BSG

Auch bekannt als: 

Blutsenkung, Senkung, Senkungsgeschwindigkeit
Bezeichnung: Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit
Ähnliche Tests: crp, ana, RheumafaktorCBC


Auf einen Blick

Warum wird die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (bsg) untersucht?

Der Test hilft, eine Entzündung im Körper zu erkennen oder eine bereits vorhandene Entzündung zu überwachen. Als Screening-Test wird die bsg zur AusschlußDiagnostik von entzündlichen oder malignen Erkrankungen eingesetzt.

Bei welchen Erkrankungen sollte die bsg untersucht werden?

  • Bei Verdacht auf Entzündungen oder Infektionen
  • Zur Sicherung der Diagnose und zur Verlaufskontrolle von chronisch-entzündlichen Erkrankungen, z.B. Polymyalgia rheumatica, Arteriitis Temporalis
  • Ausschluß chronisch-entzündlicher Erkrankungen
  • Ausschluß maligner Erkrankungen (Tumoren, Krebs)

Aus welchem Probenmaterial wird der Test durchgeführt?

Zitratblut aus einer Blutprobe.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit sagt indirekt etwas über das Ausmaß einer Entzündung im Körper aus. In speziellen langen dünnen Senkungsröhrchen nach Westergren wird nach 1 Stunde sowie nach 2 Stunden gemessen, wie schnell die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) in einer Blutprobe absinken. Das Ergebnis wird beschrieben als Millimeter der Plasmaschicht, welche nach einer Stunde über den Erythrozyten erscheint. Normalerweise sinken die die Erythrozyten nur langsam ab, daher bildet sich nur wenig Plasmaüberstand. Wenn sich allerdings in Folge einer Entzündung oder maligner Tumoren die Werte bestimmter Proteine im Blut erhöhen (z.B. Fibrinogen, Immunglobulin, Paraproteine), fallen die roten Blutkörperchen schneller im Röhrchen nach unten, so daß die bsg teilweise extrem beschleunigt (erhöht) erscheint.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Dieser schon lange bekannte Test ist sehr einfach anzuwenden und billig, er hilft unspezifisch, akute oder chronische Entzündungen aufzuspüren und zu überwachen. Dazu gehören Krankheiten wie Infektionen, Tumore und Autoimmunerkrankungen. Unspezifisch bedeutet, dass die bsg weder etwas über die Lokalisation oder die Ursache der Entzündung aussagen kann noch, dass ihre Erhöhung wirklich im Rahmen einer Entzündung erfolgte. Deshalb sollte die bsg in Kombination mit anderen Testverfahren bestimmt werden.

Insbesondere bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen spielt die bsg eine diagnostische Rolle in der Verlaufsbeurteilung, z.B.

Als wichtigstes Testergebnis hilft eine hohe bsg, diese beiden Krankheitsbilder zu bestätigen. Ferner wird die bsg zur Überwachung und zur Therapiekontrolle dieser beiden Erkrankungen eingesetzt.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Die bsg wird meist zusammen mit anderen Tests bei Verdacht auf akute oder chronische Entzündungen, z.B. eine Arteriitis Temporalis oder einer Polymyalgia Rheumatica angefordert. Symptome dieser Erkrankungen können sein: Kopfschmerz, Schmerzen in Hals-, Schulter– oder Beckenbereich, Anämie, unbeabsichtigter Gewichtsverlust und Gelenksteifheit. Es gibt jedoch viele andere Bedingungen, bei denen die bsg zeitweise oder anhaltend erhöht ist oder auch erniedrigt sein kann.

Da die bsg ein unspezifischer Entzündungsmarker ist, muss sie immer zusammen mit anderen Kriterien beurteilt werden. Dies sind weitere Untersuchungsbefunde, die Patientengeschichte und weitere geeignete Labortests. Falls diese Kriterien und die bsg zusammen passen, kann eine Verdachtsdiagnose erhärtet oder verworfen werden. Ohne zusätzliche Krankheitssymptome macht eine erhöhte bsg allein ein gezieltes medizinisches Vorgehen schwierig.

Vor einer aufwändigen Suche nach der Grunderkrankung sollte eine Wiederholung der bsg nach Wochen oder Monaten statt finden. Ist eine bestimmte chronische Grunderkrankung, wie z. B. eine Arteritis Temporalis, bereits bekannt, kann eine Untersuchung der bsg in regelmäßigen Abständen angezeigt sein, da wie oben erwähnt Änderungen der bsg den Krankheitsverlauf wider spiegeln. Bei Tumorerkrankungen, wie z. B. dem Morbus Hodgkin, kann eine andauernde Erhöhung der bsg nach Chemotherapie ein Rezidiv, also ein Wiederaufflammen der Erkrankung, bedeuten.

Was bedeutet das Testergebnis?
Ein positives Testergebnis (beschleunigte bsg) allein macht noch keine Diagnose. Denn umgekehrt kann ein negatives Testergebnis (unauffällige bsg) eine Erkrankung nicht ausschließen. Eine erhöhte bsg kann nur unterstützend zur Diagnosefindung herangezogen werden.

Eine sehr hohe bsg kann z. B. auf eine akute Infektion oder Tumoren, insbesondere Plasmozytome hinweisen. Hier sollten je nachdem, welche weiteren Symptome der Patient aufweist, weitere Tests, wie z. B. Blutkulturen, durchgeführt warden um die Diagnose zu sichern.

Mäßig erhöhte bsg-Werte sind typisch für Entzündungen, können aber auch bei Anämie, Infektionen, Schwangerschaft oder alten Patienten auftreten.

