Chemotherapie

Die Chemotherapie wird ständig verfeinert

Behandlung Chemotherapie Menschen, die unter einer Krebserkrankung leiden, können in den unterschiedlichen Stadien mit maßgeschneiderten Therapien versorgt werden.

Im gleichen Zuge wie die Strahlentherapie und bewährte chirurgische Eingriffe muss daher an dieser Stelle die Chemo genannt werden.

Mit dieser umgangssprachlichen Bezeichnung ist die sogenannte Chemotherapie gemeint.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Chemotherapie. 

 

Was ist eine Chemotherapie?

Der Fundus, aus dem die Chemotherapie schöpft, ist eine große Auswahl an pharmazeutischen Substanzen. Diese werden den Patienten verabreicht, sodass sich der Krebs zurückbildet oder ganz verschwindet. Zahlreiche Chemotherapeutika tragen dazu bei, dass sich die durch eine Krebserkrankungen ausgeprägten Beschwerden minimieren oder beseitigt werden können.

Diese Medikamente sind daher nicht nur therapeutisch von enormer Bedeutung, denn sie geben Krebskranken ein Stück verlorengegangene Lebensqualität zurück. Darüber hinaus zeichnen sich sich Chemotherapeutika durch eine lebensverlängernde Wirkung aus, weil sie das Krebswachstum hemmen können.

Für viele Patientinnen und Patienten ist die Chemotherapie mit einem bitteren Beigeschmack verbunden, obwohl diese Therapie durchaus erfolgreich ist.

Im Gegensatz zu einer Strahlenbehandlung wird bei einer Chemo mit Medikamenten auf das Krebsgewebe eingewirkt. Je nachdem, welche Konstellation sich im Zusammenhang mit einem Tumor ergibt, können beide Behandlungsformen ohne Schwierigkeiten miteinander kombiniert und optimal aufeinander abgestimmt werden.

In der Fachsprache der Mediziner wird die Chemotherapie ebenfalls als antiplastische Chemotherapie deklariert. Wird die Chemobehandlung gegen eine Infektion eingesetzt, dann werden die Begriffe antimikrobielle (gegen mikroskopisch kleine Krankheitserreger) oder antiinfektiöse („gegen die Infektion gerichtete“) Chemotherapie verwendet.

 

Ursprung und Entwicklung der Chemotherapie

 

Im Jahre 1906 tauchte die Bezeichnung Chemotherapie erstmalig auf. Sie wurde von Paul Ehrlich, einem deutschen Arzt geprägt. Dabei dachte der Mediziner zunächst nur an die Behandlung von Infektionserkrankungen, indem die Erreger wie Viren, Pilze oder Bakterien unmittelbar abgetötet werden.

Er arbeitete ab diesem Zeitpunkt weiter an dieser Thematik. Dafür benutzte er Ratten, denen er Syphiliserreger spritzte. Nachdem die Tiere erkrankten, heilte er sie mit einer Chemotherapie. Wirksam waren für diesen Zweck in erster Linie künstlich hergestellten Arzneistoffe. Auf der anderen Seite kamen auch Derivate oder Abkömmlinge aus der Natur zum Einsatz.

1942 wurden verschiedene chemische Substanzen zur Behandlung von Krebs getestet. Zuvor gewann man Erkenntnisse aus der Wirkung von Senfgas auf die menschlichen Gewebe und den Stoffwechsel. Sogenannte Antimetaboliten ersetzten das Senfgas.

Innerhalb der nächsten Jahre kamen Chemotherapeutika wie Aminopterin, Mercaptopurin und Fluoroucail zum Einsatz. Derartige zytotoxische Arzneimittel (für die Zellen giftige Stoffe) wurden erst ab dem Jahr 1963 unmittelbar zur Krebsbehandlung herangezogen. Danach folgten weitere Chemotherapeutika wie Tamoxifen, deren Nebenwirkungen nicht mehr mit denen der früheren Erzeugnisse zu vergleichen sind.

 

Funktion, Wirkung und Ziele einer Chemotherapie

 

Innerhalb der ambulanten und der stationären Maßnahmen zur Bekämpfung von Krebs sind Medikamente gängig, die das Wachstum von Krebszellen verhindern. Im weiteren Verlauf der Chemo kommt es zum Absterben der entarteten Zellen.

Behandlung Chemotherapie Die Hauptaufgabe bei der Chemotherapie gegen Krebs übernehmen dabei die Zytostatika.

Diese Zellgifte sind wie eine Sperre des Teilungsvermögens der Zellen, indem diese in ihrem genetischen Material geschädigt werden.

