Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)

Morbus Bechterew Spondylitis ankylosans

Morbus Bechterew gehört zu den rheumatischen Erkrankungen und verläuft häufig chronisch. Die Bechterew Krankheit verläuft in Schüben und verursacht im Körper chronische Entzündungen. Häufig kommt es zu Versteifungen bzw. Verknöcherungen am Achsenskelett, insbesondere an der Wirbelsäule und am Becken.

Unter dem Begriff Morbus Bechterew versteht man eine rheumatische Erkrankung, welche einen chronischen Verlauf aufweist. Wirbelsäulengelenke sind von der Krankheit am meisten betroffen, aber auch andere Gelenke im Körper.

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew gehört zu den Spondyloarthritiden, das sind Erkrankungen des Achsenskeletts. Die genaue Bezeichnung der Erkrankung ist Spondylits ankylosans. Es ist eine chronisch verlaufende und entzündlich-rheumatische Erkrankung, die häufig die Wirbelsäule und das Becken (Iliosakralgelenk) befällt. Es können aber auch andere Teile des Achsenskeletts betroffen sein z. B. Sehnenansätze, Kniegelenke, Brust- oder Halswirbelsäule.

Typisch für diese Erkrankung sind eine Zerstörung von Knochengewebe sowie eine gleichzeitige Neubildung von Knochenanhängseln. Es kommt zu anhaltenden entzündlichen Prozessen und langfristig führt M. Bechterew (= versteifende Wirbelsäulenerkrankung) zu einer Verknöcherung der vielen kleinen Gelenke und Bänder der Wirbelsäule und des Beckens, was die Beweglichkeit drastisch minimiert und häufig mit Schmerzen verbunden ist. Meist kommt die Erkrankung zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr zum ersten Mal zum Ausbruch. Ein Ausbruch nachdem 45. Lebensjahr kommst eher selten vor.

Für die Krankheit Morbus Bechterew wird auch der Begriff Spondylitis ankylosans verwendet. Spondylitis ankylosans leitet sich aus der altgriechischen und lateinischen Sprache ab. „Spondylitis“ stammt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt so viel, wie gebeugt oder gebogen. „Ankylosans“ wird mit Wirbel übersetzt. Spondylitis ankylosans kann man frei auch als versteifende Wirbelentzündung übersetzen und beschreibt damit das Krankheitsbild der Morbus- Bechterew-Erkrankung.

Abgekürzt wird Morbus Bechterew auch als Bechterewsche Krankheit bezeichnet. Der Name Bechterew geht auf den Entdecker der Krankheit, Wladimir Michailowitsch Bechterew zurück. Der Begriff „Morbus“ stammt aus dem Lateinischen und lässt sich mit Krankheit übersetzen. Weitere Namen für Morbus Bechterew sind ankylosierende Spondylitis, Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit oder rheumatoide Spondylitis.

Bei Morbus Bechterew tritt eine rheumatische Erkrankung auf, die mit einer Versteifung der Gelenke und Gelenkschmerzen einhergeht. Besonders betroffen sind die Wirbelsäulengelenke, sowie die Darmbeingelenke und Brust- und Lendenwirbel. Weitere Entzündungen können im Bereich der Augen, der Sehnen und des Herzmuskels auftreten.

Ursachen von Morbus Bechterew

Nach dem aktuellen Stand der Forschung, konnten die genauen Ursachen der Erkrankung noch nicht abschließend geklärt werden. Sicher ist das ein immunologischer Prozess im Körper eine große Rolle spielt, sowie eine genetische Veranlagung innerhalb einer Familie existieren kann.

Eine wichtige Rolle spielt auch ein spezielles Protein namens HLA-B27. Dieses Protein haftet an der Oberfläche der weißen Blutkörperchen und ist u. a. für die Erkennung und Bekämpfung von Krankheitserregern oder Fremdmaterial im Körper zuständig. Nur das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein dieses Proteins und seiner Wirkungsweise im Körper, entscheidet aber wohl nicht allein über einen Ausbruch der Erkrankung.

Aktuell geht die Forschung davon aus, das bei Varianten des Proteins, die weniger erfolgreich manche Erreger bekämpfen können, das Immunsystem stärker eingreifen und reagieren muss, um den bestimmten Erreger zu eliminieren. Das Immunsystem reagiert bei genetisch vorbelasteten Menschen über und die Reaktion richtet sich gegen körpereigene Strukturen wie z. B. die Wirbelkörper. Dabei kommt es zur Auslösung der chronischen Entzündungen. Bei der Frage welche Erreger diese Prozesse auslösen, steckt die Forschung noch in den Anfängen.

