RSV

Auch bekannt als:

rsv, RS-Virus
Bezeichnung: Respiratory Syncytial Virus
Ähnliche Tests: Flu Tests


Auf einen Blick

Warum wird ein Test auf rsv durchgeführt?

Der Test wird durchgeführt, um einerseits bei Kindern, alten Menschen oder immungeschwächten Menschen eine Infektion mit dem RS-Virus nachzuweisen und andererseits, um festzustellen, ob in der Bevölkerung die rsv-Saison schon begonnen hat oder nicht.

Bei welchen Erkrankungen soll der Test auf das RS-Virus abgefordert werden?
Wenn ein Patient in der rsv-Saison (Spätherbst bis zum frühen Frühjahr) mit laufender Nase, Husten und/oder Atemproblemen zum Arzt geht, kann dieser mit dem rsv-Test bestimmen, ob diese Symptome im Rahmen einer rsv-Infektion oder anderer Ursachen auftreten.

Aus welchem Probenmaterial ein rsv-Test durchgeführt?
Der direkte Nachweis des RS-Virus wird üblicherweise aus Nasensekret oder einer Nasen-Spülung; gelegentlich auch aus einem Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt.
Der Antikörpernachweis erfolgt aus einer Blutprobe.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Mit dem Test auf das sog. Respiratory Syncytial Virus (rsv) kann bestimmt werden, ob dieses Virus für eine bestehende Atemwegsinfektion verantwortlich ist. Das rsv tritt saisonal auf und verursacht typischerweise epidemieartige Infektionen in bestimmten Teilen der Bevölkerung, so bei Kindern (Kindergärten, Schulen), alten Menschen (Altenheime) oder auch immungeschwächten Personen (aids-Kranke, Transplantierte). Die Hauptinfektionszeit ist vom späten Herbst (November bis Dezember) bis zum frühen Frühjahr.

In den o.g. Hochrisikogruppen verursacht das Virus Lungenentzündung (Pneumonie) und Bronchiolitis (eine Entzündung der kleineren Atemwege im unteren Respirationstrakt) Betroffene Patienten leiden an Symptomen wie, hohem Fieber und schwerem Husten, mit Problemen bei der Atmung. Manche Patienten, v.a. Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren entwickeln bei verschiedenen bronchopulmonalen Infekten, v.a. bei der rsv Infektion starke Hustenanfälle, die auch als Pseudo-Krupp bezeichnet werden. Hier kommt es zu minutenlangen Hustenanfällen mit starkem Stridor (pfeiffendes Geräusch v.a. beim Ausatmen) bishin zu Sauerstoffmangel (blaue Lippen) oder sogar Bewusstlosigkeit oder Erstickungstod. Beruhigendes Zureden, kalte feuchte Luft (offenes Fenster) und eine Cortisonzäpfchen können die Anfälle unterbrechen. Jedes Jahr verursacht diese Infektion in den USA mehr als 100.000 Krankenhausaufenthalte und laut dem Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC – Center for Disease Contol) sterben dort jedes Jahr über 10.000 Menschen an den Folgen dieser Erkrankung – in den überwiegenden Fällen sind dies alte Menschen.

Der Test auf das RS-Virus weist Viren nach, welche sich im Nasen- oder Bronchialsekret einer infizierten Person befinden. Da sich nachweisbare Virus-Mengen nur in den ersten Tagen der Infektion in den Atemwegssekreten aufhalten, muss eine Testung hauptsächlich in dieser Phase der Erkrankung durchgeführt werden. Dabei gibt es mehrere Testmethoden. Die weitaus häufigste ist der sog. rsv-Antigen-Schnelltest. Dieser Test hat den Vorteil dass er vor Ort, etwa in der Arztpraxis oder der Notaufnahme, durchgeführt werden kann und das Ergebnis meist innerhalb einer Stunde vorliegt. In manchen Fällen wird eine Probe in ein Labor gesandt, um eine genauere Testmethode (molekularbiologischer Nachweis über PCR) durchzuführen. Ergebnisse aus solchen Tests sind üblicherweise innerhalb eines Tages vorhanden..Der Vorteil bei diesen Tests besteht darin, dass neben dem RS-Virus aus dem selben Material in weiteren Ansätzen auch noch andere vorhandene Atemwegsviren nachgewiesen werden können. Der Test hilft auch bei der Dokumentation, ob eine rsv-Infektion (oder auch ein anderes Virus, z.B. Influenza) eine Bevölkerungsgruppe erreicht hat und ob Ausbrüche der Erkrankung in bestimmten Personengruppen, wie Altenheime, Schulen einzelne Infektionen sind, oder ob sich eine Epidemie ausbreitet.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Das Gewinnen einer guten Probe ist bei einer rsv-Infektion heikel. Die beste und am meisten benutzte Methode ist eine Probenentnahme von Nasenaspirat oder –spülung. Dabei wird mit einer Spritze eine Kochsalz-Lösung in die Nase eingebracht und die Flüssigkeit anschließend entweder vorsichtig wieder eingesaugt (= Aspirat) oder in einen Behälter getropft (= Spülung).

