PCOS (polycystic ovarian syndrome)

Syndrom des polyzystischen Ovars (pcos)
(polycystic ovarian syndrome)

Beschreibung des Syndroms

Das Syndrom des polyzystischen Ovars oder Ovarialsyndrom (englisch: polycystic ovarian syndrome, kurz pcos) wird auch Stein-Leventhal-Syndrom genannt und ist mit 5 bis 10% betroffener Frauen im gefährfähigen Alter ein häufiges Krankheitsbild. Das pcos ist definiert als das Vorhandensein einer chronischen Anovulation (fehlender Eisprung) mit Oligo/Amenorrhoe(gestörte Menstruation) in Kombination mit einem klinischen und / oder laborchemischen Hyperandrogenismus (Überproduktion männlicher Geschlechtshormone). Dabei müssen anderere Erkrankungen der Hypophyse, der Nebenniere und des Ovars zunächst ausgeschlossen werden. Die zugrunde liegende Ursache bisher noch nicht vollkommen verstanden. Nach der Definition der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) liegt ein polycystisches Ovarsyndrom vor, wenn zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind:

  • Polyzystische Ovarien,
  • Oligo- oder Anovulation und
  • klinische oder laborchemische Zeichen eines Hyperandrogenismus, nach Ausschluss anderer endokriner Erkrankungen.

Symtome & Befunde

Das zentrale Problem beim polyzystischen Ovarsyndrom liegt darin, dass durch die Überproduktion von Androgenen (Hyperandrogenämie) der normale Eierstockszyklus und damit der Menstruationszyklus aufgehoben wird. Die monatliche Entwicklung des Eis unterbleibt, so daß kein Eisprung (Ovulation) stattfindet und die betroffenen Frauen nicht schwanger werden. Androgene werden bei der Frau normalerweise in kleinen Mengen von den Ovarien (Eierstöcken) und den Nebennieren gebildet. Schon eine leichte Überproduktion kann zu Symptomen wie Hirsutismus (einem vermehrten Haarwachstum in Abschnitten wie dem Gesicht und der Brust) und Akne führen. In extremen Fällen kann es zu einer Virilisierung kommen- der Entwicklung physisch männlicher Charakteristiken wie einer tiefen Stimmen und männlichen Behaarungsmuster und/oder Glatzenbildung. Zusätzlich leiden etwa 70% der pcos Frauen an (teils erheblichem) Übergewicht.

Die Störungen im Hormongleichgewicht betreffen beim pcos vor allem auch den Menstruationszyklus und verursachen Fertilitätsprobleme. Die meisten betroffenen Frauen haben keine regelmäßige Monatsblutung. Oft leiden sie an einer chronischenAnovulation (einem fehlenden Eisprung) und Amenorrhöe (Ausbleiben der Monatsblutung), aber auch über unregelmäßige und uterine Blutungen wird berichtet. Bei pcos neigen beide Ovarien dazu auf das bis zu Dreifache normaler Ovarien vergrößert zu sein. Bei 90% der Frauen mit pcos zeigt ein Ultraschall der Ovarien Zysten– kleine, unreife, eitragende Follikel- die auf der Oberfläche der Eierstöcke gesehen werden können. Diese Erscheinungen sind oft in einer Reihe ähnlich einer „Perlenkette“ angeordnet. Kommt es nicht zur Sprung des Eis und menstruiert die Frau nicht, wird nicht ausreichend Progesteron hergestellt. Das führt zu einem hormonellen Ungleichgewicht, bei dem das Progesteron nicht mehr entgegengewirkt wird. Dadurch kann es zu einem übermäßigen Wachstum der Auskleidung des Uterus (endometriale Hyperplasie) und einem erhöhten Risiko für Endometriumkarzinome kommen. Frauen mit pcos, die einen Eisprung haben und schwanger werden, tragen ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.

Aufgrund der unterschiedlichen Ausprägung der übermäßigen Produktion von Androgenen (männlichen Hormonen- normalerweise Testosteron), der Anovulation (Ausbleiben eines Eisprungs), Amenorrhoe (Ausbleiben der Monatsblutung) und einer Insulinresistenz unterschiedlichen Ausmaßes charakterisiert ist das pcos ein sehr heterogenes Syndrom. Die Patientinnen klagen über ein weites Spektrum verschiedener Symptome in unterschiedlicher Ausprägungsstärke. Die betroffenen Frauen sind häufig regelmäßig aufgrund von Menstruationsunregelmäßigkeiten, Unfruchtbarkeit und/ oder Symptomen, die vom Androgenüberschuß (Überschuß männlicher Geschlechtshormone) herrühren in ärztlicher Behandlung. Dazu zählen:

  • Abnormale Monatsblutungen
  • Unerfüllter Kinderwunsch/ Infertilität
  • Acanthosis nigricans, eine Hautveränderung, die mit einer Dunkelfärbung und Verdickung der Haut an Hals, Unterarmen und den Hautfalten (manchmal auch durch die Hyperinsulinämie) einhergeht
  • Akne
  • Amenorrhöe
  • Verringerte Brustgröße
  • Tiefere Stimme (selten)
  • Vergrößerte Ovarien
  • Hirsutismus mit männlichem Haarwuchsmustern, wie im Gesicht, an Kinn, Oberlippe, der Mittellinie im Bereich des Unterbauchs, Brust, Achseln, unterem Rücken, Oberschenkelinnenseite und Po;
  • Fettleibigkeit, besonders am Oberkörper
  • Hautanhängseln in der Ellenbeuge oder am Genick
  • Fettsoffwechselstörungen/ Metabolisches Syndrom
  • Insulinresistenz / Typ 2 Diabetes
  • Ausdünnung der Haare mit Zeichen männlicher Glatzenbildung

