Harnsäure

Auch bekannt als:
Bezeichnung: Harnsäure
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Auf einen Blick

Warum wird die Harnsäure untersucht?
Erhöhte Harnsäure-Werte im Blut (Hyperurikämie) sind mit einem höheren Risiko zur Entwicklung einer Gicht sowie mit dem metabolischen Syndrom assoziiert.

Bei welchen Erkrankungen sollte die Harnsäure untersucht werden?

  • Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Gichterkrankung (z.B. akute Gichtarthritis, chronische Gicht, Urat-Nephropathie).
  • Bei Nephrolithiasis (Nierensteinerkrankung).
  • Bei Patienten mit V.a. ein metabolisches Syndrom bzw. bei Erkrankungen des arteriosklerotischen Formenkreises.
  • Bei Zuständen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einer sekundären Hyperurikämie (z.B. Bestrahlung oder Chemotherapie im Rahmen der Krebsbehandlung).
  • Zur Therapieüberwachung bei Behandlung einer Hyperurikämie.

Aus welchem Probenmaterial wird der Harnsäure-Test durchgeführt?
Aus einer venösen Blutprobe (üblicherweise aus einer Armvenenpunktion). Für bestimmte Fragestellungen ist auch eine Urinuntersuchung sinnvoll.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?
Die Diagnose einer Hyperurikämie wird aus einer Blutprobe gestellt. Es wird der nach Zentrifugation der Vollblutprobe gewonnene Überstand für die Untersuchung eingesetzt.

Die Harnsäure-Bestimmung kann aus dem Überstand von nicht antikoaguliertem (nicht mit erinnungshemmenden Substanzen versetztem) Vollblut, als Serum bezeichnet, oder aus antikoaguliertem Blut, als Plasma bezeichnet, erfolgen. Als Gerinnungshemmer sollte vorzugsweise Heparin oder EDTA verwendet werden. Citrat und Oxalat sind als Antikoagulantien nicht geeignet, da sie die Bestimmungsmethode stören können.

Zur Klärung der Ursache einer Hyperurikämie bzw. zur Frage nach der optimalen Therapie kann eine zusätzliche Bestimmung der Harnsäure aus einer Urinprobe erfolgen. Es wird die Harnsäureausscheidung über 24 h gemessen. Alternativ kann auch der Harnsäure / Kreatinin-Quotient im Urin bestimmt werden.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Üblicherweise wird venöses Blut aus einer Armvenenpunktion gewonnen. Für die Messung der Harnsäure-Konzentration im Urin wird das Probenmaterial in den meisten Fällen entsprechend den Standardbedingungen, wie sie auch für die Kreatinin-Clearance gelten, über 24 h gesammelt. Ein Zusatz zum Urin ist nicht erforderlich. Der Anforderer wird ein Aliquot des Sammelurins in einem Plastikröhrchen zusammen mit der dokumentierten Sammelzeit und Sammelmenge an das Labor schicken.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?
Die Untersuchung der Harnsäure-Konzentration im Blut wird eingesetzt, um Aufschluss darüber zu erhalten, ob Erkrankungen wie z.B. eine Arthritis (Gelenkentzündung) oder Nephrolithiasis (Nierensteine) auf eine Hyperurikämie zurückzuführen sind. In dieser Konstellation könnte es sich um eine Gicht- Erkrankung handeln. Zudem finden sich erhöhte Harnsäurewerte im Blut auch bei Patienten mit Metabolischem Syndrom, einem Krankheitskomplex, der sich vor allem in westlichen Ländern findet und u.a. durch Adipositas (Übergewicht), Hypertonus (Bluthochdruck), einen gestörten Glukosestoffwechsel gekennzeichnet ist. Das Risiko für arteriosklerotische Gefäßerkrankungen wie z.B. einen Myokardinfarkt ist bei diesen Patienten erhöht.

Weiterhin kann der Test auch zur Überwachung bei bestimmten Zuständen eingesetzt werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Hyperurikämie einhergehen. Schließlich wird er auch zur Therapieüberwachung bei behandlungsbedürftiger Harnsäureerhöhung eingesetzt.

