikum Gentamicin ist ein besonders starkes Medikament, welches dann zum Einsatz kommt, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken. Seine starke Konzentration ist vor allem bei der Behandlung von gramnegativen Bakterien besonders wirksam.

Aufgrund der möglichen nephro- sowie ototoxischer Nebenwirkungen wird Gentamicin meist nur in Notfällen eingesetzt bzw. wenn kein anderes Medikament mehr wirkt.

Gentamicin , Antibiotikum , bakterielle Infektion Was ist Gentamicin?

Gentamicin ist ein aus der Gruppe der Aminoglykoside stammendes Antibiotikum welches vor allem gegen die Gruppe der Staphylokokken (rundliche, weintraubenähnliche, unbewegliche, nicht sporenbildende Bakterien) und zudem auch gegen die Gruppe der Enterobakterien oder Enterobacteriaceae wirkt.

Zudem können darüber hinaus auch Infektionen, welche durch Streptokokken verursacht worden sind, mit Gentamicin behandelt werden.

In der Praxis wird das Antibiotikum vorwiegend bei schweren Infektionen, vor allem Atemwegsinfektionen oder auch Hautinfektionen wie offene Beine oder Dekubitus verwendet.

Zusätzlich kommt das Antibiotikum bei bestehenden Erkrankungen im Augenbereich wie Hornhautentzündungen, Gerstenkörper, Lidrandentzündungen oder auch Bindehautentzündungen zum Einsatz.

In der Praxis wird das Antibiotikum systemisch meist nur als Notfallmedikament verwendet da es in einzelnen Fällen schwere Nebenwirkungen verursachen kann. Hier kommt es vor allem bei bestehenden nosokomialen Infektionen sowie Krankenhausinfektionen zum Einsatz.

Da Nebenwirkungen bei topischer Anwendung eher unwahrscheinlich sind, wird Gentamicin besonders häufig in Augensalben oder Augentropfen verwendet.

Welchen Zwecken dient der Wirkstoff?

  • Sämtliche Infektionen der oberen Atemwege zu behandeln
  • Behandlung von schweren und auch chronischen Infektionen der Harnwege
  • Behandlung von Meningitis
  • Abtötung von Staphylokokken oder Enterobakterien
  • Behandlung von bakteriellen Infektionen
  • Bekämpfung von Erregern welche auf den Wirkstoff Gentamicin empfindlich sind
  • Behandlung von akuten Augeninfektionen
  • Behandlung von Infektionen – vor allem bei immungeschwächten Patienten und Krebspatienten
  • Abtötung von Erregern welche für Geschlechtsorganinfektionen, Wundinfektionen oder auch Bauchfellentzündungen zuständig sind
  • Behandlung von Sepsis
  • Behandlung einer Endokarditis

Allgemeines

Allgemeines
NameGentamicin
Andere NamenGentamycin
SummenformelStoffgemisch
WirkstoffklasseAminoglycosidantibiotikum

Wirkungsweise

So wirkt Gentamicin

Gentamicin gehört zur Wirkstoffgruppe der Aminoglykosid-Antibiotika und wird aus der Bakterienform Micromonspora purpurea gewonnen. Gentamicin stellt eigentlich ein Gemisch aus drei Molekülen dar, welche in seiner Struktur und Form sehr ähnlich sind.

Die Hauptwirkung von Gentamicin ist das Abtöten von Bakterien, welches nicht nur während der Wachstums- und Vermehrungsphase stattfindet, sondern auch vorteilhafterweise in der Ruhephase der Bakterien.

Der Wirkstoff Gentamicin klettet sich direkt an die Ribosomen der zu bekämpfenden Bakterien. Ribosomen sind verwachsene Strukturen, deren Aufgabe es ist, in der Zelle sämtliche Umsetzungen der Erbinformationen direkt in Eiweißprodukte umzuwandeln.

In diesem Schritt entfaltet Gentamicin seine Wirkung, denn durch die enge Anheftung können die Ribosomen keine korrekten Erbgutinformationen mehr ablesen, was schlussendlich zu einer falschen Eiweißproduktion führt.

Durch diesen Effekt werden die Lebensfunktionen der Zellen so stark beeinträchtig, dass sie am Ende absterben.