Es sind auch einige Fälle bekannt, in denen die Bechterew-Krankheit durch eine vorangegangene reaktive Arthritis ausgelöst worden sein könnte. Bei diesen Fällen tritt die typische Rückenversteifung und die hiermit verbundenen Schmerzen aber häufig nicht als Symptome in Erscheinung, sondern es kommt zu wechselhaften Befall und Schmerzen bei den großen Gelenken, (z. B. Knie, Schulter oder Hüfte) sowie zu Problemen mit Augen, Harntrakt oder anderen Organen.

Warum Morbus Bechterew bei den betroffenen Personen auftritt, ist noch nicht vollständig geklärt. Allerdings spielt ein gestörtes Immunsystem eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit. Ebenso sind Erbanlagen und Umwelteinflüsse an der Entstehung der Krankheit beteiligt.

Auch der Tumornekrosefaktors-α (TNF-α) ist an der Entstehung von Morbus Bechterew beteiligt. Denn wird der TNF-α gehemmt, werden die Symptome der Krankheit wesentlich gelindert. Ebenso wird vermutet, das autoimmunologische Phänomene im Körper auftreten können, die gegen Bestandteile des Knorpels gerichtet sind, genauer gesagt, gegen das Proteoglykan Aggrecan. Durch die dadurch erzeugten Antigene kann sich die Krankheit an verschiedene Stellen im Körper verteilen.

Bezüglich des Erbmaterials nimmt HLA-B27 einen besonderen Stellenwert ein. Das HLA-B27 ist ein Histokompatibilitäts-Antigen-Subtyp. Es kommt auf dem membrangebundenen Protein HLA-B auf den Körperzellen vor. Morbus Bechterew ist also vererbbar. Das HLA-B27 sorgt für eine fehlerhafte Immunreaktion. Dadurch können chronische Entzündungen auftreten. Zusätzlich kann das HLA-B27 chronische Entzündungen in der Darmflora hervorrufen, da durch das HLA-B27 die natürlich vorhandenen Keime in der Darmflora vom menschlichen Immunsystem fälschlicherweise als Erreger erkannt und bekämpft werden.

Symptome & Anzeichen von Morbus Bechterew

Die Symptome von Morbus Bechterew treten sehr früh im Lebensverlauf eines Menschen auf. Erste Krankheitssymptome treten im jungen Erwachsenenalter und teilweise sogar schon während der Jugend auf.

Dabei gibt es folgende erste Symptome:

  • morgendliche Steifheit
  • Schmerzen in der Gesäß- und Lendenregion

Dabei ist charakteristisch, dass die morgendliche Steifheit mit ausreichend Bewegung wieder besser wird, sich aber immer nach Ruhephasen wiedereinstellt. Auch die Schmerzen in der Gesäß- und Lendenregion sind zu Beginn nur temporär, aber nach einigen Monaten verschwinden die Schmerzen überhaupt nicht mehr.

Nach diesen ersten Symptomen, treten weitere Symptome auf:

besonders gefährdet ist das Hüftgelenk. Morbus Bechterew zerstört meist das Hüftgelenk zuerst, sodass dadurch starke Schmerzen entstehen. Neben den Schmerzen entstehen in der Anfangsphase auch Bewegungseinschränkungen. Die Schmerzen in den Gelenken treten häufig asymmetrisch auf. Bei der Wirbelsäule werden die Zwischenwirbelbereiche verknöchert, wodurch sich die Wirbelsäule nicht mehr so flexibel bewegen kann.

Sehr selten treten Entzündungen der Hauptschlagader auf. Neben den genannten Symptomen kann es auch zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Bei den Symptomen gibt es große individuelle Unterschiede bei den Betroffenen. Typische Beschwerden bei M. Bechterew sind länger anhaltende (mindestens 3 Monate) tiefsitzende Rückenschmerzen, die bis in das Gesäß und die Oberschenkel ausstrahlen, besonders in der Nacht und bei längeren Ruhephasen. Oftmals müssen die Betroffenen besonders in der zweiten Nachthälfte auf Grund von Schmerzen aufstehen und sich bewegen um den Schmerz zu lindern. Hinzu kommt meist eine morgendliche Steifigkeit und fehlende Beweglichkeit. Viele Betroffene vergleichen sich mit einem alten Auto, dessen Motor sich morgens erst warm Laufen muss, bevor es los fahren kann. Charakteristisch für die Erkrankung ist ebenfalls das die Gelenksteifigkeit voranschreitet.