Häufig wird der Test auch im Rahmen einer allgemeinen, internistischen Untersuchung bzw. als Screening-Test eingesetzt. Dies führt insbesondere in den westlichen Ländern dazu, dass eine Hyperurikämie häufig bereits vor dem Entstehen von Symptomen entdeckt wird und ggf. behandelt werden kann.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Bei einer Gicht-Erkrankung findet sich typischerweise eine Erhöhung der Harnsäure-Werte im Blut. Diesem Krankheitsbild liegt eine vererbte Störung des Harnsäurestoffwechsels bzw. der Harnsäureausscheidung zugrunde, die sich aber häufig erst beim Vorliegen anderer Faktoren wie einer proteinreichen Ernährung manifestiert. Die Gicht kann sich verschieden äußern. Ein erstes Symptom der akuten Gichtarthritis können Schmerzen in Zehen (häufig Großzehe) oder anderen Gelenken sein. Die chronische oder tophöse Form der Gicht führt zu langsam wachsenden knotigen Massen, insbesondere in der Nähe von Knochen und Gelenken. Häufig betrifft die Gicht auch die Nieren. Daher sollte bei Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion) und bei Nephrolithiasis immer auch an eine Bestimmung der Hanrsäurewerte im Blut gedacht werden.
In Situationen, die erfahrungsgemäß häufig mit einer Hyperurikämie einhergehen, sollten die Harnsäurewerte im Blut regelmäßig untersucht werden. Zu den Erkrankungen mit Gefahr einer sekundären Hyperurikämie zählen hämatologische Tumorerkrankungen, eine Chemo- oder Strahlentherapie, Fastenkuren sowie chronischer Alkoholkonsum und einige medikamentöse Therapien (z.B. Salizylate, Diuretika, Levodopa).

Hier sollten in regelmäßigen Abständen die Harnsäure-Werte kontrolliert werden, um einen gefährlichen Anstieg rechtzeitig vorzubeugen. Bei einer bekannten Gicht oder Gicht-Nephropathie (Nierenschädigung im Rahmen der Gicht) ist es natürlich selbstverständlich, regelmäßig die Harnsäurekonzentration bestimmen zu lassen, um den Zeitpunkt für eine Therapie zu bestimmen oder eine harnsäuresenkende Therapie zu überwachen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Die Harnsäure ist ein Abbauprodukt des Purin-Stoffwechsels. Purine sind Stoffwechselbausteine, die im Körper durch den Abbau von Nahrungsbestandteilen oder Nukleinsäuren (DNA) anfallen. Da es sich bei Harnsäure um ein Stoffwechselprodukt handelt, das nicht weiter abgebaut werden kann, muss es ausgeschieden werden. Dabei erfolgen 2/3 der Ausscheidung über die Nieren mit dem Urin und das restliche Drittel über den Darm.

Die Akkumulation von Harnsäure im Organismus kann zum Ausfallen von Harnsäurekristallen in Geweben und damit zur Gicht führen. Die Löslichkeitsgrenze der Harnsäuresalze liegt bei ca. 8,4 mg/dl (500 µmol/l). Das Ausfallen der Kristalle ist jedoch neben dem Anstieg der Harnsäure von weiteren Faktoren wie der Temperatur, dem pH-Wert und der Durchblutung des Gewebes abhängig. Des weiteren ist die Hyperurikämie mit dem Krankheitsbild des Metabolischen Syndroms assoziiert.

Man geht nach dem Stand der aktuellen Forschung davon aus, dass niedrige Harnsäure-Werte (Hypourikämie) nicht mit Krankheitssymptomen einhergehen.

Wie bereits angesprochen können erhöhte Harnsäure-Spiegel im Blut zum Krankheitsbild der Gicht führen. Eine solche Ansammlung von Harnsäure beruht in der Regel auf einer genetischen Disposition (Veranlagung) aufgrund einer verminderten Ausscheidungsfunktion der Nieren in Kombination mit exogenen Faktoren (Ernährung, Medikamente, etc.). Selten findet sich auch eine genetisch bedingte, vermehrte Harnsäureproduktion.