Der Wirkstoff Gentamicin wird in jenen Fällen eingesetzt, in denen kein anderes Standardantibiotikum mehr wirkt. Es wird von Ärzten vor allem bei Vorliegen von schweren Infektionen, welche durch Bakterien ausgelöst werden, verordnet.

Die Aufgabe des Wirkstoffes ist es, Proteinbildung in Bakterien zu hemmen und das Bakterium schlussendlich abzutöten.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Gentamicin

Da der Wirkstoff Gentamicin nicht über den Darmtrakt aufgenommen werden kann, wird er in fast allen Fällen über eine Infusion direkt in den menschlichen Blutkreislauf verabreicht. Einmal im Blutkreislauf angekommen kann er direkt in das Gewebe weiterwandern.

Der Wirkstoff wird nicht, wie andere Antibiotika, vom Körper selbst abgebaut, sondern wird am Ende über die Niere ausgeschieden weshalb während der Gentamicin Verabreichung auf eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme zu achten ist.


Anwendungsgebiete

Wann wird Gentamicin eingesetzt?

Der Wirkstoff Gentamicin ist hauptsächlich gegen Staphylokokken und Enterobakterien wirksam. Zudem können aber auch Infektionen, welche durch Streptokokken verursacht worden sind, behandelt werden.

Der Wirkstoff findet in der Medizin vorwiegend Gebrauch bei der Behandlung von schweren Atemwegsinfektionen, Hautinfektionen oder auch Erkrankungen im Augenbereich.

Zudem ist Gentamicin besonders hilfreich bei der Behandlung von chronischen Harnwegsinfektionen, schweren Wundinfektionen oder auch Bauchfellentzündungen und bakterielle Lungenentzündungen.

Des Weiteren wird der Wirkstoff auch in der Behandlung von Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen eingesetzt sowie bei Herzinnenhautentzündungen und bestehenden Knocheninfektionen.

Ebenfalls werden schwere Krankenhausinfektionen, welche vor allem bei immungeschwächten Patienten oder Patienten, die an Krebs leiden, behandeln.


Richtige Anwendung

So wird Gentamicin angewendet

Die Verabreichung von Gentamicin erfolgt mittels Injektionslösung. Der Wirkstoff wird in kleinen Mengen direkt in einer Infusionslösung verdünnt damit er so besser und schneller direkt ins Blut gelangt und um eine erhöhte Wirkstoffkonzentration vermeiden zu können.

Sollten keinerlei Nierenvorerkrankungen vorliegen, so ist die normale Dosierung von 3 bis 6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht vorgeschrieben. Diese Dosierung wird einmal täglich verabreicht.

Sollte der Wirkstoff zur Behandlung einer schweren Infektion verwendet werden und sich nur eine verminderte Empfindlichkeit gegen den Wirkstoff zeigen, so kann die tägliche Dosierung auf 6mg/kg gesteigert werden.

Durch die lange Wirkung einer verabreichten Einzeldosis ist es nicht notwendig Gentamicin öfters pro Tag zu verabreichen.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Gentamicin?

Es gibt eine definierte Liste an Medikamenten, welche den Wirkstsoff Gentamicin beinhalten:

  • Gentamicin POS Augensalbe
  • Gentamicin POS Augentropfen
  • Refobacin Creme
  • Refobacin Augentropfen
  • Terramycin N Gentamicinsulfat Augentropfen

Handelsnamen

Monopräparate

  • Gentamycin
  • Gencin
  • Gentamytrex
  • Gent-Ophtal
  • Refobacin
  • Sulmycin
  • Generika

Kombinationspräparate

  • Cibaflam
  • Decoderm comp
  • Dexa-Gentamicin
  • Dexagent
  • Dexamytrex
  • Diprogenta
  • Inflanegent
  • Septopal
  • Terracortril

Indikationen

Zu den Indikationen von Gentamicin zählen sehr schwere Infektionen, die sich nicht durch andere, verträglichere Antibiotika behandeln lassen. Das sind zum Beispiel:

Der Wirkstoff ist dabei stets mit einem Betalaktamantibiotikum, wie etwa Piperacillin, zu kombinieren. Bei einer Listerien-Meningitis gilt die Kombination von Gentamicin und Ampicillin als Standardtherapie.


Gegenanzeigen

Wann darf Gentamicin nicht angewendet werden?

Sollte eine Überempfindlichkeit oder Unverträglichkeit gegen Gentamicin bestehen so darf der Wirkstoff zur Behandlung nicht eingesetzt werden.

