Erysipel

Was ist ein Erysipel?

Bei einem Erysipel handelt es sich um eine Hautinfektion, die akut verläuft, aber nicht eitrig ist. Die Auslöser dieser Infektion sind Streptokokken, die über kleinste Verletzungen in die Haut eindringen. Ist dies erst einmal geschehen, können sie sich mit Verlauf der Lymphgefäße und Lymphspalten ausbreiten. Rein äußerlich ist im Fall einer Wundrose nur eine rote Hautfläche festzustellen, die in Richtung Rand unscharf wird oder auch gezackt verläuft.

Da es im deutschen Sprachraum auch üblich ist, Hautinfektionen als Erysipel zu bezeichnen, die auf infizierten Wunden oder Geschwüren basieren, ist hier eine klare Abgrenzung zur Wundrose vorzunehmen. Denn in diesem Fall sind Auslöser der Hautinfektionen keine Streptokokken, sondern Staphylokokken und andere Bakterien. Zweckmäßig ist die ohnehin häufig verwendete Bezeichnung „begrenzte Phlegmone“.

Ebenso wie beim Erysipel ist die Haut zwar gerötet, aber die von einem begrenzten Phlegmon betroffene Hautfläche weist üblicherweise eine etwas dunklere Färbung und weniger scharfe Begrenzung auf. Ein weiterer grundlegender Unterschied ist, dass Phlegmone durchaus eitern können. Die eindeutige Differenzierung dieser beiden Hautinfektionen ist deshalb so wichtig, weil die jeweilige Behandlung die Gabe andersartiger Antibiotika verlangt. Schließlich geht es im ersten Fall darum, Streptokokken zu bekämpfen und im zweiten Fall darum, Staphylokokken oder andere Bakterien unschädlich zu machen. Fakt ist: Bei vielen Menschen kommen Staphylokokken auf der Haut vor, verursachen jedoch kein Erysipel. Erst bei Vorliegen einer Verletzung der Haut haben die Erreger die Möglichkeit, eine Wundrose hervorzurufen.

Erysipel treten relativ häufig auf. Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet, ein Erysipel zu bekommen. Hierzu zählen insbesondere Personen, deren Immunsystem geschwächt ist – unter anderem alte Menschen und Diabetiker. Grundsätzlich kann diese Erkrankung jedoch in jedem Alter vorkommen. Da ein unbehandeltes Erysipel durchaus lebensgefährlich sein kann, ist eine schnelle Behandlung wichtig. Mit der jeweils optimalen Therapie heilt die Wundrose komplett aus, und die Patienten haben hernach mit keinen Beschwerden mehr durch die vorangegangene Erkrankung zu rechnen.


Typischerweise tauchen in Zusammenhang mit einem Erysipel gleich zu Anfang starke Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit auf. Viele der Patienten vermuten zunächst einmal, dass eine Erkältung beginnt. Die betroffene Hautstelle (oftmals am Unterschenkel oder im Gesicht) juckt, brennt oder spannt anfangs. Die Entzündungszeichen sind kurz darauf zu sehen: eine flächige, helle Rötung, die glänzt.

Der Rand ist erst noch scharf von der umgebenden Haut abgegrenzt. Ausläufer, die Flammen oder Zungenform haben, breiten sich häufig aus. Teilweise ist ein Anschwellen der benachbarten Lymphknoten festzustellen. Während der darauffolgenden Tage verstärken sich der rote Farbton und die Wärmeentwicklung, außerdem kann es zu einer Schwellung des Bereichs kommen. Es können sich sogar Blasen und/oder Einblutungen im entzündeten Areal bilden. Vermutlich sind hierfür die von den Streptokokken abgesonderten Giftstoffe verantwortlich. Mit längerer Dauer der Erkrankung verschwimmen die Ränder, und die Mitte wird blasser.

Sollte die Wundrose unzureichend oder aber zu spät behandelt werden, kann es zu diversen Komplikationen kommen; dies trifft nicht zuletzt auf Personen zu, deren Immunsystem geschwächt ist oder die unter zusätzlichen Erkrankungen leiden. Unter anderem können die Lymphschwellungen so stark ausfallen, dass massiv verdickte Beine (Elephantitis) das Resultat sind. Andere mögliche Komplikationen sind Venenentzündungen und Niereninfektionen. Eine Infektion der Niere (genauer gesagt eine spezielle Nierenentzündung, die Glomerulonephritis) kann stattfinden, wenn der Organismus fälschlicherweise Antikörper gegen die eigenen Strukturen entwickelt.

Sollten womöglich Bakterien bis in die Blutbahn gelangen, kann als Folge eine Sepsis (Blutvergiftung) entstehen. Diese Komplikation ist aber, ebenso wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis), äußerst selten. Zu einer Hirnhautentzündung kann es kommen, wenn es sich um ein Erysipel im Gesicht handelt und die Bakterien von der betroffenen Hautstelle bis ins Gehirn transportiert werden. Ist dies erst einmal geschehen, besteht sowohl die Gefahr eines Venenverschlusses (Hirnvenenthrombose oder Sinusvenenthrombose) als auch einer Hirnhautentzündung. Die vollständige Ausheilung der Eintrittsstelle (oftmals Fußpilz) wirkt der Entstehung weiterer Erysipel entgegen.