Weitere häufige Warnzeichen im Anfangsstadion sind:

  • Gelegentliche Schmerzen entlang des Achsenskeletts, Schulter-, Hüft-, Knie– oder Fersenschmerzen, die längerfristig gesehen häufiger auftreten
  • Erkrankungen oder Beschwerden an einer oder mehreren Sehnen (z. B. Tennisellenbogen
  • Vermehrte Müdigkeit bei ausreichendem Schlaf
  • Gewichtsverlust bei gleichbleibender Kalorienzufuhr
  • Schmerzen beim Husten oder Niesen

Je nachdem wie häufig und intensiv die Erkrankung verläuft, entwickeln die Betroffenen nach Monaten oder Jahren eine andere Körperhaltung: die untere (Lenden-)Wirbelsäule flacht meistens ab, während gleichzeitig der oberer Teil der Wirbelsäule (Brustwirbel) sich krümmt, so dass sich häufig ein sogenannter Buckel bilden kann. Um diese Veränderung auszugleichen, streckt sich der Halsbereich und die Hüft- und Kniegelenke beugen sich. Die Bewegungseinschränkungen der Gelenke nehmen meist zu und können schmerzhaft sein.

Da M. Bechterew eine dauerhaft entzündliche Erkrankung ist, können diese chronischen Entzündungen auch andere Körperteile schädigen. Ungefähr 20 Prozent der Patienten leiden unter Sehstörungen (Iris), Herzrhythmusstörungen oder einer Nierenschwäche.

In seltenen Fällen kann es auch zu einer Entzündung der großen Körperschlagader kommen oder anderen Herz-Kreislauferkrankungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew

Der Verlauf der Krankheit ist bei jedem Patienten individuell. Bei manchen Personen ist nur die Wirbelsäule betroffen, bei anderen zusätzliche Gelenke oder sogar innere Organe. Im Verlauf der Krankheit treten vermehrt Entzündungsschmerzen auf. Diese sind jedoch meist nicht dauerhaft, sondern treten schubartig auf. Tritt eine Versteifung der Wirbelsäule ein, ist dies in der Regel ein längerer Prozess, meist über 20 bis 30 Jahre hinweg. Eine vollständige Versteifung der Wirbelsäule ist hingegen sehr selten.

Durch die Schmerzen in den Gelenken und in der Wirbelsäule, nimmt die betroffene Person unbewusst eine Schutzhaltung ein und verändert so die gesamte Körperhaltung. Dies kann eine Atrophie (Verkümmerung der GesäßMuskeln) sowie eine Kyphose (Rückwärtskrümmung der Brustwirbel). Auch die Wirbelsäule kann ihre Vorwärtskrümmung verlieren. Besonders gefährlich ist ein Knochenbruch im Bereich der Wirbelsäule. Bei einer Morbus Bechterew Erkrankung sind die Knochen besonders brüchig. Ein Bruch im Bereich der Wirbelsäule kann zu einer Rückenmarksverletzung und einhergehenden Lähmungserscheinungen führen.

Weitere Symptome im Krankheitsverlauf
Im Krankheitsverlauf können noch weitere Begleiterscheinungen und Symptome auftreten.
Dazu gehören:

  • Entzündung im Krummdarm und Dickdarm
  • Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis)
  • Schädigung der Lunge
  • Herzfunktionsstörungen

Entzündungen im Krummdarm oder Dickdarm können chronisch werden. Bei den Entzündungen der mittleren Augenhaut tritt häufig auch Lichtscheu auf. Im späteren Verlauf ist sogar die Erkrankung an grünem oder Grauen Star möglich.

Diagnose
Es ist schwer bis unmöglich, Morbus Bechterew im sehr frühen Stadium zu diagnostizieren. Die meisten Diagnosen werden nach sieben bis 15jähriger Erkrankung gestellt. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich die Krankheit behandeln.