Sobald eine ausführliche Risiko-Abwägung vom zuständigen Arzt durchgeführt wurde, wird gemeinsam entschieden ob eine Behandlung mit Gentamicin möglich ist oder nicht.

Unter ärztlicher Aufsicht und nur nach genauer Nutzen-Risiko-Abwägung darf Gentamicin als Infektion verabreicht werden bei:

  • Vorbestehender Innenohrschwerhörigkeit
  • Fortgeschrittener Nierenfunktion
  • Bekannten Vorerkrankungen der Muskel- und Nervenfunktion da eine Reizübertragung von Nerven auf Muskeln durch die Einnahme von Gentamicin blockiert wird

Sollte eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegen so wird der behandelnde Arzt entscheiden, ob die Anwendungen in einem längeren Zeitraum durchgeführt werden oder auch die Dosierung dementsprechend vermindert wird. Zusätzlich wird eine regelmäßige engmaschige Kontrolle der Nierenfunktion durchgeführt.

Bei vorbestehender Lebererkrankung oder auch Einschränkungen der Hörfunktion kann eine Anwendung von Gentamicin den Zustand verschlechtern, daher ist auch hier eine regelmäßige ärztliche Begutachtung zwingend notwendig.

Die Behandlung von Gentamicin als Creme oder Salbe ist möglich jedoch darf diese nicht großflächig aufgetragen werden, um eine direkte Aufnahme im Körper zu vermeiden. So darf die Creme auch nicht auf offene oder verbrannte Stellen aufgebracht werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bis dato gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zum dem Thema Injektion von Gentamicin in Kombination mit Schwangerschaft.

Bei Tierexperimenten hat man jedoch herausgefunden, dass es durchaus möglich ist dem Ungeborenen einen Schaden durch eine mögliche Injektion zuzufügen da Gentamicin den Mutterkuchen durchdringen kann.

Somit besteht durchaus die Möglichkeit dass eine Behandlung mit Gentamicin Nierenschäden oder auch Innenohrschäden beim Ungeborenen hervorrufen können.

Aus diesem Grund ist eine Therapie nur in Ausnahmefällen und bei akuten lebensbedrohlichen Infektionen während der Schwangerschaft vorgesehen.

Bei stillenden Müttern wurde nachweislich festgestellt, dass geringe Mengen an Gentamicin in die Muttermilch übergehen können und somit auch in das Blut der gestillten Kinder auffindbar ist.

In solchen Fällen ist es die Entscheidung des Arztes, ob eine Therapie mit Gentamicin weitergeführt werden muss und die Mutter abstillen muss damit keinerlei Wirkstoff in das Blut des Kindes gelangt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Da es bei dieser Personengruppe noch zu wenige wissenschaftliche Erkenntnisse gibt ist es ratsam eine Therapie mit Gentamicin hier nicht durchzuführen, sondern auf einen anderen Wirkstoff auszuweichen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Gentamicin?

Die häufigsten Nebenwirkungen, welche bei einer Gentamicin Behandlung auftreten können sind Augenerkrankungen welche sich hauptsächlich durch gerötete Augen oder auch Brennen zeigen können.

Zudem können Schädigungen des Gehörs auftreten welche vor allem das Innenohr betreffen sowie Nierenerkrankungen. Wird der Gehörgang stark angegriffen so kann zusätzlich ein Verlust des Gleichgewichtssinns auftreten.

Wird die Therapie mit Gentamicin beendet so kann eine etwaige Nierenfunktionsstörung in den meisten Fällen mit speziellen Medikamenten rückgängig gemacht werden.

Sehr selten können nachfolgende Nebenwirkungen auftreten:

Gelegentlich können bei der Behandlung mit Gentamicin Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen, Hautausschläge oder auch ein akuter Temperaturanstieg auftreten. Zusätzlich kann es gelegentlich zu einem allergischen Hautausschlag, wenn der Wirkstoff vom Betroffenen nicht vertragen wird.

In seltenen Fällen können Nebenwirkungen wie eine kurzfristige Erhöhung der Blutwerte, schneller Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündungen, Dickdarmentzündungen oder auch Muskelschmerzen und gerötete Haut auftreten.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Gentamicin?Anwendung als Injektion

Wird der Wirkstoff während oder auch nach einer Operation als Injektion verabreicht so kann bei gleichzeitiger Verabreichung von Muskelrelaxantien deren Wirkung kurzzeitig verstärkt und somit auch die Wirkung verlängert werden. Das Resultat ist eine eingeschränkte Atemwegsfunktion.