Andere Zytostatika beeinflussen wiederum den Stoffwechsel der Krebszellen, indem sogenannte Hilfsmoleküle blockiert werden. Abgestorbene Krebszellen werden danach einfach aus dem Organismus ausgeschwemmt.

Die Bemühungen in der Chemotherapie sehen so aus, dass den Patientinnen und Patienten mehrere Therapiearten angeboten werden.

Das sind beispielsweise die ajuvante oder vorbeugende, die kurative oder die heilungsorientierte, die konsilidierende, die additive oder ergänzende und die palliative Therapie.

Eine Chemo ist in ihrer Gesamtheit darauf ausgerichtet, die Stabilität und Leistungsfähigkeit der Krebspatienten zu fördern und deren Lebensqualität zu optimieren. Im Vordergrund steht natürlich die Heilung und die Vermeidung des Wachstums der Tumore, um einer Metastasierung  entgegenzuwirken.

Um eine bestmögliche Wirkung der Chemotherapeutika zu erreichen, müssen mehrere Gesichtspunkte beachtet werden:

 

  • Art des Zytostatikums oder eventuell Mischung mit anderen Präparaten
  • Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie und/oder chirurgischem Eingriff
  • Beginn der Chemotherapie
  • Dosierung und Darreichungsform
  • Zyklen oder Abstände der Chemotherapie
  • Dauer der Chemotherapie

Eine Chemo lässt sich heute ambulant (eher selten wegen der Risiken) und stationär ausführen.

 

Durchführung und Wirkungsweise der Chemotherapie

 

Eine Chemo wird in drei Stufen absolviert, um so viele Krebszellen wie möglich auszuschalten:

 

  • Induktionsabschnitt ist am intensivsten, dauert an, bis der Tumor sich verkleinert hat
  • Konsolidierungsabschnitt beruht auf einer geringeren Dosierung bis sich der Rückgang des Tumors stabilisiert hat
  • Erhaltungsphase nur in geringem Umfang aggressiv, soll einer erneuten Erstarken der Krebszellen vorbeugen

Die Erhaltungstherapie oder Erhaltungsphase wird im Idealfall zwei Jahre nach der Erkennung der Krebserkrankung wiederholt werden, um Rückfälle oder Rezidive zeitnah feststellen zu können.

Die Durchführung der Chemotherapie kann neben den kranken auch gesunde Zellen wie beispielsweise die Zellen der Haarwurzeln vernichten und äußerst kräftezehrend sein. Deshalb müssen die Patienten unbedingt eine gewisse Regenerations- oder Erholungsphase einlegen. Sinnvoll sind in diesem Zusammenhang die zyklenweise Verabreichung der Medikation.

Im Normalfall werden die Patienten in zwei Zyklen mit Intervallen behandelt. Üblich ist dabei ein Aufenthalt in der Klinik. Nur so können die Fachärzte die Krebspatienten ständig beobachten, um auf plötzliche Nebenwirkungen angemessen zu reagieren. Viele Patienten entscheiden sich in Abhängigkeit von ihrem Allgemeinbefinden für eine Tagesklinik.

Die einfachste Variante der Chemotherapie ist die Einnahme von Tabletten über den Mund. Das funktioniert jedoch nicht bei allen Medikamenten.

Die Verabreichung der Zytostatika basiert in der Regel auf einem Zugang in die Armvene oder einem Portsystem, das in die unter dem Schlüsselbein befindliche Vene gelegt wird. Das ist eine Art Dauerkatheter, der mit einem unter die Haut eingepflanzten Adapter verbunden wird. Dann kann das dauernde quälende Anstechen oder Punktieren der Vene unterbleiben.

Palliativmedizin und Chemotherapie

In dem letzten Stadium, in dem keine Heilung mehr in Aussicht steht, kann eine palliativmedizinische Therapie das Leben des Patienten verbessern. Insbesondere bei einem fortschreitenden, unheilbaren Krebsleiden kann es angeraten werden, die Lebensdauer durch eine Schmerztherapie in Einheit mit einer Chemotherapie zu verlängern.

Behandlung Chemotherapie Darüber hinaus können auf diese Art und Weise krankheitsbedingte Beschwerden gelindert werden. Aus diesem Grund ist die palliative oder lindernde Medizin einer der bedeutendsten Elemente der Krebsbehandlung.

In solchen Fällen, in denen die Patienten unter Schmerzen leiden, die durch Tumoren verursacht werden, kann eine Chemotherapie als Mittel der Wahl eine „sanfte“ Alternative zu invasiven chirurgischen Eingriffen und einer aufwändigen Strahlentherapie sein.