Kann radiologisch eine Veränderung in der Wirbelsäule und den Sakroiliakalgelenken festgestellt werden, ist die Diagnose schnell gestellt. Doch da nicht jedes Morbus Bechterew-Erkrankung gleich verläuft, gibt es noch andere Kriterien, anhand denen die Krankheit diagnostiziert werden kann:

  • Entzündliche Rückenschmerzen, die chronisch sind
  • HLA-B27 Gen durch Bluttest nachweisen
  • hohe Entzündungswerte im Körper
  • Linderung durch antirheumatische Medikamente
  • Morbus- Bechterew- Erkrankungen in der Familie
  • Entzündungen in den Fingern, Sehnen und Gelenken
  • chronische Darmentzündungen, Augenentzündungen oder Schuppenflechte

Treten mehrere Symptome bei einem Patienten auf, kann auch darüber eine Diagnose gestellt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT). Dies hilft ebenfalls bei der Diagnose von Morbus Bechterew.

Es gibt keinen eindeutigen Laborbefund, welcher Morbus Bechterew nachweist. Das Vorhandensein des Gens HLA-B27, sowie hohe Entzündungswerte und ein negativer Rheumafaktor sind lediglich Hinweise darauf. Das HLA-B27 Gen kann jedoch auch vorliegen, ohne dass eine Morbus- Bechterew- Erkrankung vorhanden ist.

Röntgenbilder werden ebenfalls gerne eingesetzt. Denn auf Röntgenbilder sind Veränderungen der Wirbelsäule und des restlichen Bewegungsapparates zu sehen. Auch die Verknöcherung der Wirbelsäule ist sichtbar. Damit kann Morbus Bechterew selbst in frühen Stadien diagnostiziert werden.

Die Diagnose findet vor allem über ein ausführliches Patientengespräch (Anamnese) mit dem Betroffenen selbst statt, in dem er seine Symptome genauestens schildert und der Arzt ihm gezielte Fragen stellt.
Es gibt auch ein paar vorhandene Testverfahren, die bei der Diagnose der Erkrankung helfen können. Hier sei als Beispiel der Mennell Test zu nennen: Das Bein wird in Bauchlage nach hinten angehoben. Verursacht dies für den Patienten einen stechenden Schmerz im Kreuz-Darmbeingelenk, liegt meist eine typische Entzündung vor. Der Arzt wird weiterhin verschiedene Übungen zur Beweglichkeit der Wirbelsäule und Gelenken mit dem Patienten durchführen und diese mit Hilfe von standardisierten Tabellen bewerten und einordnen.

Aktuell gibt es für die Bechterew Krankheit kein spezifisches Messverfahren über Blutwerte. Man kann aber häufig eine Erhöhung der Entzündungswerte feststellen, insbesondere während eines Krankheitsschubes, da hier die Krankheit besonders aktiv im Körper ist. Die Rheumaparameter sind meist negativ. Da diese Parameter aber auch von vielen anderen Erkrankungen beeinflusst werden können, kann man mit Hilfe eines Bluttestes keine sichere Diagnose von M. Bechterew stellen.

Ein weiteres wichtiges Diagnoseinstrument sind die bildgebenden Verfahren wie z. B. eine Untersuchung mit einem Magnetresonanztomographen (MRT) oder eine Röntgenaufnahme. Hier lassen sich (voranschreitende) Veränderungen der Knochen, Gelenke und Sehnen erkennen und beurteilen. Insbesondere im Frühstadium der Krankheit kann man mit Hilfe des MRTs bereits Veränderungen der Knochensubstanz erkennen.

Die Bechterew´sche Krankheit ist eine chronisch verlaufende Erkrankung die in Schüben verläuft, deren Häufigkeit und Intensität von Betroffenen zu Betroffenen stark variieren kann. Ein Verlauf in Schüben bedeutet das die Krankheit wechselnde Aktivitätsgrade aufweist, mal scheint die Erkrankung zu ruhen und manchmal verursacht die Erkrankung bei großer Aktivität (wieder) Schmerzen oder Steifheit in den Gelenken. In manchen Fällen kommt auch eine Schädigung von Organen, Herz oder Augen als Beschwerden hinzu. Bei leichten Verläufen der Erkrankung spüren die Betroffenen häufig jahrelang keine Einschränkungen und die Krankheit bleibt lange unentdeckt. Bei milden Verläufen von M. Bechterew bleibt auch häufig die Verknöcherung dauerhaft aus. In diesen Fällen spricht man dann auch eher von einer Spondyloarthritits, als von einer ankylosierenden (verknöchernden) Spondylitis.