Aufgrund des Risikos eine Nierenerkrankung bei der Behandlung mit Gentamicin zu entwickeln ist es wichtig regelmäßig in ärztlicher Kontrolle zu sein.

Anwendung als Creme

Wird der Wirkstoff als Creme verwendet so kann es sein, dass bei einer großflächigen Anwendung das Gentamicin direkt in den Körper aufgenommen wird. Sollte dies der Fall sein, so kann bei einer etwaigen weitere medikamentösen Therapie mit anderen Wirkstoffen eine Nierenerkrankung hervorgerufen werden.

Zudem kann sich auch in diesem Fall eine Wechselwirkung in Form einer Atemwegsschwäche zeigen.

Anwendung als Augentropfen- oder Salbe

Wird Gentamicin in Form von Augentropfen oder einer Augensalbe verwendet so können sich deutlich sichtbare Niederschläge im Bindehautsack bilden.

Es ist daher besonders darauf zu achten bei der Verwendung von mehrere Augenmitteln immer einen zeitlichen Abstand von mehr als 15 Minuten einzuhalten, um etwaigen Wechselwirkungen hintanhalten zu können.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Gentamicin zu beachten?

Gentamicin darf nicht eingenommen werden, wenn eine mögliche Allergie auf den Wirkstoff oder auch andere Aminoglykoside hat. Ebenso dürfen Patienten, die anamnestisch bereits an einer Nierenerkrankung leider Gentamicin nur unter genauer fachärztlicher Überwachung einnehmen.

Da der Wirkstoff die Reizübertragung der motorischen Nerven direkt auf den Muskel beeinträchtigen kann ist eine Anwendung bei Patienten, die an neuromuskulären Vorerkrankungen leiden, nur unter ärztlicher Aufsicht empfehlenswert.

Durch die muskelentspannende Wirkung des Wirkstoffs können in einzelnen Fällen Atemschwierigkeiten auftreten, welche in seltenen Fälle auch zu Atemlähmungen führen können.


Abgabevorschriften

So erhalten sie Medikamente mit Gentamicin

Wenn eine Behandlung mit dem Wirkstoff mit Gentamicin notwendig ist, so wird dies vom behandelnden Arzt festgestellt. Gentamicin ist daher auch nur auf Rezept erhältlich und entweder als Augentropfen, Augensalbe oder auch Infusionslösung in Apotheken erhältlich.


Geschichte

Der Wirkstoff wurde 1963 in New Jersey von Mitarbeitern in Produkten des sogenannten Bakterienstammes Micomonospora purpurea entdeckt. Nach intensiven Studien wurde in diesem Jahr auch die einzigartige antibakterielle Wirkung erkannt und wurde rasch in der medizinischen Welt eingesetzt.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei der Anwendung von Gentamicin in Form von Injektionslösungen können etwaige Nierenfunktionsstörungen oder auch kurzfristige Nierenwerterhöhungen auftreten
  • Ist eine Innenohrschwerhörigkeit bekannt, ist eine innerliche Anwendung von Gentamicin kontraindiziert
  • Bei begonnener innerlicher Anwendung von Gentamicin ist vor einer geplanten Operation unbedingt der zuständige Narkosearzt zu informieren, um etwaige Wechselwirkungen verhindern zu können
  • Bei Behandlung von Augeninfektionen dürfen nur Augentropfen oder Augensalben direkt im Augenbereich verwendet werden

Sollte bei der Anwendung von Gentamicin eine allergische Reaktion auftreten so sollte umgehend der der behandelnde Arzt aufgesucht werden.


Quellen

  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH)
  • Fachinformationen Gentamicin: www.fachinfo.de/suche/fi/012011
  • Europäisches Arzneibuch PhEur
  • Herdegen, T. et al.: Kurzlehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, 3. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2014. S. 566-567, S. 576, S. 616
  • Chen C., Chen Y., Wu P., Chen B. Update on new medicinal applications of gentamicin: evidence-based review. J Formos Med Assoc, 2014, 113(2), 72-82 Pubmed

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