Sollte absehbar sein, dass die Chemotherapie einschließlich der zu bedenkenden Nebenwirkungen einer zusätzlichen Behandlung mit Medikamenten bedarf, dann wird diese auch in der Palliativsorge gewährleistet.

Dabei geht es vorrangig darum, den Patienten während dieser Zeit medikamentös zu unterstützen.

Des Weiteren können neben der Chemotherapie ernährungstherapeutische Konzepte umgesetzt werden. Die Ärzte sichern zudem eine Verabreichung von Arzneistoffen gegen Infektionen und Bluttransfusionen, um das Wohlbefinden der Chemopatienten zu stärken.

 

Ob und inwieweit eine Chemotherapie in der palliativen Krebsbehandlung noch Sinn macht, muss sorgfältig abgewägt werden. Die Zielstellung soll sein, Schmerzen weitestgehend auszuschalten und eine Beschwerdefreiheit zu gewährleisten. Aber nicht um jeden Preis.

Medikamentengruppen in der Chemotherapie

 

  • Alkylanzien brechen die Stränge der DNA in den Krebszellen auf
  • Antimetabolite unterbrechen die normalen Teilungsprozesse der Zellen
  • Anthrazykline beeinflussen die Synthese des Erbgutes in den Zellkernen
  • Taxane (pflanzlich) werden aus Eichenrinde erzeugt unterbrechen die Vorgänge der Zellteilung
  • Vincaalkaloide (pflanzlich) stammen aus Immergrün hemmen die Zellteilung

Die Auswahl an modernen Chemotherapeutika umfasst eine Fülle an Medikamenten. Neueste Zielstellungen gehen sogar soweit, dass Krebspatienten keine einheitlichen „Standardcocktails“ mehr verordnet werden, sondern individuell maßgeschneiderte Zytostatikakombinationen.

 

Eine Chemotherapie hilft gegen:

Die Chemotherapie wird nicht nur bei Tumoren, sondern bei vielen weiteren Krankheiten angewandt. Nicht alle Krebsarten lassen sich jedoch mit einer Chemo heilen.

Zu den auf eine Chemotherapie sensibel oder empfindlich reagierenden Tumoren gehören unter anderem:

 

 

Risiken und Nebenwirkungen der Chemotherapie

 

Bei unsachgemäßer Platzierung des Venenkatheters kommt es zu einem Auslaufen des Medikaments ins Gewebe.

Akute Nebenwirkungen wie:

 

​​​​​​​sind typische Hinweise.

 

Einer zeitlichen Verzögerung unterliegen die sogenannten umkehrbaren oder reversiblen Nebenwirkungen wie:

 

Da die Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie hinlänglich bekannt sind, erhalten die Patientinnen und Patienten bereits vor der Infusion prophylaktisch beziehungsweise vorbeugend wirkende Mittel gegen Erbrechen und Übelkeit.

 

Darüber hinaus leiden zahlreiche Krebspatienten unter Spätfolgen an Organen wie der Leber, der Lunge und den Nieren.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen einer Chemotherapie:

 

Eine Chemotherapie kann nicht geplant werden, wenn bestimmte gesundheitliche Gründe vorliegen.

Die Ärzte verstehen darunter:

 

  • Einen Zustand, in dem eine Krebsgeschwulst operiert werden kann oder muss und eine kurative Behandlung besser wäre
  • ​​​​​​​Wenn eine Chemotherapie mit schweren Nebenwirkungen verbunden ist, die belastender wären als das Krebsleiden ohne Zytostatika
  • Einen stark reduzierten Allgemeinzustand eines Patienten oder massive Funktionseinschränkungen von Organen und Organsystemen

 

Wer behandelt?

 

  • Onkologen
  • Internistische und gynäkologische Onkologen
  • Kinderonkologen
  • Hämatologische Onkologen („häm“ bedeutet Blut)
  • Radioonkologen
  • Brust- und Prostataonkologen
  • Onkologische Chirurgen

Die medizinische Fachdisziplin, die auf die Behandlung von Krebs spezialisiert ist, ist die Onkologie. Auf der Basis eines hoch spezialisierten Wissens und einer umfangreichen Erfahrung sind die nach medizinischer Hilfe suchenden Tumorpatienten bei diesen Ärztegruppen bestens aufgehoben.

 

Unser Fazit zur Chemotherapie

 

Eine Chemotherapie ist eine Therapieform, die viele Gesichter hat. Dank der gegenwärtig überwiegend guten Verträglichkeit und der gegen die Nebenwirkungen eingeleiteten Behandlungen sollte jeder Patient diese Chance rechtzeitig ergreifen, um gegen seine schwerwiegende Erkrankung Krebs mit Zytostatika zu kämpfen.

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