Selten kommt es bei M. Bechterew zu sehr schweren Krankheitsverläufen. Hier kann es zur vollständigen Verknöcherung der kompletten Wirbelsäule sowie teilweise auch der Hüftgelenke kommen. Hier kann der Betroffene oftmals nicht mehr ganz aufrecht Gehen und sein Sichtfeld kann sich dadurch einschränken.
Behandlung & Therapie von Morbus Bechterew

Aktuell lässt sich die Erkrankung nicht vollständig heilen. Das wichtigste Ziel einer Morbus Bechterew Therapie ist die Erhaltung der Bewegungsfähigkeit der Betroffenen und eine dauerhafte Schmerzfreiheit. Dies wird häufig durch Gymnastik, Sport und Physiotherapie sowie durch die Gabe von entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten (z. B. Ibuprofen) erreicht. Bei starken Schmerzen z. B. bei akuten Schüben wird häufig auch ein entzündungshemmendes Mittel (z. B. Kortison) direkt in die betroffene Region gespritzt. Treten dennoch weiterhin Beschwerden auf und sind z. B. auch die Arme und Beine betroffen wird auch auf ein Medikament namens Sulfasalazin zurückgegriffen, welches in den Stoffwechsel von Entzündungsbotenstoffen eingreift.

In sehr schweren Fällen wird eine sich versteifende Wirbelsäule auch einmal durch eine Operation behandelt.

Eine nicht zu unterschätzende Wirkung bei Morbus Bechterew hat ein individuell abgestimmtes Bewegungsprogramm und eine angepasste Ernährung. Es gibt hierfür bereits spezielle Morbus Bechterew Gymnastik und Ernährungsprogramme. In dieser Art Krankengymnastik lernen Patienten bestimmte Muskeln zu aktivieren, erhalten die Beweglichkeit Ihres Skelettapparates und lernen eine aufrechte und anatomisch korrekte Körperhaltung einzunehmen. Da die Beschwerden der Bechterew Erkrankung gut mit viel Bewegung bekämpft werden können, empfiehlt es sich begleitend zur gezielten und durch den behandelnden Arzt und Physiotherapeuten durchgeführten Therapie geeignete und unterstützende Sportarten auszuüben. Diese sollten die Beweglichkeit fördern sowie eine aufrechte Grundhaltung und zur Entspannung und Stressminderung beitragen.

Geeignet wären z. B. Rückenschwimmen, Nordic Walking, Tai Chi, Qigong oder Yoga. Gerade das seelische Gleichgewicht darf in einer ganzheitlichen Behandlung nicht vergessen werden. Hierzu eignen sich auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder auch der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe von Betroffenen um sich auszutauschen.

Bei der Ernährung gehen aktuelle Forschungen von nachfolgenden Empfehlungen aus:

  • 2-3x Fisch pro Woche (Kaltwasserfische bevorzugen), alternativ möglich sind auch Sojaprodukte
  • Pflanzliche Fette wie Raps– oder Leinöl verwenden
  • Täglich eine kleine Menge fettreduzierter Milchprodukte (Joghurt, Milch)
  • Vitamine und Antioxidantien in ausreichender Menge
  • Tierische Fette weglassen und maximal 1-2 Fleischportionen in der Woche

Nur mit Sport und Ernährung allein kann die Erkrankung leider nicht erfolgreich behandelt werden, aber diese Punkte stellen wichtige Einzelmaßnahmen in dem Gesamtkonzept der Behandlung dar und sollten in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden. Man sollte bei einer Erkrankung ebenso regelmäßig auch alle anderen Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, insbesondere die Untersuchungen der Sehfähigkeit und der Herzfunktion.
Die Bechterew Krankheit ist eine Krankheit, die über eine lange Zeit voranschreitet und die Patienten können selbst mit einem aktiven Lebensstil mit viel Bewegung und Sport, ausreichend Schlaf und wenig Stress, sowie einer Ernährung mit bestimmten Ölen und entzündungshemmenden Lebensmitteln (z. B. Kurkuma) selbst viel dafür tun, ihre Lebensqualität lange und bestmöglich zu erhalten.

 


Behandlung & Therapie von Morbus Bechterew

Bei der Behandlung und Therapie von Morbus Bechterew geht es im Wesentlichen darum, die Symptome zu schwächen und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Um die Beweglichkeit des Körpers zu erhalten, ist es wichtig, eine Physiotherapie regelmäßig zu nutzen. So bleiben die Gelenke und die Wirbelsäule beweglich. Ist die Morbus- Bechterew- Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, kann die Physiotherapie sehr schmerzhaft sein. Trotzdem ist sie unverzichtbar.