Manchmal wird auch mit einem Tupfer über den Nasenrachenraum gewischt, wenngleich diese Methode wegen geringerer Virus-Mengen nicht bevorzugt zum Einsatz kommt. Hierbei muss der Patient seinen Kopf in den Nacken legen. Dann wird eine Art langes Wattestäbchen in ein Nasenloch eingeführt und solange vorgeschoben, bis ein Widerstand, nämlich die Nasenrachenhinterwand, spürbar ist (nach ca. 3-5 cm). Schließlich wird das Stäbchen einige Male gedreht und wieder herausgezogen. Dieser Vorgang ist nicht schmerzhaft, führt aber zu einem Kribbel-Gefühl und tränenden Augen und kann einen Würgereflex auslösen.


Der Test

Wann wird der Test eingesetzt?

rsv-Tests werden fast ausschließlich während der Erkältungszeit Ende November bis Anfang März angefordert, und zwar dann, wenn sich ein Patient, üblicherweise Kinder und alte Menschen, mit Symptomen einer Infektion der unteren Atemwege, wie Pfeifen beim Ausatmen, schwerer Husten, schnelles Atmen (v.a. bei Säuglingen) und Fieber, begleitet von Kopfschmerzen, einer laufenden und verstopften Nase und Halsbeschwerden beim Arzt vorstellt.

Insbesondere kommt der Test bei Kindern zwischen 6 Monaten und 2 Jahren, alten Patienten und immungeschwächten Patienten (z.B. bei schon bestehender Erkrankung der Lunge oder bei Organtransplantierten) zum Einsatz. Ältere Kinder und die restliche Bevölkerung werden nicht standardmäßig getestet, weil sich in dieser Gruppe eher milde Symptome der oberen Atemwege einstellen, wie eine laufende Nase, Niesen, Husten, Halsschmerzen und Fieber.

Der Test findet auch bei Dokumentation und Erfassung der rsv-Infektion in der Bevölkerung Anwendung. Da die meisten Fälle einer Erkrankung mit rsv von selbst ausheilen, liegt das Hauptaugenmerk von öffentlichen Gesundheitsbestrebungen in Eindämmung und Vermeidung einer Ausbreitung der Erkrankung, um Hoch-Risiko-Personen zu schützen. Die Behandlung einer rsv-Infektion ist üblicherweise unterstützend, d.h. Schmerz- und Fieberbehandlung sowie atemerleichternde Maßnahmen. Tests bei Patienten mit milden Symptomen sind nur dann notwendig, wenn einer weiteren Ausbreitung nachgegangen werden soll. Häufig werden rsv-Tests zusammen mit Influenza-Tests (bei gleichzeitig akuter Grippe-Welle) durchgeführt. Beide Tests helfen dabei, eine rsv oder Influenza-Infektion nachzuweisen und einzuschätzen, ob die Symptome des Patienten nicht durch andere Ursachen hervorgerufen werden (z.B. durch eine bakterielle Infektion).
Zusätzlich können Nachweistests für Bakterien sinnvoll sein, wenn die Ursache der Erkrankung unklar ist (etwa, um sog A-Streptokokken nachzuweisen, die eine Tonsilitis und Scharlach hervorrufen können).

Molekularbiologische Tests auf Atemwegsviren werden manchmal angefordert, um einem allgemeinen Ausbruch einer rsv-Infektion auf die Spur zu kommen und um andere Viren nachzuweisen, welche ähnliche Symptome hervorrufen wie rsv.

Was bedeutet das Testergebnis?
Falls der schnelle rsv-Antigen-Test positiv ausfällt. Ist es wahrscheinlich, dass der Patient ein Infektion mit dem RS-Virus hat. Eine positive Virus-Kultur oder ein genetischer Virus-Test bestätigen die Anwesenheit des Virus in einer Gemeinschaft. Ein positiver rsv-Test sagt jedoch nichts darüber aus, welche weiteren Symptome ein Patient entwickeln wird oder vor wie vielen Tagen die Infektion begonnen hat (üblicherweise erscheinen die ersten Symptome 4-6 Tage nach Ansteckung).