Eine im Verlauf zunehmende bsg kann eine Verschlimmerung einer Entzündung oder deren fehlendes Anschlagen auf eine Therapie bedeuten, fallende Werte können auf eine gute Therapie-Antwort hinweisen

Anämie ist ein häufiger Grund für eine erhöhte bsg, insbesondere bei Anämien, die mit einer Veränderung der äußeren Form der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) einhergehen. Es gibt aber auch Formänderungen der Erythrozyten, die zu einer Erniedrigung der bsg führen, wie z. B. die Sichelzellanämie. Niereninsuffizienz führt auch zu einer Erhöhung der bsg. Patienten, die an einem Plasmozytom oder einer Waldenström-Makroglobulinämie leiden (Tumore, bei denen große Mengen an Immunglobulin im Blut erscheinen), weisen typischerweise eine sehr hohe bsg auf, obwohl sie keine entzündliche Erkrankung haben.

Obwohl eine zu niedrige bsg von normalerweise nicht von Bedeutung ist, kann sie auf folgende Erkrankungen hinweisen: Polyzythämie (hier finden sich zu viele rote Blutzellen im Blut), extreme Leukozytose (sehr viele weiße Blutzellen im Blut) und bestimmte Proteinanomalien.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
bsg und C-reaktives Protein gelten beide als Entzündungsparameter. Generell reagiert das crp auf den Beginn oder das Abklingen einer Entzündung schneller als die bsg. Außerdem wird crp von weniger Faktoren beeinflusst als die bsg und ist somit der eigentlich bessere Marker. Dennoch wird die bsg bei Verdacht auf eine Entzündung häufiger als Eingangstest angefordert, weil sie sehr leicht durchzuführen ist.

Frauen tendieren eher zu höheren bsg-Werten als Männer, daneben können die Menstruation oder Schwangerschaften zu zeitweise erhöhten Werten führen.

Bestimmte Medikamente, wie Dextran, Methyl-Dopa, orale Kontrazeptiva („Pille“), Penicillamine, Procainamid, Theophyllin und Vitamin A können die bsg-Werte erhöhen. Andere Medikamente können sie erniedrigen, so z. B. Aspirin, Kortison oder Chinin.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Die bsg wird aus frisch entnommenem venösen Blut (1,6 ml) bestimmt, das in standardisierten Röhrchen mit 3,8% Na-Zitrat gemischt wird. Das korrekte Mischungsverhältnis ist entscheidend für die sachgerechte Bestimmung der bsg. Bei unzureichend mit Blut gefüllten Röhrchen ist die bsg beschleunigt.

Bei Raumtemperatur ist die Probe für 2 Stunden stabil. Eine längere Lagerung kann zur Verlangsamung der bsg führen.

Referenzbereich
Für den 1-Stunden Wert gelten folgende Geschlechts-spezifischen Referenzbereiche:

 Alter Frauen Männer
 20 mm/h  15 mm/h
> 50 Jahre  30 mm/h  20 mm/h

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

Beschleunigung der bsg:

  • Plasmaexpander, insbesondere Dextrane
  • Medikamente, z.B. orale Kontrazeptiva, Penicillamine, Methlydopa, Theophyllin
  • Erhöhung der Außentemperatur bei der Messung >24°C (bei Temperaturen >27°C kann die bsg bis zu doppelt so hoch wie bei 20°C sein)

Verlangsamung der bsg:

  • Absinken der Temperatur bei der Messung
  • Medikamente, z.B. Antiinflammatorische Substanzen (Aspirin), Kortikoide

Während der Schwangerschaft ist die bsg beschleunigt. Nach Einnahme fettreicher Mahlzeiten kann die bsg durch Chylomikrone beschleunigt sein, daher sollte das Blut nüchtern abgenommen werden. Die bsg wird durch den Anstieg von Immunglobulinen sowie durch Immunkomplexe erhöht.

Bei Erkrankungen mit erniedrigtem Fibrinogen, z.B. bei Verbrauchskoagulopathie, Sepsis, Hyperfinbrinolyse, entspricht die bsg-Erhöhung nicht dem Ausmaß der Entzündung.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die bsg besteht entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) keine Ringversuchspflicht (Teilnahme an externen Ringversuchen). Interne Kontrollen sowie die Bestimmung der Richtigkeit und Präzision müssen selbstverständlich regelmäßig durchgeführt werden.


Häufige Fragen

1.) Welche anderen Tests sind neben der bsg-Bestimmung noch erforderlich?

Wenn eine bsg angefordert wird, sollten in dieser Blutprobe abhängig von der Anamnese und den klinischen Befunden des Patienten in der Regel weitere Parameter bestimmt werden, wie z.B. C-reaktives Protein, Leber– und Nierenwerte, Gehalt an Proteinen und Elektrolyten und kleines Blutbild, um die Diagnosefindung zu beschleunigen. Zusätzlich können noch je nach Symptomen, die der Patient aufweist, weitere Tests angefordert werden, z. B. bei Zeichen einer Arthritis die ana (antinukleäre Antikörper) oder die RF (Rheumafaktoren).

2.) Was bedeuten Änderungen der bsg-Werte? 
Eine erhöhte bsg ist als Signal des Körpers dafür aufzufassen, dass etwas nicht in Ordnung ist, ähnlich wie die Funktion Schmerz. In den meisten Fällen wird sich die bsg wieder erniedrigen, wenn die zu Grunde liegende Entzündung behandelt wird. Falls eine chronisch-entzündliche Erkrankung vorliegt, wird die bsg mit dem Schweregrad der Erkrankung schwanken.

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