Die Hyperurikämie kann jedoch auch wesentlich durch nicht genetisch bedingte Ursachen entstehen und wird dann als sekundäre Hyperurikämie bezeichnet. Hierzu zählen hämatologische Tumorerkrankungen, die Schwangerschaftsgestose, Alkoholismus, Down-Syndrom, Leberinsuffizienz, Mangel- oder Fehlernährung, Adipositas und Psoriasis. Darüber hinaus steigt die Harnsäure auch physiologischerweise bei Stress oder starker körperlicher Belastung an. Ein Nierenversagen führt durch die oben angeführte verminderte Ausscheidungsfunktion zu einem Anstieg der Harnsäure im Blut. Im Rahmen einer Chemo- oder Strahlentherapie zur Krebsbehandlung kann es ebenfalls zu einem gefährlichen Harnsäureanstieg kommen bedingt durch die beim Zellzerfall vermehrt freigesetzten Purine. Daneben kann auch eine Reihe von Medikamenten einen Harnsäureanstieg im Blut bewirken.

Eine über den Normwert erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut deutet auf eine Störung des Purin-Metabolismus (Purin-Stoffwechsel) hin. Der nächste diagnostische Schritt besteht darin, herauszufinden, ob eine genetische Veranlagung zur verminderten renalen Ausscheidung oder einer Überproduktion von Harnsäure vorliegt.

Patienten mit erhöhten Harnsäure-Werten sollten in der Regel prophylaktisch behandelt werden, da die Harnsäure in Gelenken, Knochen, Sehnenscheiden, Nieren und anderen Organen ausfallen kann. Die folgende Entzündungsreaktion kann zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sowie Funktionsverlusten führen. Eine Hyperurikämie kann auch die Bildung von Nierensteinen begünstigen und auch durch andere Mechanismen zu einer Nierenschädigung beitragen. Bei asymptomatischen Patienten mit leichtgradig erhöhten Werten bis ca. 9 mg/dl (535 µmol/l) stehen diätetische Maßnahmen im Mittelpunkt, während bei stark erhöhten Werten eine zusätzliche medikamentöse Therapie erforderlich sein kann.

Es ist nicht eindeutig geklärt, welche Harnsäurekonzentrationen noch als normal anzusehen sind, da die Spanne der Normalwerte relativ groß ist. Außerdem beeinflusst die Ernährung den Harnsäurespiegel wesentlich. Deshalb ist es in einigen Fällen sinnvoll, die Harnsäure-Spiegel über einen längeren Zeitraum zu beobachten, um ein reales Bild zu erhalten und eine eventuelle Therapie einzuleiten.

Die Quantifizierung der Harnsäureausscheidung im Urin kann wertvolle Informationen zur Ursache der Hyperurikämie liefern. Bei bestehender Erhöhung der Harnsäure-Konzentration im Blut sprechen eine Harnsäureausscheidung bis 800 mg / Tag (bzw. bis 600 mg / Tag bei purinarmer Ernährung) für eine gestörte tubuläre Harnsäuresekretion. Dieser Faktor des gestörten Harnsäuremetabolismus ist häufig genetisch determiniert.

Mengen oberhalb dieser Grenzwerte sprechen hingegen für einen gesteigerten Harnsäuremetabolismus aus exogenen (mit der Nahrung zugeführten) oder endogenen (im Organismus produzierten) Purinen. Da dies auch für den Fall von normalen Harnsäurewerten im Blut gilt, kann die Urinuntersuchung auch in der Primärdiagnostik der Hyperurikämie, insbesondere in Zweifelsfällen, relevant sein.

Der Harnsäure- / Kreatinin-Quotient aus Spontanurin als alternativer Parameter zur Detektion einer vermehrten Harnsäureausscheidung über die Nieren (Cut-off > 0,8) gilt als weniger sensitiv im Vergleich zum 24 h-Sammelurin.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Eine Vielzahl von Medikamenten kann die Harnsäure-Konzentration im Blut sowohl negativ als auch positiv beeinflussen. Insbesondere Diuretika wie z. B. Thiazide können zu einer Erhöhung der Harnsäure-Werte führen.

Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) und andere Salizylate haben abhängig von der Konzentration einen unterschiedlichen Effekt auf den Harnsäure-Metabolismus, da Harnsäure durch einen sehr komplizierten Mechanismus über die Nieren ausgeschieden wird. Nach Passage des glomerulären Filters wird die Harnsäure im Tubulus-System nahezu wieder vollständig reabsorbiert. Anschließend wird ein Teil wieder sezerniert und erneut reabsorbiert. Bei einer niedrig-dosierten Einnahme von Salizylaten (< 2 g / Tag) blockiert es die renale Sekretion der Harnsäure und führt so zu einem Anstieg im Blut. Bei höheren, täglichen Dosen wird dagegen die Reabsorption stärker gehemmt als die Sekretion, so dass es zu einer Verminderung der Harnsäure-Konzentration kommt. Patienten mit erhöhten Harnsäure-Werten sollten viel Flüssigkeit zu sich nehmen und eine purinarme Diät einhalten. Nahrungsmittel, die viele Purine enthalten sind beispielsweise: Fleisch, Innereien wie Leber oder Niere, Sardinen und Anchovies. Alkohol sollte ebenfalls gemieden werden, da er die Harnsäure-Elimination aus dem Körper verlangsamt. Sowohl Fasten als auch eine Mangelernährung oder extreme körperliche Belastung können auch dazu beitragen, die Harnsäure-Konzentration im Blut zu erhöhen.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport
Die Harnsäurekonzentration im Vollblut ist bei Raumtemperatur ca. 3 Tage stabil.

Die Harnsäure-Bestimmung kann aus Serum; aus Heparin-Plasma oder EDTA-Plasma erfolgen. Nicht geeignet als Antikoagulantien sind Citrat und Oxalat, da sie die enzymatische Reaktion (Urikase) der Bestimmungsmethode stören können.

Die Entnahme der Proben sollte morgens und nüchtern erfolgen.

Die Urindiagnostik erfordert üblicherweise eine Sammlung über 24 h (entsprechend den Standardbedingungen der Bestimmung der Kreatinin-Clearance). Alternativ kann aus Spontanurin auch der Harnsäure- / Kreatinin-Quotient zur Quantifizierung der Harnsäureausscheidung im Urin erfolgen, der jedoch als weniger aussagekräftig als die 24 h-Sammlung angesehen wird. Stabilisierende Zusätze zur Urinprobe sind nicht erforderlich.

Referenzbereiche (Erwachsene)
Harnsäurekonzentration im Plasma / Serum
Frauen 2,3 – 6,1 mg/dl (137 – 363 µmol/l)
Männer 3,6 – 8,2 mg/dl (214 – 488 µmol/l)

Wichtig: Insbesondere bei Männern wird der obere Grenzwert des Referenzbereichs als zu hoch angesehen.

Für die Diagnose der Hyperurikämie gelten folgende Cut-off-Werte:
Frauen wiederholt > 6,5 mg / dl (387 µmol / l)
Männer wiederholt > 7 mg / dl (416 µmol / l)

Für Kinder und Jugendliche gelten niedrigere Referenzbereiche.

Harnsäureausscheidung im Urin
Bis 600 mg / 24 h (purinarme Ernährung)
Bis 800 mg / 24 h (normale Ernährung)

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

Nahrungsabhängigkeit
Die Entnahme der Proben sollte insbesondere aufgrund der Nahrungsabhängigkeit sowie auch einer geringen tageszeitlichen Schwankung morgens und nüchtern erfolgen. Ein gewöhnliches, kontinentales Frühstück hat jedoch nur eine geringe Auswirkung auf die Harnsäurekonzentration im Blut. Berücksichtigt man die genannten Faktoren sind Wiederholungsmessungen der Harnsäure zur Sicherung einer Hyperurikämie sehr empfehlenswert.

Weitere Einflußgrößen
Stärkere körperliche Aktivität und intensive Sonneneinstrahlung sollten vor der Abnahme vermieden werden, da sie hohen Harnsäurewerten führen können. Auch Fastenkuren führen zu hohen Harnsäurewerten im Blut.
Einige Medikamente wie u.a. gering dosierte Salizylate (s. auch oben), Omeprazol, Diuretika, Levodopa, Ciclosporin A und gesteigerter Alkoholkonsum können zu hohen Harnsäurewerten führen. Andere Medikamente wie höher dosierte Salizylate, Cumarine und Kortikoide können zu niedrigen Harnsäurewerten führen und eine Hyperurikämie ggf. maskieren.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
[Standardsatz: nach Richtlinie „Labor“ der Bundesärztekammer vom 24.08.2001 (letzte Änderung 14.11.2003) im Serum / Plasma und Urin ringversuchspflichtig]