Ein negativer rsv-Schnelltest kann bedeuten, dass sich der Patient entweder mit einem anderen Erreger infiziert hat, welcher aber ähnliche Krankheitssymptome hervorruft oder die Virusmenge in der gewonnenen Probe zu gering war, um das RS-Virus nachzuweisen. Dies passiert, wenn eine Probe nicht korrekt entnommen wurde oder wenn sich das Virus zuwenig in die Atemwegssekrete ausbreitet, wodurch es nicht nachgewiesen werden kann. Erwachsene haben weniger Viren in ihrem Atemwegssekret als Kinder. Liegt die Infektion schon längere Zeit zurück, wird sich das Virus ebenfalls schlechter im Sekret nachweisen lassen als bei den Patienten, welche sich erst vor Kurzem angesteckt haben. Hier kann der rsv-Antikörpertest erfolgen, um eine Infektion nachzuweisen.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Die meisten rsv-Infektionen heilen innerhalb von 1-2 Wochen ab. Personen können sich von Jahr zu Jahr mit unterschiedlichen Virusstämmen neu infizieren, was auch i.d.R. passiert. Allerdings neigen diese Folgeinfektionen dazu, weniger schwer als die Erstinfektion abzulaufen. Da die meisten rsv-Infektionen sowieso milde verlaufen, werden die Symptome einer Re-Infektion einer gewöhnlichen Erkältung zugeschrieben. Diese Fälle einer rsv-Infektion werden normalerweise nicht durch einen Arzt diagnostiziert und werden durch den Patienten selbst mit freiverkäuflichen Medikamenten symptomatisch behandelt.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Sekretmaterial für den Virusnachweis sollte möglichst zügig bearbeitet werden, um mögliches Bakterienwachstum gering zu halten. Ein Virusnachweis über molekularbiologische Methoden ist jedoch meist auch noch nach Tagen möglich. Für den Antigen-Schnelltest sowie für den PCR Nachweis von rsv sollten die Nasen, Rachen oder anderen respiratorischen Abstriche mit geeigneten Abstrichtupfern entnommen werden und so schnell wie möglich innerhalb von einem Tag untersucht werden. Ausgetrocknete Materialien sind nicht geeignet.

Bei Raumtemperatur ist eine Blutprobe für einen Antikörpernachweis für 5 Tage stabil, während dieser Zeit können Antikörper zuverlässig bestimmt werden. Bei Lagerung bei 4°C ist die Probe für 4 Wochen stabil. Bei Lagerung bei -20°C können Virus-dna und Antikörper auch nach Jahrzehnten noch nachgewiesen werden.

Referenzbereich
Normalerweise werden keine Viren oder Antikörper nachgewiesen.
Referenzbereich: Negativ
Der Grenzwert für positive Ergebnisse kann von Labor zu Labor oder bei unterschiedlichen Methoden schwanken, da es keine Standardisierung der Referenzbereiche gibt. Die für den Befund gültigen Referenzbereiche für den Antikörpernachweis sollten daher die im Laborbefund angegeben werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Der Virusnachweis über PCR kann durch verschiedene Substanzen gehemmt werden (z.B. Heparin). Die Probe sollte nicht in irgendwelchen Konservierungsmedien oder Abnahmebestecken für die Bakteriologie gesammelt werden. Es sollten die jeweils geeigneten Entnahmetupfer verwendet werden.
Antikörper werden bevorzugt aus Serum gemessen. Die Verwendung von EDTA- bzw. Heparinplasma oder auch Citratplasma sollte nur erfolgen, wenn die entsprechenden Testsysteme dafür evaluiert wurden und dies in der Testbeschreibung angegeben ist.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Es besteht keine Ringversuchspflicht nach den RiLiBäk. Die Methode ist soweit möglich normiert und standardisiert. Jedoch können gerade bei der Bestimmung von Antikörpern auf verschiedenen Testsystemen oft erhebliche quantitative Titerunterschiede auftreten, sodass Titerverläufe nur auswertbar sind, wenn sie mit dem selben Test durchgeführt wurden. Qualitätskriterien sind definiert und werden in verschiedenen externen Ringversuchen geprüft.


Häufige Fragen

Gibt es Bluttests zum Nachweis einer rsv-Infektion?

Es gibt Bluttests, mit denen Antikörper gegen das RS-Virus nachgewiesen werden können. Antikörper sind eine Antwort des Immunsystems auf Infektionserreger. Mit diesem Test kann aber lediglich gezeigt werden, ob die betroffene Person in der Vergangenheit schon einmal mit einem rsv infiziert war. Bei eine frischen aktiven rsv-Infektion fällt dieser Test daher meist noch negativ aus. Über den Nachweis von IgA Antikörpern gegen rsv kann jedoch auf eine kürzlich erfolgte Infektion geschlossen werden, die evtl. noch vorhandene Symptome erklären könnte.

Kann man sich wie bei der Influenza gegen das RS-Virus impfen lassen?
Im Moment gibt es für das rsv keine Impfung, wenngleich Forscher einer solchen Impfung hohe Dringlichkeit zurechnen.

Kann eine rsv-Infektion mit Antibiotika behandelt werden?
Nein. Da rsv ein Virus und kein Bakterium ist, können Antibiotika bei diesem Erreger nicht helfen. Für manche Hoch-Risiko-Patienten existiert eine kurz-dauernde Medikamenten-Therapie. Diese Therapie kann eine rsv-Infektion weder verhüten noch heilen, aber sie verringert das Risiko einer Mitbeteiligung der unteren Atemwege (was zu weniger Krankenhaus-Einlieferungen bei solchen Patienten führt). Diese Immunotherapie wird oft auf Neugeborenen-Stationen bei Neugeborenen eingesetzt, um diese während der rsv-Saison besser zu schützen. Speziell Frühgeborene haben ein besonderes Risiko, sich mit rsv zu infizieren, weil sie oft keine schützenden Antikörper von ihrer Mutter bekommen.

 

 

AWMF Leitlinien Diagnostik tiefer Atemwegsinfektionen
https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/082-001.htm

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