Jegliches Erysipel wird durch Streptokokken ausgelöst. Vorwiegend sind hier Streptokokken der Gruppe A zu nennen, teilweise handelt es sich auch um Streptokokken der Gruppe G, B oder C. Nachdem die Erreger in die obere Hautschicht eindringen konnten, bekämpft das körpereigene Abwehrsystem sie. Es dauert durchschnittlich ein bis drei Tage, bis eine Entzündung entsteht. Die Haut fungiert eigentlich als unverzichtbare Barriere gegen die unterschiedlichsten Krankheitserreger. Wenn diese Barriere jedoch nicht hundertprozentig funktioniert, können Bakterien und andere Erreger eindringen und Schaden anrichten.

Es reichen kleine offene Stellen oder minimale Hautschäden, damit Streptokokken ein Erysipel hervorrufen können. Pilzinfektionen, die die Zehenzwischenräume betreffen, sind nicht nur eine sehr häufig vorkommende Infektionskrankheit, sondern sie bieten Streptokokken auch eine gern genutzte Eintrittspforte. Desgleichen kommen weitere akute sowie chronische Erkrankungen der Haut als von den Erregern genutzte Schwachstelle in Betracht. Dies können zum Beispiel Verletzungen, Ekzeme sowie Löcher für Piercings sein. Außerdem können Streptokokken durch Kratzen der Haut in die obere Hautschicht gelangen. Relativ häufig geschieht dies, wenn die betreffende Hautstelle schlecht durchblutet beziehungsweise mangelversorgt ist. Es sind einige Faktoren zu nennen, die das Risiko stark erhöhen, eine Wundrose zu bekommen.

Vorrangig sind dies Venenkrankheiten, Durchblutungsstörungen der Arterien und chronische Störungen, die den Lymphabfluss betreffen. Ferner werden Diabetiker und Personen, die sehr alt sind, häufiger von einer Wundrose heimgesucht. Auf jeden Fall sollte jeder darauf bedacht sein, seine Haut gut zu pflegen und Wunden möglichst umgehend zu behandeln. Je intakter die Haut ist, umso unwahrscheinlicher ist es, eine Wundrose zu entwickeln. Besonders wichtig ist eine sehr gute Pflege, wenn ein Diabetes mellitus vorliegt, da die Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt ist. Möglicherweise werden kleine Wunden also gar nicht wahrgenommen. Aus diesem Grund sollten alle Körperstellen, die anfällig für Wunden sind, täglich kontrolliert werden – vor allem Hände und Füße. Übrigens ist Diabetes mellitus ohnehin ein Risikofaktor für Infektionen der Haut und des Weichgewebes.


Normalerweise ist ein Erysipel erfolgreich mit Penicillin zu behandeln. Dieses Antibiotikum kann die Erreger entweder abtöten oder zumindest deren Wachstum entscheidend bremsen. Bisher ist nicht bekannt geworden, dass Streptokokken gegen Penicillin resistent sein können. Begrenzte Phlegmone hingegen sind häufig durch Staphylokokken verursacht, gegen die Penicillin nicht erfolgreich eingesetzt werden kann. Falls eine Penicillinallergie gegeben sein sollte, muss der behandelnde Arzt ein anderes Antibiotikum wählen, das ebenfalls gegen Streptokokken wirkt.

Ist die Infektion stark ausgeprägt, das Gesicht betroffen oder liegen Durchblutungsstörungen im befallenen Bereich vor, ist die Medikamentengabe mittels Infusion angezeigt. Ziel muss es sein, dass das Gewebe eine ausreichend hohe Menge des Wirkstoffs erhält. Ist das Erysipel als leicht einzustufen, kann auch mit Tabletten behandelt werden. Sollte sich nach drei Tagen nicht zeigen, dass die Symptome deutlich abnehmen, ist die zuvor gestellte Diagnose genau zu überprüfen: Möglicherweise handelt es sich ja doch um ein begrenztes Phlegmon oder vielleicht um eine Stauungsdermatitis.

Obgleich Letztere im akuten Zustand aussehen kann wie eine Wundrose, treten weder Fieber noch Unwohlsein auf. Jede Antibiotika-Behandlung im Fall eines Erysipels dauert wenigstens acht bis zehn Tage. Der Patient sollte unbedingt vermeiden, die Stelle mit dem Erysipel zu stark zu bewegen. Deshalb wird üblicherweise empfohlen, die betroffene Gliedmaße möglichst oft hoch zu lagern. Auf strenge Bettruhe indes kann verzichtet werden. Liegt eine Gesichtsrose vor, sind die Patienten gehalten, wenig zu sprechen und zu kauen. Dementsprechend ist die Nahrung so umzustellen, dass auf Abbeißen und Kaubewegungen weitgehend verzichtet werden kann.

Ein Zuviel an Bewegungen könnte ansonsten eine Ausweitung der Infektion auf das Gehirn begünstigen. Ist die Wundrose schließlich abgeheilt, geht es darum, Rückfälle zu vermeiden. Demzufolge sind sämtliche Faktoren, die die Entstehung eines Erysipels fördern, zu beachten – vor allem Fußpilz, Krampfadern, Thrombosen und Durchblutungsstörungen. Sollte ein Lymphstau auch nach dem vollständigen Ausheilen der Wundrose fortbestehen, ist eine Lymphdrainage zu erwägen.

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