Tests

Obwohl die Ursache des pcos bisher nicht vollständig erforscht ist, ist nach Meinung einiger Experten die Insulinresistenz der Schlüsselfaktor. Insulin ist zwingend für die Transport und die Speicherung der Glukose auf zellulärer Ebene erforderlich; es hilft bei der Regulation des Blutglukosespiegels und spielt eine Rolle im Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel. Besteht eine Resistenz gegen Insulin auf zellulärer Ebene, so versucht der Körper diesen Zustand durch eine vermehrte Bildung zu kompensieren. Dies führt zu einer Hyperinsulinämie, einem erhöhten Insulinspiegel im Blut. Manche glauben, dass die Hyperinsulinämie zumindest eine der Ursachen für die erhöhte Androgenproduktion der Ovarien darstellt.

Die meisten der Patientinnen mit pcos zeigen variierende Grade der Insulinresistenz, Fettleibigkeit und Lipiddysfunktion. Die Insulinresistenz scheint bei den Frauen, die übergewichtig sind und nicht ovulieren, ausgeprägter zu sein. Diese Umstände führen bei pcos-Patientinnen zu einem erhöhten Risiko, Diabetes Typ II oder kardiovaskuläre Erkrankungen zu entwickeln.

Untersuchungen

Das pcos ist eine AusschlußDiagnose. Es gibt für die Diagnose des pcos keinen spezifischen Test und aufgrund der sehr unterschiedlichen Symptomatik bei den betroffenen Frauen keine eindeutige Definition, welche diagnostischen Kriterien in jedem fall erfüllt sein sollten. Zunächst müssen andere Ursachen der Anovulation und der Infertilität ausgeschlossen werdem. Normalerweise gehört dazu die Untersuchung einer Reihe von Hormonen, um zu bestimmen, ob sich die Hormonüberproduktion auf pcos, einen Tumor der Nebenniere oder des Ovars oder ein übermäßiges Wachstum der Nebenniere (Nebennierenhyperplasie) gründet. Mit Hilfe von Ultraschall wird häufig nach Ovarialzysten gesucht und überprüft, ob die Binnenstruktur des Ovars normal erscheint.

Dabei wird typischerweise eine Kombination von Laborwerten und klinischen Befunden untersucht, die auf ein pcos hinweisen. Wird die Diagnose pcos gestellt, können weitere Tests wie z.B. Lipidprofile und Blutzuckerspiegel zur Abschätzung des jeweiligen Risikos, zukünftiger Komplikationen wie Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungenveranlasst werden. Am besten ist die frühe Follikelphase (Tag 3.-5.) zur Untersuchung der hormonellen Parameter geeignet. Die basale Diagnostik umfasst in der Regel die Bestimmung des lh, fsh, Östradiol, Testosteron, Androstendion, dheas, 17-OH-Progesteron und SHBG im Serum.

Ultraschall: transvaginal und/oder Becken/Abdomen werden zur Beurteilung der Größe der Ovarien eingesetzt. Bei pcos können die Ovarien auf das 1,5 bis 3-fache des Normalen vergrößert sein und zeigen charakteristischerweise mehr als 8 Follikel pro Ovar, wobei jeder Follikel weniger als 10mm Durchmesser besitzt. Oft sind die Zysten auf der Oberfläche der Ovarien aufgereiht und bilden eine Anordnung ähnlich einer „Perlenkette“. Diese Ultraschallbefunde sind nicht diagnostisch. Sie treten bei mehr als 90% der Frauen mit pcos auf, werden aber auch bei bis zu 25% der Frauen ohne pcos gefunden.

Laparoskopie: Sie kann zur Beurteilung der Ovarien, der endometrialen Auskleidung des Uterus und manchmal auch als Teil operativerEingriffe herangezogen werden.

Labortests

  • lh (Luteinisierendes Hormon), ist typischerweise erhöht
  • fsh (Follikel stimulierendes Hormon), kann beim pcos normal oder niedrig sein
  • lh/ fsh-Quotient Ist typischerweise über 2:1 oder 3:1. Dieses Verhältnis beträgt bei prämenopausalen Frauen normalerweise 1:1.
  • Die Androgene sind mäßig erhöht
    • Testosteron, gesamt und/oder freies
    • dheas (kann zum Ausschluß eines virilisierenden Nebennierentumors bei Frauen mit rasch fortschreitendem Hirsutismus dienen), bei pcos gewöhnlich leicht erhöht
    • Androstendion ist erhöht
    • 17-Ketosteroide (Urinmetabolite der Androgene, finden Anwendung zur Beurteilung der Nebennierenfunktion)
    • Als Parameter sollte das freie Testosteron verwendet werden
    • Achtung! Bei sehr hohen Androgen-Werten muß ein androgenbildender Ovar- oder Nebennierentumor ausgeschlossen werden
  • Östrogene, können normal oder erhöht sein
  • Progesteron ist erniedrigt
  • Sexualhormon-Bindungsglobulin, kann erniedrigt sein
  • Prolaktin ist normal oder niedrig
  • hCG (Humanes Choriongonadotropin), zur Suche nach einer möglichen Schwangerschaft, sollte bei pcos negativ sein
  • Stoffwechselscreening
  • Lipidprofil (niedriges hdl, hohes ldl, und Cholesterin, erhöhte Triglyzeride)
  • Glukose, Nüchtern-Glukose oder Glukosetoleranz, können erhöht sein
  • Insulin, oft erhöht
  • tsh (Thyroidea stimulierendes Hormon), einige der pcos-Patienten sind auch hypothyroid

 

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