Medikamentös lassen sich die auftretenden Schmerzen durch entsprechende Schmerzmittel lindern. Daneben werden gute Erfolge mit nichtsteroidale Antirheumatika erzielt. Weitere Medikamente, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können, sind Methotrexat oder Sulfasalazin.

Seit 2006 ist ein neuer Wirkstoff auf dem Markt, der TNF-α-Blocker. Durch diesen können die auftretenden Entzündungsprozesse im Körper blockiert werden. Der TNF-α-Blocker erzielt meist sehr gute Ergebnisse. Gleichzeitig sind aber noch keine Langzeitresultate bekannt und es kann zu Komplikationen führen, da durch den Blocker das körpereigene Immunsystem unterdrückt wird. Zusätzlich ist das Medikament sehr teuer.

Ist die Krankheit bereits weiter fortgeschritten und eine Versteifung der Wirbelsäule eingetreten, kann auch eine Operation helfen. Im Verlauf der Operation wird die verknöcherte Wirbelsäule gebrochen und mit Metallplatten fixiert. Bei starken Hüftproblemen ist der Einsatz einer Hüftprothese ebenfalls möglich.

Hausmittel bei Morbus Bechterew

Da die Erkrankung aktuell nicht heilbar ist können Hausmittel nur begleitend helfen. Es gibt aber einige Heilkräuter die sich positiv auf den Betroffenen und dessen Erkrankung auswirken können z. B.:

  • Arnika
  • Beinwell
  • Fichte
  • Kiefer
  • Rosmarin
  • Teufelskralle
  • Wachholder

Um die eigene Beweglichkeit zu erhalten, empfiehlt es sich, Pilates und/oder Yoga sowie weitere Dehnübungen durchzuführen. So kann man die Einschränkung der Beweglichkeit verlangsamen/stoppen. Pilates– und Yoga- Übungen können entweder selbstständig daheim, oder in einem Kurs durchgeführt werden. Für Anfänger empfiehlt sich zu Beginn ein Kurs bei einem Fachmann.

Vorbeugung & Fragen bei Morbus Bechterew

Kann ich mich vor dieser Erkrankung schützen (z. B. Impfung)?

Auf Grund der Art und Ausprägung der Erkrankung existiert kein Impfstoff oder hundertprozentiger Schutz durch bestimmte Präventionsmaßnahmen z. B. durch einen gesunden und bewegungsreichen Lebensstils und eine stets aufrechte Körperhaltung.

Wie häufig kommt diese Erkrankung vor?
Aktuell wird M. Bechterew bei 0,5 Prozent der Bevölkerung in Westeuropa diagnostiziert, das heißt dass ungefähr jeder 200. Mensch von dieser Erkrankung betroffen ist. Frühere Analysen gingen davon aus dass etwas dreimal mehr Männer als Frauen von M. Bechterew betroffen sind. Neuere DVMB-Patientenbefragungen gehen aber davon aus, dass beide Geschlechter ungefähr gleich betroffen sind. Die Erkrankung wurde in der Vergangenheit bei Frauen wohl einfach weniger erkannt und diagnostiziert als bei Männern.

Insgesamt sind deutschlandweit in etwa 1,9 Prozent der Bevölkerung an Morbus Bechterew erkrankt. Das entspricht in etwa 1,6 Millionen Personen. Verläuft die Krankheit aber nur mit milden Symptomen, wird sie häufig gar nicht diagnostiziert. Die Zahl der offiziell erkrankten liegt zwischen 100.000 bis 150.000 Personen. Häufig tritt die Krankheit zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr auf, in seltenen Fällen nach dem 40. Lebensjahr.

Ist Morbus Bechterew tödlich? 
Bei Frauen verläuft Morbus Bechterew in der Regel milder als bei Männern. Deshalb wurde früher fälschlicherweise angenommen, dass mehr Männer an der Krankheit erkranken. Der Krankheitsverlauf ist bei jeder Person anders. Ob Morbus Bechterew wirklich tödlich sein kann, ist bisher noch nicht durch geeignete Studien belegt worden. Eine verkürzte Lebenserwartung kann aber durch die Krankheit eintreten. Dies tritt vor allem dann ein, wenn eine Rückenmarksverletzung geschieht. Weitere Beschwerden, die einen Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew gefährlich, oder in seltenen Fällen sogar tödlich machen können, sind:

  • Blutungen im Verdauungstrakt
  • Aorteninsuffizienz
  • Ateminsuffizienz
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