Häufige Fragen

Können erhöhte Harnsäure-Werte auf leichte Art und Weise gesenkt werden oder müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden?
In Abhängigkeit von der Ursache für die erhöhte Harnsäure-Konzentration und der harnsäurebedingten Erkrankung müssen Medikamente vorübergehend oder dauerhaft eingenommen werden. Im Falle eines akuten Gichtanfalls, der sehr schmerzhaft sein kann, wird der behandelnde Arzt für eine kurze Zeit das Medikament Colchicin und Nicht-steroidale Antiphlogistika wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) zur Eindämmung der akuten Entzündung verschreiben.

Allerdings kann es sein, dass für einige Jahre ein Basispräparat eingenommen werden muss, bis die Harnsäure-Konzentration wieder konstant normale Werte annimmt. Am häufigsten kommt in dieser Hinsicht Allopurinol zur Anwendung, das die Bildung der Harnsäure hemmt. Alternativ kann auch Probenecid gegeben werden, das die renale Harnsäure-Ausscheidung fördert. Grundsätzlich sind parallel zur medikamentösen Therapie diätetische Maßnahmen einzuhalten.

Was ist Gicht?
Gicht kann sich verschiedenartig manifestieren. Grob kann man eine akute, eine chronische und eine Gicht mit Nierenbeteiligung unterscheiden.

Eine akute Gicht gehört zu den häufigsten Ursachen für eine Arthritis. Eine Gicht-Attacke beginnt oftmals nachts und  hält ca. 12 Stunden oder sogar länger an. Sie geht einher mit Entzündungszeichen wie Schwellung, Schmerz und Rötung des betroffenen Gelenks. Normalerweise betrifft ein akuter Gicht-Anfall nur ein oder zwei Gelenke (in der Regel an den Füßen und Sprunggelenken). In der Mehrzahl der Fälle ist das Großzehengrundgelenk die Hauptlokalisation (Podagra). Die Patienten erwachen nachts aufgrund geringer mechanischer Reizung (z.B.  Reiben der Bettdecke an der Zehe) und haben sehr intensive Schmerzen. Die Gicht wird durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen im Gelenk verursacht, die eine Entzündungsreaktion provozieren. Auch ohne Behandlung geht die Symptomatik eines akuten Gicht-Anfall in der Regel nach einer Woche zurück. Danach können bis zur nächsten Attacke Monate oder sogar Jahre vergehen (sogenannte Interkritische Gicht). In der Folge ist eine zunehmende Anzahl von Gelenken beteiligt. In der Folge kann es zu Funktionseinschränkungen sowie in Extremfällen bis zur Behinderung kommen (siehe auch American College of Rheumatology). Deshalb ist es besonders wichtig zu einem möglichst frühen Zeitpunkt eine Therapie einzuleiten, wenn der Verdacht auf das Vorliegen einer Gicht besteht.  Im Rahmen der Diagnostik wird der behandelnde Arzt die Harnsäure-Konzentration im Blut bestimmen und evtl. sogar das betroffenen Gelenk mit einer Nadel punktieren müssen, um die Harnsäure-Kristalle nachweisen zu können.

Eine Form der chronischen Gicht ist die Tophöse Gicht, bei der es in Kombination mit den oben beschriebenen akuten Gichtanfällen oder auch ohne diese zur Bildung von knotigen Massen in Geweben des Bewegungsapparates kommt. Von der dieser Form der Gicht sind vor allem Frauen betroffen.

Weiterhin wird eine Gicht-Erkrankung der Niere unterschieden. U.a. kann es zu Kristallablagerungen im Gewebe mit Nierenfunktionseinschränkung oder zur Nephrolithiasis (Nierensteinbildung in den harnableitenden Gängen) kommen.

Ist  es richtig, dass Frauen angeblich keine Gicht bekommen können?
Nein, von der akuten Gichtarthritis sind zwar häufiger Männer betroffenen. Sie aber auch bei Frauen auftreten, insbesondere nach der Menopause. Andere Formen der Gicht wie z.B. die tophöse Gicht treten häufiger bei Frauen als bei Männern auf.


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